True Blood 6x07

True Blood 6x07

Die neue Folge von True Blood braucht lange, um in Fahrt zu kommen und erfüllt zeitweise viele Kriterien einer Seifenoper. Zum Glück kann die Folge In the Evening aber auch mit ein paar mitreißenden Highlights aufwarten.

Pam (Kristin Bauer van Straten) liegt in „True Blood“ im Vampcamp auf der Couch. / (c) HBO
Pam (Kristin Bauer van Straten) liegt in „True Blood“ im Vampcamp auf der Couch. / (c) HBO

Nachdem in der vorangegangenen Episode Don't You Feel Me? (6x06) mit Terry (Todd Lowe) und dem Governor Truman Burrell (Arliss Howard) zwei Menschen ihr Leben lassen mussten, geht es nun einem Vampir an den Kragen. Der neuerliche Todesfall stellt dank seiner schonungslosen Umsetzung einen wahren „WTF-Moment“ dar. Leider verlaufen zwischen einer trauernden Arlene (Carrie Preston), einer augenscheinlich gelangweilten Sookie (Anna Paquin) und Sams (Sam Trammel) sehr artigem Duschsex längst nicht alle Passagen der neuen Folge derartig mitreißend.

Wer hat Angst vor der blonden Frau?

Sarah Newlin (Anna Camp) hat zwar wieder einmal den Mann an ihrer Seite eingebüßt. Doch glücklicherweise ist sie sich unumstößlich sicher, dass der einzige Typ, auf den es wirklich ankommt, ihr felsenfest zur Seite steht: nämlich Gott (nicht Bill).

Diese tiefe Überzeugung macht aus Sarah, die fortan die antivampirische Mission des Governors fortführt, einen sehr gefährlichen Bösewicht - ist sie doch fest davon überzeugt, dass sie im Dienste „des Guten“ agiert. Dass es sich bei Sarahs Werten um eine pervertierte und egozentrische Auslegung des Glaubens handelt, manifestiert sich auch in ihrem pragmatischen (ja, fast schon heisenbergischen) Ratschlag darüber, was mit dem Körper ihres doch so heiß geliebten Expartners geschehen solle: „... I do hear acid is effective!

Besonders die Szene, in der Sarah das abgetrennte Haupt Trumans adressiert - und dabei gleich ein paar Ratschläge ihrer religiösen Lehrkassette in die Tat umsetzt -, weckt Hoffnung. Die grundfanatische Blondine könnte samt ihres ungesunden Fanatismus genau das sein, was der sechsten Staffel von True Blood noch fehlt. Nur nicht nachlassen, Mrs. Newlin!

Arlenes Trauer

Terrys Tod hätte an sich leicht vermieden werden können und erscheint vielleicht deshalb momentan noch etwas unnötig. Die Konsequenzen, die sein Ausscheiden nach sich zieht, lassen bislang noch keine Höhenflüge erwarten: Wieder muss sich der liebenswerte Lafayette (Nelsan Ellis) mit der immerwährenden Rolle der helfenden Hand zufriedengeben. Zwar gibt es im Kreis der Traunernden ein Wiedersehen mit Bills (Stephen Moyer) Urururururenkelin (ca.) Portia Bellefleur (Courtney Ford). Doch ihre Rückkehr nach Bon Temps verläuft ähnlich beiläufig wie die erste direkte Konfrontation zwischen Bill und Andy (Chris Bauer) seit dem Tod seiner drei Töchter. Doch vielleicht verbirgt der Gesetzeshüter hinter seinem zahmen Auftreten ja doch noch die mentalen Vorbereitungen auf einen brachialen Rachefeldzug...

