Under the Dome 3x01

Willkommen zurück zu unserem kleinen Kreis aus Under the Dome-Schauern, einer illustren Gemeinschaft aus leidenschaftlichen Fans, Es-läuft-ja-sonst-nix-Sommerreinzappern und ebenso leidenschaftlichen Hasszuschauern. Auch in der dritten Staffel dieser einzigartigen Serie werden wir offenbar wieder Zeuge, wie ein Haufen talentierter Schauspieler mit zahlreichen Laiendarstellern zusammengewürfelt wird, sich alle gegenseitig unsinnige Textzeilen um die Ohren hauen und sich dabei alle Mühe geben, so zu tun, als gäbe es ein Rätsel.
Richtig geraten, hier spricht die Mitstreiterin all derer, die es lieben, diese Serie zu hassen. Über die letzten Staffeln haben wir uns kennengelernt, auch wenn wir nicht alle einer Meinung waren, war es immer unterhaltsam mit uns. Jetzt gehen wir in die dritte Boxrunde, willkommen zurück.
Lieben, es zu hassen
Die Aussicht auf eine Rückkehr nach Chester's Mill kann einen schweißgebadet aufwachen lassen, die Angst der Bewohner vor der Kuppel ist auch von außen nachvollziehbar. Doch es sind weniger die Sandstürme und die Lebensmittelknappheit, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Es ist die Erinnerung an die lähmende Fremdscham, der Ärger über verschenktes Talent, Sendezeit und Mühe, die Wut auf die Bequemlichkeit der Autoren. Aber auch die eigenen Fehler leuchten unter dem Brennglas besonders hell. Wer mag sich schon dabei ertappen, intuitiv nur noch die Logiklöcher zu zählen und sich diebisch über jedes neue zu freuen wie eine missgünstige Großtante, die die Zurücksetzung durch den Vater auch im Rentenalter nicht überwunden hat.
Aber jetzt ist es halt wieder so weit, um die Taufe des Cousins kommt man ja auch nicht herum, selbst wenn es sich unmenschlich anfühlt, am Sonntag um acht Uhr gebügelt und geschniegelt irgendwo aufschlagen zu müssen. Das Serienleben kann halt nicht immer nur Game of Thrones und The Americans sein.
Die Autoren haben im Staffelauftakt Move On die vielleicht beste Entscheidung der bisherigen Serie getroffen: Sie lassen die Kuppel verschwinden. Aber wieso machen sie mit dieser vielversprechenden Strategie nicht weiter? Statt uns auch von Barbie (Mike Vogel), Big Jim (Dean Norris) und den anderen zu erlösen, verdoppeln sie die Welten in der Serie sogar und wir müssen gleich zwei mehr oder weniger löchrige Storys parallel ertragen.
Sie haben versprochen, dass sie die Geheimnisse um die Kuppel lösen werden und dabei machen die Autoren es sich gewohnt einfach - sie lassen sie einfach verschwinden. In den ersten fünf Minuten müssen wir also erkennen, dass viele der Leiden umsonst gewesen sind. Im letzten Staffelfinale haben die Under the Dome-Macher sich in eine unlösbare Ecke geschrieben und daraus entkommen sie jetzt mit einem wenig galanten, aber immerhin effektiven Trick: Sie erschaffen eine Parallelwelt und erklären so, wie Julia und Junior gleichzeitig tot und lebendig sein können.
Die Kuppel löst sich auf und Barbie rennt als Erstes zurück in die Stadt, um Julia (Rachelle LeFevre) zu finden. Sie ist tot, Junior (Alexander Koch) ist tot und auch in Big Jim scheint nicht mehr so richtig viel Leben zu stecken. Doch, statt mit den Verlusten umzugehen und einmal den Tatsachen ins Auge zu blicken, die sie selbst als Cliffhanger aufgebaut haben, flüchten sich die Macher erst einmal in eine Parallelwelt, die kaum zu einem bequemeren Zeitpunkt kommen könnte. Wenn man schon Lost und „Matrix“ kopieren will, dann sollte man es nicht ganz so wie eine Verlegenheitsidee wirken lassen.
Als neuster Geniestreich wird durch einen „Spezialeffekt“ beim fade-in auch den Zuschauern auf den billigsten Plätzen wenig subtil optisch verdeutlicht, dass hier was passiert. Aber was nur?
