UnREAL 2x02

UnREAL 2x02

Auch in der zweiten Episode der zweiten Staffel verschwendet UnREAL keine Zeit, um seine vielen kleinen Geschichten zu erzählen. Das geschieht bisweilen so schnell, dass man als Zuschauer leicht die Übersicht verlieren kann. Es könnte genau das sein, was die Serie bewirken will.

Bachelor Darius (B. J. Britt) und Chantal (Meagan Tandy) verstehen sich blendend. / (c) Lifetime
Bachelor Darius (B. J. Britt) und Chantal (Meagan Tandy) verstehen sich blendend. / (c) Lifetime

Die zweite Staffel einer Dramaserie ist oftmals diejenige, in der die Kreativen glauben, sie müssten die Einsätze weiter erhöhen. Nachdem es in der ersten Staffel von UnREAL bereits zu einem Selbstmord gekommen war, wird es spannend sein, zu sehen, was sich Serienschöpferin Sarah Gertrude Shapiro als Eskalationsmaßnahme ausgedacht hat. Eines ist nach den ersten beiden Episoden nämlich klar - barmherziger wird es fortan nicht zugehen. Eher noch lauter, schriller und ja, auch verachtungswürdiger.

Go big or go home

Es ist viel los in der Episode Insurgent - so viel, dass es nicht einfach ist, die Übersicht über sämtliche Allianzen und Feindschaften zu behalten, welche schneller aufgebaut und abgebrochen werden, als Quinn (Constance Zimmer) dem bemitleidenswerten „Everlasting“-Moderator Graham (Brennan Elliott) vorschreiben kann, den Mund zu halten. Der atemlos vorgetragene Plot lässt die Episode überfüllt erscheinen, was nicht nur an ihrer kurzen Laufzeit liegt, sondern auch am Schnitt, der pausenlos zwischen den verschiedenen Handlungsbögen hin- und herspringt.

Sie alle verbindet die wahnwitzig abscheuliche Umgangsweise, die die meisten Protagonisten untereinander pflegen. Quinn und ihr eigentlich als Nachfolgerin ausgesuchter Protegé Rachel (Shiri Appleby) mögen sich am Ende der ersten Staffel gesagt haben, dass sie sich lieben. Von dieser angeblichen Liebe ist nun aber längst nichts mehr zu spüren. Nachdem sich Quinn in einen nervenaufreibenden Machtkampf mit ihrem Exmann Chet (Craig Bierko) begeben hat, ist Rachel nichts weiter als der Lakai, der ihr widerstandslos zu dienen hat.

Rachel jedoch hat eigene Ambitionen. Ihr wurde der Showrunnerposten versprochen, den sie nun nicht mehr kampflos zurückgeben will. Noch in der letzten Episode hatte Quinn gesagt, dass Rachel jetzt Quinn sei und Quinn sei Chet. Diese Evolution ist nun schon wieder auf den Kopf gestellt, wobei offenbar wird, dass Rachel zwar eine meisterhafte Manipulatorin, aber längst noch nicht auf dem Niveau ihrer Vorgesetzten angelangt ist. Die hat ihr in Sachen Rücksichtslosigkeit immer noch einiges voraus, was vor allem auch daran liegt, dass sie beide aus einer unterschiedlichen Motivation heraus agieren.

Chet (Craig Bierko; l.) und Jeremy (Josh Kelly) interviewen Yael (Monica Barbaro). © Lifetime
Chet (Craig Bierko; l.) und Jeremy (Josh Kelly) interviewen Yael (Monica Barbaro). © Lifetime

Während Rachel wirklich an das zu glauben scheint, was sie den Teilnehmerinnen und manchem Kollegen vorgibt - nämlich: revolutionäres Fernsehen zu machen -, hat Quinn keine Probleme damit, all ihre Anstrengungen als Eigennutz einzustufen. Mehr Macht, mehr Geld, mehr Ansehen - oder anders formuliert: „Money. Dick. Power.“ Schneller dürften sich zwei Figuren nie darüber geärgert haben, sich passende Tattoos gestochen haben zu lassen. Neben ihrer Kaltblütigkeit hat Quinn einen weiteren Vorteil gegenüber Rachel: Sie kennt ihre komplizierte Geschichte psychischer Instabilität.

Racism is so confusing

Und das nutzt sie gnadenlos aus. Sie deutet an, mit Rachels Mutter über ihre Probleme gesprochen zu haben, gibt aber keine definitive Antwort, ob dies nun wirklich stattgefunden hat. Besonders wichtig ist diese Frage für sie auch nicht. Viel eher soll die Quintessenz bei Rachel dadurch noch größeren Eindruck hinterlassen: „You're great, until you're not.“ Brutaler kann man psychischen Druck kaum ausüben. Im Angesicht dieser beiläufig vorgetragenen menschlichen Kälte ist es wahrlich schwierig, irgendeine Eigenschaft an Quinn zu finden, die helfen könnte, solches Verhalten zu verzeihen.

