True Blood 5x10

True Blood 5x10

Vieles findet in True Bloods Gone, Gone, Gone ein Ende, und das ist fast immer zum Besseren. Kurz vor dem Staffelfinale formieren sich die Fronten für - und gegen - Lilith. Eine Episode voll von Umbrüchen und mit einer bösen Überraschung.

Stephen Moyers Bill schwört plötzlich auf die Bibel in „True Blood“ / (c) HBO
Stephen Moyers Bill schwört plötzlich auf die Bibel in „True Blood“ / (c) HBO

Nach der Zerstörung der True Blood-Raffinerien leben alle Bewohner von Bon Temps gefährlicher. Während die Vampire sich mit zunehmender Ablehnung konfrontiert sehen, stehen die Menschen plötzlich öfter wieder auf der Speisekarte. Doch besonders Sookie (Anna Paquin), mit ihrem schmackhaften Halbfeenblut, muss sich auf Probleme gefasst machen.

Bill, bekehrt.

Bill (Stephen Moyer) wird durch seine sanguinistanische Bekehrung nicht gerade sympathischer. So hatte Molly (Tina Majorino) zwar ihre nervig-neunmalklugen Momente. Doch selbst der High-Tech-Vamp hat sicher nicht den Tod durch die eigene Pfählungs-App verdient. Immerhin konnte Molly zuvor noch einmal die Gelegenheit nutzen, um gegen rückwärtsgewandte Fanatiker zu wettern.

Wer bis jetzt noch an Bills Bekehrung gezweifelt hatte, wird nun eines Besseren belehrt. So murmelt Bill auch dann ein hingebungsvolles „Praise Lilith“, wenn er dabei nicht von den anderen Mitgliedern der Autorität beobachtet wird.

Als Mr. Compton auch Jessica (Deborah Ann Woll) für den heiligen Pfad der Sünde gewinnen will, wirkt er wie der Eiferer einer Sekte. Seine ohnehin pathetische Ausdrucksweise erhält durch den neuen Allmächtigkeitsanspruch etwas hölzernes.

Ausgerechnet Bill selbst hat durch seine Erziehung in Jessica die Grundlage für ihr Zweifeln an Lilith geschaffen. Zunächst beschränkt sie sich aber abwartend darauf, eine gute Mine zum bösen Spiel zu machen.

Nicht in unserem Haus...

Der neuen Vampir-Sheriff Elijah (Keram Malicki-Sánchez), aka. „dickhead dipped in afterbirth“, kann weder durch ein spektakuläres Äußeres noch durch seine zuvorkommende Art begeistern. Ungleich schlimmer ist jedoch sein herablassender Umgang mit dem aufblühenden Pam (Kristin Bauer van Straten)-Tara (Rutina Wesley)-Gespann.

Seine Präsenz raubt der sonst so schlagfertigen Pam ihre Kampfeskraft. Dabei offenbart sie erstmals so etwas wie eine resignierte Schwäche und würde dem aufgetakelten Sheriff sogar Fangtasia überlassen. Allerdings erklärt sich Pam nie damit einverstanden, auch Tara aufzugeben. Die Makerin scheint so auf dem besten Weg zu sein, Tara wirklich als Eric-Ersatz zu akzeptieren, und spricht von sich selbst und ihrem Schützling sogar als „wir“.

Tara, im Gegenzug, bedient sich des brodelnden Zorns, den sie schon als Mensch innehatte, um Pams temporäre Schwäche zu kompensieren. Mit der Hilfe der treuen und kreischfreudigen Angestellten Ginger (Tara Buck) entledigt sich Tara in Actionhelden-Manier (samt der obligatorischen Catch-Frase: „No one fucks with us in our house“) in einem eindrucksvollen Akt der Emanzipation des störenden Sheriffs. So wird Tara zum einen zu einer ebenbürtigen Partnerin für Pam. Auf der anderen Seite drängt sie symbolisch den Einfluss der neuen Autorität in der Bar zurück. Wird das Fangtasia bald etwa zur unerwarteten Festung für Menschenfreunde?

Vom Paulus zum Saulus?