Rätsel gibt es in Chester's Mill auf verschiedenen Ebenen. Die wirklich interessanten, die Geheimnisse um die Kuppel, werden nie aufgelöst. Damit das nicht weiter auffällt, verwirren die Serienmacher uns mit doppelten Universen und so manch anderer Effekthascherei. Jeder Zuschauer, der so nur so lange dran bleiben will, bis er verstanden hat, was hier eigentlich auf einer oberflächlichen Ebene vor sich geht, ist verdammt.
Zwei Welten
In der Realität, die in der Episode Move On deutlich mehr Sendezeit bekommt, versuchen die Überlebenden, ein Jahr nach dem Kuppeldesaster mit den Ereignissen klarzukommen. Chester's Mill ist zu einem idyllischen Ort geworden, sonnig und belebt. Nur die große Tafel mit Verstorbenen erinnert äußerlich noch an die Wunden der Vergangenheit. Doch in den Überlebenden brodelt es. Irgendwas ist nicht so richtig in dieser Welt, Barbie sieht Melanie (Grace Victoria Cox) mysteriös durch die Gegend flanieren.
Barbie muss sich von jemandem, an den man sich kaum erinnern kann, Vorwürfe machen lassen, weil er sich einfach abgesetzt hat. Sie wollen also eine unheilige Allianz schaffen, die als einzige sieht, was hier vor sich geht.
Immerhin eins ist lobenswert: Sam (Eddie Cahill) kommt in den Knast, weil er einen Mord begangen hat. Endlich nimmt mal jemand ernst, dass das passiert ist.
Norrie (MacKenzie Lintz) hat sich aus einem charmant sarkastischen Teenager in eine Verbindungsschwester verwandelt - schade, wirklich schade. Damit haben die Autoren sich den letzten Pluspunkt der Serie selbst verbaut.
Aber sie hoffen wohl, dass große Namen es wieder richten können. Marg Helgenberger hat sich in unserer Abwesenheit in Chester's Mill niedergelassen, doch ähnlich wie im Fall von Dean Norris möchte man schnell in die Kulisse laufen und ihr entgegenschreien: „Du findest doch ganz sicher was Besseres!“ Ihre Figur Christine Price steht für vieles, was hier schon länger falsch läuft: Sie hat ein Geheimnis, das ist klar. Doch, statt das in die Story einzubinden, lassen sie sie einfach überall auftauchen, bei Barbie, bei Sam, auf der Bühne der Trauerfeier.
Julia und Junior haben in der anderen Welt ein Aufeinandertreffen mit Big Jim, der nun vollends den Verstand verloren hat. Dann kämpfen sie sich durch die Tunnel unter der Stadt, laufen in einen Schwarm Schmetterlinge, weil, Moment, da war doch was mit diesen Tierchen in einer anderen Staffel. Ob es einen tieferen Sinn hinter der Anwesenheit der Schmetterlinge an dieser Stelle gibt? Jede Idee in dieser Richtung ist in den Kommentaren mehr als willkommen, doch die Aussicht auf eine tiefere Bedeutung ist gering.
Unterdessen trinkt Big Jim in seiner neuen Rolle als Psychopath angemessen Alkohol aus der Flasche und schießt in seinem Haus herum.
Fazit
Es soll wohl lustig - oder Meta? - sein, wenn er auf den Fernseher schießt und sagt, dass da ja im Moment eh nichts Vernünftiges läuft. Es wird immer deutlicher, dass Under the Dome keine ernst zu nehmende Serie ist, sondern ein Tummelplatz für Darsteller und Autoren, auf dem sie sich ausleben können, ohne sich wirklich anzustrengen. Keine Charaktertiefe, keine Logik kommt in den Weg. Selbst die geschminkten Verletzungen wirken, als wenn man sie in jedem Laientheater besser hinbekommen hätte.
Hoffentlich können die Under the Dome-Macher sich in dieser Staffel endlich entscheiden, ob sie absichtlich unterhaltsam-dümmlicher Trash sein wollen oder ob wir es ernst nehmen sollen, wenn die Bewohner um die Toten trauern und mit ihren Traumata kämpfen. Die Idee der parallelen Welten wirkt ja schon mal wie ein großer Witz.
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 26. Juni 2015Under the Dome 3x01 Trailer
(Under the Dome 3x01)
Schauspieler in der Episode Under the Dome 3x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?