True Blood 6x01

True Blood 6x01

Der Einstieg in die sechste Staffel von True Blood verläuft durchwachsen: Neben einem undurchschaubaren Bill, einem undurchschaubaren Governor und einem unspektakulären Todesfall gibt es auch straffe, nackte Haut zu sehen. Doch trotzdem fehlt der Biss.

Wie wird es mit Stephen Moyer als Bill in der sechsten Staffel von „True Blood“ weitergehen? / (c) HBO
Wie wird es mit Stephen Moyer als Bill in der sechsten Staffel von „True Blood“ weitergehen? / (c) HBO

Blutknappheit und ein politischer Neuzugang

246 Menschen haben den Tod gefunden, seitdem die „True Blood“-Fabriken auf Bills (Stephen Moyer) Geheiß hin durch die Vampirautorität in die Luft gesprengt wurden. Truman Burrell (Arliss Howard), der Governor von Louisiana, nutzt die Gelegenheit, um den Vampiren öffentlichkeitswirksam den Krieg zu erklären.

In der Tatsache, dass zudem alle von Vampiren geführten Betriebe geschlossen werden sollen, manifestiert sich wieder das althergebrachte Sündenbockprinzip, dem sich im Laufe der Geschichte schon viele Minderheiten ausgeliefert sahen. Die neue politische Größe in der Welt von True Blood treibt jedoch insgeheim ein doppeltes Spiel und möchte sich als silent partner an der Wiederinstandsetzung der „True Blood“-Produktion beteiligen. Obwohl sich in Burrell dank der soliden schauspielerischen Leistung von Arliss Howard ein potentiell mächtiger Gegenspieler manifestiert, auf dessen Bündnispartner man gespannt sein darf, fällt es schwer, ihm die gleiche Ehrfurcht entgegenzubringen wie beispielsweise einem Russell Edgington (Denis O'Hare).

Bilith

Den Freunden von True Blood dürfte Erics (Alexander Skarsgard) letzter Appell an Sookie (Anna Paquin) - „Ruuuun!“ -, mit dem die fünfte Staffel der Vampirserie ausgeklungen war, noch in den Ohren klingen. In dem panischen Ruf hatte sich doch ein furioser Kampf zwischen dem als „Bilith“ wiederauferstandenen Bill und seinen früheren Wegbegleitern angekündigt. Doch schnell wird deutlich, dass die Gefahr für Sookie und ihre Freunde doch nicht so eklatant ist, wie es uns der Cliffhanger suggeriert hatte. Dies liegt ein wenig in Sookies „entschärfender“ Slapstickeinlage begründet, in der sie - der Länge nach und mit dem Gesicht voran - in dem blutigen Schleim eines toten Vampirs landet. Viel wichtiger ist in diesem Zusammenhang jedoch Bills - tatsächlich recht gemäßigt erscheinende - Reinkarnation: Zu Beginn von Who Are You, Really? darf sich Bilith noch mächtig austoben. Dabei führt uns eine Inszenierung in Computerspieloptik den Wandel vor Augen, der ihm widerfahren ist. Doch nachdem Bill sich im Stile eines „naked, evil Superman“ im Senkrechtstart davonkatapultiert, tritt auch seine gemäßigtere Seite zutage.

Nicht so schlecht

I just wanne talk“, sagt Bill so höchst vernünftig. Sookie rammt ihm trotzdem einen Pfahl in den Rücken, was gleich zweierlei Dinge erkennen lässt. Zum einen ist der neue Bill unsterblich und zum anderen hat sich Sookie trotz der immerwährenden Liebe für ihren Exfreund („Bill was my everything!“) für ihre anderen Gefährten entschieden.

Einzig Jessica hält Bilith die Treue. Als die beiden alleine sind, deutet sich an, dass Bill sich davor fürchtet, von der noch gänzlich unerforschten Macht überwältigt zu werden, die ihm nun innewohnt. Während nicht absehbar ist, wie ehrlich seine ehrbaren Worte an Jessica tatsächlich sind, manifestiert sich auch in den letzten Augenblicken dieser Auftaktepisode, dass Bill noch keine Ahnung davon hat, was auf ihn zukommt: Was hat es mit den drei allesamt so nackt wie blutigen Vampirinnen auf sich, die Bill in den Leib fahren?

Sookie (Anna Paquin) tauscht sich in einem ruhigen Moment mit Jessica (Deborah Ann Woll) aus. © HBO
Sookie (Anna Paquin) tauscht sich in einem ruhigen Moment mit Jessica (Deborah Ann Woll) aus. © HBO

Rollentausch

Während Bill sich trotz aller Ambivalenz eher der dunkleren Seite der Macht zugewandt hat, übernimmt Eric stoisch und konsequent die Rolle des „Guten“. Obwohl sein früheres, skrupelloseres Wesen in Momenten der emotionalen Aufgewühltheit für Sekundenbruchteile wieder sichtbar wird, vermisst die Rezensentin doch die Unberechenbarkeit, die mit seiner Figur einherging - bevor der Vampir sich zur anstandslosen Rückerstattung von Immobilien herabließ.

Ein Hauch von Romantik

Tara (Rutina Wesley), die im Umgang mit Pam (Kristin Bauer) genau den richtigen Mittelweg zwischen Behutsamkeit und Härte findet, verhindert, dass sich ihre „Makerin“ weiter in sich selbst zurückzieht. In diesem Zusammenhang wird das erste sexuelle Aufeinandertreffen der beiden sehr hübsch und subtil angedeutet, indem Tara beiläufig die Hose zuknöpft. Nach der obligatorischen Demonstration ihrer Unnahrbarkeit durch Pam, offenbart sich im Angesicht von Gefahr, dass ihre Gefühle für Tara stärker sind, als sie es - vielleicht auch gegenüber sich selbst - eingestehen möchte.

