True Blood 6x02

Die Episode The Sun enthüllt, dass sich die Rezensentin und Jason Stackhouse (Ryan Kwanten) gleichermaßen haben hinters Licht führen lassen. Bei dem struppigen Neuzugang, der Jason in seinem Auto mitgenommen hatte, handelt es sich - allem Anschein nach - doch nicht um Warlow, sondern lediglich um Niall Brigant (Rutger Hauer), den „fucking Fairy Grandfather“ der Geschwister Stackhouse. Während sich klare und unmissverständliche Offenbarungen weiterhin in Grenzen halten, ist eines gewiss: Der Kampf zwischen Menschen und Vampiren droht zu eskalieren.
Die Feenprinzessin
Niall überbringt seinen Enkeln nicht nur die Hiobsbotschaft, dass sich der gefährliche Warlow bereits in Bon Temps befindet, sondern offenbart Sookie (Anna Paquin) auch einen Trick, um den uralten Vampir auszuschalten. So trainiert der Blondschopf fortan fleißig, eine Supernova heraufzubeschwören, mit der sie alle sich in der Nähe befindlichen Vampire ihrem true death zuführen kann. Doch der Feentrick funktioniert nur ein einziges Mal und soll die Kellnerin gleichzeitig all ihrer übernatürlichen Kräfte berauben.
Da wir gerade von der Kellnerei sprechen: Mit Arlenes (Carrie Preston) wütendem Anruf bei ihrer Kollegin hält eine erquickliche Portion Alltag Einzug in die Welt von True Blood. Doch anstatt für den Rest der Episode die Gäste im Merlotte's zu bewirten, stolpert Sookie auf ihrem Arbeitsweg über eine attraktive männliche Halbfee namens Ben (Robert Kazinsky). Glücklicherweise thematisiert die Serie diesen mehr als zufälligen Zufall in einer angenehm selbstironischen Weise und es sieht für einen kurzen Moment sogar danach aus, als würde Sookie den Verwundeten links liegen lassen. Doch auch nach den vielen nervenaufreibenden Begebenheiten der Vergangenheit ist die Südstaatlerin noch nicht so weit abgestumpft, dass sie Ben sich selbst überlassen würde und macht sich - wenn auch widerstrebend („Gosh, danged“ und „fudge“ noch mal!) - an die heilbringende Arbeit.
Die Menschen vs. Eric
Erics (Alexander Skarsgard) neuer Sanftmut löst sich beim Anblick der teuflischen, neuen Antivampirmunition im Fleisch von Tara (Rutina Wesley) in Luft auf. Während Noras (Lucy Griffiths) neuerliches Studium der heiligen Schrift wenig Erfreuliches innewohnt, manifestieren sich in Erics Gegenmaßnahmen die wohl unterhaltsamsten Passagen von The Sun. Zunächst bekommen wir den starken Mann in einer wirklich herrlichen Nerdmaskerade zu sehen, in der der Augenschmaus kaum wiederzuerkennen ist. Doch trotz seines höchst authentischen Auftritts schlägt Erics Plan, den aggressiven Governor Truman Burrell (Arliss Howard) mithilfe des glamouring von seinem Kreuzzug abzubringen, fehl. So verfügen die Menschen nun nicht nur über UV-Licht-ausstrahlende Silbermunition, sondern auch über Kontaktlinsen, die sie gegen die Hypnose der Vampire immun machen.

Während die Warmblüter auf der einen Seite ihre Hausaufgaben gemacht zu haben scheinen, versagen sie an anderer Stelle völlig („They can fly?“) und ermöglichen Eric somit nicht nur die Flucht, bevor er in ein unheilschwangeres „Camp“ abgeführt werden kann, sondern auch seinen zweiten gelungenen Auftritt in dieser Folge. Als er vor dem Fenster der in unschuldigem Weiß gekleideten Governor-Tochter Willa Burrell (Amelia Rose Blaire) herumschwebt, bringt er einen Hauch von gutem, alten Dracula-Charme in die Handlung. Wird er die junge Frau in einen Vampir verwandeln, damit sie - wie in der Anekdote, die Burrell zuvor zum Besten gegeben hatte - ihre Eltern tötet?
Save the Lord
Seit Bills (Stephen Moyer) Körper in der vergangenen Episode die drei nackten vampirgottähnlichen Gestalten in sich aufnahm, spürt er den Schmerz der Vampire in seiner Umgebung - auch den, der ihnen erst noch bevorsteht. So vage und schwer zu deuten wie die Worte, die die plötzlich bekleidete Lilith (Jessica Clark) Bill in einer „No Place“-Traumwelt kundtut („Events have been set in motion.“; „You will know what to do. Trust what you see.“), ist auch Bills Vision, die dieser Episode als Cliffhanger dient. Darin werden Jessica (Deborah Ann Woll), Eric und noch weitere Vampire kollektiv der Sonne ausgesetzt: „They are all going to burn!“
Gut gegen Böse?
Die Bilder von misshandelten und getöteten Vampiren, die mit der Kriegserklärung der Menschen einhergehen, sind grausam und zeugen von einer fanatischen Gnadenlosigkeit. Wieder einmal schwingt in der Diskriminierung der (übernatürlichen) Minderheiten in der Welt von True Blood auch eine Allegorie der Verfolgung von einzelnen Gruppen in der Realität mit. Doch die Zeiten, in denen man in der Welt von Bon Temps problemlos zwischen den gemäßigten und zu Unrecht verfolgten „guten“ Vampiren und den zu allem bereiten, xenophoben „bösen“ Menschen unterscheiden konnte, sind vorbei: Veronica (Marina Benedict), die wandelnde Blutkonserve von der „Human Edibles - We're tasty“ GmbH, wird von Bills geistiger Kraft erst auf verstörende Weise verknotet. Die Art und Weise, in der das Blut aus ihr herausströmt, wohnt zwar auch eine gewisse Komik inne, doch menschenverachtend und verwerflich ist Biliths Umgang mit der Blutspenderin allemal.
Bills grausige Mahlzeit provoziert Jessica zu ihrem Fürbittgebet an Gott oder Bill oder auch beide, welches nicht zuletzt dank Deborah Ann Wolls intensivem Spiel eine Spur rührenden Tiefgang in die Handlung bringt.
Die Nachwehen des Iftit
Weniger erfreulich erweist sich das Auftauchen von Maggie Devins (Rebecca McFarland ), der schwangeren Frau des ermordeten Patrick (Scott Foley), im Merlotte's. Für eine Schrecksekunde befürchtete die Rezensentin bereits die Wiederauferstehung des Ifrit, bevor Arlene diesem zähen Auswuchs in der Handlung mit einer pragmatischen Lüge - zumindest vorerst - ein Ende bereitet.

