True Blood 6x03

True Blood 6x03

Die Episode You're No Good kann zwar mit ein paar Highlights punkten. Ein Großteil der Handlungsstränge verläuft sich jedoch in der Bedeutungslosigkeit. True Blood kommt recht humorarm daher und büßt temporär seinen Biss ein.

In „True Blood“ gibt es ein Wiedersehen mit und zwischen Steve (Michael McMillian) und Sarah (Anna Camp) Newlin. / (c) HBO
In „True Blood“ gibt es ein Wiedersehen mit und zwischen Steve (Michael McMillian) und Sarah (Anna Camp) Newlin. / (c) HBO

Der Cliffhanger der Episode The Sun (6x02) hatte den Anschein erweckt, dass Willa Burrell (Amelia Rose Blaire) - die Tochter des vampirophoben Governors von Louisiana - bald zumindest einer halbtoten Existenz entgegenblicken würde. Doch anstatt dem Leben der in symbolträchtigem Weiß gekleideten Maid ein Ende zu bereiten, möchte Eric (Alexander Skarsgard) Willa als Werkzeug im Kampf gegen die erstarkten Menschen verwenden. Zur gleichen Zeit bemüht sich auch Bill (Stephen Moyer) um die Rettung seiner Art - und scheint dabei ebenfalls über eine Entführung nachzudenken...

Sorgenkind Jason

Während Sookie mit ihrer Energiekugel nur so wirkt wie die enthusiastische Anhängerin eines drogeninduzierten Tanzes, greift Jason (Ryan Kwanten) tatsächlich zu einer Fülle von Pillen, um sich damit... zunächst einmal gänzlich unbrauchbar zu machen. Abgesehen von einer einfühlsamen Unterhaltung mit seiner Schwester Sookie (Anna Paquin), in der er wieder einmal durch seinen „einfach gestrickten“ Charme („You didn't wonder why I was acting crazy and more racist than usual?“) begeistert, muss sich Jason in der Episode You're No Good mit der Position des lädierten Anhängsels zufriedengeben. Seine vermeintliche Gehirnerschütterung wirkt dabei derartig desolat, dass man sich ernsthaft Sorgen um die Gesundheit des Hitzkopfes macht...

Alte und neue Liebe?

Vielleicht liegt es ja in ihrem kränkelnden Bruder begründet, dass Sookie sich durch Warlow nicht angemessen in Angst und Schrecken versetzen lässt? Selbst die eindringlichen Warnungen ihres adeligen Ahnen Niall (hübsch exzentrisch verkörpert durch Rutger Hauer) scheinen im Angesicht der Tatsache, dass es nun zu einem expliziten Bruch zwischen ihr und Bill kommt („You are dead to me, Sookie Stackhouse!“), nicht allzu weit zu Sookie vorzudringen. Mit der Weigerung der Halbfee, ihrem Exfreund ihr royales Blut zwecks einer Synthetisierung zur Verfügung zu stellen, scheint die Ära von Sookie und Bill endgültig zu Ende zu gehen.

Doch die blonde Südstaatlerin wird sicher nicht zu lange einsam bleiben müssen - so bahnt sich in Gestalt des Halbfeenmannes Ben (Robert Kazinsky), dessen Eignung als love interest wieder und wieder allzu penetrant betont wird, bereits die nächste Liebschaft an.

Machenschaften

Doch Sookie sei an dieser Stelle zu Vorsicht geraten. So können Bens äußerliche Vorzüge und sein verliebt-verträumter Blick, mit dem er sich für Sookies Privatarmee rekrutieren lässt, nicht davon ablenken, dass er zu einem sehr auffälligen Zeitpunkt in ihr Leben tritt. Auch die Tatsache, dass er Niall im zeitlichen und räumlichen Umfeld des Feenmassakers über den Weg läuft, lässt ihn so weit verdächtig erscheinen, dass man sich fragt, ob er nicht vielleicht gar mit Warlow im Bunde sein könnte...

