True Blood 6x05

Sookies (Anna Paquin) Annäherung an ihren vermeintlichen love interest Ben (Robert Kazinsky) war in der Episode At Last zu ihrem textilarmen Höhepunkt gekommen. Einer spontanen Eheschließung der beiden steht dabei jedoch vor allem die knifflige Tatsache im Weg, dass es sich bei Ben eigentlich um den Vampir-Feen-Hybrid Warlow handelt - und er somit bekanntlich Sookies Eltern auf dem Gewissen hat.
In der neuen Folge, die in Anlehnung an Peaches' Song den einfühlsamen Titel Fuck the Pain Away trägt, wird der Tod von Corbett (Jeffrey Nicholas Brown) und Michelle (Jenni Blong) Stackhouse auf dramatische Weise in neues Licht gerückt. Und auch an anderen Fronten vollziehen sich in Bon Temps signifikante Entwicklungen...
Rabeneltern
Warlows Erklärung für seinen Mord an Sookies Eltern wirkt zunächst derartig abstrus, dass man Sookie den wütenden Energieball kaum übel nehmen kann, mit dem sie ihr Gegenüber attackiert. Die große Enthüllung, dass die Eltern ihre Tochter damals umbringen wollten, hatten die Macher von True Blood bereits zaghaft durch Sookies Aussagen gegenüber ihrem Bruder Jason (Ryan Kwanten) in der Episode You're No Good (6x03) angedeutet. Sookie hatte in diesem Zusammenhang erwähnt, dass sich Corbett und Michelle vor ihrem Anderssein fürchteten. Obwohl ein vorsätzlicher Mord am eigenen Kind noch immer sehr schwer zu verdauen ist, wirkt die schreckliche Wahrheit dank dieser „vorbereitenden“ Passage zumindest nicht mehr völlig absurd.
Blut und Geister
Als sich auch noch Bill (Stephen Moyer) zu den beiden halbnackten Streithähnen gesellt, kann die Serie True Blood wieder einmal durch ihren Hang zur selbstironischen Betrachtung begeistern, der sie im besten Falle auszeichnet. Zudem bietet sich für Sookie die Möglichkeit, ihren allgemeinen Unmut auf angenehm patzige Weise zum Ausdruck zu bringen: „Oh, great. Now you want to save me, too?“ Doch Bill ist ja nun Bilith und denkt nur noch an das Eine (Blut!), weswegen er mit dem verheißungsvollen Spender „Benlow“ (ok, bleiben wir bei Warlow) von dannen zieht.
Es ist durchaus positiv zu bewerten, dass in dieser Folge auch Lafayette (Nelsan Ellis) endlich wieder etwas mehr Spielzeit zugestanden wird. Doch leider geht mit seinem neuerlichen Auftritt als ein durch das Böse „gekapertes“ Medium das Gefühl einher, sich gerade eine Wiederholung zu Gemüte zu führen.
Binge-Drinking
Jessicas Gewissen lässt ihr nach dem impulsiven Mord an drei der vier Feentöchter von Andy keine Ruhe. In den Nachwehen ihres Fressrausches kann Deborah Ann Woll zwar als verwirrt-verstörte Sünderin glänzen, die in ihrer Rastlosigkeit über Sofas wandelt. Doch gleichzeitig manifestiert sich in diesem Zusammenhang eines der Probleme der Episode Fuck the Pain Away. So werden die weitreichenden Konsequenzen, mit denen sich die Jungvampirin nach dem Dreifachmord konfrontiert sehen müsste, allzu simpel durch Hollys magische Worte „Bill is stronger than you“ in Luft aufgelöst. In Anbetracht von Andys väterlichem Schmerz und der erstarkenden Antivampirbewegung wirkt es nicht plausibel, dass sich der Gesetzeshüter so leicht von seinen Racheplänen abbringen lässt. Aber vielleicht war die überlebende Tochter (ganz eindeutig „Vier“ - Bailey Noble) ja auch sein Lieblingskind...

