True Blood 5x04

Auf den ersten Blick wirkt We'll Meet Again (5x04) wie eine klassische Füllerepisode von True Blood, jedoch beinhaltet die Folge sehr gute Ansätze, die den weiteren Verlauf der fünften Staffel interessant gestalten dürften. Wie seine Vorgänger löst auch Episodenautor Alexander Woo zunächst den Cliffhanger der vorausgegangenen Folge „Whatever I Am" (5x03) auf.
Tara lebt weiter
Taras „Vampire 101“-Kurs geht in die nächste Runde. Viele True Blood-Fans fühlen sich von Rutina Wesleys Alter Ego schon seit einer gefühlten Ewigkeit genervt. Ihre Verwandlung sollte das offenbar zu Beginn der fünften Staffel ändern, jedoch ist noch nicht wirklich eine Besserung zu erkennen. Zwar verlief ihre Verwandlung authentisch, ihre Figur ist aber nach wie vor ein, wenn nicht sogar der, Nervfaktor in der Serie.
Zum Ende der vergangenen Episode hoffte sicherlich der eine oder andere Zuschauer, Pam (Kristin Bauer van Straten) würde Taras Selbstmordversuch einfach überhören. Umso besser und stärker ist es aber von ihr, dass sie ihr zur Hilfe eilt - und das macht sie auf ihre ganz eigene, toughe Art. „As your maker, I command you: ‚Do not try it again, ever'“ - „God damn it!“ Bei dieser Gelegenheit muss Tara ein weiteres Mal erkennen, wie tief ein Band zwischen Macher und Mündel eigentlich ist.
Pams Welt wird durch die Rückkehr von Eric (Alexander Skarsgard) gehörig auf den Kopf gestellt. Sein selbstbewusster und überheblicher Auftritt auf dem Thron des Fangtasia hätte kaum passender ausgewählt werden können. Das Wiedersehen zwischen Pam und Eric fällt aber nicht so aus, wie sie sich das erhofft hat. Der Verdacht von Eric, sie habe Russell Edgington (Denis O'Hare) zur Flucht verholfen, geht ihr emotional sehr nahe.
Dieser falsche Verdacht führt später zu einem ungewohnt gefühlsbetonten Moment zwischen Pam und Eric, den wir so noch nicht in True Blood gesehen haben. Pam hat es in einem Wutausbruch vorgeschlagen und Erics Zweifel, die Suche nach Russell zu überleben, machen eigentlich kaum etwas anderes möglich: Er muss sich von ihr lösen - sprich: Er muss das Macher-Mündel-Band zwischen ihm und ihr kappen. Wie er es tut, ist sehr traurig, aber diese Szene zählt definitiv zu den großen Highlights der Episode. Die interessantere Frage dürfte aber nach wie vor sein, wer Russell nun eigentlich aus seinem Betongrab befreit hat. Das erfahren wir aber wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt.
Terrys Iraktrauma enthüllt
Das Rätsel um Terrys Iraktrauma wäre damit wohl gelöst. Auf dem Weg nach South Dakota zu ihrem alten Militärfreund Brian Eller (Brian Geraghty) träumt Terry (Todd Lowe) von einer furchtbaren und gewalttätigen Nacht in Al Anbar, Irak. Dort erschoss Eller einen einheimischen Zivilisten. Dadurch kam es danach zu einer heftigen Schießerei, die viele unschuldige Menschenleben forderte.
In der Gegenwart in South Dakota wird Patrick (Scott Foley) und Terrys Verdacht, Ellen sei der mutmaßliche Brandstifter, bestärkt. Nun befinden sich die beiden jedoch in seiner Gewalt, aus der sie sich wohl nicht so leicht wieder befreien können. Diese Geschichte ist eine, die nicht unbedingt hätte erzählt werden müssen. Vermutlich sind den Autoren die Ideen mit Terry ausgegangen.
Lafayettes dunkle Seite und Sookies Absturz
Sookie (Anna Paquin) hat also reinen Tisch mit Alcide (Joe Manganiello) gemacht, obwohl Lafayette (Nelsan Ellis) ihr das streng untersagt hatte. Natürlich führt das zu Beginn von We'll Meet Again (5x04) zu einem heftigen Streit zwischen den beiden. Womit wir wohl möglich nicht gerechnet haben: der Brujo in Lafayette wird geweckt. Sein dämonisches Alter Ego kostet Sookie beinahe das Leben. In dieser Geschichte steckt sicherlich enormes Potential, wenn es richtig angegangen wird. Mehr als „angeteast“ wird der Handlungsbogen allerdings noch nicht.
