True Blood 7x10

Die Vorzeichen für dieses Finale standen schon schlecht. Die letzten Episoden haben weder einen großen Endgegner noch eine spannende Storyline hervorgebracht. Wir gehen also ohne Bedrohung, ohne roten Faden in die letzten Minuten, die wir in Bon Temps verbringen dürfen. Fast jede furchtbare Vorahnung wird in der Episode Thank You wahr.
Opfertod
Bill (Stephen Moyer) hat sich zum Ziel gesetzt, für Sookies (Anna Paquin) Glück zu sterben. In der Episode Thank You macht er seine Androhung wahr. Wirklich schade kann man das nicht mehr finden, im Grunde hat er als Figur in der letzten Staffel die Nerven der Zuschauer wie kaum ein zweiter strapaziert. Seine Beweggründe sind kaum nachvollziehbar, aber wohl der einzige Weg für ihn zu gehen. Mit der romantisch-egozentrischen Figur Bill hatten die True Blood-Autoren sich in eine Sackgasse geschrieben, aus der sie ihn nur durch einen Märtyrertod wieder herausholen konnten. Doch der Tod für Sookies Glück ist nicht die beste Wahl. Wieder einmal macht Sookie nur das, was andere sich für sie überlegt haben. Nicht einmal ihr Lebensglück kann sie selbst in die Hand nehmen.
Bill muss also abtreten. Selbst wenn man sich damit anfreundet, ist die Verabschiedung einfach nur lächerlich. Als letzten Dienst an seiner Ziehtochter verschachert er sie an ihren just wiedergekehrten Exfreund. Richtig Sinn ergibt das nicht. Der einzige denkbare Grund scheint zu sein, dass die True Blood-Autoren eine Hochzeit im Finale haben wollten, so sehr an den Haaren herbeigezogen sie auch sein mag. Immerhin trifft es mit Jessica (Deborah Ann Woll) und Hoyt (Jim Parrack) zwei, die es verdient haben, denen man die wieder erwachte Liebe trotz aller Veränderungen durchaus abnehmen kann. Auf den letzten Metern entdecken die Serienmacher also ihre tiefe, romantische Ader. Statt eines amüsanten, möglichst abgefahrenen Endes mit gut gemachten Sexszenen muten sie uns eine Hochzeit zu, an der emotional Anteil zu nehmen schwerfällt.
Die Verabschiedung seiner Ziehtochter ist nicht das Gelbe vom Ei. Statt großer Gesten und wichtiger Ratschläge nutzt Bill seine letzten Stunden, um Jessica unter die Haube zu bringen, um sie sicher und glücklich zu wissen. Auch wenn es nicht viel Überlegung kostet, um herauszufinden, dass eine überstürzte Ehe vielleicht nicht unbedingt das erwünschte Resultat bringt.
Die gesamte Story um Bills Freitod bringt enttäuschend wenige emotionale Gespräche mit sich. Die beste Szene in dieser Hinsicht liefert mal wieder Reverend Daniels (Gregg Daniel) ab, als Sookie ihn wegen der Beerdigungsvorbereitungen trifft. Beide geben sich weise Worte mit auf den Weg, die zwar im Allgemeinen nicht unbedingt tiefgehend sind oder neue Aspekte zutage befördern. Aber in einem Umfeld wie dieser Episode wirken schon gut gemachte leise Töne erfrischend. Vielleicht liegt es auch einfach an der Überraschung, dass eine Nebenfigur wie der Reverend eine emotionale Vorstellung abliefern kann.
Anders die Abschiedsszene zwischen den Geliebten. Das seltsam unbeteiligte Gespräch über die Anwesenheit eines Sarges, der vorletzte Kuss, das gehauchte Danke, das Foto mit seiner Tochter, das Beieinanderknien im Sarg, der letzte Kuss - in dieser Szene wirkt vieles mittlerweile nur noch aufgesetzt emotional. Als es endlich vorbei ist, bleibt man mit Ratlosigkeit zurück. Was soll das gewesen sein?
Happy End für Alle
Für alle Figuren, mit Ausnahme von Sarah Newlin (Anna Camp), ziehen die True Blood-Autoren ein Happy End aus dem Ärmel. Und es ist nicht irgendein Happy End - es ist eines von Dauer. Wir sehen Schwangerschaftsbäuche, glückliche Kinder und verliebte Paare versammelt wie eine Großfamilie in einer Margarinewerbung. Daran kann Bill keinen Anteil haben, auch in dieser Hinsicht musste er ganz einfach aus der Geschichte entfernt werden. Für eine Serie, die sich mit Unsterblichkeit beschäftigt, ist es ein ungewöhnlicher Weg, uns eine Momentaufnahme als Zeichen für andauerndes Glück zu präsentieren. Doch alle bekommen, was sie sich gewünscht haben oder auch nicht: ein unspektakuläres Leben inmitten einer glücklichen Clique.

Für Eric (Alexander Skarsgard) und Pam (Kristin Bauer) ist das kein Leben, daher bekommen sie Reichtum und Erfolg. Viel platter hätte man es eigentlich kaum machen können. In den letzten Episoden waren die beiden oft die, die eine ganze Episode in wenigen Szenen mit kurzen, bissigen Sprüchen retten konnten. Doch selbst das versagen die True Blood-Autoren uns im Happy End. Die Werbesendung ist eher eine der schwächeren Eric-Pam-Szenen.
Unterdessen fristet Sarah Newlin ihr Dasein als doppelte Gefangene, sie liegt durch Eric und Pam in Ketten und wird obendrein noch von ihrem verstorbenen Mann verfolgt. Sie haben sie als Wunderwaffe mit Allmachtsvorstellungen aufgebaut und das ist alles, was die Autoren rausholen? Geistig waren sie wohl bei einigen Aspekten dieses Endes schon im Urlaub oder beim nächsten Projekt.
Fazit
Das Ende dieser einst so interessanten Serie liest sich wie die wenig ausgeprägte Fantasie eines Teenagers. Alle bekommen in der Episode Thank You) was ihnen zusteht. Interessante Wendungen: Fehlanzeige. Gags nur auf Sparflamme und Emotionen vor allem zum Augenverdrehen.
Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 25. August 2014True Blood 7x10 Trailer
(True Blood 7x10)
Schauspieler in der Episode True Blood 7x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?