This Is Us 3x18

© andy Moore und Milo Ventimiglia in „This Is Us“ (c) NBC
Aus zeitlich-organisatorischen Gründen konnte die SERIENJUNKIES.DE®-Redaktion dieses Jahr leider keine Kapazitäten freimachen, um das NBC-Familiendrama This Is Us auf wöchentlicher Basis zu betreuen. Was besonders schade ist, da die dritte Staffel die bis dato vermutlich ereignisreichste für die Pearson-Sippe darstellt. Den größeren Rahmen betrachtend, befinden wir uns laut Serienschöpfer Dan Fogelman dennoch erst in der Halbzeit der Geschichte. Soll heißen: Wenn der Sender mitspielt, erwarten uns mindestens nochmal so viele Folgen wie bisher, also drei zusätzliche Staffeln.
Besonders mit den Zeitebenen gingen Fogelman und Konsorten freizügiger denn je um. Wir erfuhren Einzelheiten über Jacks (Milo Ventimiglia) Militäreinsatz in Vietnam sowie über die komplexe Beziehung zu seinem Bruder. Und sogar eine noch deutlich ältere Version von Rebecca (Mandy Moore) bekommen wir im Finale dieser neuen Season zu sehen, das vor wenigen Tagen mit der Highlightepisode Her (3x18) auf Sendung ging.
Von den vier zentralen Pärchen der Serie - die da wären: Jack und Rebecca, Kevin (Justin Hartley) und Zoe (Melanie Liburd), Randall (Sterling K. Brown) und Beth (Susan Kelechi Watson) sowie Toby (Chris Sullivan) und Kate (Chrissy Metz) - werden sich am Ende zudem zwei getrennt haben, während eines demselben Schicksal nur knapp entrinnt. Doch auch der eine oder andere Nachwuchs ist zu vermelden. Wie gesagt: Die dritte Staffel von This Is Us ist außerordentlich ereignisreich.
Jack & Rebecca
Beginnen wir mit der Elterngeneration: Gleich zu Beginn der Staffel, genauer gesagt in der Episode Nine Bucks (3x01), bekommen wir das allererste Date von Jack und Rebecca zu sehen. Wann immer es um diese beiden geht, wird es ganz besonders kitschig, was wohl daran liegen dürfte, dass ihre Szenen in der Vergangenheit spielen und folglich am meisten verklärt werden. Ihren Gipfel erreicht die Romantik in der Episode The Graduates (3x14), in der die beiden auf dem Abschlussball ihrer Kinder Jacks ersten Tanz nachholen.

Besonders eindrucksvoll ist hier auch wieder, wie unterschiedlich Jack und Rebecca in ihrer Jugend großgezogen wurden - nämlich er als frühreifer Prügelknabe und sie als behütete Prinzessin. Ein kleiner Geniestreich der Serienmacher, ihre Zweisamkeit zum Frankie-Avalon-Song „Don't Let Love Pass Me By“ mit Bildern ihrer jungen Alter Egos zu vermischen. Obwohl This Is Us natürlich niemals einen schönen Moment einfach so für sich stehen lassen würde. Nach dem Prinzip von Yin und Yang muss der Freude immer auch ein Hauch von Traurigkeit innewohnen und andersrum genauso.
Die dunkle Seite ihrer Beziehung wird dieses Jahr in Jacks Erinnerungen an Vietnam widergespiegelt, die er nicht nur seinen Kindern, sondern auch seiner Frau weitestgehend vorenthielt. In der Flashbackfolge Vietnam (3x04) beginnen die Autoren eine schmerzhafte Reise in die frühen Siebziger, die von vielen Experten als überraschend authentisch hervorgehoben wurde (tatsächlich suchten die Serienmacher sogar Rat beim landesweit bekannten Kriegsveteran und Journalisten Tim O'Brien). Zweck des Ganzen war in erster Linie die Ergründung von Jacks Beziehung zu seinem Bruder Nicky, in jungen Jahren gespielt von Michael Angarano und als alter Mann von Griffin Dunne.
Kevin & Zoe
Und hier überschneidet sich die Geschichte schließlich mit der von Jacks Sohn Kevin: Dieser will in der Zukunft respektive Gegenwart mehr über die Zeit seines Vaters in Vietnam erfahren, aus Recherchegründen für seine nächste Filmrolle. Kurzerhand nimmt er seine Dokumentarfilmerfreundin Zoe mit nach Südostasien, um mit ihr auf Spurensuche zu gehen. Der Einzige, der ihm die erhofften Antworten geben kann, ist sein verschollener Onkel Nicky, der als alter Griesgram allerdings sehr wortkarg ist und auch keinen Kontakt mehr zur Familie seines verstorbenen großen Bruders sucht. Dabei haben Kevin und Nicky eine große Gemeinsamkeit: die Liebe zum Alkohol, übrigens genau wie Nickys und Jacks Vater.
Tatsächlich ist Kevins Kampf mit der Flasche gegen Mitte der Seaon sein Hauptkonflikt. Seinen Tiefpunkt erreicht der Charakter, als er in der Episode The Waiting Room (3x15) zu betrunken ist, um seine von Schwangerschaftskomplikationen geplagte Schwester ins Krankenhaus zu fahren. Ab diesem Moment deutet sich auch der Anfang vom Ende seiner Beziehung zu Zoe an, was einem als Zuschauer wirklich das Herz bricht, da sie so bezaubernd ist und Kevin sicherlich sehr gut getan hätte. Zumal der Grund für die Trennung im Staffelfinale ein wenig aus dem Nichts kommt...

