True Blood 6x08

True Blood 6x08

Den Machern von True Blood ist mit der Episode Dead Meat endlich mal wieder ein kleines Glanzstück gelungen. Zwar begeistert auch hier nicht jede Handlungsfacette, aber dafür gibt es entscheidende Entwicklungen und eine Sarah Newlin in Höchstform.

In „True Blood“ nimmt Sarah Newlin (Anna Camp) den Kampf gegen Frau Suzuki (Tamlyn Tomita) auf. / (c) HBO
In „True Blood“ nimmt Sarah Newlin (Anna Camp) den Kampf gegen Frau Suzuki (Tamlyn Tomita) auf. / (c) HBO

In der rasanten Episode Dead Meat werden wiederholt Besitz- und Machtansprüche formuliert. Besonders aufgrund Sookies (Anna Paquin) melodramatischem Handlungsstrang erinnert die Folge zeitweise zwar an eine Soap. Dabei kann die vorvorletzte Episode der nunmehr sechsten Staffel von True Blood aber auch mit unerwarteten Momenten aufwarten, die den Zauber früherer Episoden versprühen. Neben den Newlins kann besonders auch Eric (Alexander Skarsgard) glänzen, der im Rachewahn zu seiner alten Unberechenbarkeit zurückgefunden hat.

Monster mit Gottes Segen

Das Aufeinandertreffen zwischen Sarah Newlin (Anna Camp) und der „Tru Blood“-Aufsichtsrätin Suzuki (Tamlyn Tomita) ist fraglos sehr, sehr, sehr verstörend. Sowohl auf der grafischen Ebene (Knöchel, Kopfstöße, ... Hackenschuh!) als auch in Bezug auf Sarahs Dreistigkeit, ihre Untat durch Gott zu rechtfertigen: „Thank you, Jesus!

Im gleichen Moment wirkt das Szenario aber derartig überzeichnet, dass der humoristische Effekt die Brutalität fast in den Schatten stellt. Sarahs fruchtloser Versuch, das Genick ihrer Kontrahentin zu brechen, sorgte aufseiten der Rezensentin dabei ebenso für ausgelassene Freude wie ihre „Folter durch Laufrad“ von Steve (Michael McMillian): „It is scientifically impossible for you to be this fucking slow!“ Camp und McMillian leisten durchweg exzellente schauspielerische Arbeit und können dadurch die Höhepunkte dieser Episode beisteuern.

Sookie vs. Silver Fox

Die sonst verlässlich von jedem männlichen Wesen umgarnte Sookie wird in Dead Meat gleich zweifach in ihre Schranken verwiesen. Zum einen wird ihre gänzlich unangebrachte Annäherung an Sam (Sam Trammell) - in der sich Sookies letzter verzweifelter Versuch manifestiert, doch noch der Normalität den Vorzug über die Unendlichkeit zu geben - von dem werdenden Vater stringent abgeschmettert. „Silver Fox“-Sam, der keine Gelegenheit auslässt, um Verantwortung zu übernehmen, hat generell auch ohne die aus heiterem Himmel hereinbrechenden Avancen seines alten Schwarmes genug zu tun. Nachdem er im willkürlich anmutendem Schnelldurchlauf vom Geliebten und Ziehvater zum verfolgten Witwer und Alleinerziehendem und kurz darauf wieder zum Single mit blutjunger Freundin mutierte, steht man Nicoles (Jurnee Smollett-Bell) Schwangerschaft wohl eher skeptisch gegenüber.

Sookie (Anna Paquin) verabschiedet sich recht ungehalten von ihren Eltern. © HBO
Sookie (Anna Paquin) verabschiedet sich recht ungehalten von ihren Eltern. © HBO

Sookie als Vampir?

