True Blood 7x09

Dass Hoyt (Jim Parrack) nicht ohne Grund nach Bon Temps zurückgekehrt ist, war klar. Dass er eine hübsche Freundin im Schlepptau hat, die Jason (Ryan Kwanten) bezaubert ließ früh auf einen Partnertausch schließen. Die Episode Love is to Die macht den Deal perfekt. Jedes auch nur im Ansatz verfügbare Paar wird zusammengeführt, das romantische Happy End steht unmittelbar bevor. Zusätzlich nervt Bill (Stephen Moyer) weiterhin mit seiner sinnlosen Märtyrermasche.
Liebe soweit das Auge reicht
Das Serienfinale von True Blood ist nicht mehr weit, die letzte Staffel hätte ein schöner Abschluss werden sollen. Stattdessen scheint es seit der Auftaktepisode so zu sein, dass die Autoren keine Geschichten mehr haben, die sie uns noch erzählen könnten, und einfach versuchen, die zur Verfügung stehende Zeit rumzukriegen, bis es endlich vorbei ist. In der Episode Love is to Die wird mit romantischem Geplänkel davon abgelenkt, dass größtenteils nur noch sinnlose Plots zur Verfügung stehen.
Jessica (Deborah Ann Woll) und Hoyt sind ein Traumpaar. Dass sie am Ende zusammenfinden, schien schon lange unausweichlich. Dass Jason endlich jemanden findet, der das Gute in ihm sieht und ihm zeigt, dass Sex längst nicht alles sein muss, ist auf dem Papier ebenfalls eine gute Idee. Doch die Umsetzung der beiden Handlungsstränge könnte kaum vorhersehbarer und langweiliger sein. Hoyt hat sich stark verändert, seit wir ihn das letzte Mal in Bon Temps gesehen haben - in erster Linie leider zum Negativen. Er ist gemein zu seiner Freundin Brigette (Ashley Hinshaw). Das ist seltsam, denn das ursprünglich Bezaubernde an ihm war seine aufrichtige niedliche Art. Doch die Episode Love is to Die zeigt, dass er und seine Exfreundin sich verdient haben, immerhin taucht Jessica unvermittelt vor seiner Tür auf, mit dem mehr oder weniger offensichtlichen Ziel, ihn zurückzugewinnen. Dass die Beziehung zu Brigette ohnehin gerade die Biege macht, kann sie nicht wissen. Einst waren sie das unschuldige Traumpaar, davon ist nicht mehr viel übrig. Doch im Sinne der Geschichte gehören sie halt einfach zusammen. Schade nur, dass es wirkt, als ob die True Blood-Autoren einen Pflichtpunkt auf der Abschiedsagenda durchpeitschen würden, ohne sich besondere Mühe zu geben, die Geschichte mit Emotionen zu füllen. Die Nacherzählung durch Jason hilft da eher wenig.
Jason findet seine neue Seelenverwandte in Hoyts abgelegter Flamme, die ihm zeigt, dass man auch andere Dinge als Sex im Bett machen kann. Ein letztes Mal lässt Jason seinen Charme spielen, um seiner Bettgefährtin eine frühere Rückkehr zu ermöglichen. Doch soll seine Zusammenkunft mit Brigette nun eine echte Entwicklung markieren? Dass der naiv-amüsante Frauenheld endlich auf den richtigen Weg gefunden hat und nun eine echte Beziehung beginnen kann? Im Grunde ist es auch mit Jason wie mit den meisten anderen Plots am Ende der Serie „True Blood“: Die Idee ist nicht schlecht, aber die Abwicklung fühlt sich zu statisch an.
Nicht nur Jessica und Hoyt sowie Jason und Brigette werden zusammengeführt, auch Lafayette (Nelsan Ellis) und James (Nathan Parsons) sowie Arlene (Carrie Preston) und Keith (Riley Smith) finden kurz vor dem Finale ihr Liebesglück. Die True Blood-Autoren arbeiten im Moment nicht an einem spannenden Abschluss, sondern an einem mittelmäßigen Happy End, das zwar - zumindest in romantischer Hinsicht - keine Fragen offen lässt, aber auch nur mau daherkommt.
Märtyrertum
Das größte Ärgernis der Episode Love is to Die ist wieder einmal Bill und sein unerträgliches Märtyrertum. Es ist eine sehr lahme Nummer der True Blood-Autoren, Bill erst von Sookie (Anna Paquin) und Jessica zum Heilmittel führen zu lassen, nur damit er in letzter Sekunde aufmerksamkeitsheischend ablehnen kann. Und dann nicht einmal den Ansatz einer Erklärung liefert. Man kann Jessica verstehen, die sich von diesem Plot gerne entfernen möchte. Die fehlende Erklärung wird an Unerträglichkeit nur noch von der verspätet hinterhergeschobenen Ausrede getoppt, nach der Bill freiwillig in den Tod geht, um Sookie ein normales Leben zu ermöglichen.
