True Blood 6x04

True Blood 6x04

Die Episode At Last bietet neben vielen phantastischen Oberkörpern auch eine wendungsreiche und aufregende Handlung, die zudem noch schnell voranschreitet. Das macht diese Folge zur bislang besten aus der sechsten Staffel von True Blood.

Jessica (Deborah Ann Woll) verliert in „True Blood“ die Beherrschung. / (c) HBO
Jessica (Deborah Ann Woll) verliert in „True Blood“ die Beherrschung. / (c) HBO

In der vierten Episode, die die sechste Staffel von True Blood seinen Zuschauern beschert, darf Ben (Robert Kazinsky) endlich aus der frappierenden Belanglosigkeit als Sookies (Anna Paquin) soundsovieltem Love Interest heraustreten. Sein Charakter wurde bislang zwar derartig eindimensional dargestellt, dass es quasi irgendetwas mit ihm auf sich haben musste. Doch als die männliche Halbfee in At Last spontan ihre Fangzähne ausfährt, bleibt eine überrumpelnde Wirkung dennoch nicht aus. Zudem erweisen sich auch die Konsequenzen seiner Blutspende an Jason (Ryan Kwanten) als durchaus aufregend... Und auch an anderer Stelle hagelt es bei True Blood erquickliche Entwicklungen.

Was noch so los ist

Ab der ersten Minute begeistert diese Episode durch ein ausgesprochen hohes Erzähltempo, das gleich einer ganzen Reihe von Erzählsträngen neues Leben einhaucht.

Es geschehen so viele verschiedene Dinge, dass die spektakuläre Art und Weise, in der Nora (Lucy Griffiths) von Niall (Rutger Hauer) durch die Gegend gewirbelt wird, noch zu den Belanglosigkeiten gezählt werden darf. Einzig die Passagen um den zusehends verblassenden Sam (Sam Trammell), der mit Emma (Chloe Noelle) und Nicole (Jurnee Smollett-Bell ) vor (Six)Packmaster Alcide (Joe Manganiello) und dessen tollwütigem Werwolfsrudel flüchten muss, können nach wie vor weder mit innovativem Inhalt noch mit echtem emotionalen Tiefgang aufwarten.

Bereits seit der ersten Begegnung von Sam und seiner Nicole schien eine Romanze der beiden fast schon unausweichlich. Diese Verdacht bestätigt sich nun, wobei ihre Annäherung durch die todbringenden Umstände gerechtfertigt wird, die die zwei von ihren früheren Bezugspersonen trennten. Im Vergleich zu dem, was sich derweil in den anderen Erzählsträngen abspielt, hat Sams Romanze trotz aller damit einhergehenden Tragik jedoch eine geringere (Erinnerungs-)Halbwertszeit als Feenblut in der Bratpfanne.

Ein verwerfliches Duo

Für schauriges Unbehagen der unangenehmsten Sorte sorgt in At Last das Zweiergespann aus Jessica (Deborah Ann Woll) und Bill (Stephen Moyer). Alles beginnt noch recht harmlos. Andys (Chris Bauer) Vierlinge werden durch einen weiteren Wachstumsschub geradewegs in die Pubertät katapultiert und lehnen sich nun gegen die wohlmeinende Erziehungsroutine ihres Vaters („You ain't slept since you were three“) auf, indem sie in dessen Dienstwagen Alkohol kaufen fahren. Diese Gelegenheit nutzen Bill und sein Protegé, um die Halbfeen in ihre Gewalt zu bringen.

Die Art und Weise, in der die jugendlich erscheinende Jessica die Mädchen zu dem in der Dunkelheit wartenden Bill lotst, erinnert in fast schmerzlicher Weise an ein Verhaltensmuster, das man mit Pädophilen oder anderen durchtriebenen Gestalten in Verbindung bringen würde. Auch das Procedere zur Blutprobenentnahme, das sich später in Bills Anwesen vollzieht, ist in vielerlei Hinsicht verwerflich. Der omnipräsente sexuelle Vibe, der alle betreffenden Szenen umhüllt, bekommt besonders bei dem Gedanken einen bitteren Beigeschmack, dass Eins, Zwei, Drei und auch Vier streng genommen noch Babys sind - selbst wenn sie in ihrem unorthodoxen Wachstumsprozess automatisch auch das altersspezifische Fachwissen (Party! Bier!) aufzusaugen scheinen...

