This Is Us 2x07

© ie Pearsons vor Gericht in der Serie „This Is Us“ / (c) NBC
In der Episode The Most Disappointed Man begleiten wir Familie Pearson und diejenigen, die ihnen nahestehen, durch das System. Am Ende landen alle irgendwann im Gerichtssaal, doch die zu verhandelnden Angelegenheiten sind sehr unterschiedlich. Damit wissen wir vor allem, wie gravierend es sein kann, wenn andere sich in das eigene Leben einmischen. Ob das immer in die richtige Richtung führt, bleibt abzuwarten, selbst bei den besten Absichten.
Zwei Richter sitzen in einem Pausenraum
Die beiden größten Handlungsstränge führen am Ende in denselben Pausenraum im Gericht, wo Richter Bradley (Delroy Lindo und sein Kollege Crowder (Sam Anderson) sich kurz über die Neuigkeiten austauschen. Was sie sich gegenseitig nicht sagen: Beide haben gerade das Schicksal eines Vaters und seines Sohnes unabhängig voneinander gravierend beeinflusst. Ob zum Besseren oder Schlechteren, darüber lässt sich streiten, wenn auch in Randalls Fall wohl weitaus weniger. Denn Richter Bradley hat sich aus dem Adoptionsfall verabschiedet - vielleicht dank Rebeccas Brief, vielleicht auch einfach, weil er keine Lust auf die Pearson-Hartnäckigkeit hat. Er hat damit den Weg freigemacht, dass die Adoption über die Bühne gehen kann, auch wenn er sich nicht überwinden kann, es selbst zu machen.
Auf der anderen Seite des Gebäudes gibt unterdessen Richter Crowder dem jungen William (Jermel Nakia) eine zweite Chance im Leben. Denn vor ihm steht ein Mann ohne Vorstrafen, der den Drogen verfallen ist, nachdem er innerhalb eines Jahres seine Mutter, seine Lebensgefährtin und seinen Sohn verloren hat, auf unterschiedliche Arten, wie wir wissen. Doch was macht William aus dieser Chance? Wir wissen, wie sein Leben ausgeht und wir wissen mittlerweile, wie es endet, doch über die Zeit dazwischen setzen die Macher uns nur zögerlich ins Bild.
Wenn wir Williams Leben sehen, bevor er auf den erwachsenen Randall trifft, dann ist das immer von Trauer und Düsterkeit gezeichnet. Doch wir wissen ja bereits, dass er auch gute Zeiten mit seinem Lebensgefährten Jessie (Denis O'Hare) hatte. Doch für den Moment ist die Assoziationskette eher, dass er von der zweiten Chance zu einer tödlichen Krankheit gekommen ist. Doch das alles wird der Szene untergeordnet, in der die Erinnerung an den Richter seinen geplanten Selbstmord für genau die richtige Zeit nach hinten verlagert, dass er die Türklingel hört und seinen verlorenen Sohn trifft.
Die Episode The Most Disappointed Man wirft natürlich die Frage auf, ob es besser gewesen wäre, wenn die Richter sich nicht eingemischt hätten. Bei den anderen Plots in dieser Episode ist das Urteil darüber noch offen, weil sie noch nicht abgeschlossen sind. Was aus Randall (Sterling K. Brown) und William (Ron Cephas Jones) geworden ist, wissen wir, zumindest für die dreißig Jahre nach den Gerichtsterminen.
Auf den ersten Blick sieht es so aus, dass die Justiz die Leben der beiden in bessere Bahnen gelenkt hat. Randall wächst in einer liebevollen Familie auf und William bleibt eine Laufbahn als Krimineller erspart. Doch was, wenn Randall statt ins Heim an William gegeben worden wäre, der sein Leben nach einem vielleicht auch anderen Urteil auf die Reihe bekommen hätte? William - trotz der Aufgabe seines eigenen Kindes und der Drogensucht - ist einfach mit jeder Faser als liebenswerter Charakter gezeigt worden. Eine Kindheit mit dem sanften Dichter kann man nicht als generell schlecht verurteilen. Vielleicht wäre es für die beiden eine andere Art von Happy End geworden.
