Twin Peaks 3x05

Twin Peaks 3x05

Waren für Euren Geschmack bisher zu wenig Charaktere in Twin Peaks? Keine Sorge, die fünfte Episode der Showtime-Serie führt noch einen Haufen Figuren ein. Unter anderem weiteren Nachwuchs altbekannter Charaktere.

Shelly (Mädchen Amick) und Norma (Peggy Lipton) im RR Diner / (c) Showtime
Shelly (Mädchen Amick) und Norma (Peggy Lipton) im RR Diner / (c) Showtime
© helly (Mädchen Amick) und Norma (Peggy Lipton) im RR Diner / (c) Showtime

Die erste Episode des Twin Peaks-Revivals, die ohne den surrealen Overkill der Black Lodge auskommt, besticht durch David Lynchs bizarre Szenengestaltung und fügt dem bereits üppigen Ensemble weitere Charaktere hinzu. Schauen wir aber zunächst, was unser noch immer wortkarger Protagonist anstellt.

Cooper (Kyle MacLachlan), der den Platz von Dougie Jones eingenommen hat, wird trotz des Casino-Gewinns von 425.000 Dollar von seiner Frau Janey-E (Naomi Watts) zur Arbeit in der Versicherungsagentur geschickt, wo er durch sein einsilbiges Verhalten unangenehm auffällt und darüber hinaus die Fähigkeit Lügen aufzudecken zur Schau stellt. Ein Fragment Coopers intuitiver Agenten-Skills oder Unterstützung aus der Lodge? Gerade die Kaffee-Szenen sind wieder enorm witzig („Damn good joe!“), aber wie schon beim letzten Mal erwähnt, darf der alte Cooper gern früher als später zur Ablösung kommen.

You're still with me

Ergiebiger sind da die wundervollen Szenen mit dem in Haft sitzenden Schatten-Cooper, der noch immer vom bösen Geist BOB besessen ist, wie uns ein effektiv geschnittener Flashback mit Szenen von Schauspieler Frank Silva als grauhaarige Spukgestalt erinnert. Mit seinem einen Telefonanruf aktiviert er gegen Ende der Episode eine in Buenos Aires stehende Box, die zu Anfang von einer panischen Gangster-Frau angewählt wurde und sich in ein Stück Kohle oder Metall verwandelt. Packt es auf den Haufen mit den übrigen Geheimnissen, zu denen vor allem das Wesen in der New Yorker Glasbox und das Leichen-Puzzle in South Dakota zählen.

Interessant dabei ist, dass David Bowies FBI-Agent aus dem Film „Twin Peaks: Fire Walk With Me“, der schon öfter in der neuen Serie erwähnte Phillip Jeffries, damals von Buenos Aires aus zu einem Meeting der Lodge-Bewohner transportiert wurde und zwei Jahre später im FBI-Hauptquartier auftauchte, ehe er wieder spurlos verschwand. Zumindest geben die geschnittenen Szenen des Films die argentinische Verbindung preis. Und sieht die Statue, die den guten Cooper so fasziniert, nicht ein wenig aus wie Bowies außerirdische Filmfigur aus „The Man Who Fell to Earth“?

Showtime
Showtime - © Showtime

Ein Mysterium, das tatsächlich aufgelöst wird, betrifft die goldenen Schaufeln von Dr. Jacoby (Russ Tamblyn), der von seinem Wohnwagen im Wald aus eine Verschwörungs-Show im Stil von Aluhut-Kollege Alex Jones in die Welt streamt und neben wichtigen Informationen über Zusatzstoffe in der Nahrung seine Gold Shit-Digging Shovels anbietet, mit denen sich seine Zuschauer für nur 29,99 aus dem Dreck schaufeln können. Es ist nicht nur eine der witzigsten Szenen der neuen Serie, es ergibt sogar erschreckend viel Sinn, dass sich der exzentrische Psychiater in diese Richtung entwickeln würde und noch viel stimmiger erscheint, dass ausgerechnet Vorhangschinen-Fan Nadine Hurley (Wendy Robie) zu seinen größten Fans zählt.

Twin Peaks: The Next Generation

Im RR Diner bekommen wir ein Update von Restaurantbetreiberin Norma Jennings (Peggy Lipton), die mitansehen muss, wie Shelly (Mädchen Amick) ihrer Tochter Becky (Amanda Seyfried) zum wiederholten Mal Geld zusteckt. Der Apfel fällt in diesem Fall nicht weit vom Stamm, denn wie ihre Mutter in der Originalserie, ist auch Becky mit einem Tunichtgut mit Sportwagen, Pferdeschwanz und Drogengewohnheiten zusammen, was sie gleichzeitig zu einem Spiegelbild von Laura Palmer (Sheryl Lee) macht. Besonders herausstechend und Lynch-typisch mutet die Szene an, in der sie im Wagen ihres Freunds Steven (Caleb Landry Jones) das Radio aufdreht und zu „I Love How You Love Me“ von den Paris Sisters in Nahaufnahme ihren Rausch genießt.