Ben (Robert Kazinsky) offenbart bei der Rettung von Jason (Ryan Kwanten) eine neue; blutrünstige Seite an sich. © HBO
Ben (Robert Kazinsky) offenbart bei der Rettung von Jason (Ryan Kwanten) eine neue; blutrünstige Seite an sich. © HBO

Vier auf einen Streich?

Dem unangenehmen Besuch der Halbfeen im Hause Compton wird ausgerechnet durch die bislang gemäßigt erscheinende Jessica ein blutiges Ende bereitet: Sie wird von den verheißungsvollen Gerüchen des Feenblutes überwältigt und saugt - allem Anschein nach - alle vier Mädchen in einem Fressrausch zu Tode. Falls sich tatsächlich bestätigen sollte, dass sich Jessica dem Vierfachmord an hilflosen Kindern schuldig gemacht hat, dürfte es die Jungvampirin in eine schwere Krise stürzen. Doch noch ist nicht alle Hoffnung verloren. Schließlich hat Bill gleich zwei wichtige Gründe dafür, die Mädchen irgendwie zu retten: Zum einen ist Feenblut ein wesentlicher Bestandteil seines Planes zur Rettung der Vampire. Zum anderen handelt es sich bei den Vierlingen ja schließlich um seine eigenen Ur-ur-ur-ur-urgroßtöchter (so ungefähr)!

Ode an Jason

Sport ist gesund, macht fit und ist überhaupt eine tolle Sache - besonders wenn es sich bei dem Trainierenden um Jason Stackhouse handelt, und dieser dabei auf ein Tshirt verzichtet. Der stattliche Oberkörper alleine würde sicherlich selbst so manchen Werpanther zum erblassen bringen. In Kombination mit dem unverkennbaren Stolz, den Jason bei seiner Ertüchtigung an den Tag legt, hievt sich Sookies Bruder dann vollends in das Herz der Rezensentin: Ob wach, ob sportiv, ob Warlow-jagend - Jason darf sich in dieser Episode richtig austoben.

So ist besonders auch sein schaumiges Aufeinandertreffen mit Ben schlichtweg großartig geraten. Zwar dämmert es dem versierten True Blood-Zuschauer recht schnell, dass die Annäherung zwischen den beiden attraktiven Männern lediglich in einem durch Vampirblut induzierten Traum stattfindet, doch dies tut der Unterhaltsamkeit der Szene keinen Abbruch. Schade nur, dass Jason noch keine Anti-Glamour-Kontaktlinsen benutzt. Denn so muss er widerstandslos zulassen, wie Ben aka Warlow Niall erst aussaugt und dann ausspuckt (der Hybrid scheint eindeutig menschliche (sprich für Menschen gemachte) Kost zu präferieren), und sich dann auch noch geradewegs in das Haus seiner Schwester begibt.

Die Sookie-Offensive

Glücklicherweise wurde Sookie ja nicht von so vielen Gehirnerschütterungen heimgesucht wie ihr Bruderherz, weswegen sie Warlow schon lange als solchen identifiziert, und konsequenterweise ihre eigenen Vorbereitungen getroffen hat.

Es erweist sich als überaus glücklicher Schachzug, dass Sookie der wahren Identität Warlows recht schnell auf die Schliche kommt - alles andere hätte sie über die Maßen begriffsstutzig erscheinen lassen. Warum Sookie mit ihrem Überfall auf den vermeintlichen Ben wartet, bis sich ihre nackten Bäuche berühren, bleibt vorerst ebenso den Mutmaßungen der Zuschauer überlassen wie das wirkungslose Silber in Bens Hähnchengericht. Sookies bestimmtes „Get the fuck off me or die, Warlow!“ sorgt dabei für ein derartig hohes Maß an vorfreudiger Erwartung, dass man seine Gedanken ohnehin nicht an flüchtige Details - wie der einen oder anderen verpassten Glamour-Gelegenheit auf Seiten der Vampire - verschwenden möchte.

