True Detective 3x05

© zenenbild der „True Detective“-Episode „If You Have Ghosts“ (c) HBO
Um nicht vom Super Bowl überschattet zu werden, veröffentlichte HBO die jüngste True Detective-Folge, If You Have Ghosts (3x05), schon zwei Tage vor der regulären Ausstrahlung im Internet. Und tatsächlich handelt es sich um eine Episode, die keinesfalls verpasst werden sollte. Nic Pizzolatto wählte sie nämlich als Wendepunkt der dritten Staffel und sparte sich eigens dafür die Rückkehr von Roland West (Stephen Dorff) als Polizist im Ruhestand auf. Nun sind er und Hays (Mahershala Ali) wieder vereint. Doch können die alten Haudegen den Purcell-Fall mehr als dreißig Jahre später wirklich lösen?
So oder so ist ihr Wiedersehen ein Moment von höchster Emotionalität. Dass Pizzolatto eine Schwäche hat für den sogenannten strong silent type, also verschlossene Helden, die mit ihren Gefühlen gern hinter dem Berg halten, wissen wir bereits. Häufig wirkt es dadurch so, als könne er seinen weiblichen Charakteren überhaupt nichts abgewinnen, worunter besonders Amelia (Carmen Ejogo) leidet, die von Folge zu Folge unsympathischer erscheint. Doch in dieser Szene der beiden gealterten Titelhelden sei dem Serienmacher sein Pathos in den bedeutungsvollen Tränen von Dorff und Ali mal gegönnt.
Talk about what?
Was die Rollen von Ejogo und Ali angeht, werden Parallelen zu Skyler (Anna Gunn) und Walter White (Bryan Cranston) in Breaking Bad deutlich. Zwar wird uns immer wieder vor Augen geführt, wie grausam Hays sein kann, doch seine Coolness und ein Anschein von Kriegerehre verschleiern seinen moralischen Ruin. Dass er den verzweifelten Hauptverdächtigen Woodard (Michael Greyes) hinterrücks erschießt, können wir uns mit dem Argument der Selbstverteidigung schönreden. Und auch für die Traumatisierung des unschuldigen Freddy Burns (Rhys Wakefield) übernimmt Hays keine Schuld. Immerhin sei dieser einfach eine „Memme“, wie alle jungen Leute heutzutage beziehungsweise damals, im Jahr 1990.
Amelia wird hingegen mit dem Vorwurf konfrontiert, das Leid der Purcell-Kinder auszubeuten, um ihre Berühmtheit als Schriftstellerin zu zementieren. Verglichen mit den Taten ihres Ehemannes ist das natürlich eine Lappalie, doch, da Pizzolatto seinem männlichen Protagonisten die Deutungshoheit zugesprochen hat, wirkt sie am Ende wie die Böse. Besonders beim gemeinsamen Abendessen mit West und dessen Freundin Lori (Jodi Balfour) wird Amelia zum Buhmann deklariert. Weil sie ein paar Fragen zum Fall stellt, verbietet Hays ihr den Mund und weil sie nicht lockerlässt, stellt er sie als unreif dar. Später - oder eigentlich in der Timeline zehn Jahre zuvor - kommt es erneut zu einer aggressiven Sexszene zwischen den beiden.

Wirklich schade, dass Pizzolatto nichts Besseres mit Amelia anzufangen weiß. Im besten Fall erweist sie sich am Ende wirklich als Schurkin, indem sie beispielsweise in die Entführung der Kinder involviert war, denn ansonsten hätte man ihr als Charakter unentschuldbares Unrecht angetan. Ähnlich ist es bei Lucy (Mamie Gummer), die als vermeintliche Verfasserin des Erpresserbriefes entlarvt wird. Doch auch hinter ihrer sinisteren Tat steht keinesfalls Böswilligkeit. Vielmehr wollte sie wohl ihren Gatten Tom (Scoot McNairy), der noch immer leidet wie am ersten Tag, von seinen Selbstvorwürfen befreien.
A princess from the pink rooms
Selbstlose Taten sind eine absolute Seltenheit im fiktiven Kosmos von True Detective. So gut wie jede Figur spürt unendlichen Schmerz und gleichzeitig ist keine von ihnen bereit, einer anderen zu helfen. Mit Blick auf die Ermittlungen wird derweil immer deutlicher, dass 1980 und auch 1990 tatsächlich irgendeine Art von politischer Verschwörung abgelaufen sein muss. Zuerst schob man dem armen Woodard, nachdem dieser nicht länger widersprechen konnte, die Schuld für die Verbrechen in die Schuhe. Doch jetzt, im Jahr 2015, ist klar: Julie lebt und der wahre Täter ist immer noch auf freiem Fuß.
Und obwohl der Fall unklarer denn je erscheint - denn auch die Journalistin Elisa (Sarah Gadon) erweist sich nicht gerade als spendable Quelle -, liegt am Ende dieser Episode zum ersten Mal ein Hauch von Hoffnung in der Luft. Hays und West haben ihrem gegenseitigen Ärger Luft gemacht und haben als Desperados im Herbst ihres Lebens nichts mehr zu verlieren. Zwar trauen sie sich nicht mehr allzu viel zu, aber lustig werden könnte eine letzte gemeinsame Jagd allemal. Oder, um es mit den Worten eines einsamen alten Tropfes wie West zu sagen: „Well, I could use a laugh.“
Die dritte Staffel von True Detective ist weiterhin kein sanfter Ritt, sondern wimmelt geradezu von Schlaglöchern und leider auch Klischees. Doch, wenn man sich auf das konzentriert, was Pizzolatto wirklich beherrscht: kraftvolle Dialoge, eindrucksvolle Bilder und ein paar gut platzierte Actionszenen -, macht der HBO-Krimi einfach Spaß. Am Anfang wirkte der neue Fall noch etwas zäh, doch nun, auf dem Weg zum Finale, sind die Vorzeichen ziemlich vielversprechend.
HBO hat bislang keinen offiziellen Trailer zur nächsten „True Detective"-Episode, „Hunters in the Dark" (3x06), veröffentlicht.
Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 4. Februar 2019True Detective 3x05 Trailer
(True Detective 3x05)
Schauspieler in der Episode True Detective 3x05
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