True Blood 5x12

Ein Blutbad war für das Finale der fünften Staffel von True Blood angekündigt - es wunderte kaum einen, bevölkerten doch in der Staffel viele neue Figuren die Umgebung von Bon Temps. Jedenfalls sollte es tatsächlich auch ein Blutbad werden. Den Auftakt macht relativ unzeremoniell Russell Edgington (Denis O'Hare): Auf dem Weg zu seinem größten Triumph wird er von Eric (Alexander Skarsgard) überrascht und gepfählt. Ja, Russell ist nach 3000 Jahren auf Erden recht schnell endgültig weg vom Fenster.
Doch damit ist nur eines der Probleme gelöst: Immer noch befinden sich Pam (Kristin Bauer van Straten) und Jessica (Deborah Ann Woll) im Hauptquartier der Vampire Authority gefangen, wo ein unstabiler Bill (Stephen Moyer) anscheinend auf seine spirituelle Rettung wartet. Eric, Tara (Rutina Wesley) und Nora (Lucy Griffiths) überreden Sookie (Anna Paquin) dazu, zur Authority aufzubrechen. Jason (Ryan Kwanten), geplagt von Visionen seiner toten und vampirhassenden Eltern, drängt sich der Truppe auf - „If I wanna be a fool, then I will be a fool - that is my good given right as an american!“ -, um ein Paar der neuerdings verhassten Blutsauger aufs Korn zu nehmen.
In der Vampirzentrale appelliert Sam (Sam Trammell) unterdessen vergeblich an das Mitgefühl von Bill. Anschließend macht der Formwandler sich dünn - und in Fliegenform auf Erkundungstour. Bill erweist sich als vollkommen vom Willen zur Macht besessen: Als er erkennt, dass neben ihm und dem bereits von ihm liquidierten Kibwe auch Salome (Valentina Cervi) eine Vision von Lilith hatte, bestärkt er sie in dem Glauben, sie sei die Auserwählte.
Bei ihrem Versuch, mit ihrer Tochter Emma aus dem Gefängnis der Authority zu entkommen, schlüpft Luna (Janina Gavankar) so täuschend echt in die Gestalt von Reverend Newlin (Michael McMillian), dass auch Kanzlerin Rosalyn Harris (Carolyn Hennesy) darauf reinfällt. Sie zerrt den „Reverend“ vor eine Kamera, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Doch stattdessen enthüllt die sich zurückverwandelnde Luna der Öffentlichkeit weitere Vampiruntaten. Mit dem wohl ekligsten Tod der Episode verabschiedet sich Harris: Sam lässt sich in Fliegenform von ihr verschlucken, um sich dann in einen Menschen zurückzuverwandeln... Lunas Verwandlung in einen anderen Menschen bedroht aber deren Überleben, da shiftern so etwas bekanntlich nicht gut bekommt.
Andernorts
Die Lacher haben in der Episode Save Yourself wieder die Fairies auf ihrer Seite: Andys (Chris Bauer) Gespielin bringt zum 73. Mal Nachwuchs auf die Welt - und wenn man ihr so zuhört, versteht man, warum sie keine Probleme damit hat: Für sie ist es die größte Freude! Und der in dieser Episode erneut unterbeschäftigte Lafayette (Nelsan Ellis) fasst mit seinem Gesichtsausdruck zwischen Neugier und einer guten Portion Ekel die Emotionen des Zuschauers passend zusammen. In der nächsten Staffel werden wir Andy also als vierfachen Vater erleben dürfen.
Düster geht es bei den Werwölfen zu. Alcide (Joe Manganiello) erfährt, dass der vampirblutbesessene J.D. (Louis Herthum) nicht nur alle Mitglieder seines Rudels zum Konsum von V gebracht hat, sondern dass in dem Rausch auch jüngere weibliche Mitglieder des Rudels Opfer von Vergewaltigungen wurden. Deshalb lässt er sich auf die Stufe des alten Wolfes herab: Er schluckt Vampirblut und prügelt seinen Widersacher zu Brei.
Showdown
Im Versuch, ihre Freunde zu befreien, dringt das Team um Eric ins Hauptquartier der Authority ein. Jason darf, in typischer Manier, die Situation dabei komisch überzeichnen und wirkt wie ein Fratboy bei einer Partie Paintball. Die beim Einsatz der beiden Vampire Eric und Nora verwendete Tricktechnik sollten sich die Macher vor der nächsten Verwendung vielleicht noch einmal genauer anschauen. Bei der Befreiung von Pam und Jessica durch Sookie und Tara dürfen sich Pam und ihr Geschöpf einen innigen Kuss geben und Jessica begeistert „I knew it“ ausrufen.