Auch Bill (Stephen Moyer) versichert Sookie vordergründig, dass sie ihm gleichgültig ist - obwohl sein vorangegangener Schlagabtausch mit Eric ihn diesbezülich Lügen straft - weswegen seine Exfreundin nach einem wütenden Monolog am Grab ihrer Eltern endlich ihre Entscheidung zugunsten eines ewigen Lebens als vampirische Feenprinzessin trifft. Doch dieser Plan wird zumindest vorerst durch Eric durchkreuzt, der - wohl mithilfe von Adilyn Bellefleurs (Bailey Noble) Blut - in die Feenwelt eingedrungen ist, um Warlow (Robert Kazinsky) dort übel zuzurichten.

Die Aussicht auf eine Sookie als Vampir erscheint verlockend. Vielleicht alleine schon aus dem Grund, dass ihr Charakter, der in den vergangenen Episoden einen recht ausgelaugten Eindruck gemacht hatte, auf diese Weise mit neuem Leben (bzw. der richtigen Prise Tod) erfüllt wird, um neuerlich an Dynamik zu gewinnen. Da das Besondere an Sookie jedoch in ihrer Sterblichkeit und der damit einhergehenden Verletzlichkeit begründet liegt, scheint ihre Verwandlung trotz allem unwahrscheinlich.

Nicht, wie es scheint

Der Flashback zum frühen Warlow verweist geschickt auf die Diskrepanz zwischen der angsteinflößenden Fratze, die Sookie bedrohlich aus einer anderen Dimension angeifert, und einem entkräfteten Dauergefesselten, der auf barmherzige Blutspenden seiner Angebeteten angewiesen ist. Verbirgt sich hinter dem Namen Warlow am Ende doch noch mehr als ein liebeskranker Hybrid mit Adelstitel?

Eric ist zurück!

Erics Rache für den heimtückischen Mord an seiner Schwester hat begonnen: Während er und Bill sich zwischenzeitlich sehr gut miteinander arrangiert hatten, stellen sie nun wieder Gegengewalten dar. Was Bill an physischer (und telekinetischer) Überlegenheit aufweist, macht Eric dabei durch grimmige Entschlossenheit wieder wett.

Die Rezensentin ist Eric insbesondere dankbar dafür, Adilyns textilarmes Intermezzo zu beenden, da es in Anbetracht der geringen Lebenszeit der Halbfee einen etwas unangenehmen Eindruck hinterlässt. Dass Adilyn überhaupt einem heimlichen Ausbruch aus Andys Obhut zustimmt, nachdem der letzte Alleingang sie doch ihre Schwestern gekostet hat, kann nur unzureichend durch ihre Entrüstung über Arlenes gedankliche Schuldzuweisung erklärt werden. Auch die Tatsache, dass der Sexualpartner ihrer Wahl im Falle einer Heirat zwischen Holly (Lauren Bowles) und Andy (Chris Bauer) zu ihrem Stiefbruder werden würde, macht das Ganze kaum erfreulicher.

In jedem Fall erfreulich ist die Aussicht darauf, in der kommenden Episode weitere Aktionen eines entfesselten Erics erleben zu dürfen - der dabei in Anbetracht seines Feenblutkonsums wohl auch eine erquickliche Trunkenheit an den Tag legen dürfte...

Ausgepackt

Nachdem wir zuletzt in den Genuss eines durch und durch unsympathischen „Packmaster-Alcide“ (Joe Manganiello) gekommen sind, scheint dieser Fluch nun endlich gelüftet: Der Wolf ist wieder zum Einzelgänger mutiert und hat zu seinem ausgeglicheneren und menschlicheren Selbst zurückgefunden. Obwohl es schön ist, dass sein Vokabular nun wieder mehr Worte umfasst als seine Titelbezeichnung innerhalb der werwölfischen Hierarchie, ist Alcides Irrweg in dieser Staffel von einem bitteren Nachgeschmack umgeben. So ist sein Charakter ohne irgendwelche signifikanten Neuerungen wieder am Ausgangspunkt seiner Entwicklung angelangt, weswegen sich der „Packmaster“-Irrsinn noch schaler und überflüssiger anfühlt - zumindest die aufdringliche Rikki (Kelly Overton) hätte doch irgendwann das Zeitliche segnen können...