Eric (Alexander Skarsgard) zieht Willa (Amelia Rose Blaire) in seinen Bann. © HBO
Eric (Alexander Skarsgard) zieht Willa (Amelia Rose Blaire) in seinen Bann. © HBO

Oldschool Vampirismus

Das Zusammenspiel aus Eric (Alexander Skarsgard) und der unschuldigen Willa (Amelia Rose Blaire) ist von Anfang bis Ende stimmig in Szene gesetzt. Das weiße Kleid der Jungfrau, ein altehrwürdiges Karussell und die generelle Rollenverteilung aus der schmachtenden Maid und dem bestimmten Verführer bringen einen Hauch vom Charme klassischer Vampirfilme in die Handlung. Zwar verkörpert Willa nicht gerade das Bild einer starken Frau, doch in Anbetracht von Erics Erscheinung würde sicherlich auch eine Alice Schwarzer ihre Prinzipien überdenken... Es ist wohl der stimmigen Chemie zwischen Skarsgard und Blaire, sowie Willas neuzeitlichem Zusatz „pretty much“ nach ihrem „I am a virgin“-Geständnis zu verdanken, dass der Kitsch dabei auf ein vertretbares Maß reduziert ist.

So geschickt sich Eric im Bezug auf Willas Verführung gibt, so merkwürdig mutet es an, dass er gerade einen naturgemäß unbeherrschten „Baby-Vampir“ als Botschafterin für den friedlichen Vampirismus auserkoren hat. Nun stellt sich die Frage, ob sich Governor Burrell (Arliss Howard) am Ende für seine Tochter oder für sein fanatisches Pogrom entscheiden wird...

Fazit

Mit der Episode At Last nimmt die sechste Staffel des Vampirspektakels endlich Fahrt auf: Sookies aggressive Konfrontation mit Warlow trägt vielversprechendes Potential in sich. In diesem Zusammenhang profitiert Bens Charakter von einer neuen Vielschichtigkeit, die auch aus der Tatsache hervorgeht, dass er trotz seiner undurchschaubaren Machenschaften und dem Hang zum Bösen humane Züge aufweist: „The darkness in me, it battles with the light every second of my being!“ So rettet er Jason nicht nur, sondern gestattet ihm sogar, sich von seinem ohnmächtigen Großvater zu verabschieden, ohne dabei allzu zynisch zu wirken.

Neben spannenden Entwicklungen an vielen Fronten und einem Abstecher in tiefste Finsternis durch Bill und Jessica kommt in dieser Folge von True Blood auch der charakteristisch mit einem Augenzwinkern versehene Humor nicht zu kurz. So ist den Serienschöpfern mit Jasons Traumsequenz ein wahres Meisterstück gelungen.

Kritische Fragen wie „Warum hat Bill den Wissenschaftler Takahashi (Keone Young) nicht einfach beglamourt?“ verlieren im Angesicht des mitreißenden Handlungsverlaufes ebenso ihr Gewicht wie die Kritik an den schwächlichen Erzählsträngen von Sam oder Alcide. Obwohl noch bemängelt werden darf, dass sowohl Pam (Kristin Bauer van Straten) als auch Tara (Rutina Wesley) und Lafayette (Nelsan Ellis) von den Autoren mit undankbaren Mini-Auftritten abgespeist werden, manifestiert sich in dieser gelungenen Folge die Hoffnung auf eine Staffel, die sich der Serie als würdig erweisen wird.

Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 10. Juli 2013

True Blood 6x04 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 4
(True Blood 6x04)
Deutscher Titel der Episode
Zu guter Letzt
Titel der Episode im Original
At Last
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 7. Juli 2013 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 14. November 2013
Autor
Alexander Woo
Regisseur
Anthony Hemingway

Schauspieler in der Episode True Blood 6x04

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