Fremdentscheidungen
In der Gegenwart versuchen unterdessen Kate (Chrissy Metz) und Toby (Chris Sullivan) herauszufinden, wie sie ihre Hochzeit handhaben wollen. Einem halbherzig gemachten Termin beim Gericht folgt dann ein emotionaler Antrag von Toby, der sich durch eine Zwiesprache mit dem Geist seines Schwiegervaters in spe dazu ermutigt fühlt, Kate die ganz große Bühne zu bieten. Sie habe das Beste verdient und das solle sie auch bekommen. Dieser Plot ist weniger gelungen, vor allem, weil die Autoren es Kate nicht zutrauen, selbst zu erkennen oder zu sagen, was sie will. Das ist immer ein bisschen unglücklich. Auch darüber hinaus kommt Tobys große Geste der Stunde zumindest bei mir nicht so besonders gut an. Sicher, er hat seinem Schwager immer noch einiges voraus, aber im Vergleich zu dem Tag, als er Kate zu einem Altersheim entführte, um sie von ihrer Versagensangst zu heilen, bleibt er zuletzt ziemlich einfallslos.
Auch Kevin (Justin Hartley) ist zuletzt nicht gerade die beste Version seiner selbst. Doch in seine Überlegungen mischt sich niemand ein außer ein kurzer Tagtraum, in dem er einem fiktiven Sohn begegnet. Er zieht sich aus der Beziehung zu Sophie (Alexandra Breckenridge) zurück und die lässt ihn ziehen. Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Es fühlt sich langsam so an, als wenn Kevin sich, seitdem wir ihn kennengelernt haben, keinen Meter bewegt hat. Immer wieder kamen vielversprechende Anwärterinnen auf ernst zu nehmende Beziehungen in Sichtweite und immer wieder hat er sie von sich gestoßen. Erinnert sich noch jemand an die wunderbare Drehbuchautorin Sloane (Milana Vayntrub)?
Sein Verhalten ist frustrierend und doch wohl am nächsten an der Realität von allen Plots der Serie. Menschen brauchen in der Regel extrem lange, bis sie es schaffen, selbstzerstörerische Muster zu durchbrechen und bis dahin wiederholen sie ihre Fehler in wenig subtiler Weise. Kaum ein Film oder eine Serie hat die Zeit und Ausdauer, diesen Weg mit den nervenzerrenden Wiederholungen nachzuzeichnen. Doch This Is Us kann das, sie hat genügend Figuren zur Auswahl, die uns von Kevin ablenken können, die uns das Gefühl eines runden Etappensieges geben, auch wenn Kevin weit davon entfernt ist.
Die beste Entscheidung der Episode trifft dann auch wieder Randall. Entgegen Beths Wünschen ermöglicht er Déjà (Lyric Ross) den Kontakt mit ihrer Mutter. Er bringt das seiner Frau nahe, indem er auf seine eigene Geschichte verweist, in der so viele Menschen Entscheidungen über seinen Kopf hinweg getroffen haben. Ohne sie zu benennen, trifft das seine Mutter Rebecca (Mandy Moore). Denn sie hat einst entschieden, dass William seinem Sohn nicht nahekommen darf. Doch Randall wiederholt nicht die Fehler seiner Eltern, auch wenn es hart ist. Er geht den schwierigen Weg, der im Moment richtig scheint. Doch gut gemeint ist manchmal nicht das Entscheidende...
Fazit
Die Episode The Most Disappointed Man ist ein bisschen stärker als die vergangenen, aber das altvertraute Gefühl kann auch sie nicht heraufbeschwören. Vielleicht ist das das größte Dilemma der Serie This Is Us. Sie verwöhnen uns mit großen Gesten und Emotionen, doch wir gewöhnen uns daran und brauchen etwas noch Größeres, um vom Hocker gerissen werden zu können. Doch das ist erstens nicht immer möglich und zweitens wird die Gefahr, in Klischees und Kitsch zu verfallen, immer größer in der Höhenluft.
Verfasser: am Mittwoch, 8. November 2017This Is Us 2x07 Trailer
(This Is Us 2x07)
Schauspieler in der Episode This Is Us 2x07
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