True Blood 5x11

In der Episode Sunset der Serie True Blood geht es auf das Staffelfinale zu - zahlreiche Handlungsstränge nähern sich ihrem Höhepunkt. In der Authority herrscht ein Überangebot von Vampiren, die sich für berufen halten, während andere der Authority entkommen wollen. Ein Konflikt mit dem amerikanischen Militär bahnt sich an, und ein Plan der Faeris zur Beendigung der Bedrohung durch Russell Edgington scheitert katastrophal.
Auf dem Weg in die Zukunft
Das große Problem beim Umgang mit potenten Stoffen: Sie verändern das Weltbild. Beim Blut der Ur-Vampirin Lillith (Jessica Clark) handelt es sich um eine besonders potente Substanz, ob es sich dabei nun um ein Halluzinogen oder eine religiöse Reliquie handelt - Indizien aus dieser Episode deuten eher auf letzteres hin. Und ob Lillith für die Vampire nun eine Halluzination oder eine „echte“ Vision ist, sie hinterlässt ihren Eindruck. Mehrere von ihnen halten sich durch ihre Sinneseindrücke für von der Ur-Vampirin berufen, neuer - und vor allem einziger - Führer der Vampirreligion zu werden. Auch der zunächst zögerliche Bill Compton (Stephen Moyer).
Der wirft damit den letzten Rest Menschlichkeit aus seinem Vampir-Herz: Nicht nur, dass ihm zunächst das Schicksal von Sookie (Anna Paquin) und Jason (Ryan Kwanten) egal ist. Um sein Geschöpf Jessica (Deborah Ann Woll) stärker unter seinen Willen zu zwingen, setzt er sie schließlich auf Jason an, um ihren Widerstand zu brechen: Sie soll ihn zum Vampir machen.
Anders hingegen Nora (Lucy Griffiths), der durch ihre Vision ihres Schöpfers Godric (Allan Hyde) klar wird, welche Konsequenzen der Weg der Sanguinista für sie selbst haben wird - und sie zum Bruch mit den religiösen Strömung bringt, deren geheime Speerspitze sie bis eben noch war. Ihre Erkenntnis treibt sie in die Arme von Eric (Alexander Skarsgard) - wörtlich. In der Vampirwelt werden Bündnisse gerne mit körperlichem Einsatz besiegelt.
Cooler Heads ... die
Der Auftritt von General Cavanaugh (Phil Reeves) bringt viel Licht in die dunklen Beziehungen zwischen menschlichen Regierungen und den Vampiren: Nur dadurch, dass auf beiden Seiten in entscheidenden Positionen starke Befürworter eines „Miteinanders“ durch Mainstreaming saßen - Cavanaugh beim amerikanischen Militär, Roman in der Vampir-Authority - konnte der Schritt der Vampire an die Öffentlichkeit ohne Krieg geschehen. Ein Krieg, von dem Cavanaugh glaubhaft versichert, dass die Menschen ihn schließlich „gewinnen“ würden, da ihnen die Vampire bei Tageslicht nichts entgegenzusetzen haben. Aber der General weiß, dass man bei Kriegen eigentlich nur dadurch wirklich gewinnen kann, dass man sie nicht führt.
Nach einer kurzen, erfrischend offenen Unterredung verabschiedet sich nach Roman auch Cavanaugh unfreiwillig von dieser Welt. Ausgerechnet Eric ist es, der den Sicherheitsverschluss vom Pulverfaß nimmt und die Lunte angezündet hat - denn unter dem neuen Regime steht er nicht gerade auf der Seite der Vampire. Zudem kann sich der nordische Vampir unter dem Vorwand der nun notwendigen Schadensbegrenzung aus dem Hauptquartier absetzen, das zu seinem Gefängnis geworden ist.
Auf der Suche nach der Vergangenheit
Sookie sucht mit der Hilfe ihres Bruders nach der Wahrheit über ihre Vergangenheit - den Tod ihrer Eltern und den geheimnisvollen Vertrag eines ihrer Vorfahren mit dem Vampir Warlow. Der Schlüssel dazu scheint in einer Älteren der Faeries zu liegen - dargestellt von Fame-Darstellerin Erica Gimpel hat die verwirrte und tanzende Frau, die in mehreren Dimensionen zugleich existiert, in dieser Episode die Lacher auf ihrer Seite.
