This Is Us 1x01

„Eine Dramedy-Version von Lost“ ist das erklärte Vorbild des Serienschöpfers Dan Fogelman. Oh je. Doch nachdem man die Pilotepisode der Serie This Is Us gesehen hat, macht man sich darüber kaum noch Gedanken - so sehr ist man von der Geschichte eingefangen worden.
Worum es geht
Zuerst lernen wir Rebecca (Mandy Moore) und das erste Geburtstagskind Jack (Milo Ventimiglia, Heroes, Gilmore Girls) kennen. Die beiden stehen kurz vor der Geburt ihrer Drillinge. Die erste Hälfte der Episode sind die zwei der Anker in die Idylle, während alle anderen Figuren straucheln. Sie teilen einen wunderbaren komischen Geburtstagstanz miteinander und erfüllen auch sonst alle Kriterien, die an eine glückliche Ehe gestellt werden können.
Unterdessen wird ihre Geschichte jedoch immer wieder von den Geburtstagen anderer unterbrochen, zum Beispiel von Randall (Sterling K. Brown, Army Wives). Er hat einen guten Job, eine tolle Frau und zwei wunderbare, sehr unterschiedliche Töchter. Und er hat nach 36 Jahren seinen leiblichen Vater ausfindig gemacht, der ihn einst als Neugeborenes an einer Feuerwache zurückließ. Er sieht sich einem Mann gegenüber, der nur wenig zu seiner Verteidigung hervorzubringen hat und vom Leben selbst am kürzeren Ende hängen gelassen wurde.
Außerdem lernen wir die Geschwister Kate (Chrissy Metz, American Horror Story) und Kevin (Justin Hartley, Smallville) kennen. Die beiden sind Zwillinge, was man ihnen jedoch nicht ansieht. Während Chrissy in einer Selbsthilfegruppe für Übergewichtige sitzt, steht Kevin als Star einer simplen, aber erfolgreichen Sitcom vor den Kameras ohne Shirt, weil sich die Story mit Sixpack besser verkauft. Auch die beiden haben - natürlich - zum Tag der Pilotepisode Geburtstag.
Wie kommt es rüber?
Eins ist kein Geheimnis: Am Ende der Pilotepisode kommt es zu einer großen Wendung. Doch wie die genau aussieht, sollte man nicht im Vornherein erfahren, wenn man die Episode genießen will. Also bleibt die erste Seite des Reviews in dieser Hinsicht spoilerfrei. Alle, die die Folge bereits gesehen haben, sind auf der zweiten Seite zur Besprechung eben dieser Überraschung herzlich willkommen.
Schnell stellt man fest, dass die Vorschusslorbeeren, die die Serie sich selbst mit rührenden Trailern verschafft hat, nicht ungerechtfertigt sind. Wer die Clips mochte, der wird von der kompletten Episode wohl nicht enttäuscht werden. In wenige Minuten wurden dort die wahren Stärken der Serie This Is Us aufbereitet: Gute Musik, starke Darsteller und rührende Momente. Nachdem man Dr. K (Gerald McRaney, House of Cards, Longmire) und Toby (Chris Sullivan, The Knick) kennen lernt, kann man sogar finden, dass feinsinnige Komikmomente ebenfalls in diese Rangliste aufgenommen werden dürfen.
Das Drehbuch zeigt von Anfang an, dass wir es hier mit Autoren und Produzenten zu tun haben, die eine emotionale Geschichte mit schönen Bildern verbinden wollen, schön allerdings nicht im Sinne von glattgebügelt. Sie liefern in ihrer Pilotepisode Bilder, die man nicht oft in Hochglanzserien sieht, zum Beispiel eine übergewichtige Darstellerin halbnackt von hinten vor der Waage. Hier sind keine Fettsuits im Einsatz, die Sache fühlt sich echt an. Aber auch nicht zu realistisch, von Girls-Nacktheit sind wir mit This Is Us weit entfernt.
