The X-Files 11x06

The X-Files 11x06

Akte X wird erneut persönlich: Mit einem stimmigen Blick in Skinners Vergangenheit und die Gegenwart des FBI-Trios holt man verschiedene Themen und Emotionen auf den Tisch und hat mit Haley Joel Osment noch einen tollen Gaststar an Bord.

Mulder und Skinner in „The X-Files“ (c) FOX
Mulder und Skinner in „The X-Files“ (c) FOX
© ulder und Skinner in „The X-Files“ (c) FOX

Walter Skinner war die gesamte Serie über die zentrale dritte Hauptfigur, auch wenn man ihn selten richtig fassen oder seine Motivationen wirklich erschöpfend erklären konnte. Für die neue Staffel von The X-Files nahm man sich dieser Thematik nun erneut an und gab dem sympathischen Mimen Mitch Pileggi seine Soloshow.

Demons

Interessant ist dabei, dass Skinner persönlich nur in wenigen Szenen der Episode wirklich im Fokus steht - viel mehr befasst man sich mit seinem Hintergrund und den Ermittlungen von Scully (Gillian Anderson) und Mulder (David Duchovny), die sein plötzliches Verschwinden im Auftrag des Deputy Director Alvin Kersh aufklären sollen. Richtig gehört: James Pickens Jr., den viele sicherlich auch aus Grey's Anatomy kennen, feiert nach seinem letzten Auftritt in The Truth seine Rückkehr zur Serie - und ist dabei herrlich mürrisch wie eh und je.

Diesmal setzt er die beiden Agenten - denen er in der Vergangenheit so oft im Wege stand - auf ihren Boss Walter Skinner an, der sich offenbar in Luft aufgelöst hat. Spannend ist in diesem Zusammenhang, wie man dabei mit dem großen Misstrauen arbeitet, das sich zuletzt wieder zwischen Skinner auf der einen sowie Mulder und Scully auf der anderen Seite manifestiert hatte. Kersh macht allerdings auch deutlich, dass Skinner keine bessere Karriere im FBI beschieden war, weil er immer zum Schutze der X-Akten - und somit zum Schutz von Mulder und Scully - agiert hatte. Dabei handelt es sich natürlich um eine Information, die nicht überraschend kommt, die von Kersh geäußert jedoch definitiv an Gewicht gewinnt. Die meisten Fans wünschen sich Skinner vermutlich ohnehin als Teil des Teams - ihn so weit abseits zu sehen wie zuletzt, geriet dann auch eher bedrückend.

Den Protagonisten der Woche selbst sehen wir zu Beginn der Episode somit nur in Rückblenden: Im Stile von Magnum erleben wir seine Zeit Ende der 60er Jahre in Vietnam an der Seite seiner Kollegen. Giftgas, viel Blut, Schusswechsel und ein angsteinflößendes Monster im gelben Giftgasnebel haben zu diesem Zeitpunkt aber natürlich noch nicht viel Sinn, sollten aber im Hinterkopf bleiben.

James Pickens Jr. in „The X-Files“
James Pickens Jr. in „The X-Files“ - © FOX

Scary Monsters

Mulder und Scully machen sich derweil auf die Reise. Und wie in vielen schönen Episoden der Serie geht es in ein kleines, verschlafenes Nest mit dem wundervollen Namen Mud Lick - den Ort in Kentucky an der Kentucky Route 63 gibt es übrigens wirklich. Der Wrestler Hillbilly Jim gilt als einer der bekanntesten Einwohner. Doch das nur nebenbei.

In Mud Lick gibt es dann auch die üblichen Verdächtigen: einen sympathischen, jedoch am Ende auch leicht reizbaren Sherriff, einen verrückten Alten auf der Parkbank sowie den Hinterwäldler Davey, der mit toten und lebenden Tieren im Nirgendwo haust und obendrein der Sohn von Skinners Ex-Militär-Kumpel John „Kitten“ James ist. Obendrauf spendiert man uns sogar noch einen sonderbaren Todesfall, Monstersichtungen sowie ausfallende Zähne bei verschiedenen Einwohnern.

Der Serie gelingt hier erneut ein atmosphärisches Stimmungsbild, das mühelos die meiste Zeit der rund 43 Minuten trägt. Auch die triste, fast schon farbreduzierte Komposition der Bilder tut ihr Übriges. „Akte X“ war immer gut, wenn man uns Orte zeigte, in denen wir nicht im Traum länger verbleiben wollen würden - zumindest nicht ohne Mulder und Scully an unserer Seite.

Die Ermittlungen an sich gestalten sich jedoch wenig spektakulär. Ein paar Erkenntnisse später hat man Davey James ausfindig gemacht. Dieser sieht nicht nur aus wie sein Vater („Akte X“ liebt Schauspieler in Doppelrollen), sondern macht sich auch direkt verdächtig. Nicht nur, dass er zum Gespräch gerne überlaute Musik hört (Passend: „Fear Is a Man's Best Friend“ von John Cale), er lügt auch dreist über die Verbindung zwischen seinem Vater und Skinner.

Der Rest ist natürlich auch Routine: wegfahren, heimlich zurücklaufen, Probleme beim Hilfeholen, Skinner in einer Grube finden, selber reinfallen, kurz vor dem Tode stehen, von Scully gerettet werden. Nein, die Stärke der Episode liegt nicht im Offensichtlichen, sondern definitiv im Subtext.

Dieser kommt auch in der Unterhaltung zwischen Davey und Skinner zum Tragen, in der es um den Umgang mit Soldaten und Falschaussagen unter dem Druck der Befehlshaber geht. Hier wird Skinners Motivation auch erstmals deutlich herausgestellt.