Jason (Ryan Kwanten) ist der Vampirin Violet (Karolina Wydra) in die Fänge geraten. © HBO
Jason (Ryan Kwanten) ist der Vampirin Violet (Karolina Wydra) in die Fänge geraten. © HBO

James oder Jason?

Im Grunde genommen ist es Jessicas (Deborah Ann Woll) Schuld, dass sich die Vampire, die über das verseuchte „Tru Blood“ Bescheid wissen, nun in der unheilvollen Lichtkammer wiederfinden. Aber vielleicht nimmt die Rezensentin es dem Rotschopf auch nur übel, dass sie Jason (Ryan Kwanten) seine Rettungsbemühungen durch unmittelbaren Sex mit James (Luke Grimes) vergolten hat. Doch nun ist der liebenswerte Dummkopf ohnehin auf ewig seiner im Mittelalter sozialisierten Violet (Karolina Wydra) versprochen...

Fazit

Die Gespräche zwischen Violet und Jason sind schon dank Jasons herzergreifender Simplizität sehenswert. Allerdings hat es recht wenig Sinn, neue Charaktere wie Violet, Adylin oder James einzuführen und gleichzeitig lieblose Handlungsstränge wie den Konflikt zwischen Sam und Alcide oder Terrys Seelenqualen endlos auszudehnen. Lieber sollte die Serie alteingesessene Charaktere wie Lafayette (Nelsan Ellis), Tara (Rutina Wesley) oder auch Pam (Kristin Bauer van Straten) mit innovativem Handlungsspielraum versorgen und weniger sprunghaft mit Figuren wie Sam umgehen. Die Tatsache, dass Pam alleine mit dem Satz, in dem sie ihr sexuelles Intermezzo mit dem Psychiater beschreibt, nachhaltiger beeindrucken kann als alle werwolfbezogenen Verwirrungen zusammen, legt nahe, dass man die Spielzeit zu ihrem Vorteil umverteilen sollte.

Sarah hat sich in Dead Meat eindrucksvoll und mit vollem Körpereinsatz zum ernstzunehmenden Bösewicht gemausert. Sie kommt in puncto Bedrohlichkeit zwar trotz allem nicht ganz an einen Russell Edgington heran, aber zum Glück gibt es parallel noch Erics Amoklauf, der True Blood an anderer Stelle Auftrieb gibt.

Es würde der Serie guttun, sich in den letzten beiden Episoden der Staffel etwas stärker auf die prekären Handlungsstränge wie den Showdown im Vampircamp zu konzentrieren. Dann kann True Blood auch wieder gezielt das von beißend komischer Selbstironie gezeichnete Fegefeuer an Unglaublichkeiten abbrennen, das den Reiz der Serie ausmacht.

Es hätte in Dead Meat zwar etwas besser begründet werden können, warum der unverwundbare Bilith nicht einfach im Alleingang das Vampircamp stürmt, statt sich auf einen komplizierten Warlow-Blut-bezogenen Plan B zu konzentrieren. Seine oberste Priorität besteht zwar in der Errettung aller Vampire. Doch das Vampir-Mensch-Verhältnis ist zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon so zerrüttet, dass ein rigoroser Angriff auf das Vampircamp die Gesamtsituation kaum nachhaltig verschlimmern würde. Trotzdem macht diese gelungene und kurzweilige Folge in jedem Fall Lust auf das große Vorfinale. Bis dahin kann man sich die Zeit mal wieder mit Spekulationen vertreiben: Wo ist Niall? Wird Sookie tatsächlich zum Vamp? Was hat es mit Warlow auf sich und - last but not least - wird Arlene demnächst bei den „The Real Housewives of Bon Temps“ zu sehen sein?

Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 7. August 2013

True Blood 6x08 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 8
(True Blood 6x08)
Deutscher Titel der Episode
Wahlmöglichkeiten
Titel der Episode im Original
Dead Meat
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 4. August 2013 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 28. November 2013
Autor
Robin Veith
Regisseur
Michael Lehmann

Schauspieler in der Episode True Blood 6x08

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