Während Steven eher ein unbeholfener Loser ist, den der wie Bobby geläuterte Mike (Gary Hershberger) bei einem Bewerbungsgespräch abblitzen lässt, gesellt sich später ein weiterer Twin-Peaks-Nachwuchs hinzu, der charakterlich noch näher an Widerling Leo Johnson (Eric DaRe) herankommt. Die von Eamon Farren gespielte Figur wird sofort als Rebell identifiziert, als er direkt unter einem No-Smoking-Schild im Road House raucht, finstere Geschäfte mit einem Angestellten abwickelt und sich dann brutal an einem Mädchen vergeht. Ein Beweis dafür, dass manche gar nicht erst von BOB besessen sein müssen. Stichwort: „The evil that men do“. Erst die End-Credits offenbaren, dass es sich bei dem jungen Ekelpaket um Richard Horne handelt. Möglicherweise der verzogene Sohnemann von Audrey (Sherilyn Fenn), die sich noch blicken lassen muss?

Showtime
Showtime - © Showtime

Der Name ist aber auf noch andere Art und Weise relevant, was allen, die in The Return - Part 1 aufgepasst haben, klar sein wird. Erinnern wir uns an den Hinweis, den der Riese (Carel Struycken) für Cooper hatte: „Richard and Linda. Two birds with one stone.“ Vielleicht aber auch eine falsche Fährte und gemeint ist wirklich das musikalische 70er-Jahre-Duo Richard und Linda Thompson. Angesichts der Musik-Affinität der Serie wäre dies nicht verwunderlich. Bei der Gelegenheit muss auch der Soundtrack des neuen „Twin Peaks“ gelobt werden, der gekonnt alte Stücke einbringt, aber auch einen neuen, gewohnt mystischen Klangteppich webt, zu dem Komponist Angelo Badalamenti auch moderner anmutende Stücke beisteuert. Der mittlerweile obligatorische Bandauftritt im Road House erfolgt dieses Mal übrigens schon in der Mitte der Episode und wird von Trouble, der Band von David Lynchs Sohn Riley, absolviert.

Neu eingeführt werden darüber hinaus Doris Truman (Candy Clark), die nörgelnde Frau des Sheriffs (Robert Foster), der von Ex-Geisterjäger Ernie Hudson gespielte Colonel Davis (in Anspielung auf den verstorbenen Don S. Davis alias Major Briggs) sowie Jim Belushi und Robert Knepper als rabiate Casino-Betreiber. Wenig begeistert von der Handhabe im Fall des Jackpot-Knackers Dougie-Cooper, verpassen sie ihrem Angestellten eine Abreibung ehe sie ihn im hohen Bogen rauswerfen, während kommentarlos drei junge in Chiffon gekleidete Damen im Raum stehen. Ein weiteres Lynch-Bild, das an Szenen aus zum Beispiel „Blue Velvet“ oder „Wild at Heart“ erinnert.

Fazit

Zwar wurde die Handlung in The Return - Part 5 nicht besonders vorangetrieben und Coopers Dougie-Plot zieht sich weiterhin wie Kaugummi, was die Episode aber zu 100 Prozent liefert, ist das aus herausragenden Bildern und brillant gewählter Musik geschaffene, bizarre Lynch-Flair - und das endlich ohne sich auf die übernatürlich-surrealen Elemente wie die Black Lodge berufen zu müssen. Weiterhin gelungen bleibt die Balance aus mysteriös-dramatisch und urkomisch, wobei Dr. Jacobs Darbietung als Verschwörungs-VJ neben dem nach wie vor die Show stehlenden Cooper-BOB-Gespann eine besondere Erwähnung verdient. Auch tat es gut, etwas mehr Zeit in Twin Peaks zu verbringen, wo wir mit weiterem Nachwuchs bekannt gemacht wurden und feststellen, dass die vermeintliche Kleinstadtidylle wie damals schon größtenteils Fassade ist.

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Verfasser: Mario Giglio am Montag, 5. Juni 2017
Episode
Staffel 3, Episode 5
(Twin Peaks 3x05)
Deutscher Titel der Episode
Teil 5
Titel der Episode im Original
The Return - Part 5
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 4. Juni 2017 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 8. Juni 2017

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