The X-Files 10x04

The X-Files 10x04

Während eine mysteriöse Kreatur sich als Rächer für die Obdachlosen von Philadelphia einsetzt, hat Scully in Home Again mit ihrer im Sterben liegenden Mutter und der Entscheidung, ihren Sohn William abgegeben zu haben, zu kämpfen.

Mulder and Scully Meet the Street Artist / (c) FOX
Mulder and Scully Meet the Street Artist / (c) FOX

Wie schon in der Monster-of-the-Week-Folge Founder's Mutation und zahlreichen alten „Akte-X“-Folgen, lässt uns das Intro vor dem Opening von Home Again daran teilhaben, wie das Monster der Woche jemanden gepflegt auseinander nimmt. In diesem Fall nimmt anscheinend eine Art Müllgolem Rache an einem Beamten der Stadt, der die skrupellose Räumung von Orten, an denen sich Obdachlose niedergelassen haben, veranlasst hat.

Too Many Bills

Der größte Schock steht für uns Zuschauer jedoch erst an, als Mulder (David Duchovny) und Scully (Gillian Anderson) sich am Tatort in Philadelphia blicken lassen und die FBI-Agentin plötzlich einen Anruf von „William“ bekommt. Wie das Mobiltelefon schließlich offenbart, handelt es sich nicht um den seit 15 Jahren nicht mehr gesehenen Sohnemann, der bei Adoptiveltern aufwächst (wieso sollte Scully auch seine Nummer haben), sondern um William Scully Jr., Scullys Bruder. Dieser hat schlechte Nachrichten: Ihre Mutter (Sheila Larken) hatte einen Herzinfarkt und liegt im Sterben. Im Krankenhaus erfährt Scully, dass ihre Mutter sich nach dem entfremdeten Sohn Charlie erkundigt hat und bittet Bill darum, sich mit seiner Rückreise aus Deutschland zu beeilen. Die Situation erinnert sie an ihre eigene Komaerfahrung, zu der wir einen Flashback serviert bekommen.

Unterdessen macht Mulder sich an die Untersuchung des in der Luft zerfetzten Stadtplaners. Dabei fällt ihm ein Stück Streetart auf, welches erst nach dem brutalen Mord auf einer großen Plakatwand erschien und ein Obdachloser gibt ihm den kryptischen Hinweis auf den Band-Aid Nose Man, nachdem passenderweise ein Pflaster am Tatort gefunden wurde. Dieses versetzt einen Forensiker in Staunen, da es weder lebendiges noch totes Material aufweist. Der posterwürdige Satz „Es ist weder tot noch lebendig!“ soll wohl mysteriös und gruselig klingen, aber das pseudo-wissenschaftliche Gewäsch, das ihm vorausgeschickt wird, wirkt absolut unglaubwürdig und lachhaft. Nicht, dass dies nicht zum Teil zu den X-Akten passt, aber im Gegensatz zur letzten Episode, die gewollt lustig daherkommen wollte, zielt „Home Again“ auf eine sehr ernste Stimmung ab.

Lieber arm dran als Arm ab... © FOX
Lieber arm dran als Arm ab... © FOX

Das Monster-Graffiti entpuppt sich bald als One-Trick-Pony, denn zwei Kunstkenner, die das Bild seines Werts wegen entwendet haben, erleiden ein ähnliches Schicksal, nachdem der leise Killer aus seinem Gemälde mit dem Tag „Trashman“ gehopst kommt. Falls sich der Buhmann aus dem Bild als mittelalterlicher Tyrann aus den Karpaten entpuppen sollte, hätte ich eine Idee, wen die beiden Agenten anrufen könnten. Als nächstes nimmt sich der stinkige Slasher die Präsidentin der Schulbehörde vor, die sich ebenfalls für die Zwangsumsiedlung der Obdachlosen stark macht. Aber keine Sorge, die Folge macht es dem Zuschauer sehr einfach, den Tod nicht schrecklich zu finden, da sie, ebenso wie das erste Opfer, als herzloser Cartoon-Bösewicht dargestellt wird. Ihr Mord wird sogar mit einem fröhlichen Song („dooowntoooown...“) unterlegt, was jedoch in der Episode Home (ebenfalls aus der Feder von Glen Morgan) effektiver umgesetzt wurde.