Vampcamp mit Lichtblicken
Die (S)Experimente, die sich im Vampircamp vom Governor Truman Burrell (Arliss Howard) abspielen, wirken trotz ihrer Überzeichnung so furchtbar, dass die dadurch angestoßenen gedanklichen Prozesse nicht leicht zu ertragen sind. Zum Glück kann sich der Zuschauer von der allgegenwärtigen Grausamkeit - die sich auch in dem gnadenlosen Verhalten des Governors gegenüber seiner Tochter Willa (Amelia Rose Blaire) zeigt - dank Pam (Kristin Bauer van Straten) ein Stück weit erholen. Ausgerechnet sie landet auf der Couch eines Psychologen (sehr stimmig porträtiert durch Pruitt Taylor Vince, bekannt durch The Walking Dead), der sie einer therapeutischen Sonderbehandlung unterzieht, die so aufschlussreich wie amüsant verläuft: „I care more about the life of that tuna you ate than I care about you.“ Trotz ihrer Missachtung in Bezug auf alles (im Allgemeinen) und ihren Therapeuten (im Besonderen), ist es offensichtlich, dass Pam sich insgeheim sehr wohl dabei fühlt, sich ihren Frust über Eric (Alexander Skarsgard) einmal von der sprichwörtlichen Seele reden zu können.
Fight!
Zur gleichen Zeit muss sich ihr Maker gladiatorenhaften Kämpfen gegen seine Artgenossen stellen. Die reißerischen Auseinandersetzungen bringen zwar die Handlung nicht voran, aber immerhin geben sie dem mächtigen Vampir Eric einmal wieder die Gelegenheit, seine außergewöhnliche Stärke - und auch seine Skrupellosigkeit - unter Beweis zu stellen.
Als entscheidender Aspekt soll in diesem Zusammenhang wohl Erics niemals endende Zuneigung für Pam veranschaulicht werden. Doch über ihre starken Gefühle füreinander hatte - zumindest in den Augen der Rezensentin - ohnehin nie ein echter Zweifel bestanden. Das Ende dieser Episode von True Blood, in dem sich Pam und Eric - aus Forschungsgründen, selbstverständlich - in einen Kampf um Leben und Tod stürzen sollen, bringt daher nur ein seichtes Unbehagen hervor. Neben der Gewissheit, dass sich die zwei niemals ernsthaft töten würden, stimmt zudem noch die Tatsache optimistisch, dass die zwei in Bills Zukunftsvision gemeinsam - und in Gesellschaft - ihrem True Death ins Auge blicken...
Gottes Wege...
Der Entwicklung, die Sarah „I am my own person“ Newlin (Anna Camp) in dieser Episode durchläuft, passt perfekt zu ihrem opportunistischen Charakter. Ganz nach dem Motto des Episodentitels macht sie sich im Anschluss an eine Kränkung durch Truman ausgerechnet an Jason heran. Auf diese Weise bietet sich für sie die Gelegenheit, ihre schicke Unterwäsche zu präsentieren und im Anschluss noch Jessica inhaftieren zu lassen. Mrs. Newlin gehört zwar nicht zu den unumstrittenen Sympathieträgern in der Welt von True Blood. Dafür, dass sie Jason im Schlafgemach die Worte „This feels pretty damn heterosexual“ entlockt und somit einen gedanklichen Exkurs in die herrlichen homoerotischen Passagen der letzten Episode ermöglicht, möchte man ihr ihre Makel aber gerne vergeben.
Steinzeit, Feenstyle
Es ist gut, dass den Zuschauern zu diesem Zeitpunkt die gemeinsame Vergangenheit von Lilith (Jessica Clark), Warlow, Niall (Rutger Hauer) - und ein bisschen auch von Bill - vor Augen geführt wird. Doch diese Erläuterung hätte besser ohne den Ausflug in die Welt der Steinzeitfeen stattfinden sollen. Wohl nicht zuletzt aufgrund der lieblosen Kostüme (von Liliths Outfit einmal abgesehen) und der Tatsache, dass sich Urzeit-Warlow als grenzenlos ineffektiver Wasserschlepper entpuppt, tragen diese Passagen Humor der unfreiwilligen Natur in sich. Immerhin gibt es auch B.C. eine unorthodoxe Portion „Fuck“, um sich damit von dem „Pain“ der unausgegorenen Szene abzulenken. Und Warlow ist Liliths Auserwählter.

