The X-Files 10x03

The X-Files 10x03

Während einer Sinneskrise seinen Job betreffend, bekommt Agent Mulder es in Mulder & Scully Meet the Were-Monster mit einer Kreatur zu tun, mit der es etwas anderes auf sich hat als zunächst vermutet.

David Duchovny und Gastdarsteller Rhys Darby / (c) FOX
David Duchovny und Gastdarsteller Rhys Darby / (c) FOX

Keine Folge der neuen The X-Files-Staffel habe ich mit so viel Spannung erwartet wie Mulder & Scully Meet the Were-Monster. Der amüsante Titel allein hätte mich bereits überzeugt, doch davon abgesehen wurde sie von Darin Morgan geschrieben und inszeniert, der mit Humbug, Clyde Bruckman's Final Repose und Jose Chung's From Outer Space einige der geistreichsten X-Akten der alten Serie zu verantworten hatte. Das vorliegende und durchaus gelungene Ergebnis ist allerdings zur Hälfte dem Gaststar zu verdanken, denn, obwohl die meisten Gags landen können, kommen einige doch mit einer unheimlichen Staubschicht daher.

Dude...

Zunächst müssen wir uns durch das Intro quälen, welches ohne Zweifel das schwächste Element der gesamten Episode ist. Zwei Stoner (die alten „X-Files“-Hasen Tyler Labine und Nicole Parker), die sich rätselhafterweise mit Goldstaub im Wald zudröhnen, begegnen einem reptilienartigen Wesen und entdecken zwei Männer am Boden. Einer von ihnen ist tot und der andere (Kumail Nanjiani) entpuppt sich nach dem Opening als ebenso unwitzig wie die beiden Gagkanonen im Goldrausch. Humor ist natürlich Geschmackssache, aber zu diesem Zeitpunkt fürchtete ich bereits, die Folge abschreiben zu müssen, ehe ich angenehm überrascht wurde.

Kumail Nanjiani wird verhört. © FOX
Kumail Nanjiani wird verhört. © FOX

What are you doing with MY poster?“, erkundigt sich Agent Scully (Gillian Anderson) bei ihrem Kollegen Mulder (David Duchovny), der nicht etwa die Decke, sondern den neuen „I Want to Believe“-Wandschmuck mit seinen Bleistiften attackiert. Er befindet sich angesichts der nur allzu einfach erklärbaren X-Scharlatanerie in einer Sinneskrise, was Scully dazu veranlasst, ihm mit einem neuen Fall Hoffnung zu schenken. Es ist, wie schon in der ersten Episode der neuen Miniserie, etwas seltsam, dass Mulder sich nach über 200 Episoden, in denen er zahlreiche zweifelsfrei paranormale Dinge gesehen hat, dermaßen leicht in Zweifel stürzen lässt, aber Duchovny trifft hier darstellerisch endlich wieder ins Schwarze und das Zusammenspiel der TV-Ikonen ist ein Charmefeuerwerk zum Dahinschmelzen.

It has a monster in it

Mulder wird zum Glück bald wieder zu seinem alten Believer-Ich, nachdem das Verhör einer Sexarbeiterin und die zufällige Begegnung mit dem vom Monster angegriffenen Hundefänger Pasha zu einer weiteren Leiche sowie der Kreatur führen, die Mulder - mit seiner neuen Fotoapp überfordert - wie ein Monsterpaparazzo verfolgt. Der Mann, den wir am Ende der Jagd zu Gesicht bekommen und der zunächst laufen gelassen wird, ist unser „Wermonster“ in Form des neuseeländischen Comedians Rhys Darby. Er stellte als stümperhafter Bandmanager bereits das Highlight jeder Episode der Musikkomödie Flight of the Conchords dar und, wenn er nach dieser Performance nicht endlich seine eigene Serie bekommt, ist wirklich etwas faul im Staate Hollywood.

Aber Geduld, es geht zunächst zurück zu den Agenten. Mulder hat wie immer tausend Theorien, was die Kreatur betrifft, während Scully die Angelegenheit wissenschaftlicher betrachtet, jedoch im Laufe der Ermittlungen einräumt: „This is how I like my Mulder“ und ich könnte nicht mehr zustimmen. Gerade nach der ersten Folge (die ich im Nachhinein betrachtet viel zu großzügig bewertet habe), in der Spooky Mulder mir mit seinem Verschwörungskauderwelsch tatsächlich unheimlich wurde, stellt dies eine mit einem Zwinkern versehene Rückkehr zur alten Form dar. Klar ist Mulder noch immer ein Spinner, der das Glück hat, all seine Theorien als wahr vorzufinden. In einer Monstergeschichte wie dieser kann ich ihn allerdings viel besser anfeuern, als wenn er Verschwörungstheorien über die Regierung raushaut, die mich viel zu sehr an paranoide Hassprediger aus der realen Welt erinnern.

The Phantom Maniac

Es schleicht sich zudem eine erschreckende Erkenntnis ein: Könnte es sein, dass X-Akten-Vater Chris Carter der George Lucas seiner Schöpfung ist? Jemand, der schon längst nicht mehr versteht, was seine damals gefeierte Kreation ansprechend gemacht hat und in eine völlig falsche Richtung galoppiert? Die letzten beiden Episoden der zehnten Staffel werden zeigen, ob es wirklich besser wäre, eine Art Disney-Übernahme des Franchises zu erhoffen.

