This Is Us 3x02

© ??This Is Usâ (c) NBC
Die Episode A Philadelphia Story versammelt mal wieder alle Pearsons an einem Ort, dieses Mal ist es die Premiere von Kevins Film. Doch hinter den hĂŒbschen Fotos vom Roten Teppich knallt es im Vorfeld der Veranstaltung mal wieder gehörig. Es geht um alte Wunden und neue Verletzungen.
Die Stille der Mutter
Das VerhĂ€ltnis zwischen Mutter Rebecca (Mandy Moore) und ihrer einzigen Tochter Kate (Chrissy Metz) war noch nie besonders gut, das Ă€ndert sich auch dieses Mal nicht. Durch Zufall erfĂ€hrt Rebecca, dass ihre Tochter und ihr Schwiegersohn es mit kĂŒnstlicher Befruchtung versuchen wollen. Sie selbst hĂ€lt das fĂŒr zu gefĂ€hrlich angesichts von Kates Gewicht und scheut sich nicht, ihre Sorge laut zu artikulieren. Es ist immer wieder interessant und schmerzhaft zu sehen, wie Rebecca ĂŒber das Gewicht ihrer Tochter spricht. Wenn schon alle meilenweit kommen sehen, was sie sagen will, stockt sie unangenehm bemĂŒht, um der ganzen Sache erst recht den Anstrich von Peinlichkeit zu geben. Auch dieses Mal macht sie die Situation im Auto mit ihrem Versuch, das offenbar UnsĂ€gliche zu umschreiben, nicht besser.
Am Ende ist es Toby (Chris Sullivan), der der Sache ein Ende bereitet. Sein kleiner Ausraster weist die Pearsons zwar in die Schranken, aber er zeigt auch, dass das Absetzen seiner Medikamente vielleicht nicht die beste Idee war.
Auf der Premierenfeier schafft Rebecca es, ihre eigenen Ăngste hinter die BedĂŒrfnisse ihrer Tochter zu stellen und deren Selbstbestimmung zu akzeptieren. Die Szene, als sie Kate die Spritze gibt, holt mehr EmotionalitĂ€t aus der Beziehung raus, als wir fĂŒr gewöhnlich geboten bekommen. Doch das liegt vor allem an der starken Darbietung, das Drehbuch bleibt wie so oft in der Mutter-Tochter-Beziehung ein bisschen hinter den Erwartungen zurĂŒck.
Besser wird es allerdings, wenn man sich die aktuellen Probleme im gröĂeren Rahmen anschaut. Mit Blick auf die RĂŒckblicke in die 1990er, in die Zeit kurz nach Jacks Tod, erklĂ€rt sich einiges, was wĂ€hrend der Gegenwart im Argen liegt. Der Abschied vom Vater ist der Moment, an dem ihre selbstzerstörerische Art endgĂŒltig durchgebrochen ist. Teenage-Kate (Hannah Zeile) isst ohne Kontrolle und sie sabotiert ihre eigene Zukunft, indem sie ihre Bewerbung fĂŒr die MusikuniversitĂ€t nicht einreicht. UnterstĂŒtzt wird sie dabei von Teenage-Kevin (Logan Shoryer), der selbst aus der Spur geraten ist. Doch dazu spĂ€ter mehr...
Wir sehen, dass Rebecca nicht die Kraft hat, ihren Kindern durch die Trauer zu helfen. Sie hĂ€lt sich gerade so selbst aufrecht, wĂ€hrend die Familie in einer Ăbergangswohnung lebt und versucht, eine neue Bleibe zu finden.
Ihre UnfĂ€higkeit, die Probleme anzugehen, begrĂŒndet die unselige Familientradition der Pearsons, den Elefanten im Prozellanladen auch nicht ansprechen zu können. Damals konnte sich Kate nicht helfen, das Gewichtsproblem nicht ansprechen und so es ist geblieben. Kate selbst wirft ihr vor, all die Jahre stumm geblieben zu sein und sich nun erst zu Ă€uĂern. Doch den Stein des AnstoĂes, laut zu werden, gibt nicht die Tatsache, dass Kate nun etwas gefunden hat, was sie wirklich will. Es ist ebenso eine Folge des Traumas, das Jacks Ableben ausgelöst hat. Denn fĂŒr Rebecca, unfĂ€hig die kleineren und mittleren Probleme der Familie zu lösen, zĂ€hlt seitdem nur noch eines: dass keinem ihrer Kinder etwas zustöĂt. Nun sieht sie Kates Leben in Gefahr und das bringt sie dazu, es anzusprechen.