Neben Pam und Tara war auch Eric in den letzten Episoden zu einem der unerwarteten neuen Helden des Mainstream aufgestiegen. Doch als Nora (Lucy Griffiths) und Bill (Stephen Moyer) ihn zu seinem religiösen Glück zwingen wollen, erscheint erneut Godric (Allan Hyde) auf der Bildfläche. Wie bereits zum Zeitpunkt seines True Death, opfert sich Godric, um seinen Kindern die Augen zu öffnen. Seine sanftmütige, in das Weiß der Unschuld gekleidete Erscheinung steht dabei in krassem Kontrast zu Lilith. Diese verkörpert mit ihrem nackten Fleisch die Sünde. Ihr blutüberströmter Körper ist die pure Zügellosigkeit. So stehen Godric und Lilith stellvertretend für die beiden Wege, die die Vampire einschlagen können: den der Güte und den der rücksichtslosen Dominanz.

Lobend hervorzuheben ist in dieser bildgewaltigen Sequenz auch die Darstellung der knienden Eric und Nora. Wie hilflose Kinder müssen sie hinnehmen, was der Rausch des göttlichen Blutes ihnen vorsetzt.

Entsetzt muss man feststellen, dass Godrics Geste umsonst gewesen zu sein scheint, und Eric nun doch Bills Vorbild folgt. Wie dieser hat Eric sich vom Paulus zum Saulus gewandelt - und verleumdet sogar seinen geliebten Maker.

Lieben wie ein Teenager

Im Angesicht der turbulenten Umbrüche, die allen Bewohnern des True Blood-Universums bevorstehen, verliert zumindest Russell (Denis O'Hare) nicht den Spaß aus den Augen. Als Mr. Edington eng umschlungen mit seinem neuen Gefährten Steve (Michael McMillian) tanzt, bekommen die Textpassagen von Katy Perrys „Teenage Dream“ („...no regrets, just love“) eine ganz neue Bedeutungsdimension. Dabei ist es wirklich rührend mit anzusehen, wie die beiden inmitten der Überreste einer Verbindungsparty ihre teenageresken Gefühle und die (tatsächlich) ewige Jugend zelebrieren.

Während Agrippa die Vampire zu bibelkundigen Gläubigen erziehen will, hat Russell wie immer die angenehmeren Seiten einer Existenz als Krone der Schöpfung im Blick. Seit er einst von Sookie kosten konnte, ist er von einem Leben bei Tage besessen. Die Idee, auch das Feenblut zu synthetisieren, passt sehr gut zu dem alten Vampir: Statt sich durch traditionelle oder gar religiöse Ansichten einschränken zu lassen, ist er an dem größtmöglichen Nährwert für sich selbst interessiert.

Es folgt also der unvermeidbare Schlagabtausch zwischen Agrippa als personifizierter Religion und der Freiheit in Gestalt von Russell. Endlich lässt Edington, der zur Feier des Tages mit Akzent zu sprechen scheint, seine nur halbherzig getragene Maskerade fallen und macht sich auf den Weg gen Licht - Blasphemie hin oder her.

Gone, Gone, Gone

Dass die zehnte Episode einige Abschiede aufweisen würde, schwang schon im Titel Gone;Gone;Gone mit. Doch wer hätte genacht, dass der Abschied nach Alaska viel trauriger sein kann als ein True Death? Er hat uns mit großzügigem Lidstrich amüsiert, und uns leid getan, als er verletzt und verlassen worden ist. Seine Mutter hat ihn ausgelaugt, Vampire haben ihn angezapft und Schweine haben ihn angeknabbert. Nach all diesen Begebenheiten wird dem ausgelaugten Hoyt (Jim Parrack) ein gnädiger Abschied aus Bon Temps gewährt. Zuvor wird er noch durch Jessica (Deborah Ann Woll) zumindest von einem Teil seiner emotionalen Altlasten befreit. Nicht nur Jason dürfte durch dieses bedächtig in Szene gesetzte Ende der Aera Hoyt zu Tränen gerührt worden sein.

Wo ist der Wolf?

Sam (Sam Trammell) und Luna (Janina Gavankar) wollen Emma (Chloe Noelle) nicht ihrem Schicksal als Schoßhündchen eines Wahnsinnigen überlassen.

Diese Storyline wird nur unwesentlich weitergeführt, bringt aber auch eines der Episoden-Highlights mit sich. So erhält Steve dadurch die Gelegenheit für seine pädagogisch wertvolle Standpauke der menschlichen Emma gegenüber: „Do you want Nigel to eat you?

Who is the smart one now?

