Utopia 1x02

Utopia 1x02

Im zweiten Teil der Reise durch das düstere Regenbogenland namens Utopia hinterlässt der allgegenwärtige Tod weiterhin seine blutigen Spuren. Während einige Hintergründe erhellt werden, geht die Suche nach dem Manuskript von The Utopia Experiment ungebrochen weiter.

In jeglichen Guerrillatechniken bewandert: Jessica Hyde (Fiona O'Shaughnessy) übernimmt schnell die Führung der Gruppe. / (c) Channel 4
In jeglichen Guerrillatechniken bewandert: Jessica Hyde (Fiona O'Shaughnessy) übernimmt schnell die Führung der Gruppe. / (c) Channel 4

Die am Ende der letzten Episode aufgetauchte Jessica Hyde (Fiona O'Shaughnessy) ist keine Freundin großer Reden. Sie begrüßt die skeptische Gruppe um Becky (Alexandra Roach), Ian (Nathan Stewart-Jarrett) und den gepeinigten Wilson (Adeel Akhtar) kurzerhand mit den Worten: „My name is Jessica Hyde. Come with me or you'll all die.

You look shit - but in a good way

Schnell wird klar, dass sich Jessica seit langen Jahren im Untergrund bewegt. Sie ist bewandert in der Kampfkunst, in diversen Techniken des Abtauchens, in der Installation von Frühwarnsystemen. Ihre Kenntnisse will sie nun schnellstmöglich der Gruppe beibringen, um diese an ihr neues Leben zu gewöhnen. Dieses steht fortan unter dem allgegenwärtigen Motto: „Adjust or die.“ Die zweite Episode der ersten Staffel von Utopia versetzt die willkürlich zusammengewürfelte Gruppe also wieder zurück in eine Art Naturzustand. Nach dem Darwin'schen Mantra vom „Survival of the Fittest“ überlebt nur derjenige, der sich schnellstmöglich an seine neuen Lebensumstände anpasst.

Während sie die Gruppe darauf einschwört, dass nichts jemals wieder so sein wird, wie es einmal war, beeinflusst sie gleichzeitig deren Dynamik. Schnell beschuldigt Becky Jessica, einen Keil zwischen sie und Ian treiben zu wollen. Deren einfache Antwort lautet, Becky sei schlicht zu schwach, um die beiden auf ihrer Mission zu begleiten. Sie solle sich um den verletzten Wilson kümmern, damit dieser schnellstmöglich zu Kräften komme.

Um die Gruppe nicht im Dunkeln über ihre Verfolger zu lassen, erhellt Jessica sie mit deren Vorgeschichte. Und die hat es in sich. In den 1970er Jahren, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, hätten die Sowjets ein Programm zur biologischen Kriegsführung aufgesetzt. Dabei sei mit Anthrax, Ebola- und Variolaviren experimentiert worden, um diese waffenfähig zu machen. Sobald die Amerikaner davon Wind bekommen hatten, installierten sie als Gegenmaßnahme eine Organisation namens „The Network“. Diese habe weltweit operiert, keinen festen Sitz und ihre Mitglieder falsche Identitäten gehabt. Außerdem habe es für sie keinerlei staatliches oder ziviles Kontrollinstrument gegeben.

So seien irgendwann die Black Ops-Einsätze des Networks völlig aus dem Ruder gelaufen. Nach Ende des Kalten Krieges sei es dann zu einer Auseinandersetzung der zwei Gründer Philip Carville und dem lediglich unter seinem Decknamen firmierenden Mr. Rabbit über die Weiterführung der Organisation gekommen. Carville wollte das Projekt beenden und aussteigen. Mr. Rabbit war anderer Auffassung. Also ließ er Carville kurzerhand foltern und seine Tochter verschleppen. Daraufhin erlitt dieser einen psychischen Zusammenbruch und war fortan für das Network nicht mehr einsatzfähig. Ihm gelang jedoch die Flucht, er bekam einen neuen Namen und wurde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Sein neuer Name: Mark Dane. Er war der Autor von The Utopia Experiment.

Mr. Rabbit going wild

Auf die Nachfragen der Gruppe, woher ausgerechnet sie über diese Informationen verfüge, lässt Jessica die nächste Bombe platzen: Sie sei Carvilles (aka Danes) Tochter. Ihr sei ebenso die Flucht vor dem Network gelungen. Nun sei es ihre Mission, das Manuskript zum unveröffentlichten zweiten Teil von Utopia zu finden, um in Erfahrung zu bringen, was das Network noch alles in seinem Giftschrank hat.

