The X-Files 11x02

The X-Files 11x02

Alte Bekannte, neue Feinde und ein tolles Duo. Die zweite Episode der elften Staffel bietet ein Abenteuer, das für sich stehen kann, aber dennoch tief in der Mythologie der Serie verwurzelt ist und diese neu definiert. Auf diese Weise macht Akte X auch nach 25 Jahren noch Spaß!

Mulder und Scully in „The X-Files“ (c) Robert Falconer/FOX
Mulder und Scully in „The X-Files“ (c) Robert Falconer/FOX
© ulder und Scully in „The X-Files“ (c) Robert Falconer/FOX

Während Mulder (David Duchovny) und Scully (Gillian Anderson) ein wenig ausspannen, erreicht sie der Anruf eines alten, aber eigentlich verstorbenen Freundes: Richard Langly (Dean Haglund) von den Lone Gunmen. Schon kurz danach bricht die Hölle los: Russen, Skinner, ein Großcomputer und Erika Price machen den Agenten in The X-Files das Leben schwer...

Dreamland

Ein Häuschen im Grünen, Fox und Dana auf der Couch beim Chillen - haben wir uns nicht alle die Zukunft des dynamischen Duos insgeheim immer so vorgestellt? An einer Stelle nennt Scully das Haus sogar „our home“. Die Shipper dieser Welt - diesen Autor eingeschlossen - werden ganz tief geseufzt haben. Leider hält die Ruhe jedoch keine Minute an. Mit einem verpixelten Anruf von Langly beginnt eine mehr als ungewöhnliche Episode der neuen The X-Files-Staffel.

Nachdem vergangene Woche Chris Carter erneut bewiesen hatte, dass seine Mythologie a) keine ganze Episode mehr tragen müssen sollte und b) seine Fähigkeiten als Autor und Regisseur nicht so gut sind wie die als Produzent und Ideenlieferant, kehrt dieses Mal Glen Morgan zur Serie zurück. Der Bruder von Darin Morgan war auch in der vergangenen Staffel mit der etwas enttäuschenden Episode Home Again mit von der Partie, kann dafür aber auch auf eine mehr als überzeugende Vergangenheit zurückblicken. Zu seinen besten Episoden gehören Ice, Beyond the Sea, Tooms, Home und Musings of a Cigarette Smoking Man. Würde er die Serie aus dem Schlagloch des Auftakts befreien können?

Zumindest darf eines direkt festgehalten werden: Dem Autor gelingt hier etwas, das Carter und sein Team ursprünglich schon für die zehnte Staffel im Sinn hatten. Er erzählt eine Geschichte, die sich durch und durch nach 2018 anfühlt und die reiche Vergangenheit der Serie nur zum Anreichern nutzt. Ein guter Weg?

Ghost in the Machine

Erinnern wir uns jedoch zuerst einmal: Die Lone Gunmen Richard Langly, Melvin Frohike und John Fitzgerald Byers sind tot und beerdigt. Mulder war damals vor sechzehn Jahren zwar nicht anwesend, doch Scully und Skinner (Mitch Pileggi) können sich noch lebhaft an die Beerdigung auf dem Arlington Friedhof erinnern. Was zur Hölle macht der Gute also auf Mulders Handy? Und was redet er für wirres Zeug? Für lange Diskussionen lässt das Drehbuch jedoch keine Zeit, da direkt Gefahr in Form eines Trupps Russen über unser Traumpaar hereinbricht.

Was dann folgt, ist nicht nur das Ramones-Cover zu „California Sun“, sondern auch eine atemlose Jagd durch die restliche Handlung, die extrem kurzweilig daherkommt. Erinnerungen kommen zudem an den Hitchcock-Klassiker „Der unsichtbare Dritte“ hoch, in dem Cary Grant als Werbefachmann in Geheimdienstintrigen verstrickt wird und quer durch die Vereinigten Staaten fliehen muss.