Die Suche nach der Wahrheit wird durch die Nachricht der Ankunft von Russell Edgington (Denis O'Hare) unterbrochen. Wie schon in der Vorstaffel geht der große Plan, Russell durch einen Überraschungsangriff zu Fall zu bringen, katastrophal fehl: Der alte Vampir gönnt sich die Älteste - und kann durch deren Blut nun ebenfalls das Versteck der Faeries sehen. Keine guten Zukunftsaussichten für diese.
Meanwhile, elsewhere
In einem Unerwartet selbstlosen Vorgehen nimmt Pam (Kristin Bauer van Straten) nicht nur die vor Bill flüchtige Jessica bei sich auf, sondern auch die Schuld für den Mord am neuen Sheriff: Pam wird von Kanzlerin Rosalyn Harris (Carolyn Hennesy) gefangen gesetzt, Jessica muss sich ihrem wütenden Schöpfer stellen, dessen Verhalten immer psychotischer wird.
Pam trifft in ihrer Gefangenschaft im Authority-Hauptquartier schleichenden Luna (Janina Gavankar) und Sam (Sam Trammell).
Alcide (Joe Manganiello) beweist, dass auch ein Werwolf ohne Rudel das richtige tun kann: Er setzt sich mit seinem bissigen Vater (Robert Patrick) auseinander und steht Nachbarn gegen einen Angriff junger Vampire bei.
Alles, was Andy Belfleur (Chris Bauer) anfasst, geht schief: Nach einer großen Liebes-Geste der Kellnerin Holly (Lauren Bowles) gegenüber, muss er sich mit den Folgen eines kürzlichen Seitensprungs mit einer Fee auseinandersetzen. Autsch.
Fazit
Die Handlung der fünften Staffel nähert sich ihrem Höhepunkt. Die Frage ist nur, wo dieser liegen wird. Zumal nach fünf Jahren Serienschöpfer Alan Ball das Staffelholz bei True Blood an den nächsten Showrunner weiter geben wird. Da ist es eigentlich schade, dass die Serie nicht gerade auf einen „Zwischenabschluss“ zusteuert, sondern es aussieht, als ob man wie bisher die Staffeln eher weich ineinander fließen lassen wird.
Denn welche der großen Handlungen könnte wirklich zu einem Abschluss kommen? Kommt es zu einem Showdown in der Vampir Authority, bei der nur ein gemäßigter Blutsauger übrig bleibt, der den drohenden Krieg mit dem US-Militär verhindern kann? Das wäre nach dieser Episode eine eher unbefriedigende Lösung. Die Authority müsste eigentlich in der nächsten Staffel noch eine größere Rolle spielen.
Vor allem auch, weil Bedrohung und Lösung zum Greifen nahe liegen: Der General drohte mit der taktischen Überlegenheit der Menschen wegen des Tageslichts - ein vampirisches Problem, dessen Lösung Russell ja zumindest für sich persönlich anstrebt.
Die Warlow-Handlung dürfte im Finale der fünften Staffel dem bisherigen Verlauf nach eher mit dem Auftritt des geheimnisvollen Vampirs ihren eigentlichen Auftakt nehmen, statt mit dessen Auftauchen und Überwindung abgeschlossen werden.
Im Angesicht des kommenden Staffelfinals stellt sich die Frage, wie sehr Alan Ball bereit ist, unter den zentralen Hauptdarstellern „aufzuräumen“: Zahlreiche Vampire unter den aktuellen Hauptdarstellern dürfte es das Unleben kosten. Aber ob etwa auch der aus dem Ruder laufende Bill darunter sein könnte, oder „nur“ die frisch für diese Staffel hinzugekommenen Authority-Mitglieder?
Die Episode Sunset ist eher wie das Anspannen eines Bogens. Ob der damit auf den Weg zu bringende Pfeil - das Staffelfinale - ins Ziel treffen wird, ist noch nicht abzusehen.
Verfasser: Bernd Michael Krannich am Sonntag, 26. August 2012(True Blood 5x11)
Schauspieler in der Episode True Blood 5x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?