Mit dem Schrecken überlebt Sookie den von Lafayette herbeigeführten Autounfall. Ihr Alkoholabsturz ist in dieser Episode erfrischend, sollte aber nicht zur Gewohnheit werden. Denn eine alkoholabhängige Fee brauchen wir nicht auch noch in True Blood. Die V-Abhängigkeitsgeschichte von Andy (Chris Bauer) in der vierten Staffel war eigentlich schon unnötig genug.
Aber wie geht Alcide mit seinem neuen Wissen um? Liefert er Sookie wirklich ans Messer? Natürlich nicht. Dramaturgisch versuchen die Autoren zwar dem Publikum diesen Eindruck zu vermitteln, aber Alcide nutzt Marcus Bozemans Tod geschickt, um Sookie zu entlasten. Gegenüber Debbies Eltern macht er ihn zum Schuldigen und lässt sich selbst dabei noch ganz gut dastehen, da er schließlich Debbies Ehre verteidigt hat. Ein ganz schönes Armutszeugnis für Alcide.
Das ist aber noch längst nicht alles. In Anbetracht der Tatsache, dass er Debbie seit seiner Jugend kannte und liebte, kommt er aber recht schnell über ihren Tod und darüber, dass Sookie sie kaltblütig tötete, hinweg. Hier muss man sich die Frage stellen: Hat sie ihm je wirklich etwas bedeutet? Auch wenn es nicht so herüberkommen soll, wird dieser Eindruck dem Zuschauer vermittelt. Zu guter Letzt kommt es zu einer heftigen Knutsch-und-Fummelorgie zwischen Sookie und Alcide, die „zufälligerweise“ Bill (Stephen Moyer) und Eric von weitem durch das Fenster beobachten.
Ein weiterer Verräter in der Vampirautorität
Einige Leser sind fest davon überzeugt, Nora (Lucy Griffiths) habe sich lediglich als Mitglied der sanguinistas geoutet, um die Leben von Eric und Bill zu schützen. Der Rezensent wiederum kann sich durchaus vorstellen, dass sie ebenfalls dieser Gruppe angehört. Dieser Eindruck wird in We'll Meet Again (5x04) bestätigt, als sie zu Lilith betet. Sie müsste eine ganz gute Schauspielerin sein, um ein Gebet zu fingieren oder jemanden anzubeten, von dem doch eigentlich nichts hält. Aber vielleicht liegt der Rezensent auch falsch, was definitiv nicht unmöglich ist. Wer weiß...
Andererseits verrät Nora den zweiten Verräter innerhalb der Vampirautorität nur, wenn Eric und Bill nicht getötet werden. Der Verräter ist jedenfalls, wie sollte es anders dem Gruselfaktor wegen sein, der kleine Junge: Alexander Drew (Jacob Hopkins). Christopher Meloni geht wahrhaft in seiner Rolle des Roman auf. Wie er den kleinen Jungen tötet, kommt völlig schlagartig und unerwartet. Sein blutüberströmtes Gesicht und seine Mimik sind einfach beängstigend. Ruhig mehr davon, Mr. Meloni.
Hier stellt sich aber auch die Frage: Sind Alexander und Nora - vorausgesetzt, sie ist wirklich ein Mitglied der sanguinistas - wirklich die einzigen Verräter? Oder sind vielleicht fast alle Kanzler abtrünnig und verfechten den Mainstream.
Der neue Club - das Hooligans?
Ist es das, wonach es aussieht? In seiner Abschiedsstaffel als Showrunner bringt Alan Ball offenbar das Hooligans ins Spiel. Ein Stripclub der Feen aus der Buchvorlage. Nun wissen wir auch, wo der junge Mann, den Jessica (Deborah Ann Woll) zuletzt verfolgt hat, verschwunden ist. Genau hier trifft Andy auch seine Maurella (Kristina Anapau) wieder.
Jason begegnet seiner Cousine Hadley (Lindsey Haun) wieder, die etwas zu viel aus dem Nähkästchen plaudert. So wird uns angedeutet, dass Jason und Sookies Eltern womöglich unter anderen Umständen gestorben sind, als es den Anschein hatte. Auf die Auflösung des Ganzen dürfen wir wohl in den nächsten Folgen gespannt sein.
Fazit
We'll Meet Again (5x04) ist eine gelungene Episode mit emotionalen und erschreckenden Höhenpunkten. Insgesamt bleibt die Folge aber ziemlich auf der Stelle stehen und wirkt teilweise wie eine aufgemotzte Füllerepisode mit wenig neuem Inhalt. Der Rezensent vergibt vier Sterne.
Verfasser: Rainer Idesheim am Dienstag, 3. Juli 2012(True Blood 5x04)
Schauspieler in der Episode True Blood 5x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?