Was ein wenig traurig stimmt, ist das gestörte Verhältnis zwischen den beiden Agenten und Skinner, das dieser auch treffend und wehmütig kommentiert: Wie sind wir bloß an diesen Punkt gekommen? Dabei ist es nur wie so oft: Mulder und Scully vertrauen nur sich selbst und nehmen die Sache alleine in die Hand. Doch wo ist Langly? Und wieso?

Mulder und Scully in „The X-Files“
Mulder und Scully in „The X-Files“ - © Robert Falconer/FOX

Deep Throat

Dass ausgerechnet das Grab einer weiteren X-Ikone den entscheidenden Hinweis bereithält, ist nicht nur eine schöne Erinnerung an die tiefe Stimme, Mulders ehemaligen Informanten aus den Anfängen der Serie, auch ist die Schnitzeljagd zwischen den Gräbern eine hübsche Idee. Einzig der langhaarige Killer, der zu oft auftaucht, zu oft danebenschießt und somit immer wieder für Drama sorgen muss, stört.

The Blessing Way

Schön ist aber, dass man die Geschehnisse der Auftaktepisode nicht komplett aus den Augen verliert, sondern Barbara Hershey einen erneuten Auftritt als Erika Price spendiert. Ohne Mr. Y an ihrer Seite gibt ihr das Drehbuch auch mehr Möglichkeiten, ihre eigene Agenda an den Mann - hier Mulder - zu bringen. Die neue Bedrohung heißt also nicht Alieninvasion, sondern besteht im Versuch, die Essenz von Menschen in Form einer Simulation zu konservieren. Dass wir dabei ganz schlicht beim Telefonieren mit unserem Smartphone Stück für Stück analysiert und in der Simulation wieder zusammengebaut werden können, ist feinste X-Files-Paranoia Marke 2018. Hier zeigt sich dann auch, dass eine durchlaufende Mythologie auch heute noch funktionieren kann, wenn die Drehbücher die nötige Qualität mitbringen.

Das fällt besonders auf, da Glen Morgan wie sein Chef Chris Carter nicht umhinkommt, viel Exposition in seine Dialoge zu integrieren. Hier jedoch fällt diese nicht gar so negativ auf, weil der Autor immer wieder pointierte Sprüche zwischen den Protagonisten einstreut, die erstens gekonnt auflockern und zweitens einen wohlbekannten Stil heraufbeschwören, der abseits der düsteren Überdramatisierung eines Chris Carters liegt. Mulder und Scully waren immer dann am besten, wenn sie sich in einer absurden oder ausweglosen Situation befanden und dennoch mit ihrem Geplänkel punkten konnten („Wenn ich in Panik gerade, schaue ich so.“). Zeichnet man sie jedoch zu düster, grüblerisch oder frustriert, nimmt man der Serie ihre Kernidentität. Carters verschwurbelte Dramaturgie tat dann schon oft ihr Übriges.

David Duchovny in „The X-Files“
David Duchovny in „The X-Files“ - © Robert Falconer/FOX

Hier jedoch gerät der Fluss der Handlung nie in Gefahr, wobei man im Detail aber durchaus kritisch nachfragen darf. Scullys Wookie-Trick bei den Wachen ist ohne Frage viel zu durchsichtig (und alt), die (vermeintliche) Zerstörung der Maschine zu einfach und der finale Moment mit Langlys erneutem Anruf viel zu sehr an Momente der Serie angelehnt, in denen der Raucher früher irgendein Artefakt in einem Raum mit riesigen Regalen verstaute. Hier nimmt die Zitierfreude etwas überhand und man ahnt wieder, dass die Serie schon über 200 Episoden und ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat.

Doch mischt Glen Morgan zwischen die schwächeren Zutaten eben auch immer wieder Gelungenes, Witziges und Überraschendes. Das schlägt sich auch auf die Leistungen von Gillian Anderson und David Duchovny nieder, die ihre Wortduelle sichtlich genießen und auch in den Actionpassagen voll bei der Sache sind.