Sookie ist schon oft wie ein liebeskranker Teenager rübergekommen, der sich nicht zusammenreißen kann. Doch in dieser Episode ist Bill derjenige, an den die Krone der Dummheit geht. Statt Sookie zu fragen, wie sie ihre eigene Situation in den Griff bekommen möchte, behandelt er sie wie einen willenlosen Sozialfall, für den er und Eric die Entscheidungen fällen müssen. Er traut ihr nicht zu, einen eigenen Weg durch die Welt zu finden, solange er noch existiert. Vielleicht ist doch etwas von dem Größenwahn an ihm hängengeblieben?
Er wählt also den Weg des Märtyrers, er will in den Tod gehen für die Liebe. Soll er damit von seinen Sünden reingewaschen werden? Wollen die True Blood-Autoren uns und Sookie verkaufen, dass er durch die Bereitschaft, sein Leben zu geben, geläutert ist und letztendlich einen Neuanfang verdient? Der Ausweg wäre äußerst flach und auch schlecht gedacht. Denn wenn Bill wirklich wollen würde, dass Sookie von ihm loskommt, würde er sich umdrehen und gehen. Er würde sagen, dass sie von nun an alleine klarkommen muss, dass er nicht zurückkehrt.
Es würde in dem Fall auch unerheblich sein, ob er sich in den Tod stürzt oder woanders neu anfängt, er müsste einfach aus ihrem Leben verschwinden. Und zwar ohne ihr zuvor noch die Last aufbürden, sich für sie zu opfern. Sollte er mit seinem aktuellen Plan durchkommen und für Sookie in den Tod gehen, glaubt er dann wirklich, dass irgendein Mann jemals eine Chance gegen die heldenhafte Erinnerung an Bill Compton bei Sookie haben würde? Der ganze Plot ist im Moment einfach so ärgerlich dumm, dass man sich auf das nahende Ende nur noch freuen kann.
Die Heilung
Selbst die Yakuza und der Kampf um das Heilmittel kommen dagegen nicht an. Szenen mit Pam (Kristin Bauer) sind generell sehr willkommen, selbst wenn sie Sarah (Anna Camp) ohne besonderen Grund unter Aufsicht der Yakuza die Haare blondiert. Eric ist geheilt, Bill hat die Heilung ausgeschlagen, wie mit so vielem anderen ist der Plot um die tödliche Krankheit in der Bedeutungslosigkeit versickert, ohne einen richtigen Abschluss gefunden zu haben. Stattdessen schaffen die True Blood-Autoren die gesamte Bedrohung durch die Yakuza so hin zu drehen, dass Sookie mal wieder in Gefahr ist. Ein letztes Mal dürfen Bill, der ja ohnehin gerade zu einer Aussprache vor Ort ist, und Eric (Alexander Skarsgard), der sich unter Schmerzen gegen Sookie und für Pam entschieden hat, die blonde Halbfee offenbar im Serienfinale retten.
Eine schöne Drehung der Ereignisse wäre es ja auch, wenn Sam (Sam Trammell) doch noch einmal kehrt macht, um im entscheidenden Moment einzugreifen. Denn sein Abschied in das traute Familienglück ist mehr als unbefriedigend und untermalt die Vermutung, dass die True Blood-Autoren Sam über die gesamte Laufzeit der Serie als wichtigen Charakter dargestellt haben, aber niemals so richtig etwas für ihn zu tun fanden. Ebenso halbherzig war nun auch sein Abgang.
Fazit
Love is to Die ist die letzte Episode vor dem großen Serienfinale - und das merkt man der Geschichte auch deutlich an. Leider in erster Linie im negativen Sinne. Mehr oder weniger passende Paare werden zusammengeführt, als ob True Blood auf den letzten Metern noch zu einer romantischen Komödie werden soll. Das ist nicht nur äußerst unbefriedigend, sondern fühlt sich auch halbherzig geschrieben an. Ohne echte Bedrohung, mit der Aussicht auf eine letzte Sookie-Rettung geht man also ins Finale und kann im Grunde mit dieser niedrigen Erwartungshaltung nur positiv überrascht werden. Der einzige Lichtblick sind nach wie vor Pam und Eric, tatkräftig und amüsant unterstützt durch Ginger (Tara Buck), die als einzige etwas von dieser Episode hat.
True Blood: Promo zum Serienfinale, Episode 7x10:
Verfasser: Serienjunkies.de am Sonntag, 24. August 2014True Blood 7x09 Trailer
(True Blood 7x09)
Schauspieler in der Episode True Blood 7x09
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