This Is Us 1x18

This Is Us 1x18

Bis zum Ende kann man es kaum glauben, aber das erste Staffelfinale der Serie This Is Us enttäuscht. Sind es die Folgen des Luxusproblems weil das Drama schon früh für zwei Staffeln verlängert wurde?

Jack (Milo Ventimiglia) in der Serie „This Is Us“ / (c) NBC
Jack (Milo Ventimiglia) in der Serie „This Is Us“ / (c) NBC
© ack (Milo Ventimiglia) in der Serie „This Is Us“ / (c) NBC

So viele Tränen haben wir im Laufe der ersten This Is Us-Staffel vergossen und dann ausgerechnet beim ersten Staffelfinale herrscht auf emotionaler Ebene weitgehend Dürre. Wie kommt es, dass die Episode Moonshadow so enttäuscht?

Nur zwei

Sicher, die Beschwerden über das Finale setzen auf hohem Niveau an, immer noch sind die einzelnen Handlungs- und Zeitstränge auf manchmal bezaubernde Art miteinander verwoben und ergeben damit eine Stunde gute Unterhaltung, in der wir die Pearsons immer besser kennen lernen. Als Episode mitten in der Staffel wäre „Moonshadow“ vermutlich auch gar nicht weiter aufgefallen. Auch so gab es hin und wieder Episoden, die ich weniger gelungen oder treffend fand, aber die dennoch etwas beitrugen. Doch nun haben wir es mit einer besonderen Episode zu tun, dem ersten Staffelfinale. Bei einer Serie, die mit schöner Regelmäßigkeit zu Tränen rührt, darf man da einiges erwarten. Doch die „This Is Us“-Autoren lösen keines der Versprechen ein, die sie uns zwischen den Zeilen und manchmal doch recht deutlich gegeben haben. Wir erfahren nicht, wie Jack (Milo Ventimiglia) stirbt, und auch nicht, wieso Kate (Chrissy Metz) denkt, dass sie Schuld daran ist. Wir können nur erahnen, ob es eine ernsthafte, dauerhafte Trennung zwischen Jack und Rebecca (Mandy Moore) gegeben hat. Ganz zu schweigen von Randall (Sterling K. Brown), von dem wir nur eine große Entscheidung in einer Nebenszene erfahren.

Jack und Rebecca sollen das Staffelfinale tragen und das wäre durchaus möglich, wenn die Autoren nicht versuchen würden, uns mit halbgaren Ideen abzuspeisen. Sind das die Folgen des Luxusproblems, was man bekommt, wenn die eigene Serie nach wenigen Episoden bereits um gleich zwei Staffeln verlängert wird? Hätte Jack bei einer Absetzung am Ende der ersten Episode sterben sollen und nun stehen sie da mit einem Vakuum an Story weil sie die Familiengeschichte nun auf mindestens drei Staffeln ausdehnen würden. Generell leiden sie dabei wohl nicht unter einem Mangel an Themen, immerhin gehen wir mit den Pearsons durch mehr als 40 Jahre Familienhistorie.

Doch das große Ereignis, das sie die erste Staffel vor sich hergeschoben haben, ist Jacks Tod. Und den kann man nur einmal zeigen, zumindest in der vollen, emotionalen Wucht, die er mit sich bringt. Vielleicht haben die Autoren sich ziemlich spät dazu entschlossen, uns genau das noch etwas länger vorzuenthalten und mussten also für das erste Staffelfinale eine Alternative finden. Die Talfahrt fängt da an, wo sie sich nicht für eine komplette Alternative entscheiden sondern den Fokus bei dem Elternpaar lassen, aber nur einen kleinen Teil der Geschichte erzählen.

Der Abschied

Dabei bleiben sie eng an dem, was sie in den Episoden zuvor vorbereitet haben. Die beiden, die das Traumpaar sind, wanken auf eine Trennung zu, die man kilometerweit kommen sehen kann - und die sich mehr als ein bisschen erzwungen anfühlt. Nun verbünden sich einfach alles gegen das Dreamteam, Jacks Alkoholproblem, Rebeccas Verschwiegenheit die Vergangenheit mit dem Bandleader betreffend, die Unfähigkeit, sich gegenseitig zu sehen, das allgemeine Timing. Die Welt hat sich gegen die Pearsons verschworen, die Teenagerkinder scheinen von all dem Geschrei im Haus unbeeindruckt und Jack und Rebecca sind nach einer Chaosnacht bereit, aus dem Ehebett auszuziehen. Rebeccas Unzufriedenheit ist nachvollziehbar, ihre Kinder werden immer selbstständiger, die Tätigkeit als Hausfrau füllt sie nicht aus und ihr einziger Ausweg wird ihr ausgerechnet durch die Eifersucht ihres Ehemanns verbaut.