Zum Glück wird Sookies Bruder nicht allzu viel Zeit für die Trauerarbeit haben: Die investigativen Fähigkeiten des Nachwuchspolizisten haben sich in Andys professioneller Obhut immerhin stark genug verbessert, um das wenig originelle Versteck unter dem Bett seiner Großmutter ausfindig zu machen.

Der unausgegorenen Handlung rund um das dort gefundene Schriftstück hat immerhin den Vorteil, dass so der Charakter des Professor Kannell (David Dean Bottrell) einen Gastvortrag in der True Blood-Welt absolvieren darf: Wie ein rationaler Fels in der immer stärkeren mystischen Brandung, verbreitet Kannell zur Abwechslung mal Neuigkeiten, die nicht den Gesetzen der Logik widersprechen! Er macht nicht nur in Bezug auf Textstücke einen kompetenten Eindruck, sondern weiß zusätzlich auch durch einen ausgefallenen Humor zu begeistern(„Why does my ex-wife name her toes?“).

Um nicht zu weit in realitätsnahe Verhältnisse abzudriften, führt der Weg der Geschwister Stackhouse einmal mehr in das Feenzelt. Dort tritt auch Maurella (Kristina Anapau) wieder einmal in Erscheinung. Endlich wird deutlich, warum es die Fee auf Andy abgesehen hat. Nicht nur scheint es sich bei der 500-Jährigen um einen Cougar zu handeln - sie hatte es auch augenscheinlich auf die Spermien des Sheriffs abgesehen. So darf sie, im Gegensatz zu Frau Paquin, die Frucht ihres Liebesaktes offen zur Schau stellen.

Sookies erneuter Besuch bei den Feen-Verwandten bringt ihr zudem eine neue - wenn auch mehr als abwegig wirkende - Erkenntnis: Ein Vorfahre namens John William hat die Halbfee niemand anderem als dem mysteriösen M. Warlow selbst versprochen.

Fazit

Drei Vertreter der Vampirspezies sind ebenso „gone“ wie Godrics Trugbild. Hoyt ist „gone“. Auch die letzte Hoffnung, dass Bill doch noch ein paar Asse für den Mainstream im Ärmel haben könnte, hat sich in blutigen Schlamm aufgelöst.

Dafür ist das Team aus Tara und Pam erstarkt und versprüht dabei eine eigenwillige und dabei mitreißende Chemie. Ebenfalls ist es Tara zu verdanken, dass auf den anstrengenden Hochmut für Elijah ein ebenso tiefer Fall folgte.

Neben Pamtara könnte auch die Entwicklung der nicht länger abgelenkten Jessica durchaus interessant werden.

Die Vorwehen eines großen Konfliktes werfen ihre Schatten über Bon Temp, und das Misstrauen vergiftet auf beiden Seiten das Zusammenleben. Trotz alledem sorgt auch die Episode Gone, Gone, Gone am Rande für die charakteristischen und teils selbstironischen Verschnaufpausen: Jasons Blick unter den Rock eines Teddys, die unschuldigen Flirtereien zwischen Andy (Chris Bauer) und Holly (Lauren Bowles). Auch Steves TV-Auftritt ist eine wahre Augenweide - hält er doch so manchem eloquenten Monolog aus der Realität, der sich ebenfalls nicht hundertprozentig an der Wahrheit orientiert hat, den Spiegel vor.

Leider kann der Schrecken namens Warlow spannungstechnisch noch nicht für den perfekten Cliffhanger herhalten. Mehr Lust auf die letzten zwei Episoden der fünften Staffel von True Blood machen da schon Steve und Mr. Edington. Ihre Beziehung sollte durch Russells (endlich!) offene Rebellion noch einigen Aufwind erfahren. Außerdem bilden die beiden eine Gegengröße für die Sanguinistas, die in ihrem religiösen Eifer einen zunehmend stumpfen Eindruck machen...und wer weiß, vielleicht braucht es ja die Jagd auf Feenblut, oder die Bedrohung einer spezielle Vertreterin der leckeren Spezies, um gewisse Verehrer dieses Individuums an gewisse Gefühle zu erinnern...

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 14. August 2012
Episode
Staffel 5, Episode 10
(True Blood 5x10)
Deutscher Titel der Episode
Verbraucht und verloren
Titel der Episode im Original
Gone, Gone, Gone
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 12. August 2012 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 16. Dezember 2012
Autor
Alexander Woo
Regisseur
Scott Winant

Schauspieler in der Episode True Blood 5x10

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