Kevin (Justin Hartley) ist fĂŒr seinen Strudel der Selbstzerstörung bekannt. Seit der ersten Episode begleiten wir ihn durch universelle Krisen, die niemals die Luft klĂ€ren, sondern immer weiter Nebel produzieren. Wie schon wĂ€hrend des Drehs fragt er sich nun auch kurz vor der Premiere, ob er gut genug als Schauspieler ist. Die wichtigste Meinung dazu kann er nicht mehr einholen, nĂ€mlich die von Jack (Milo Ventimiglia), doch immerhin weiĂ er, was der Vater sich fĂŒr sein Privatleben gewĂŒnscht hĂ€tte. NĂ€mlich eine idyllische Beziehung, die Kevin nun ausgerechnet mit Beths Cousine Zoe (Melanie Liburd) anstrebt. In der Episode A Philadelphia Story gehen die beiden wichtige Schritte aufeinander zu. Doch ob das von Dauer ist, mĂŒssen wir erst mal abwarten. Auch Kevins vorangegangene Liebschaften, allen voran mit seiner Ex Sophie (Alexandra Breckenridge), hatten immer wieder aufrichtige, vielversprechende Momente. Da kommt einfach sein Talent als Schauspieler und sein Erbe zum Tragen. Kevin kann emotionale Momente kreieren, die wahrhaftig wirken, doch er kann sie nicht auf das lenken, was wirklich wichtig ist, so wie Jack es konnte. Vielleicht wird er es lernen, vielleicht an der Seite von Zoe. Bisher gibt es jedoch kaum einen echten Hinweis darauf, dass es dieses Mal anders sein wird als vorher.
Eine Frage der IntegritÀt
Auf der anderen Seite begleiten wir Randall (Sterling K. Brown) durch eine andere Art von Tag. Er versucht, DĂ©jĂ zu helfen, indem er sie in das Nachbarschaftszentrum in der NĂ€he von Williams Haus bringt. Dort soll sie Kontakt zu Gleichaltrigen finden und schnell verlieren wir den Fokus. Denn eigentlich geht es hier um Randall und seine Suche nach Anschluss. Er fĂŒhlt sich nirgends zugehörig und das seit seiner Kindheit. Auch bei ihm sind wichtige Charaktermerkmale in der Zeit nach Jacks Tod hervorgetreten, die ihn noch Jahrzehnte spĂ€ter begleiten. In dieser This Is Us-Episode sehen wir das so deutlich wie sonst selten. Er fĂŒhlt sich fĂŒr seine Mutter und seine Geschwister verantwortlich. Er ist der einzige, der die Probleme klar sehen und benennen kann und am Ende zeigt sich zum ersten Mal, wie er eine ĂŒbereilte Entscheidung trifft. Den Ausschlag, seinen Platz an der Howard University abzusagen, ist von der Sorge um andere getragen, weniger an seinen eigenen BedĂŒrfnissen orientiert. Es ist eine schnelle und folgenreiche Entscheidung, Ă€hnlich denen, die er mit William (Ron Cephas Jones) und DĂ©jĂ in der Vergangenheit getroffen hat. Teenage-Randall (Niles Fitch) verhĂ€lt sich in dieser Episode so sehr wie spĂ€ter, als er erwachsen ist - das ist schon beĂ€ngstigend. Er nimmt alles auf seine Schultern.
Ein schönes Gegengewicht dazu ist die Idylle, durch die wir William dieses Mal begleiten. Das Wiedersehen mit Randalls leiblichem Vater wiegt ein bisschen die Abwesenheit von Jack in dieser Episode auf. Er ist zufrieden, clean und in der Lage, anderen zu helfen. Williams Storyline fĂ€llt im Gegensatz zu den anderen dieser Folge etwas aus dem Rahmen, auf eine beruhigende Art. Es gibt also auch noch Gutes in einer oft dĂŒsteren Welt. Und es gibt die Chance, dass Randall sich in die Welt eingliedern kann, die William ihm in gewisser Weise hinterlassen hat. Auch andere haben Startschwierigkeiten gehabt, wie wir sehen.
Randall bekommt zunĂ€chst Gegenwind, sowohl aus dem Haus als auch von seiner Familie. Gedankenlos, wie er oft ist, erzĂ€hlt Kevin ihm von Kates Kommentar und stĂŒrzt Randall damit tiefer in die Krise. Auch Kates Auffassung, dass sie die einzige sei, die etwas von ihrem Vater weitergeben könnte, ist ebenso wie viele andere Aspekte der Episode eine althergebrachte Problematik, die lange schon unter der Fassade der Familie schwelt. Alles in allem kommt sie seltsam veraltet daher, sowohl die Auffassung, dass Gene wichtiger seien als Erziehung, als auch das BedĂŒrfnis, ĂŒberhaupt etwas weitergeben zu wollen.
Fazit
In der Episode A Philadelphia Story brechen alte Familienprobleme auf, die lange versteckt waren. Wir erkennen, dass viele der aktuellen Krisen aus der Zeit nach Jacks Tod stammen. Wie so oft schaffen die Autoren es, eine schöne Linie durch die Vergangenheit in die Gegenwart zu ziehen und uns dabei mitzunehmen. Gegen die Untergangsstimmung bei den Pearsons steuern sie mit einigen Blicken in glĂŒcklichere Tage fĂŒr William entgegen, beides zusammen ergibt eine runde This Is Us-Episode.
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Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Donnerstag, 4. Oktober 2018This Is Us 3x02 Trailer
(This Is Us 3x02)
Schauspieler in der Episode This Is Us 3x02
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