Das alles führt zu Frust, keine Frage, aber der starke Spruch davon, dass sie meinten, was sie sagten und es nicht im Tageslicht zurückziehen dürfen, klingt auch besser als dann Logik dahintersteckt. Dass die beiden Probleme haben, das kann man nicht wegargumentieren, aber dass Jack eigentlich da war um seine Frau zu unterstützen, das hätte Rebecca nach einer Nacht drüber schlafen eigentlich erkennen müssen. Und dass derjenige, der ihren Traum gekillt hat, nicht ihr Mann sondern ihr Bandkollege war. Ben (Sam Trammell) hat versucht, sie zu küssen und damit ihren Traum untergraben, als Sängerin anerkannt zu werden. Er hat ihr kurz vor dem großen Auftritt das Gefühl gegeben, sie als potentielle Partnerin und nicht als Künstlerin in die Band gebeten zu haben. Und er hat ihr das Vertrauen genommen, mit Menschen auf der Bühne zu stehen, die aufrichtig zu ihr sind. Ben hat den Traum getötet und nicht Jack, der war als Unterstützer da und hat sich von seinem Alkoholismus in die Krise leiten lassen. Letzteres war natürlich ein Fehler, doch dem zollt Rebecca dann im eigentlichen Streit nicht mehr genug Gebühr als dass es der Auslöser ist.

Nur auf eines kann man sich auch im Staffelfinale verlassen: Jack findet die richtigen Worte, zumindest wenn er wieder nüchtern und damit Herr seiner Sinne ist. Schöne Reden sind natürlich kein Grund, zusammenzubleiben wenn alles andere nicht passt, aber in diesem Fall passt vieles und das stellt er durch seine Ansprache heraus.

Der Clou, den die Autoren sich für diese Episode überlegt haben, ist es, uns die Trennung parallel zum Kennenlernen zu zeigen. Doch das liest sich auf dem Papier besser als es dann wirkt. Wir erfahren, aus welchen Umständen die beiden in die Beziehung gegangen sind. Jack kehrt aus dem Krieg zurück und findet keinen Job bis er soweit ist, dass er sogar einen Überfall begehen will. Rebecca wird von ihren Freundinnen darauf hingewiesen, dass es gewagt ist, alles auf ihren Durchbruch als Musikerin zu setzen und sie auch an ihr privates Glück denken soll. Dass die beiden sich dann über den Weg laufen, liegt vor allem daran, dass sie trotz großer Verzweiflung in letzter Minute sich selbst treu bleiben. Jack raubt den Barkeeper nicht aus und Rebecca verabschiedet sich von einem sicheren, aber langweiligen Date um zu singen. Die Moral ist also doch, dass die beiden ihren Weg weitergehen und gerade keine falschen Opfer bringen. Wieso also sagen sie sich in ihrem Streit, was sie alles füreinander geopfert haben? Wir haben sie erlebt bevor sie Kinder hatten, die beiden haben ihre Beziehung so gelebt, wie sie wollten, Rebecca stand auf der Bühne, sie waren viel abends unterwegs zusammen. Erst die Drillinge haben das verändert und die Entscheidungen, die darum herum getroffen worden sind, haben mit dem ersten Kennenlernen nicht viel zu tun. Die Gegenüberstellung, die die Episode Monnshadow aufbaut, geht also ins Leere.

Das alles wäre nicht weiter schlimm, wenn es sich nicht um das Staffelfinale handeln würde. Man kann das alles ja auch anders lesen. Und zwar so, dass die Rückblicke uns zeigen sollen, wie die beiden sich verliebt haben und wie vorherbestimmt sie füreinander sind. Und das wiederum spiegelt sich in Jacks Aussage am Ende, dass die Geschichte ihrer Liebe gerade erst beginnt. Doch Vorherbestimmung ist eine Sache, die ziemlich flach fällt wenn man bedenkt, dass die Serie eigentlich alles andere als eine romantisch-verkitschte Story erzählt. Es geht nicht um die Liebe auf den ersten Blick, sondern darum, Gefühle und Familie über Jahrzehnte aufrecht zu erhalten und sich dabei selbst nicht zu verlieren. Wieso also plötzlich die leere Romantik vom ersten Blickkontakt und dem Schicksalstreffen wenn es am Ende dann doch darum geht, dass der Alltag gezeigt hat, es passt nicht.

Fazit

Die Fäden, die in den besten This Is Us-Episoden tränenreich zusammenlaufen, führen in dieser oft in ein verwirrendes Knäuel aus Unklarheiten. Das hat die Serie nicht verdient und sieht ihr auch nicht ähnlich. Ich glaube also daran, dass es eine Notlösung ist weil die Autoren sich den Abschied von Jack aufbewahren wollten angesichts zwei weiterer Staffeln. Doch sie mussten auch damit rechnen, dass wir nach den letzten Episoden Aufklärung über Jacks Tod erwarten und das haarscharfe daran Vorbeischlittern ist unbefriedigender als wenn sie sich einfach für ein ganz anderes Thema als Finale entschieden hätten.

Verfasser: am Mittwoch, 15. März 2017

This Is Us 1x18 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 18
(This Is Us 1x18)
Deutscher Titel der Episode
Volltreffer
Titel der Episode im Original
Moonshadow
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 14. März 2017 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 23. August 2017
Autoren
Dan Fogelman, Isaac Aptaker, Elizabeth Berger
Regisseur
Ken Olin

Schauspieler in der Episode This Is Us 1x18

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