Einzig Arlenes konfuses Verhalten macht im Angesicht ihres schweren Verlustes und dank Carrie Prestons guter schauspielerischer Leistung einen authentischen Eindruck. Sie wandert ziellos über den Friedhof, macht Lafayette haltlose Vorwürfe und betrinkt sich dann hingebungsvoll. Doch als in Terrys geheimem Schließfach dann statt eines magischen Reliktes aus Afghanistan eine gewinnbringende Lebensversicherung auf seine Hinterbliebenen wartet, könnte man bei all der Melodramatik fast meinen, es mit einer ausgewachsenen Soap zu tun zu haben - und nicht mit True Blood.

Eric (Alexander Skarsgard) muss sich für immer von seiner Schwester Nora (Lucy Griffiths) trennen. © HBO
Eric (Alexander Skarsgard) muss sich für immer von seiner Schwester Nora (Lucy Griffiths) trennen. © HBO

Sams unendliche Geschichte

Wie in der bereits erwähnten Duschszene, in der sich Nicole (Jurnee Smollett-Bell ) an den Shifter schmiegt, plätschert Sams Handlungsstrang auch in dieser Woche wieder recht unspektakulär vor sich hin. Er verabschiedet sich von der attraktiven Aktivistin, um Terry in Bon Temps die letzte Ehre zu erweisen... Vor ihrem geistigen Auge sah die Rezensentin Sam bereits dabei zu, wie er über Episoden hinweg im Alleingang das Merlotte's verrammelt, das er aufgrund von toten - oder anderweitig verhinderten - Beschäftigten schließen muss. Doch dann kommt ausgerechnet aus der unerwarteten Richtung der Werwölfe Hilfe!

Das Rudel hat nämlich unter der Führung der wirklich grenzenlos unsympathischen Rikki (Kelly Overton) Nicole und deren Mutter in ihre Gewalt gebracht. Doch es ist nicht diese soundsovielte Entführung, die das Herz der Rezensentin ein wenig schneller schlagen lässt, sondern die Tatsache, dass sich die Wölfe nun gegen ihren Packmaster auflehnen. In Alcides (Joe Manganiello) Notlüge, mit der er das Leben von Sam und Nicole hatte retten wollen, spiegelt sich bereits der gemäßigtere Werwolf von früher wider. Eine Isolation durch seine Artgenossen weckt gleichzeitig die Hoffnung auf eine Rückkehr Alcides zu seinen Wurzeln und eine intensive Auseinandersetzung um Nicole - durch die ganz sicher auch Sams Storyline profitieren würde.

Alle wollen Warlow

Bei dem Hybridwesen Warlow (Robert Kazinsky) handelt es sich fraglos um ein ungewöhnliches Individuum, welches selbst in den religiösen Schriften der Vampire einen übergeordneten Stellenwert genießt. Schließlich verleiht sein Blut den Vampiren die Kraft, in hellem Tageslicht umher zu wandeln. In der Sorge um seine Schwester Nora (Lucy Griffiths) ist selbst Eric (Alexander Skarsgard) dazu bereit, dem Feenblut regelrechte Wunder zuzutrauen. Daran, dass Eric ihretwegen selbst dazu bereit ist, zu Bill zurückzukehren, wird die für Erics Verhältnisse bahnbrechende Hingabe deutlich, die er Nora gegenüberbringt.

Noras Ende

Der Ursprung von Erics Zuneigung wird anhand eines Rückblicks in das London des Jahres 1665 erläutert, der samt der charakteristischen Pestmasken zudem fast authentisch in Szene gesetzt ist. Obwohl der Einblick in Noras Vergangenheit sie in den lobpreisendsten Farben darstellt, ist es jetzt zu spät, um ihren Charakter noch ins Herz zu schließen. Weil Biliths Blut in der Gegenwart keine Wirkung zeigt und Warlow als letzte Hoffnung nach wie vor im Feenland verharrt, erliegt Nora - nachdem sie einst der Pest entgangen war - nun dem grausamen „Hepatitis V“-Virus. Statt der Trauer um die Verstorbene überwiegt zwar das Mitgefühl für Eric und der Ekel über ihre schleimigen Überreste - doch mitreißend ist der Moment ihres Todes allemal.