Was von Mulders Fragen zu halten ist, ob die Maschine ihm und Scully die Möglichkeit ewigen Lebens zusammen bieten können würde, bleibt unserer Fantasie überlassen. Man darf aber schon annehmen, dass hier eine tiefe Sehnsucht nach einem einfacheren Leben mit der Liebe seines Lebens aus ihm spricht. Doch er trifft verständlicherweise die richtige Entscheidung: Lieber am Leben und in Gefahr als gefangen in einer simulierten Welt ohne Relevanz.

Ob wir die aufgeworfenen Themen wie die Wiederöffnung der X-Akten, deren Übernahme durch eine private Sicherheitsfirma, die Unsterblichkeitsmaschine, Erika Price und ihre Schergen oder eben den armen Langly noch mal wiedersehen werden, ist unklar. Das Ende funktioniert ebenso als typische Nichtauflösung wie auch als Statement, dass wir unsere virtuell erzeugten Fingerabdrücke, die wir durch den Umgang mit modernen Technologien erzeugen, ohnehin nie mehr werden löschen können.

Langly bleibt allen Bemühungen zum Trotz - wie wir alle - auf eine Weise unsterblich. In Facebook-Postings, Telefonmitschnitten, Whatsapp-Nachrichten, Bildern und Videos und zu Papier gebrachten Gedanken. Ob dahinter ein Syndikat, Mr. Y und Erika Price, der Raucher oder Mark Zuckerberg steht, ist im Zweifel dann auch egal. Es handelt sich hier um eine Wahrheit unseres Lebens. Hier wurde diese nur weitergedacht: Dank düsterer Verschwörer gefangen bis zum Ende aller Tage in einer Art ewigem virtuellen Truman-Show-Albtraum mit Menschen, die wir liebten, Hotdogs und Siegen unseres Lieblingsteams. Black Mirror lässt grüßen. An die Episode San Junipero reicht man damit zwar nicht heran, muss sich allerdings auch nicht gerade verstecken.

Sandrine Holt, Gillian Anderson und David Duchovny in „The X-Files“
Sandrine Holt, Gillian Anderson und David Duchovny in „The X-Files“ - © Robert Falconer/FOX

Erschreckend: Irgendwo in diesem Satz verstecken sich sowohl Hoffnung für die Serie als auch ein Gefühl, dass sie sich im Jahr 2018 überholt und in gewisser Weise ihre Ausnahmestellung an andere Formate verloren hat. Doch, wenn man hört, wie Mulder über dem Grab von Deep Throat sinniert, kann einem das auch einen Hinweis darauf geben, wie die X-Akten dennoch weiter funktionieren können: „He's dead because the world was so complex and dangerous back then. Who would have thought we'd look back with nostalgia and say: That was a simpler time.

Wohl wahr, Mr. Mulder. Ach ja - und gute Nacht, Ringo.

Fazit

„This“ verbindet gekonnt Vergangenheit und Gegenwart der Serie, führt unsere Helden gemeinsam in ein atemloses, wenn auch teilweise verrücktes Abenteuer und beschwört so viel des Charmes herauf, den die Serie in ihren besten Momenten als Argument ins Feld führen konnte. Einzelfolgen wie diese zeigen, dass es noch Platz für neue X-Akten gibt, wenn sich denn jemand die Mühe macht, seine Ideen in ein gutes Drehbuch zu verpacken und versteht, dass eine Reuniontour alleine nicht ausreicht, die Symbiose aus Stärken und neuem Mut aber durchaus zum Erfolg führen kann.

Verfasser: Björn Sülter am Donnerstag, 11. Januar 2018

The X-Files 11x02 Trailer

Episode
Staffel 11, Episode 2
(The X-Files 11x02)
Deutscher Titel der Episode
Dieses Leben, jenes Leben
Titel der Episode im Original
This
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 10. Januar 2018 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 28. Februar 2018
Autor
Glen Morgan
Regisseur
Glen Morgan

Schauspieler in der Episode The X-Files 11x02

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?