Irrwege
Alcide (Joe Manganiello) und Sam (Sam Trammell) stecken mitsamt ihren Storylines - die neben der Kindwolfsentführung nun auch durch den Lauschangriff von Alcides Vater Jackson (Robert Patrick) verbunden werden - weiterhin in langatmiger Ideenlosigkeit fest. Während sich der ungewöhnlich zugeknöpfte „Packmaster“ größtenteils darauf beschränkt, ebendiese Stellung zu betonen, bleibt einem höchstens die Zeile einer Gastdarstellerin in Erinnerung, die gleichermaßen unbequem und unterhaltsam ist. Stacy Haiduk, die eine werwölfische Prostituierte porträtiert, sei zwar zu allem bereit, außer eben zu diesem... „shifting shit during sex. I can't take it from a wolf unless I am one, too.“ OK!
Lost
Doch die Irrwege der Shifter und Werwölfe können in dieser Episode noch von einem anderen Handlungsstrang übertroffen werden! Es ist nicht einfach zu sagen, ob in diesem Zusammenhang die ausufernde dramaturgische Willkür oder aber die unheilvolle Erinnerung an ein gewisses Feuermonster schlimmer zu ertragen sind. Die Rezensentin beschränkt sich an dieser Stelle auf die markante Feststellung: Terry (Todd Lowe), Schmerry trifft wohl demnächst auf Justin (Gideon Emery), Schmastin.
Fazit
Die Serie True Blood ist kürzlich offiziell für eine siebte Staffel verlängert worden. Die Gewissheit über eine Fortsetzung erleichtert es, das Unwohlsein darüber, dass Staffel sechs bereits zur Hälfte wieder vorbei ist, zu ertragen. Dennoch ist es, besonders in Anbetracht der knapp bemessenen Spielzeit, störend, wie viel Zeit die eher unspektakulären Handlungsstränge um Sam und Alcide - und nun zu allem Überfluss auch der Ifrit 2.0 - in Anspruch nehmen.
Glücklicherweise zeichnet sich Fuck the Pain Away aber auch durch eine rasch voranschreitende Handlung aus, die in vielen Erzählsträngen eine Reihe von humoristischen Höhenflügen und innovatives Potential mit sich bringt.
Die Drehbuchschreiber haben es sich beispielsweise in Bezug auf den Tod von Andys Töchtern - allem Anschein nach - etwas zu leicht gemacht. Trotzdem gelingt es ihnen nach einigen dramaturgischen Hakenschlägen auf verlockende Weise, die entscheidenden Figuren in Stellung zu bringen. So muss man sich nicht mit den Fragen herumschlagen, ob Sarahs Kinderwunsch alsbald in Erfüllung gehen wird oder ob Justin noch schießen kann (böse Zungen wären dafür). Man kann sich damit beschäftigen, wie es Eric und den anderen gelingen wird, aus Trumans Horrorcamp zu entkommen (go, Jason!). Die Optimisten im Publikum können sich gar die Zeit damit vertreiben, sich die harmonischen Auswüchse eines Alltags der beiden „Schwestern“ Willa und Pam auszumalen... Und wie wird es sich wohl auf Sookies Beziehung zur Vampirfee Warlow auswirken, wenn sie demnächst als Feenmenschgeist wiederaufersteht?
Auch wenn talentierte Schauspieler wie Robert Patrick immer wieder mit undankbarem Geplänkel abgespeist werden, ist es durchaus möglich, auch diese Episode von „True Blood“ in großen Teilen zu genießen...
Verfasser: Thordes Herbst am Donnerstag, 18. Juli 2013True Blood 6x05 Trailer
(True Blood 6x05)
Schauspieler in der Episode True Blood 6x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?