Auch der Handlungsstrang um den Vierfachfeenvater Andy Bellefleur (Chris Bauer) beschränkt sich - vielleicht zum Glück - auf eine einzige Szene, in der erneut die Hilflosigkeit des Polizisten bei der Aufzucht seines Hybridennachwuchses hervorgehoben wird. Während es nicht leicht ist, sich in Bezug auf die Minifeen unterhaltsame zukünftige Begebenheiten vorzustellen, die gleichzeitig einen gewissen Tiefgang haben, kann man sich zumindest an der erheiternden Darstellungsweise Bauers berauschen.
... Und der Rest
Aufseiten des vormals so kooperationsbereiten Alcide (Joe Manganiello) drängt sich zu diesem Zeitpunkt der Verdacht auf, dass dem Rudelführer der Cocktail aus Vampirblut und Macht zu Kopf gestiegen sein könnte: So erscheinen der Alphawerwolf und seine übertrieben eindimensional und aggressiv gezeichnete Zweitfrau Danielle (Jamie Gray Hyder) bei Sam (Sam Trammell, um Emma (Chloe Noelle) mitzunehmen - zur Not gegen Sams Willen.
Auch in dieser Episode hält sich die Spielzeit von Lafayette (Nelsan Ellis) bedauerlicherweise in Grenzen. Dass der liebenswürdige Exot in seinem kurzen Auftritt auf unverhältnismäßige Weise von Danielle attackiert wird, kann dem beliebig anmutenden Handlungsstrang aber auch nicht zu mehr Spannung verhelfen. Auch die Tatsache, dass sich während des Konfliktes die Gleichstellungshippies von der Vampire Unity Society, die sich im Umfeld der engagierten, aber nicht sonderlich interessant erscheinenden Nicole (Jurnee Smollett-Bell) tummeln, in einem Busch verstecken, kann das Zuschauerherz kaum zum Jauchzen bringen.
Fazit
Die Serie True Blood hatte schon des Öfteren mit Handlungssträngen aufgewartet, in denen die ausufernde Absurdität des Gezeigten nicht länger durch seinen Unterhaltungswert wettgemacht werden konnte. Obwohl wir uns erst am Anfang der sechsten Staffel befinden und die verschiedenen Charaktere zunächst noch in Position gebracht werden müssen, macht sich nicht in Bezug auf alle Handlungsstränge Vorfreude breit. Während es willkürlich und merkwürdig anmutenden würde, Ben nach seiner Einführung nie wieder in Erscheinung treten zu lassen, würde es die Rezensentin nicht allzu sehr betrüben, wenn sich Nicole und Maggie einfach wieder aus dem Staub machen würden. Bei der Gelegenheit könnten sie auch gleich Danielle mitnehmen.
Doch The Sun kann glücklicherweise auch glänzen: Sowohl die Erstarkung des Governors als auch Erics facettenreiches Treiben tragen einen beachtlichen Unterhaltungswert in sich und machen neugierig auf die künftigen Episoden.
Während uns Arlene weiterhin durch ihre erquicklichen Lebensweisheiten („Life is really a shit sandwich sometimes“) zu fröhlicheren Menschen macht, bereitet True Blood auch weiterhin viel Spaß. Man kann sich getrost zurücklehnen, um zu sehen, wohin uns die wilde Fahrt zwischen hellseherischen Biliths, einer Sookie als Feenprinzessin mit Supernovapower und Werwölfen im Größenwahn noch führen wird. Ein Mangel an Konfliktpotential ist derweil nicht zu befürchten, denn: „It's time for humans to bite back...“
Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 24. Juni 2013True Blood 6x02 Trailer
(True Blood 6x02)
Schauspieler in der Episode True Blood 6x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?