Mulder und ein Monster in „The X-Files“
Mulder und ein Monster in „The X-Files“ - © FOX

Three of a Kind

Pures Gold lässt sich dann allerdings noch etwas später bergen, als unsere drei Helden nach all den Strapazen endlich wieder vereint sind. In Daveys Behausung versorgt Scully Skinners Wunde und dieser erklärt sich endlich einmal in mehr als drei bis acht vagen Worten. Durch seine Zeit in Vietnam, den Einsatz des Gases MK-Naomi und den Umgang seiner Vorgesetzten damit, hatte Skinner das Vertrauen in die Regierung und alle dazugehörenden Organe verloren. Seitdem hatte er jedoch Mulder und Scully kennen und schätzen gelernt und ihren Drang, in jede dunkle Ecke zu leuchten - koste es, was es wolle. Das Gleiche gilt auch für seinen Wunsch, John „Kitten“ James zu rächen. Nur, dass er jetzt wieder seine beiden Lieblingsagenten auf seiner Seite wissen kann. „Skinner, we're with you“ ist vielleicht der schönste Satz, den Mulder bisher überhaupt zu seinem Vorgesetzten gesagt hat - zumindest aber seit sehr langer Zeit.

Am Ende rücken Mulder, Scully und Skinner also wieder eng zusammen. Bedenkt man, dass es sich in Kürze um die letzten vier Episoden der Serie handeln dürfte, wäre es eine Freude, unsere Helden für den Rest der Zeit noch mal als vereintes Trio erleben zu können. Der Anfang ist gemacht. Wenn auch die (erneute) Verwicklung von Skinner in die Pläne des Rauchers natürlich weiterhin unklar ist.

Ganz so Friede, Freude, Eierkuchen wollte man die Episode dann aber ohnehin nicht beenden. Skinner fällt nach Verlassen der Behausung von Davey ein Zahn aus und zu einem von Davey gesprochenen Offtext sehen wir ein Flugzeug großzügig gelbes Gift verstreuen. „Denkt an meine Worte“, hört man den Sohn von „Kitten“ James da fast aus der Gruft rufen. Das ist pures „Akte X“, wenn sich das ewige Spiel mit dem „schaut, was die bösen Hintermänner derweil treiben“ natürlich auch eine Ecke weit abgenutzt hat.

Kleine Bemerkung noch bezüglich der bisherigen Staffel vor der dreiwöchigen Pause: Ich finde die Arbeit der Macher bisher mehr als respektabel. Starke Episoden dominieren das Bild und die gebotene Abwechslung macht Lust auf mehr. In dieser Form würde ich mir eine Fortsetzung über diese Staffel hinaus mehr als wünschen. Schade, dass Gillian Anderson eine Beteiligung schon ausgeschlossen hat und die Einschaltquoten ebenfalls nicht besonders gut sind. Warten wir einfach ab.

Haley Joel Osment und Skinner in „The X-Files“
Haley Joel Osment und Skinner in „The X-Files“ - © FOX

Underneath

    Noch ein paar Beobachtungen zum Schluss:

  • Die Tagline der Episode sagt dieses Mal: „A War Is Never Over.“ Das gilt natürlich besonders für den Kampf unserer drei Helden gegen „die da oben“. Der Titel entstammt übrigens dem gleichnamigen Gedicht von Cecil L. Harrison. Dort heißt es zum Beispiel: „War is never over. So when you welcome heroes home, remember in their minds they hold, memories known to them alone.“
  • Reale Regierungsprogramme (MK Ultra, MK Naomi, Agent Orange) finden Erwähnung.
  • Haley Joel Osment kennt man natürlich aus „The Sixth Sense“. Dort spielte er den Jungen Cole und begeisterte Fans weltweit. Hier liefert der heute 29 Jahre alte Mime in einer Doppelrolle als John und Davey James eine starke Vorstellung ab.
  • Stark liefert auch Mitch Pileggi ab. Schön, dass man ihm diese Episode gegönnt hat.
  • Der junge Skinner wird von Pileggis Neffen Cory Rempel gespielt.
  • Die Idee zur Episode kam Autor Gabe Rotter (der auch schon in der zehnten Staffel zum Stab gehörte), als Pileggi sich eines Tages bei Chris Carter über fehlende Entwicklung seiner Figur beklagte.
  • Regie führt Carol Banker, die an der Serie bereits früher als Script Supervisor gearbeitet und sogar bei The Lone Gunmen in einer Episode Regie geführt hatte.

Fazit

Die Episode ist zwar auch für sich durchweg gelungen, bekommt jedoch erst mit den letzten Minuten wirklich die Krone aufgesetzt. Mulder, Scully und Skinner wieder als Team zusammenfinden zu lassen, ist eine angenehme Überraschung und funktioniert auch dank der unterhaltsamen und stimmungsvollen Rahmenhandlung ausgesprochen gut. Merke: Es muss nicht immer das Strecken zur Decke sein - manchmal reicht es schon, einfach die Figuren ernst zu nehmen und nebenbei eine gute Geschichte zu erzählen. Klasse!

Verfasser: Björn Sülter am Freitag, 9. Februar 2018

The X-Files 11x06 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 6
(The X-Files 11x06)
Deutscher Titel der Episode
Kätzchen
Titel der Episode im Original
Kitten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 7. Februar 2018 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 28. März 2018
Autor
Gabe Rotter
Regisseur
Carol Banker

Schauspieler in der Episode The X-Files 11x06

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?