Zufälligerweise stieg das Monster der Folge im selben Hotel ab wie die Agents, was Mulder dank des wie am Spieß schreienden Betreibers des Etablissements herausbekommt. Dieser unangenehme Zeitgenosse verfügt zum Glück über ein ausgefeiltes Spannersystem in seinen Gemäuern, weshalb er nicht nur einen Blick auf Mulder in seinen sexy roten Unterhosen, sondern auch auf die Verwandlung des „Wermonsters“ werfen konnte. Im Hotelzimmer gefundene Medikamente führen schließlich zur nächsten Nebenfigurenkarikatur. Als wäre die Transfrau mit den männlichen Oberarmen nicht schon ein altbackener Gag, der wirklich nicht mehr durchgehen sollte, macht Mulder als Nächstes die Bekanntschaft eines Psychiaters, der nicht nur wie Freud aussieht und alles überanalysierend auf die Psyche bezieht, sondern natürlich selbst von seinen Pillen nascht.

It's a shocker

Scully ist unterdessen ganz eigenständig erfolgreich und macht Guy Mann, wie sich das Monster in Menschengestalt unauffällig nennt, in einem Handyladen ausfindig, in dem dieser zu arbeiten scheint. Er nimmt Reißaus, ehe Mulder ihn auf einem Friedhof stellt, wo rührenderweise in Andenken an die ehemaligen „X-Files“-Produzenten Grabsteine für Kim Manners und Jack Hardy zu sehen sind. Hier klärt sich endlich auf, was wirklich geschehen ist und warum Guy einen Todeswunsch hat: Er wurde nicht von einem Monster gebissen und in ein solches verwandelt. Vielmehr war die schuppige Gestalt seine wahre Form, bis er von einem Menschen im Wald angeknabbert wurde und sich im Anschluss an seine Verwandlung instinktiv Gedanken über seine Altervorsorge machte und ähnliche, äußerst menschliche Sorgen bekam. Klamauk hoch zehn? Aber hallo!

Dennoch funktioniert die Geschichte sowohl als Genreparodie als auch als tragikomisches Charakterstück, was beinahe komplett Darby zuzuschreiben ist, dessen unbeholfene Liebenswürdigkeit der Figur eine Dimension verleiht, die niemals allein durch das Drehbuch durchgekommen wäre. Auch besitzen er und Duchovny eine fantastische Chemie während der langen Aussprache, in welcher Guy sich ihm anvertraut und wir seiner tragischen Geschichte lauschen. Erst, als er von Mulders Beruf Wind bekommt und erfährt, dass er des Mordes verdächtigt wird, dreht er den Finger der Anschuldigung um („j'accuse!“) und bezeichnet sein menschliches Gegenüber trotzig als Monster.

Abschied vom sympathischen %26bdquo;Wermonster%26ldquo; (Rhys Darby) © FOX
Abschied vom sympathischen %26bdquo;Wermonster%26ldquo; (Rhys Darby) © FOX

Tatsächlich war es am Ende der Hundefänger, der die Morde verübt hat und ein klassischer, geradezu langweiliger Serienkiller ist, dessen Hintergrundgeschichte nicht weiter interessiert und dankbarerweise übersprungen wird. Als Mulder schließlich hinzukommt, hat Scully die Situation bereits im Griff und nimmt sich vor lauter Nostalgie für ihren Hund Queequeg einen neuen, vierbeinigen Freund mit nach Hause (der so ominös gebissen hat - oh, oh!). „Did you forget I am immortal?“, fragt sie ihren besorgten Kollegen in Anspielung auf die „Classic-Episode“ mit dem Wahrsager Clyde Bruckman (Peter Boyle), der ihr versicherte, sie würde nicht sterben. Am Ende nimmt Mulder mit neuer Begeisterung für seinen Job Abschied von Guy, der hofft, den „Wermenschen“ in sich nach 10.000 Jahren Winterschlaf ablegen zu können.

Fazit

My Struggle brachte auf unbeholfene Weise die The X-Files-Mythologie zurück, Founder's Mutation erinnerte an die „gorigen“, mit Horrorspezialeffekten gespickten Fälle von damals und Mulder & Scully Meet the Were-Monster bringt auf charmante Art und Weise die „X-Files“-„Funnysodes“ zurück. Rhys Darby glänzt als Gastdarsteller und trägt die Folge als tragisches Monster im Gummikostüm, während Duchovny und Anderson endlich komplett zu alter Form zurückgefunden haben.

Die Gags sind hingegen ziemlich hit or miss. Während fast alle Szenen mit dem neuseeländischen Comedian Gold wert sind, haben einige Gags einen ganz schönen Bart. Die Transfrau, die durch einen harten Schlag als ehemaliger Mann „entlarvt“ wird, der überzeichnete Psychologe, die Stoner und vor allem Mulders Mark-Snow-Klingelton sind zum Augenrollen. Die weniger plump eingebauten Referenzen auf ältere Episoden und die verstorbenen Produzenten wurden hingegen gern gesehen.

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Verfasser: Mario Giglio am Dienstag, 2. Februar 2016

The X-Files 10x03 Trailer

Episode
Staffel 10, Episode 3
(The X-Files 10x03)
Deutscher Titel der Episode
Mulder und Scully gegen das Wer-Monster
Titel der Episode im Original
Mulder & Scully Meet the Were-Monster
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 1. Februar 2016 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 22. Februar 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 18. Februar 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 17. Februar 2016
Autor
Darin Morgan
Regisseur
Darin Morgan

Schauspieler in der Episode The X-Files 10x03

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