Margaret Scully ereilt der Tod auf konventionellere Weise, direkt nach einem Anruf ihres Sohnes Charlie. Sie erwacht kurz aus dem Koma und erwähnt ihren Enkelsohn William, was Scully nach ihrem Ableben zusätzlich verstört. Darüber hinaus gibt eine Schmuckmünze aus dem Besitz ihrer Mutter ihr Rätsel auf. Wünschenswert wäre, dass nicht ständig auf der Adoption von William herumgeritten wird, abgesehen davon, dass es damals die absolut richtige Entscheidung war. Generell gehen Serien und Filme oft noch sehr abwertend mit dem Thema um. Viele fiktive Paare geraten zum Beispiel in Schwierigkeiten, weil einer von ihnen keine Kinder zeugen kann, ohne die Option der Adoption in Betracht zu ziehen. Amy und Rory aus Doctor Who (um noch ein anderes Sci-Fi-Franchise hinzuzuziehen) trennen sich beinahe aufgrund einer vermeintlich kinderlosen Zukunft, ohne die mögliche Lösung auch nur anzusprechen. Nicht, dass Scully keine negativen Gefühle zum Ausdruck bringen dürfte, aber diese negative Grundhaltung zum Konzept der Adaption ist vielerorts noch viel zu präsent.

Trash-chique

Die Graffitifarbe führt Mulder und Scully, die sich unbedingt mit Arbeit ablenken möchte, zum Straßenkünstler Trashman, der den Band-Aid Nose Man erfunden hat und offenbart, dass es sich - ja, genau wie in der Folge Arcadia - um eine Tulpa handelt, auch wenn Mulder mittlerweile ein paar Richtigstellungen zu dem Wesen aus der tibetanischen Mythologie auf Lager hat.

Auch hier wird wieder zwanghaft versucht, die Beziehung zwischen Schöpfer und Kreatur und die dadurch bestehende Verantwortung auf Scully und ihr Kind zu beziehen, was nicht wirklich funktioniert, aber immerhin wird dadurch ermöglicht, noch ein paar Flashbacks unterzubringen. Ein dritter Sozialunhold, der Kollege des Stadtentwicklers vom Anfang, soll als letztes vom Pflasternasenmann besucht werden, was die Agenten zu verhindern versuchen. Sie scheitern jedoch an der flinken Vorgehensweise des übernatürlichen Rächers.

In Trauer um Margaret Scully © FOX
In Trauer um Margaret Scully © FOX

Abschließend schüttet Scully Mulder ihr Herz bezüglich William aus, was unfreiwilligerweise leicht komisch gerät, da Duchovny so aussieht als habe er überhaupt keine Lust an dieser Szene teilzuhaben, in welcher er nur zuhören soll. Darüber hinaus ist Danas Befürchtung, ihr Sohn könne sich wie weggeworfener Müll vorkommen, abermals nicht die beste Promo für Adoption.

Fazit

Als Monster-Episode ist Home Again in Ordnung, auch wenn das Familie-Scully-Drama reichlich Platz einnimmt und Sheila Larken im Grunde nur zum Sterben in die zehnte Staffel eingeladen wurde. Das Monster ist ein netter callback zur Episode Arcadia aus der sechsten Staffel von The X-Files und wird ebenso unbefriedigt erklärt. Dazu ist die ganze „Menschen werden wie Müll behandelt“-Metapher ziemlich plump und dafür, dass Obdachlosigkeit eine so große Rolle spielt, kommt so gut wie keiner der Betroffenen zu Wort.

Wie wenig ich davon halte, die Adoption Williams als die bedauernswerteste Angelegenheit in Scullys Leben hinzustellen und den Vorgang auch noch mit dem Wegwerfen von Müll zu vergleichen, habe ich wohl ausreichend zum Ausdruck gebracht. Ja, Scullys Mutterschaft ist ein wichtiges Thema für den Charakter und sie darf natürlich Emotionen diesbezüglich zum Audruck bringen, doch wie es präsentiert wird, schwingt eine gewisse Ablehnung gegenüber jenen, die sich für den Schritt entscheiden, mit.

Um ehrlich zu sein, von einer Episode von Glen Morgan, dem wir Classic-Episoden wie Squeeze, Home und Musings of a Cigarette-Smoking Man zu verdanken haben, hätte mehr erwartet werden können...

Verfasser: Mario Giglio am Dienstag, 9. Februar 2016

The X-Files 10x04 Trailer

Episode
Staffel 10, Episode 4
(The X-Files 10x04)
Deutscher Titel der Episode
Heimat
Titel der Episode im Original
Home Again
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 8. Februar 2016 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 29. Februar 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 25. Februar 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 24. Februar 2016
Autor
Glen Morgan
Regisseur
Glen Morgan

Schauspieler in der Episode The X-Files 10x04

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