The X-Files 11x08

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Wir befinden uns nun drei Episoden vor dem Ende der vermutlich letzten Staffel von The X-Files. Die Autoren scheinen aber eher Richtung Staffelfinale zu denken und unterbreiten uns heute eine arg generische Episode im Stile vieler VorgĂ€nger, die einzig durch ihre HĂ€rte und AbgrĂŒndigkeit auffĂ€llt. Hoffen wir, dass die letzten beiden Episoden eine Spur mehr Abschluss (fĂŒr die gesamte Serie) bieten werden.
Darkness Falls
Das erste Drittel der Episode entfaltet eine mehr als niederschmetternde AtmosphĂ€re. Ein kleiner Junge namens Andrew (der eine gruselige Clown-Puppe namens Mr. Chuckle Teeth bei sich trĂ€gt) sieht plötzlich ganz wie im Film âEsâ sein Spielzeug in LebensgröĂe im Wald stehen und entwischt prompt seiner unkonzentrierten Mutter. Ein Albtraum. Kurz darauf ist der Junge tot. WĂ€hrend die lokale Polizei von einer Tierattacke ausgeht, fĂŒhrt Scullys (Gillian Anderson) Analyse eher in Richtung eines sexuell motivierten Gewaltverbrechens. Dass Mulder (David Duchovny) nebenbei noch was von einem Höllenhund und schwarzer Magie faselt, ist zu diesem Zeitpunkt der Handlung nicht mehr als das ĂŒbliche GeplĂ€nkel der beiden Helden.
Es ist eher selten, dass in Fernsehserien kleine Kinder brutal ums Leben kommen. Der Eindruck auf den Zuschauer wie auch auf Mulder und Scully ist dementsprechend drastisch - bis hin zur emotionalen Trauerfeier. Mulders Befragungsversuch der kleinen Emily (die Tochter des Polizeichefs, die auch auf dem Spielplatz war, als Andrew verschwand) fĂŒhrt ihn nicht weiter. Das kleine, blasse MĂ€dchen kann sich von ihrer Lieblingssendung âBibble Ticklesâ (einer furchteinflöĂenden Version der ohnehin schon furchteinflöĂenden âTeletubbiesâ) nur zu auswendig gelernten SĂ€tzen aufraffen. Immerhin zeigt sich Mulder hier jedoch so empathisch und kinderfreundlich wie lange nicht mehr.

The Unnatural
Scullys Analysen fĂŒhren Rick, den Vater des Jungen, derweil auf eine heiĂe Spur. Er sucht im Polizeisystem nach SexualstraftĂ€tern und findet tatsĂ€chlich einen Mann namens Melvin Peter, der bereits zuvor durch Ăbergriffe auf Kinder auffĂ€llig geworden war und nun ganz in der NĂ€he des Spielplatzes wohnt - ohne, dass die Nachbarn das wissen. Eine Verfolgungsjagd spĂ€ter (offenbar ein wiederkehrendes Thema dieser Staffel) steht man vor Peters Haus, der jedoch nicht zu Hause ist. Gut fĂŒr ihn! Rick hĂ€tte den VerdĂ€chtigen fraglos direkt erschossen.
Dank eines Hausdurchsuchungsbefehls wird es direkt noch viel unschöner - besonders fĂŒr Eltern. Das Kopfkino, das bei den Fotos des âlustigen SpaĂmachersâ (der eigentlich ein pĂ€dophiler StraftĂ€ter ist) gemeinsam mit unschuldigen, lachenden Kindern entsteht, möchte man am liebsten sofort wieder loswerden. Mulder findet sogar noch ein KostĂŒm von Mr. Chuckle Teeth - die Sache scheint also glasklar zu sein. Doch es handelt sich bei den X-Akten ja eigentlich nicht um eine Profiler- oder Crime-Serie, bei der grauenvolle Taten vollstĂ€ndig in der RealitĂ€t der heutigen Zeit fuĂen, oder? Ein âechterâ Bibble Tickle lockt in der Zwischenzeit die kleine Emily (die wieder oder immer noch vor der Glotze hĂ€ngt) aus dem Haus - Minuten spĂ€ter ist auch sie tot. Sollte der Autor Eltern die genauere Kontrolle ĂŒber das Fernsehprogramm ihrer Kids nĂ€herbringen wollen, dĂŒrfte dieser Ansatz definitiv Erfolg haben.
