True Blood 6x09

True Blood 6x09

Was für eine unermessliche Schweinerei! So viele blutige Grausamkeiten wie in Life Matters hat man in True Blood schon lange nicht mehr gesehen. In Verbindung mit einer Ode an den verstorbenen Terry entfaltet sich ein Wechselbad der Gefühle.

Ist Eric (Alexander Skarsgard), der gerade Steve (Michael McMillian) den Garaus macht, bald nicht länger Teil von / „True Blood“? / (c) HBO
Ist Eric (Alexander Skarsgard), der gerade Steve (Michael McMillian) den Garaus macht, bald nicht länger Teil von / „True Blood“? / (c) HBO

Danke, lieber Herr Buckner, für Ihre Arbeit als Showrunner. Sie hat sich in der wunderbaren Episode Life Matters auf spektakuläre Weise bezahlt gemacht. Die vorletzte Episode der kurzen sechsten Staffel von True Blood stellt in krassem Kontrast ein Splatterspektakel einer Reise zu den Wurzeln der Serie gegenüber. Während in Bon Temps die Beerdigung von Terry Bellefleur (Todd Lowe) abgehalten wird, wüten Bill (Stephen Moyer) und Eric (Alexander Skarsgard) im Vampircamp.

Hin- und hergerissen

Der Gedanke daran, dass eine gesamte Episodenhälfte dem Gedenken an Terry geopfert werden könnte, wäre in den Augen der Rezensentin zunächst einmal äußerst abschreckend gewesen. So hatte sein im Grunde genommen liebenswerter Charakter in der Vergangenheit eher durch schwachsinnige Erzählstränge und eine ausgeprägte Irrelevanz geglänzt. Doch das Erinnern an Terry erinnert die Zuschauer gleichzeitig auf vertretbar kitischige Weise an die Anfänge von True Blood. Außerdem sind es erst die melancholischen Elemente, die es ermöglichen, das furiose Gemetzel, das die Folge Life Matters dominiert, halbwegs unbeschadet zu überstehen.

Grauen ohne Ende

Aufgrund der dualen Gliederung dieser Episode hält sich die Interaktion zwischen Warlow (Robert Kazinsky) und seiner Sookie (Anna Paquin) in Grenzen. Ob die Kellnerin tatsächlich den Platz als Vampirfeenprinzessin an seiner Seite einnehmen wird, kann noch immer nicht mit Sicherheit gesagt werden. Aber im Moment gibt es in der Welt von True Blood wahrlich genug andere Brandherde...

Schon das Blutbad, das Eric unter den Wächtern des Vampircamps anrichtet, erinnert dabei stark an einen Ausschnitt aus The Walking Dead. Doch die verstreuten Gliedmaßen sind erst der Anfang: Ähnlich wie der Kampf zwischen Sarah Newlin (Anna Camp) und Frau Suzuki (Tamlyn Tomita) in der vorangegangenen Folge Dead Meat (6x08) ist Erics drakonisches Todesurteil für Dr. Overlark (John Fleck) extrem starker Tobak. Während der Mengele-Verschnitt winselnd am Boden liegt, wird nicht einmal darauf verzichtet, seinen vom Körper gerissenen Penis in der Nahaufnahme zu präsentieren. Derartiges hat man wohl seit dem Gefängnisgemetzel aus der Serie Banshee nicht mehr zur Gesicht bekommen. Auch die anderen Folterschnipsel, die es in der Folge zu bestaunen gibt, haben eine ungeheure Intensität inne und führen den Zuschauern seit längerem einmal wieder vor Augen, wie monsterhaft sich auch die Blutsauger verhalten können.

Sookie (Anna Paquin) als Gast auf Terrys Beerdigung © HBO
Sookie (Anna Paquin) als Gast auf Terrys Beerdigung © HBO

Abschied

Symbolisch als Teil der Reise in die eigene Vergangenheit zu verstehen, wird der Cast von True Blood um altbekannte Charaktere wie Reverend Daniels (Gregg Daniel), Taras geläuterte Mutter Lettie Mae Thornton (Adina Porter) und andere Bewohner von Bon Temps ergänzt. Während Oma Bellefleur (Helen Slayton-Hughes) sich dabei konsequent und energisch im Ton vergreift, findet Daniels genau die richtigen Worte, um Terry zu gedenken. Ein Großteil der Rückblicke sind als Plädoyer gegen den Krieg zu verstehen. Dabei verströmen die Rückblicke gleichzeitig genug Geborgenheit, um einen für das in einer Parallelmontage beigefügte Vampirgemetzel zu rüsten. In diesem Zusammenhang kann besonders die Anekdote von Lafayette (Nelsan Ellis) ein warmes Gefühl der Nostalgie in der Magengegend freisetzen, in der er der Fritteuse im Merlotte's mit einem wahrlich fabelhaften Hüftschwung zu Leibe rückt. Sookie macht ebenfalls eine sehr liebenswerte Figur, indem sie sich nicht nur als Gedankenleserin outet, sondern auch eine großzügige Portion Romantik in die Handlung bringt: „He loved you since the second you walked into his life.“ Auch ihr schuldbewusster Blick als Antwort auf eine Lobpreisung von Terrys Arbeitseifer („I don't think he ever missed a day!“) ist schlichtweg großartig.

What would Jesus do?