Mit diesem feinen Gespür für einen Mittelweg zwischen Ästhetik und Realismus kann man eine Story genießen, die ihre Figuren ernst nimmt, in jeder Hinsicht. Und die sich auch nicht vor der Meta-Ebene scheut. So keift Sitcom-Star Kevin in einem Zusammenbruch vor laufenden Kameras das Live-Publikum an, es sei selbst Schuld daran, dass im Fernsehen viele hirnlose Serien laufen. „Es ist eure Schuld weil ihr so wenig von uns verlangt, dass wir uns darauf einstellen!“ Dass Alan Thicke als fiktionalisierte Version seiner selbst an der Szene teilnimmt, vertieft den Eindruck der direkten Ansprache nur noch mehr.
Auf der nächsten Seite sind Spoiler zur großen Überraschung der Pilotepisode!
Und dann das Ende!
Die zahlreichen Hinweise auf die Gegenwart, besonders in Kevins Handlungsstrang, so ein Hinweis auf seine kleine Rolle in Nashville und die Auflistung der berühmten Ryan-Riege sind mehr als auffällig, schaffen es aber wahrscheinlich dennoch, viele Zuschauer über den großen Unterschied zwischen den Storys hinwegzutäuschen: Während wir Jack und Rebecca im Jahr 1980 begleiten, befinden sich die anderen im Jahr 2016. Denn Jack und Rebecca sind die Eltern der Drillinge. Die Zwillinge Kate und Kevin kommen vor unseren Augen auf die Welt. Der dritte im Bunde, Randall, gesellt sich zur Familie, als Vater Jack ihn in der Säuglingsstation sieht - kurz, nachdem er erfahren hat, dass sein drittes Kind bei der Geburt umgekommen ist. Die Offenbarung ist emotional umgesetzt, uns trifft die Erkenntnis in dem Moment, in dem Jack die Idee kommt, das ausgesetzte Baby zu adoptieren.
Und von dem Moment an ist endgültig klar, was wir hier serviert bekommen: eine detailliert erzählte Familiengeschichte mit rührenden Höhepunkten. Das kann gerne so weitergehen, vor allem wenn die Drehbücher so stark bleiben wie in der Pilotepisode. Ohne es an die große Glocke zu hängen schmuggeln die Autoren zahlreiche Parallelen in die Story. Zum Beispiel die zahlreichen Konstellationen von Vätern mit ihren Kindern, zu denen neben den offensichtlichen wie Jack und Randall auch die komische Szene in der fiktionalen Sitcom Manny gehört, in der Kevins Figur Alan Thickes Figur Vorhaltungen dazu macht, dass er nie für ihn da war als Vater. Fast zeitgleich erleidet Randall einen nervösen Zusammenbruch, in dem er erklärt, dass die Szene mit seinem entfremdeten Vater, die sich gerade in seinem Haus abspielt, wie aus The Manny sei. Wobei man sagen muss, dass die ernsthafte Szene, die dort wirklich gedreht wird, nur zur Beruhigung des Hauptdarstellers durchgezogen wird, der Regisseur hat eine leichtere Alternative in petto für sein Zielpublikum.
Fazit
In dieser Hinsicht also ist der Vergleich mit Lost, den der Serienschöpfer selbst zieht, gar nicht mehr so seltsam. Man muss schon genau aufpassen, damit man alle Zwischentöne trifft. Doch statt eines großen Mysteriums entschlüsseln die This Is Us-Macher eine jahrzehntelange Familiensaga vor unseren Augen, in der man vieles erst im Nachhinein richtig versteht. Und das macht die Überraschung am Ende so stark und vielversprechend für weitere Episoden: Dass man zurückschauen und vieles nicht unbedingt anders verstehen, aber neu deuten kann. Wie in der Wirklichkeit, überzogen mit einem ziemlich schönen Schleier.
Trailer zur neuen Serie „This Is Us“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 21. September 2016This Is Us 1x01 Trailer
(This Is Us 1x01)
Schauspieler in der Episode This Is Us 1x01
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