Nebenbei erfahren wir dank Niall etwas mehr über die Fähigkeiten eines Feenkönigs. Er kann nicht nur aus Blut lesen, sondern verfügt auch über die Gabe, seine „Artgenossen“ - in diesem Falle den bemitleidenswerten Claude (Giles Matthey) - ins Jenseits zu überstellen. Die gesamte Sequenz verläuft recht unspektakulär und obwohl das Warlow'sche Blut hübsch glitzern kann, beschwört es bedauerlicherweise keinen Nervenkitzel herauf...

Eric (Alexander Skarsgård) sorgt nicht nur aufseiten von Willa (Amelia Rose Blaire) für unruhigen Schlaf. © HBO
Eric (Alexander Skarsgård) sorgt nicht nur aufseiten von Willa (Amelia Rose Blaire) für unruhigen Schlaf. © HBO

Höhepunkte

Wie bereits in der vorangegangenen Episode versteht sich True Blood auch jetzt wieder vorzüglich darauf, den immensen Sex-Appeal des Alexander Skarsgard auszuschlachten, der Willa und auch die wandelnde Blutkonserve Ginger (Tara Buck) gleichermaßen um seinen wohlgeformten Finger wickelt. Während Willas Schilderungen über das verwerfliche Treiben ihres Vaters Truman (Arliss Howard) auf eindringliche Weise Assoziationen zu den Konzentrationslagern der Nazis heraufbeschwören, lässt Gingers Vampirgier die schmutzig-verspielte Leichtigkeit aufkommen, durch die sich True Blood auszeichnet.

Zu Gingers großer Enttäuschung beschränkt sich ihre Rolle jedoch darauf, den Flüchtigen Obdach zu gewähren. Am Ende darf sich Willa mit Eric den Sarg teilen, was in einem der unverkennbaren Höhepunkte von You're No Good resultiert. Die sexuelle Annäherung im „Erdmöbelstück“ kommt zwar nicht gänzlich unerwartet, kann in ihrer Intensität aber dennoch ein verschämtes Kichern hervorrufen. Wer hätte gedacht, dass blutende Ohren sich so gut für ein Vorspiel eignen würden?

Alte Bekannte

In einem der unheilschwangeren Vampircamps, die der Governor scheinbar auch aufgrund einer persönlichen Kränkung in die Welt gesetzt hat, gibt es ein Wiedersehen mit Steve (Michael McMillian) und Sarah (Anna Camp) Newlin, die einst Seite an Seite für die fellowship of the sun gekämpft hatten. Vorerst wird anhand ihrer Interaktion zwar lediglich die Skrupellosigkeit der neuen Antivampirbewegung hervorgehoben. Das umgestülpte Machtverhältnis der beiden lässt ihre angestaubten Charaktere aber aufs Neue interessant erscheinen, weswegen die Rezensentin den kommenden Begebenheiten mit Vorfreude entgegenblickt.

Bill und Jessica auf Abwegen

Nach einem kurzfristigen Ausflug in den Größenwahn, der für die Anhänger von Bill einen feurigen Schrecken bereithält und seinen Allmachtphantasien vorerst ein Ende bereiten sollte, kann sich der auserwählte Vampir zum Glück auf eine etwas rationalere Strategie zur Rettung der Blutsauger besinnen. Zum einen hetzt er dem Chemiker und True-Blood-Spezialisten Hido Takahashi (Keone Young) seinen langbeinigen Schützling Jessica (Deborah Ann Woll) auf den Hals. Das absonderliche Szenario, in dem die verflucht aufgedonnerte Jessica ihrem untersetzten Gesprächspartner gegenübertritt, ist nicht nur äußerst amüsant mit anzusehen, sondern untermalt aufs Neue das wandelbare Spiel der Deborah Ann Woll.

Während Jessica den Puls von so manchem Zuschauer auf Trab bringt, lässt sich Bill von einem Stofftier zur nächsten Etappe seines Planes inspirieren. Bill hat es nun allem Anschein nach auf das Blut von den übernatürlichen Vierlingen des Andy Bellefleur (Chris Bauer) abgesehen!