Spätestens beim Gesang von „Big John“ Dixon (John W. Godley) dürften bei so manchem zart besaiteten Zuschauer wahlweise entweder ein paar Tränen kullern oder die Obergrenze für amerikanischen Kitsch erreicht sein. Das Besondere an dem rührseligen Gesang („That was the shit!“) besteht jedoch in der Verknüpfung mit dem Aufeinandertreffen von Jason (Ryan Kwanten) und Sarah Newlin (Anna Camp). Die im Songtext und im Episodentitel aufgegriffene Botschaft, dass das Leben quasi unantastbar ist, kündet davon, dass Jason die blonde Bestie nach einigen harschen Worten doch noch davonkommen lässt. Da Sarahs Charakter momentan jedoch weit weniger Sympathien erhält als der von Terry begnadigte Catfish, bleibt zu hoffen, dass wir sie im Staffelfinale - zum letzten Mal - zu sehen bekommen werden.

Rettung

Dank Bills Idee, sich selbst in ein (mehr oder weniger) lebendiges Buffet für seine Artgenossen zu verwandeln, sind die Gefangenen aus dem Vampircamp nicht nur auf freiem Fuß, sondern vorerst auch immun gegen die todbringende Wirkung des Sonnenlichtes. Während daraufhin die Vampire auf der ganzen Welt (oder zumindest in Honululu) aufbegehren und die Tru Blood-Reserven unschädlich machen, gibt es also Grund zum Feiern!

Details und Highlights

Abseits der großen und entscheidenden Begebenheiten wie der Errettung von Jessica (Deborah Ann Woll) und den anderen aus dem Sonnenraum, Bills scheinbarer Abkehr von Lilith und ihren Gespielinnen und Erics überraschendem „Abflug“ sind es eine Fülle von liebenswerten Details, durch die sich diese Episode auszeichnet. Sei es der Verweis an Hoyt, Tara (Rutina Wesley) am Maschinengewehr oder Steve Newlins überraschend ehrliche letzte Worte („I love you Jason Stackhouse!“)...

Endlich ist Jessica (Deborah Ann Woll) wieder mit Bill (Stephen Moyer) vereint. © HBO
Endlich ist Jessica (Deborah Ann Woll) wieder mit Bill (Stephen Moyer) vereint. © HBO

... Oder: die Dreistigkeit bis zum Tod, durch die sich Pams (Kristin Bauer van Straten) Psychiater Finn (Pruitt Taylor Vince) auszeichnet - und die fabelhaft durch Jason kommentiert wird („You did not just go there!“) -, ebenso wie die ausgelassene Trunkenheit unter den Befreiten, die man zuletzt in den Zeiten von Russell Edgington bestaunen durfte, sowie alle (!) Szenen mit Ginger (Tara Buck)... Diese Liste der großen und kleinen Erfreulichkeiten ließe sich noch weiter fortsetzen.

In diesem Zusammenhang kann ohne Weiteres sowohl über Arlenes (Carrie Preston) patriotischen Sinneswandel bezüglich der militärischen Ehren bei der Beisetzung und ein paar - wenn auch recht groß geratene - logische Stolpersteine hinweggesehen werden. Vielleicht wird ja auch noch im Nachhinein erläutert werden, warum Eric nach seinem Warlow-Cocktail einen derartig nüchternen Eindruck machen konnte? Oder warum es ihm jetzt problemlos gelingt, den Käfig zu zertrümmern, aus dem er die Vergiftung seiner Schwester Nora mit dem tückischen Hep V noch hilflos beobachtet hatte? Auch über eine abschließende Aussprache zwischen Jason und Jessica wäre die Rezensentin erfreut.

Fazit

Es kann kritisiert werden, dass die Trauerarbeit um den bereits vor geraumer Zeit - und nicht sonderlich heroisch - verschiedenen Terry zu viel Zeit in Anspruch genommen hat. Doch der Abschied, der in Life Matters von Terry genommen wird, ist mehr als nur die Hommage an einen mit der Zeit verblassten Charakter. Der Fokus auf nur zwei ausgedehnte Erzählstränge bietet eine willkommene Abwechslung zu dem zuletzt arg zergliederten Erzählkonzept und bringt die verschiedenen Charaktere im Rahmen der Beerdigung auf unhysterische Weise zusammen. Selbst Sam (Sam Trammell) und Alcide (Joe Manganiello) sind in der Herde der Trauernden sehr gut zu ertragen und erscheinen in diesem Umfeld wieder sehr viel geerdeter und liebenswerter. Zudem sind diese feinfühligen Passagen ein willkommener Zufluchtsort von dem Grauen im zweiten Handlungsstrang - denn so viel Folter, Verstümmelung und Mord gab es selbst bei True Blood selten zu sehen. Das Ende von Steve ist in diesem Zusammenhang trotz der gelungenen Inszenierung zwar schade. Dennoch wird es schwer zu argumentieren, dass er es nicht „verdient“ hätte...

Die ungleich wichtigeren Problemstellungen sind aber: Hat sich Bill nun von den Einflüssen von Lilith befreit, indem er die Invasion der gleichgeschalteten Nackten abschmettern konnte? Uuund: Wo zum Teufel ist Eric hin? Vielleicht will er die rebellierenden Artgenossen in Honululu unterstützen? Es bleibt zu hoffen, dass wir seine Bemühungen dann in einem Spin-off namens „True Blood: Hawaii“ präsentiert bekommen werden. Das nächste Wiedersehen mit dem großartigen Vorzeigevampir steht uns jedoch (hoffentlich!) in Jasons Traumwelt bevor...

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 13. August 2013

True Blood 6x09 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 9
(True Blood 6x09)
Deutscher Titel der Episode
Lebensqualität
Titel der Episode im Original
Life Matters
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 11. August 2013 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 5. Dezember 2013
Autor
Brian Buckner
Regisseur
Romeo Tirone

Schauspieler in der Episode True Blood 6x09

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