Derweil hat Bill die von eigener Hybris geblendete Salome ausgetrickst und ihr mit einer reichlichen Dosis Silber versetztes Blut in der Phiole von Liliths Blut untergejubelt, das sie begierig trinkt. Die letzten Sekunden ihres mehr als 2000-jährigen Lebens muss sie sich die Triumphrede von Bill anhören. Als Sookie und Eric eintreffen, um ihren alten Freund zu retten, müssen sie feststellen, dass sie ihn nicht mehr vor sich selbst schützen können: Er ist vollkommen seinem Wahn von der Überlegenheit der Vampire und seiner eigenen Rolle in deren Geschicken erlegen.
Und so gönnt Bill sich den Rest von Lilliths Blut: Er vergeht, um als ihr Ebenbild wieder zu erstehen. Eric hat die Situation wohl richtig durchschaut, als er mit dem Schrei „Run!“ die Staffel beendet.
Nachbetrachtung
Das war sie nun, die fünfte Staffel von True Blood. Wie üblich werden diverse Auswirkungen der Geschehnisse erst in der nächsten Staffel und damit im nächsten Sommer auf den Tisch kommen. So steht zum Beispiel die Auseinandersetzung mit dem geheimnisvollen Vampir Warlow noch aus, ebenso die Folgen des Bruchs der Vampir-Autorithy mit den politischen und militärischen menschlichen Führern, die auf eine kriegerische Auseinandersetzung hinauslaufen. Ganz abgesehen von der Zerstörung aller fünf True-Blood-Fabriken und der entsprechenden Verknappung künstlicher Nahrung für Vampire...
Wie schon zuletzt ist zu beobachten, dass neben den großen Geschichten über die Geschicke der „Vampirheit“ die kleineren über die Bewohner von Bon Temps zurückstehen müssen: Die meisten dortigen Handlungen waren bereits vor einer oder zwei Episoden abgeschlossen. Terry etwa tauchte erst gar nicht mehr auf, Lafayette durfte beide Episoden wenigstens noch mit sehr gelungenen „Bonmots“ würzen. Überhaupt war das Geschehen um die Bewohner der kleinen Stadt in Louisiana der leichtere Teil der Handlung.
Immerhin gab es für die Fans auch im Staffelfinale von True Blood einige kleinere Momente ihrer Figuren: die Geburt der vier Töchter von Andy Belfleur, das Zurückweisen von Jessica durch Jason, die Wiedervereinigung von Tara und Pam ebenso wie die subtilere, aber doch deutliche Wiedervereinigung von Pam und Eric.
Schade ist es eigentlich um das doch sehr antiklimatische Ableben von Russell gleich zu Episodenbeginn. Sicherlich ist es schwierig, wenn sich eine Serie einen solch bedeutenden und unüberwindbar erscheinenden Bösewicht aufgebaut hat und dieser doch irgendwann besiegt werden muss. Aber dann so sang- und klanglos?
Offene Enden
Neben den bereits angesprochen großen Entwicklungen wird sich zeigen müssen, wie dauerhaft Jasons neu gefundene Vampirverachtung ist. Daneben war die Aufmerksamkeit, die Erics Schwester Nora dem appetitlichen Geruch von Sookie entgegenbrachte, zu präsent, um in der sechsten Staffel keine Fortsetzung zu finden.
Da mit der neuen Staffel auch Showrunner Alan Ball abtritt, die Geschicke der Serie an Mark Hudis abgibt und dieser ihr seinen eigenen Stempel aufdrücken will, kann einem ein wenig bange um Alcide werden. Die Auflösung seiner Handlung in diesem Staffelfinale könnte nämlich eigentlich der ideale Abschluss seiner Geschichte sein. Gut nur, dass Sookie durch Bill gefährdet ist und einen weiteren Beschützer gut gebrauchen kann.
Insgesamt krankte die fünfte Staffel unter der Konzentration auf die Vampir-Authority - wer mit den Spielchen der dortigen Figuren nicht warm wurde, für den hatte die Staffel eher wenig zu bieten. Daneben konnte die Demontage des eigentlich beliebten Sheriff Dearborne (William Sanderson) nur bedingt überzeugen, aus der Hoyt-Handlung wurde das letzte bisschen Leben gelutscht und auch die Herabwürdigung von Terry als Kriegsverbrecher sowie die damit verbundene Ifrit-Handlung waren eher Sand im Getriebe.
Fazit
Besser als die vierte Staffel war Staffel fünf allemal. Nachdem der Cast in der fünften Staffel um die Kanzler der Authority aufgebläht worden war, kann man sich nach dem Blutbad in diesem Staffelfinale wohl wieder auf eine Verschlankung des Casts und eine Konzentration auf die zentralen Figuren freuen. Man muss aber eingestehen, dass der Spaß an True Blood zuletzt doch stark von den kleineren Witzen abhing, bei denen Jason und Lafayette als Speerspitzen fungieren konnten.
Verfasser: Bernd Michael Krannich am Montag, 27. August 2012(True Blood 5x12)
Schauspieler in der Episode True Blood 5x12
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?