Vaterfreuden, Andy-style

Zum Thema Vierlinge: Das einzige, was den Handlungsstrang um Andys in Lichtgeschwindigkeit größer werdende Familie davor bewahrt, gänzlich überflüssig zu erscheinen, ist die herzerwärmende Art des Gesetzeshüters („Right now I am just using numbers. Seems to work.“). Das Schießtraining mit seiner Verflossenen (Lauren Bowles) ist in dem Maße unaufregend, wie Hollys Treffer vorhersehbar sind. Glücklicherweise tragen ihre gemeinsamen elterlichen Bemühungen in ihrer Absurdität zumindest vorübergehend einen erfrischenden Humor in sich: „Out of my head, number three!

Werwölfin Rikki (Kelly Overton) mit ihrem Paradegesichtsausdruck. © HBO
Werwölfin Rikki (Kelly Overton) mit ihrem Paradegesichtsausdruck. © HBO

Immer Ärger mit den Werwölfen

Alcide (Joe Manganiello) und sein eindimensional-aggressives Alphaweibchen Rikki (Kelly Overton) geraten mit Nicole (Jurnee Smollett-Bell) und den anderen Mitgliedern der Vampire Unity Society aneinander. Schnell entbrennt aus einer Stippvisite der Aktivisten ein brutaler Kampf, in dem Nicoles Freunde die Erkenntnis, dass es sich bei Werwölfen nicht um Kuscheltiere handelt, gar mit dem Leben bezahlen müssen.

Der Kampf um die kleine Emma (Chloe Noelle) ist alleine schon nicht sonderlich packend. Noch schlimmer ist in diesem Zusammenhang lediglich, dass Sam (Sam Trammell) der verwundeten Nicole ein allzu verdächtiges Maß an Aufmerksamkeit entgegenbringt. Doch immerhin lässt sich an dem altruistischen Verhalten des Gestaltwandlers noch immer sein weicher Kern ablesen, während Alcides Rolle als grimmiger Rudelführer nicht gerade das Beste in seinem Charakter zum Vorschein bringt.

Fazit

Indem Nora (Lucy Griffiths) dem Haus der Stackhouses einen Besuch abstattet, wird der etwas kraftlose Erzählstrang von Sookie mit dem der Vampire im Umkreis von Eric zusammengeführt. Da in der jüngsten Vergangenheit in erster Linie Eric für die Höhenflüge von True Blood verantwortlich war, wäre eine engere Verstrickung dieser beiden Storylines sicherlich positiv zu bewerten.

Die Werwölfe werden ebenso von der Angst vor den anstehenden Maßnahmen der Menschen umgetrieben wie die Shifter. Dabei wirken die einzelnen, Emma-bezogenen Handlungselemente aber leider wenig phantasievoll und scheinen sich zu lange auszudehnen. Auch entbehren diese Passagen momentan den mitreißenden und True Blood-typischen Witz, was indirket auch mit der arg begrenzten Spielzeit von Lafayette (Nelsan Ellis) in Zusammenhang stehen könnte.

Trotz einiger Lichtblicke - wie Erics Betörungskünsten, Bills verwerflichen Machenschaften oder Andys sympathischer Verzweiflung (ja, die Rezensentin bekommt einfach nicht genug von ihm) - kann die Episode You're No Good nicht vollends überzeugen. Es bleibt zu hoffen, dass sich Charaktere wie Ben oder Nicole für die Spielzeit, die ihnen bislang gewidmet wurde, bald revanchieren können. Denn die Zeit ist knapp - so folgen lediglich noch sieben Episoden, bis auch die sechste Staffel von True Blood zu Ende geht.

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 9. Juli 2013

True Blood 6x03 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 3
(True Blood 6x03)
Deutscher Titel der Episode
Blutspende
Titel der Episode im Original
You're No Good
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 30. Juni 2013 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 14. November 2013
Autor
Mark Hudis
Regisseur
Howard Deutch

Schauspieler in der Episode True Blood 6x03

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