Doppelt bitter ist diese Auseinandersetzung im Angesicht der Tatsache, dass Quinn und Rachel im Kampf gegen den zurückgekehrten und mittlerweile noch unausstehlicher gewordenen Chet mit vereinten Kräften vorgehen sollten. Momentan ähnelt das Schlachtfeld aber eher dem Hobbes'schen Naturzustand eines „Krieges aller gegen alle“. Da ist es kein Wunder, dass auch die umstehenden Figuren verbale Granatsplitter abbekommen. Jay (Jeffrey Bowyer-Chapman), Jeremy (Josh Kelly) und Madison (Genevieve Buechner) sind derzeit aber noch weiter vom Eingangstor zur Hölle entfernt als die im Ring befindlichen Kirmesboxer.

Rachel versucht, sich nicht etwa auf klassischem Wege aus ihrem Dilemma zu befreien, indem sie zum Beispiel die gut gemeinten Hinweise von Dr. Wagerstein (Amy Hill) oder ihrer Mutter annimmt, sondern sie bedient sich am Quinn'schen Werkzeugkasten. Allerdings scheitert sie mit dem Versuch, ihre ehemalige Mentorin zu hintergehen und sich via Networkpräsident Gary (Christopher Cousins) die Produktionsleitung zurückzuholen, was von Jay vorausgesehen wurde: „You can stop trying to out-Quinn Quinn.“ Stattdessen muss sie sich mit dem jungen Coleman (Michael Rady) arrangieren.

Rachel (Shiri Appleby) wendet sich heimlich an Networkpräsident Gary (Christopher Cousins). © Lifetime
Rachel (Shiri Appleby) wendet sich heimlich an Networkpräsident Gary (Christopher Cousins). © Lifetime

Die Dynamik zwischen Quinn, Rachel und Chet ist von einer solch morbiden Faszination, dass es mühelos möglich ist, zwei Reviewseiten alleine darauf zu verwenden, ohne auf die vielen weiteren interessanten Aspekte der Serie einzugehen. Dabei ist Insurgent eine Episode, die ungewöhnlich viel Zeit mit Bachelor Darius (B. J. Britt) und seinen Bewerberinnen verbringt und dabei einen ganz eigenen Haufen spannender Konflikte hervorbringt. Dabei darf Rachel einmal mehr beweisen, was sie am besten kann.

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Wenn es schon nicht dazu reicht, Quinn auszuspielen, dann will sie wenigstens die besten Geschichten erzählen. Als Erstes kommt Beth Ann (Lindsay Musil) in den zweifelhaften Genuss, von Rachel manipuliert zu werden. Mit spektakulär hanebüchenen Argumenten über das Recht auf Meinungsfreiheit und die Einhegung der PC Police bringt sie die stolze Südstaatlerin tatsächlich dazu, dem schwarzen Bachelor im Bikini mit aufgedruckter Konföderiertenfahne entgegenzutreten. Ihre Rechtfertigung gegenüber Jay hallt da nur noch zynisch nach: „I'm the one doing it for the right reasons.

UnREAL gelingt es trotz der Unübersichtlichkeit in dieser Episode besonders gut, jeden Konflikt mit unterschiedlichen Ebenen auszustatten. Beth Ann ist zwar überzeugte Südstaatlerin, schwärmt aber auch für Darius' Footballkünste. Die Black-Lives-Matter-Aktivistin Ruby (Denée Benton) verrät ihre eigenen Überzeugungen nicht, schafft es aber trotzdem in die nächste Runde. Und Tiffany (Kim Matula), Tochter des Besitzers eines Footballteams, stellt überrascht fest, dass ihr Vater mit ihrem Casting nichts zu tun hatte.

Aus diesem heillosen Durcheinander geht am Ende niemand als Sieger hervor. Rachel hat zwar Erfolge auf ihrem Kerngebiet, scheitert aber mit dem großen Betrugsversuch. Quinn findet ihre Show, nur, um sie kurze Zeit später wieder entrissen zu bekommen. Und Chet muss sich fortan mit einem viel jüngeren Showrunner engagieren, mit dem er zumindest sein vulgäres „Everblasting“ produzieren darf. Schon früh in der zweiten Staffel sind tiefe Schützengräben zwischen mehreren Parteien ausgehoben. Es dürfte bald noch lauter knallen.

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 14. Juni 2016
Episode
Staffel 2, Episode 2
(UnREAL 2x02)
Deutscher Titel der Episode
Rebell
Titel der Episode im Original
Insurgent
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 13. Juni 2016 (Lifetime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 17. Juni 2016
Autor
Stacy Rukeyser
Regisseur
Peter O'Fallon

Schauspieler in der Episode UnREAL 2x02

Darsteller
Rolle
Jeffrey Bowyer-Chapman
Jay
Josh Kelly
Michael Rady
Meagan Tandy
Christopher Cousins

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