Während also Becky sich um Wilson kümmert und ihren temporären Unterschlupf bewacht, machen sich Ian und Jessica auf den Weg zu einer frischen Spur, dicht gefolgt vom Networkkiller Arby (Neil Maskell). Dabei treffen sie auf eine CIA-Agentin (Diana Hardcastle), die sie zum nächsten mysteriösen Charakter führt: The Tramp (Alan Williams). Beide werden im Verlauf der Episode ihr Leben lassen müssen. Zuvor jedoch presst Jessica die wichtigsten Informationen aus Danny, dem Landstreicher.

Vor seinem Tod habe Carville an einem Projekt namens „Janus“ gearbeitet. Das Network sei im Besitz seiner Nachforschungen und befinde sich bereits in der Testphase. Dabei handle es sich um einen neuartigen Virus, der das menschliche Genom angreifen könne. Ein erfolgreicher Projekttest sei gleichbedeutend mit dem Ende der Menschheit. Bevor sich Jessica endgültig seines Schicksals annimmt, rückt er noch einen Namen heraus: Milna.

Derweil ist auch Michael Dugdale (Paul Higgins) vom allgegenwärtigen Tod umzingelt. Er will nicht auf sich sitzen lassen, dass er den Impfstoff gegen die russische Grippe in Umlauf gebracht hat. An wen er sich jedoch auch wendet, alle scheinen sich gegen ihn verschworen zu haben, seien es nun sein neuer Chef Geoff (Alistair Petrie) oder die Bosse des Pharmaunternehmens Corvadt. Der Journalist William Kaye (Lloyd Hutchinson), der ihn vor einer imminenten Gefahr für sein Leben warnen will, wird kurzerhand ermordet. Als Verdächtige präsentiert die Polizei die von Dugdale geschwängerte russische Prostituierte Anya Lukchenko (Anna Madeley).

Nicht nur Dugdale, auch den Nachwuchsguerilleros dreht sich der Magen um bei all diesen neuen, Furcht einflößenden Entdeckungen. Viel Zeit zur Akklimatisierung bleibt ihnen jedenfalls nicht. In dem Abwärtsstrudel, der sich Utopia nennt, kann nur eines gelten: Friss oder stirb.

Fazit

Die zweite Episode von Utopia hinkt der ersten in Sachen Spannung, Handlungsfortschritt und schwarzem Humor in keinster Weise hinterher. Im Gegenteil: Jessica klärt die unwissenden Gruppenmitglieder über die Hintergründe des durchlebten Wahnsinns auf. Dabei haben die Autoren eine wirklich spannende, halbwegs plausible und wieder einmal schön abgedrehte (Mr. Rabbit!) Geschichte konstruiert.

Bei aller scheinbaren Ausweglosigkeit und all den düsteren Mordorgien gibt es jedoch auch einen kleinen Lichtblick zu vermelden. Die zart aufkeimende Liebesgeschichte zwischen dem flüchtigen Grant (momentaner Besitzer eines Manuskripts: Oliver Woollford) und der Musterschülerin Alice (Emilia Jones) gewährt dem Zuschauer eine wohlverdiente Verschnaufpause.

Die technische Umsetzung der zweiten Episode unter der Regie von Marc Munden ist wieder einmal ausgezeichnet gelungen. Die schon in der ersten Episode positiv aufgefallenen Elemente - Sounddesign, Farbgebung, Drehortauswahl - konnten bestätigt werden. Eine Szene sollte an dieser Stelle jedoch gesondert gewürdigt werden. Als die zierliche Jessica Hyde den bulligen „Tramp“ ohne mit der Wimper zu zucken erdrosselt, kommt es zum bisherigen inszenatorischen Höhepunkt der Serie. Kameraeinstellung, schauspielerischer Ausdruck, Bewegungsablauf: Hier verschmelzen mehrere individuelle Glanzleistungen in ein äußerst ansehnliches Endprodukt.

Wie man unschwer aus der Besprechung herauslesen kann, lässt sich die Begeisterung über die Serienperle Utopia beim Rezensenten schwer unterdrücken. Bei den restlichen Zuschauern dürfte die Spannung auf neue Entwicklungen in dieser postindustriellen Zukunftsvision ähnlich unerträglich ausfallen.

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 30. Januar 2013
Episode
Staffel 1, Episode 2
(Utopia 1x02)
Deutscher Titel der Episode
Folge 2
Titel der Episode im Original
Episode 2
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Dienstag, 22. Januar 2013 (Channel 4)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 26. März 2014
Regisseur
Marc Munden

Schauspieler in der Episode Utopia 1x02

Darsteller
Rolle
Adeel Akhtar
Neil Maskell
Fiona O'Shaughnessy
Alexandra Roach
Oliver Woollford
Paul Ready
Lee

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