Was geht wohl im Kopf von Jessica (Deborah Ann Woll) vor? © HBO
Was geht wohl im Kopf von Jessica (Deborah Ann Woll) vor? © HBO

Derweil im Vampcamp

Was ist nur in Jessica (Deborah Ann Woll) gefahren? Hat Jason (Ryan Kwanten) Recht und sie hat sich eine besonders unberechenbare Form des „Stockholder Syndrome“ eingefangen? Es hat für ihren Charakter durchaus Sinn, sich nicht von Jason aus dem Vampircamp befreien zu lassen - schließlich sieht sie in der Gefangenschaft - oder gar im „True Death“ - ihre gerechte Strafe. Auch ihr Nähebedürfnis zu dem „guten“ James (Luke Grimes) ist nachvollziehbar, sucht Jessica doch verzweifelt nach einem Fingerzeig darauf, dass nicht jeder Vampir zu einem Dasein als Monster verurteilt ist. Doch Jessicas inniges Bedürfnis, nun ausgerechnet hier und jetzt (mit Jason als Wachtposten!) mit ihrem Artgenossen zu kopulieren - diese Anwandlung scheint doch eher einer Jessica-affinen Phantasie entsprungen zu sein als dem Geist der Vampirin. Immerhin ist der Beischlaf dabei sehr ansprechend und innovativ geraten und fungiert nach einer eher langatmigen ersten Hälfte als kleiner Weckruf.

Auch Pam „Fuckalot“ De Beaufort (Kristin Bauer van Straten) hat es mit ihrem Abschied aus dem Camp nicht sonderlich eilig. Lieber plaudert sie gelassen für ihren vor Begierde bibbernden Psychologen Finn (Pruitt Taylor Vince) aus dem promiskuitiven Nähkästchen.

Egal, ob sie dabei lediglich die ungeteilte Aufmerksamkeit des Psychologen genießt oder, ob sie insgeheim doch noch andere Pläne verfolgt - ihre therapeutische Sitzung gehört zu den intimsten Sequenzen von In the Evening.

Fazit

Anstatt die Chance zu nutzen, die blasse Nicole aus der Handlung zu entfernen, wird in die ohnehin figurenreiche Serie True Blood auch noch der Charakter ihrer Mutter eingeführt. Immerhin manifestiert sich in diesem Zusammenhang Hoffnung für die Erzählstränge von Alcide und Sam.

Den Tatsachen, dass sich Sookie nun zwischen ihren Freunden im Vampircamp und ihrem Liebhaber im Feenland entscheiden muss und dass ihr Bruder Jason den Blutsaugern zum Fraß vorgeworfen werden soll, wohnt sicherlich eine gewisse Brisanz inne. Sehr viel gespannter blickt die Rezensentin jedoch den Konsequenzen von Erics durch den Mord an Nora entfesseltem Zorn entgegen.

Auch die Gegenseite im Gefolge von Sarah Newlin gewinnt dank des grafisch hervoragenden Niederganges von Nora an Bedrohlichkeit: Sie haben mit dem heimtückischen Virus eine potente Waffe kreiert.

Diese ruhige siebte Episode kann zwar keine endlosen Stürme der Begeisterung heraufbeschwören. Doch dafür hat der Showrunner Brian Buckner am Ende von In the Evening auf verlockende Weise die Fronten zwischen den Vampiren und den Menschen verschärft - und man darf in den verbleibenden drei Folgen auf einen erquicklichen Showdown gespannt sein...

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 30. Juli 2013

True Blood 6x07 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 7
(True Blood 6x07)
Deutscher Titel der Episode
Am Abend
Titel der Episode im Original
In the Evening
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 28. Juli 2013 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 28. November 2013
Autor
Kate Barnow
Regisseur
Scott Winant

Schauspieler in der Episode True Blood 6x07

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