Die Gefahren des Trampens

Nach - selbst für den hitzköpfigen Jason (Ryan Kwanten) - sehr hart anmutenden Worten kehrt Sookies Bruder der Gemeinschaft der Überlebenden recht überstürzt den Rücken zu. Und zwar nur, um sich wenig später in der nächsten Bredouille wiederzufinden... Auf das manische „Who the hell do you think I am?“ seines Chauffeurs folgt eine derartig diabolische Lache von Warlow, dass man sofort das Gefühl bekommt, dass Rutger Hauer die richtige Besetzung für diesen unheilschwangeren Charakter darstellt.

Packmaster

Alcide (Joe Manganiello) ist von nun an packmaster. Doch sein neuer Posten bringt unappetitliche Pflichten mit sich. Kannibalismus gehört nicht nur in der Welt von Hannibal zum guten Ton. Dadurch, dass der Werwolf das Fleisch seines Vorgängers in Menschengestalt zu sich nimmt, wirkt das Ritual besonders verstörend. Beim Anblick eines Alcides im Machtrausch sind nicht nur Martha (Dale Dickey) und Rikki Naylor (Kelly Overton) besorgt. Zwar bringen auch die positiven Seiten eines Daseins als Rudelführer - nicht zuletzt dank der mehr als sehenswerten Darsteller - einen gewissen Reiz in die Handlung: „I am your number one bitch!“ Trotzdem ist es schwer vorstellbar, welche Begebenheiten den etwas langgezogenen Abenteuern der Wolfsmenschen langfristig zu einer packenden Brisanz verhelfen sollten.

Freuden der Vaterschaft

Andy (Chris Bauer) wird von den verantwortungslastigen Konsequenzen seiner Liebschaft mit der Fee Maurella (Kristina Anapau) regelrecht überwältigt. Zum Glück ist Arlene Fowler (Carrie Preston) samt ihrer liebreizenden Mundart zur Stelle, um ihm in Bezug auf seine Pflichten für die „Alien Babys“ ins Gewissen zu reden.

Selten hat man eine rührendere Szene gesehen als die, in der sich Andy offiziell einem seiner Sprösslinge vorstellt: „I am Sheriff Andy Bellefleur, and I am going to be your daddy!

Lafayette (Nelsan Ellis) kommt in dieser Episode leider etwas zu kurz. © HBO
Lafayette (Nelsan Ellis) kommt in dieser Episode leider etwas zu kurz. © HBO

Es liegt vor allem in Andys liebenswerter Tollpatschigkeit begründet, dass die Storyline um seine unorthodoxe Vaterschaft durchaus unterhalten kann. Es bleibt zu hoffen, dass die hiesigen Entwicklungen nicht allzu albern werden. Diese deuten sich nämlich bereits darin an, dass die vier kleinen Hybridsprösslinge über Nacht - und mitsamt ihrer Schlafanzüge - beträchtlich gewachsen sind.

Ein beiläufiger Todesfall

Ach ja: Luna (Janina Gavankar) ist tot. Weder die Verantwortlichen hinter der Serie noch ihre eigene (Serien-)Tochter Emma (Chloe Noelle) wollen allzu viel Zeit für die Trauerarbeit aufwenden. Wenn man bedenkt, wie viel Spielzeit Alcide oder Andys Nachwuchs gewidmet wurde, wirkt die beiläufige „Entsorgung“ ihres Charakters etwas lieblos.

Fazit

Die Auftaktepisode der sechsten Staffel bringt trotz der ernsten Lage wieder eine Reihe von humoristischen Referenzen und selbstironischen Anspielungen mit sich. Gerade diese stoßen einem in True Blood ja immer wieder so erquicklich vor den Kopf.

So ist es schön, zu sehen, wie sich Jason - trotz der mehrheitlich blutsaugenden Passagiere, mit denen er sich in einem Auto befindet - noch für die düstere Kampfansage des Governors begeistern kann. Auch Jessicas entrüstete Frage - „You wanne kill Bill?“ - stimmt dank des berühmten Zweiteilers von Quentin Tarantino ebenso fröhlich wie die Tatsache, dass Pam ihre Wut zwischenzeitlich an Sandburgen auslässt.

Die erste Episode von True Blood, in der der bisherige Co-Executive Producer Brian Buckner die Rolle des Showrunners von Alan Ball übernommen hat, greift den Cliffhanger des boshaften Bills auf, um ihn gleich ein Stück weit zu entschärfen. Obwohl einige Zuschauer sich sicherlich auf einen Bilith im Zerstörungsmodus gefreut hätten, macht auch Bills nun anstehende Suche nach sich selbst einen vielversprechenden - wenn auch etwas verwirrenden - Eindruck.

Die Auftaktepisode Who Are You, Really? kann leider keine Stürme der Begeisterung entfachen - dafür muten die verschiedenen Handlungsstränge noch etwas zu unkoordiniert an und außerdem mangelt es an spektakulären Höhepunkten. Dennoch ist es schön, die altbekannten Charaktere wiederzusehen und man darf hoffen, dass sich die Serie in den neun verbleibenden Folgen der sechsten Staffel möglichst bald zu alten Höhen aufraffen wird.

Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 17. Juni 2013

True Blood 6x01 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 1
(True Blood 6x01)
Deutscher Titel der Episode
Wiedergeburt
Titel der Episode im Original
Who Are You, Really?
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 16. Juni 2013 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 7. November 2013
Autor
Raelle Tucker
Regisseur
Stephen Moyer

Schauspieler in der Episode True Blood 6x01

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