Revelations
Melvin Peter gerĂ€t andernorts mitten hinein in den Mob, der sich vor seinem Haus versammelt hat und wird nach einem kurzen ScharmĂŒtzel von Rick erschossen. Hier zeigt sich die hĂ€ssliche Fratze einer Gruppendynamik von ihrer schlimmsten Seite. Doch eigentlich hatte sich die Geschichte doch gerade anders entwickelt, oder? Mulders Fund eines heiligen Kreises aus Sand, ein Friedhof im Wald und das GestĂ€ndnis des Polizeichefs, mit der Ehefrau seines Untergebenen (der Mutter von Andrew) eine AffĂ€re zu haben, deuteten tatsĂ€chlich eher auf die Entfesslung dĂŒsterer MĂ€chte. Wie passt der pĂ€dophile Melvin Peter noch in diese Geschichte? Die Antwort ist simpel: Gar nicht. Der Mann hat ein Alibi. Leider erfĂ€hrt man das jedoch erst, nachdem Rick abgedrĂŒckt hat. Die komplette Handlung rund um den SexualstraftĂ€ter entpuppt sich somit als Ablenkungsmanöver des Drehbuchs, um den Grundgedanken einer Hexenjagd in Form eines Mobs und eines selbsternannten Racheengels aufzuzeigen. Das Fazit? Menschen sind eben doch die gröĂte Gefahr - sogar, wenn es wirklich spukt?

Hellbound
Fertig ist das Drehbuch an dieser Stelle jedoch immer noch nicht: Rick wird von seiner Frau verlassen, diese sieht ihren toten Sohn bei Regen auf der StraĂe stehen und verunglĂŒckt tödlich. Rick sieht derweil Mr. Chuckle Teeth (und trifft noch auf einen wild gewordenen Fernseher) und wird von seinem Seitensprung-Boss umgebracht. Man sollte ab jetzt besser mitschreiben. Im Wald wird der Polizeichef nĂ€mlich kurz darauf noch vom Höllenhund verspeist, wĂ€hrend seine Frau ihre schwarze Magie praktiziert. Sie wollte eigentlich nur den bösen Ehemann fĂŒr seine Untreue bestrafen. Nun ja. Andere Frauen ziehen in einem solchen Fall einfach aus. Das wĂ€re fĂŒr alle - ich wiederhole: alle! - Beteiligten auch hier die viel bessere Lösung dieses (Ehe-)Problems gewesen. Ach ja! Die SelbstentzĂŒndung der Hexe gibt es noch obendrauf. Am Ende sind also alle vier beteiligten Erwachsenen samt ihrer beiden Kinder tot.
Leute, Leute! So was passiert sonst nur bei GZSZ - allerdings innerhalb einer ganzen Staffel! Hatte ich erwĂ€hnt, dass sich eines der SpielgerĂ€te auf dem Kinderspielplatz ganz am Ende noch von selbst dreht? Den Poltergeist wird's freuen. Mulder und Scully haben nun auch endlich genug gesehen. Sogar Scully scheint sich inzwischen ein klein wenig vor den dĂŒsteren EinflĂŒssen zu fĂŒrchten. Ich kann es ihr nicht verdenken. Was möchte uns die Episode nun aber eigentlich sagen? Ehebruch ist schlecht? Sicher. Zu viel (schlechtes) Kinderprogramm ist ungesund? Ganz bestimmt. Vorverurteilung ist keine Lösung? Keine Frage. Hexenwerk existiert? Scheinbar. Das alles fĂŒhrt in viele Richtungen, jedoch nicht wirklich zu einem Ziel.