Durch Kates Schwangerschaft spielt das Thema Nachwuchs plötzlich auch für den abgewrackten Schauspieler eine Rolle. Und zum allerersten Mal in seinem Leben kann er eben nicht alles haben, was er will - in diesem Fall nämlich Zoe und Kinder. Denn Zoe will schlichtweg keine haben, was Kevin zwar vorgibt, zu respektieren, aber insgeheim nie wirklich einsieht, bis sie schließlich die Notbremse zieht, um nicht länger seine und ihre eigene Zeit zu verschwenden.
In der enigmatischen Abschlussszene, in der Rebecca offenbar auf dem Sterbebett liegt und von ihrem zurückgekehrten Schwager Nicky verabschiedet wird, sehen wir dann, dass Kevin tatsächlich Vater eines Jungen wird, wobei die Mutter zunächst noch geheim bleibt. Nahe liegt jedoch, dass es sich um seine Highschoolliebe Sophie (Alexandra Breckenridge) handelt, mit der es in der Episode Don't Take My Sunshine Away (3x16) zu einer vielsagenden Begegnung kommt.
Randall & Beth
Ja, die Ereignisse überschlagen sich regelrecht, besonders in besagter letzter Szene, die zahlreiche Fragen aufwirft. Sie enthüllt dann auch die zweite Trennung, von der eingangs die Rede war - und da nur noch zwei Pärchen übrig sind, muss es entweder Randall und Beth oder Toby und Kate treffen. Wer sich die Staffel so anschaut, würde sein Geld vermutlich auf erstgenanntes Paar setzen, obwohl sie in der bisherigen Seriengeschichte eigentlich stets am stabilsten erschienen. Trotzdem schlittern Randall und Beth erschreckend nah an eine Scheidung, allerdings aus ziemlich unglaubwürdigen Gründen.
Der Handlungsstrang rund um Randalls neu geweckte Ambitionen als Kleinstadtpolitiker macht anfangs noch viel Spaß, vor allem in der Episode The Beginning Is the End Is the Beginning (3x09), in der es zu einer hitzigen politischen Debatte kommt. Als Randall die Wahl schließlich gewinnt, scheint alles perfekt und als Zuschauer sieht man bereits vor seinem inneren Auge, wie er in Staffel sechs oder so als Präsident vereidigt wird - denn wer kann schon so gute Reden halten wie Randall Pearson? Leider gelingt es ihm nicht, eine ganz besondere Person zu überzeugen, die allerdings am wichtigsten wäre: Beth.

Dass sich die Hausfrau nach einer eigenen Karriere sehnt, ist verständlich. Die Bottle Episode Our Little Island Girl (3x13) zeigt eindrucksvoll, wie tief der Wunsch, zu tanzen oder Tanz zu unterrichten, in ihr verwurzelt ist und wie sehr sie sich beweisen will, nachdem ihre strenge Mutter nie ein gutes Wort für sie übrig hatte (ganz anders als Randalls Adoptiveltern). Dass sich die beiden ob ihres hässlichen Disputs am Ende doch nicht trennen, verdanken sie ihrer eigenen Adoptivtochter Déjà (Lyric Ross), die für ein Kind mal wieder viel zu eloquent die Karten auf den Tisch legt und Randall klar macht, dass er mit Beth als Ehefrau die sprichwörtliche Lotterie gewonnen hat. So finden sie gemeinsam einen Kompromiss, indem sie nach Philadelphia ziehen, sodass Randall nicht mehr pendeln muss, während Beth ihr eigenes Tanzstudio eröffnen kann.
Toby & Kate
Und damit wären wir schlussendlich bei Toby und Kate, die gegen Ende der Staffel zwar ihr erstes Kind zur Welt bringen, sich in der Zukunft aber offensichtlich auseinanderleben werden. Ihr Sohn wird logischerweise nach Kates Übervater Jack benannt - ein Zeichen der Hoffnung, das dringend benötigt wird, denn das Baby ist eine Frühgeburt und kämpft jeden Tag ums Überleben. Auf Anhieb wird Kates wahre Stärke deutlich, die sie so vorher noch nie zeigen konnte. Toby hingegen schrumpft unter der Angst geradezu zusammen, was man ihm allerdings auch kaum verdenken kann.
Was genau zwischen den beiden vorfällt, bleibt zunächst offen - wie gesagt, müssen sich die Serienmacher auch noch ein wenig Stoff für die nächsten drei Staffeln aufbewahren. Doch, dass dem vermeintlichen Traumpaar kein Happy End beschieden sein wird, wurde schon in einem früheren Flashforward angedeutet. Toby erscheint jedenfalls allein in der viel zitierten Finalszene dieser emotionalen und vollgeladenen dritten Staffel. Den Kontakt zur Familie Pearson wird er also nicht aufgeben, wobei der kurze Ausschnitt insgesamt zahlreiche Fragen offen lässt...
So oder so ist es Dan Fogelman und Co erneut gelungen, die eigentlich so irdische Geschichte einer „ganz normalen Familie“ so dramatisch zu gestalten, dass man mitfiebert wie bei einem Krimi. Wer es bis hierhin geschafft hat, wird nun ohnehin nicht mehr in der Lage sein, die Pearsons einfach abzuschreiben - zu sehr ist man als Zuschauer schon selbst emotional involviert. Dass diese Kritik eher einer Zusammenfassung des Inhalts gleicht, liegt übrigens daran, dass This Is Us einzig und allein von seiner Geschichte lebt. Denn, rein technisch betrachtet, ist die Serie mit Ausnahme ihrer komplexen Zeitebenenstruktur nichts Besonderes. Und trotzdem macht sie jede Menge Spaß und bricht uns hin und wieder auch das Herz.
Verfasser: Bjarne Bock am Sonntag, 7. April 2019This Is Us 3x18 Trailer
(This Is Us 3x18)
Schauspieler in der Episode This Is Us 3x18
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