So wabert das Drehbuch unentschlossen ob der gewĂŒnschten Aussage durch eine viel zu vollgepackte Dramaturgie, die aber - und das muss man der Episode in jedem Fall zugutehalten - bestimmt nicht langweilt oder kaltlĂ€sst. Einzig in der Frage, was die Botschaft sein soll, muss man bereit sein, gröĂere EinbuĂen in Kauf zu nehmen. Mulder formuliert fĂŒr uns die Geschehnisse in dieser kleinen Stadt dann sogar noch als Abbild des gesamten Amerikas. Was in frĂŒheren Episoden der Staffel noch ganz gut gelang, gerĂ€t hier jedoch nur plump und ĂŒberflĂŒssig. Die USA als SĂŒndenpfuhl zwischen Untreue, PĂ€dophilie, KleinstadtklĂŒngel, Massenhysterie, Lynchjustiz und einem wild gewordenen Clown, der alle ins Verderben lockt (guten Tag, Herr PrĂ€sident!) zu zeichnen, mag ja sehr hip sein, ĂŒberreizt das Thema allerdings eindeutig. Sehen wir die Episode vielleicht also lieber nicht ganz so global, sondern einfach als furchtbar tristes Stimmungsbild des KleinbĂŒrgertums vor den Toren der GroĂstĂ€dte. FĂŒhlt man sich dann wenigstens besser? Nein. Somit fĂ€llt die Episode eindeutig in die Kategorie âwer's braucht...â Ach ja - danke auch fĂŒr den entsetzlichen Ohrwurm!
Underneath
Noch ein paar Beobachtungen zum Schluss:
Die Tagline der Episode lautet zur Abwechslung mal wieder âThe Truth Is out Thereâ.
Roger Cross, den viele sicher als Curtis Manning aus 24 kennen, spielt hier eine Gastrolle.
Mulder findet eine schöne neue Bezeichnung fĂŒr Scully: Sie ist sein âHomieâ. Das ist also der Beziehungsstatus der beiden, den wir so lange rĂ€tselnd zu ergrĂŒnden versucht haben!
Das Drehbuch stammt von Benjamin Van Allen, der seine eigenen Kindheitstraumata bezĂŒglich gruseliger Fernsehfiguren in den „Akte X“-Kontext setzen wollte und dabei alles dermaĂen ĂŒberlĂ€dt, dass man leicht die Orientierung verlieren kann.
Regie fĂŒhrt zum ersten Mal Holly Dale, die ohne jeden Zweifel eine dĂŒstere AtmosphĂ€re erzeugt und das Drehbuch somit immerhin stimmig umsetzt. Dass in keinem Haus das Licht funktioniert, ignorieren wir aber mal.
Mulder sieht im Wald einen schwarzen Schattenwolf direkt aus Game of Thrones. Oder war es vielleicht doch sein Höllenhund? Gut getrickst ist das Tier in jedem Fall.
Mulders Nachfrage, ob er und Scully die Leiche des Jungen sehen könnten, wirkt direkt nach Scullys ĂuĂerung ĂŒber die Möglichkeit, dass den Mörder die Qualen seiner Opfers erregen könnten, Ă€uĂerst deplatziert. Auch Duchovnys flapsige Sprechweise hilft an dieser Stelle ĂŒberhaupt nicht, diesen unangenehmen Eindruck abzumildern.

Fazit
Mit einer pechschwarzen „Witch of the Week“-Show biegt die vermeintlich letzte Staffel der Serie auf die Zielgerade ein und erinnert dabei an frĂŒhere Jahre sowie Serien wie Supernatural oder Outcast, ĂŒberzieht in Sachen Schockeffekte gerade in Hinblick auf die Ermordung der Kinder jedoch deutlich und wird zu einer sehr deprimierenden Erfahrung. Auch der fast schon ĂŒbliche Kommentar auf das groĂe Ganze innerhalb der USA misslingt diesmal völlig. Einige Momente zwischen Mulder und Scully heben das mĂ€Ăige Niveau immerhin noch auf einen halbwegs brauchbaren Level.
Verfasser: Björn SĂŒlter am Donnerstag, 8. MĂ€rz 2018The X-Files 11x08 Trailer
(The X-Files 11x08)
Schauspieler in der Episode The X-Files 11x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?