The X-Files 10x02

The X-Files 10x02

Das neue The X-Files wartet mit seiner ersten Monster-of-the-Week-Episode auf, die dennoch zahlreiche Referenzen zur Kernstory enthält. Dabei geht es in Founder's Mutation äußerst blutig zu und auch das eine oder andere feuchte Auge wird es geben.

Wie zu alten Zeiten: die Special Agents (Gillian Anderson und David Duchovny) im Büro von Skinner (Mitch Pileggi) / (c) FOX
Wie zu alten Zeiten: die Special Agents (Gillian Anderson und David Duchovny) im Büro von Skinner (Mitch Pileggi) / (c) FOX

Nach dem eher holprigen Miniserienauftakt mit My Struggle fühlt sich Founder's Mutation schon sehr viel mehr wie eine authentische X-Akte an. Bereits das Intro der Episode ist geradezu klassisch und stellt uns auf grausige Art die aktuelle Bedrohung und das erste Opfer vor.

Der Genforscher Dr. Sanjay (Christopher Logan) sieht schon nicht so frisch aus, als er an jenem schicksalhaften Morgen zur Arbeit kommt. Während eines Meetings wird er schließlich von einem markerschütternden Ton heimgesucht, den nur er vernehmen kann. Dieser bringt ihn letztlich dazu, sich einen Brieföffner in den Schädel zu rammen. Insgesamt ist diese Episode äußerst blutig, wofür wir uns bei Regisseur James Wong bedanken dürfen. Neben zwei Teilen aus der „Final Destination“-Horrorreihe und „Dragonball Evolution“ (über den ich besser nichts weiter sage) hat er 1996 bereits die The X-Files-Episode Musings of a Cigarette-Smoking Man beigesteuert - eine der besten Folgen der vierten Staffel.

Old School

Nach dem Opening, welches vor lauter Frühstaffelverliebtheit der Urvorspann mit 25 Jahre alten Bildern der Darstellern ist, erscheinen die wieder mit Dienstmarken ausgestatteten Agenten Mulder (David Duchovny) und Scully (Gillian Anderson) auf der Bildfläche. Zum einen hätte ich nach allem, was geschehen ist, gerne Mulders Vorstellungsgespräch zur Neueinstellung beim FBI gesehen, zum anderen ist es wie schon damals besser, nicht zu sehr über die Erklärung, warum nun ausgerechnet das FBI wegen eines vermeintlichen Selbstmordes den Tatort untersucht, nachzudenken. Vor allem ist aber das Hin und Her zwischen Mulder und Scully zurück, inklusive des trockenen Humors, den die vorige Episode und auch der letzte Kinofilm schmerzlich hatten vermissen lassen.

Back in Action: Agent Mulder (David Duchovny) und Agent Scully (Gillian Anderson) © FOX
Back in Action: Agent Mulder (David Duchovny) und Agent Scully (Gillian Anderson) © FOX

Mulder mopst angesichts von Gegenwehr durch das Verteidigungsministerium das Mobiltelefon des Verstorbenen, was ihn zu dessen Bekannten Gupta (Vik Sahay) führt. Das folgende Treffen offenbart dem Agenten die zweite, geheime Wohnadresse des Opfers, etabliert, dass er ein Doppelleben geführt hat und bringt leider auch einen schlechten Gag unter, der daraus besteht, dass Mulder von Gupta, der ihn für ein Date hält, auf der Toilette angegraben wird. Wo sind wir hier? In der Blue Oyster Bar? Das Ärgernis hält jedoch nicht lange an, denn gleichzeitig geht es für Scully zurück an den Obduktionstisch, wobei einem glatt das Fanherz aus der Brust springen kann. Auf der Handinnenfläche entdeckt die Medizinerin den Episodentitel und es wird beschlossen, die Zweitwohnung Sanjays aufzusuchen.

Bei den Kindern, von denen Gupta sprach, handelt es sich, wie sich dort dank verstörender Fotos offenbart, nicht um den eigenen Nachwuchs des Forschers. Vielmehr sind es Kinder mit seltenen, genetischen Mutationen, die er im Rahmen seiner Arbeit betreut hat. Nachdem Mulder aus irgendeinem Grund einen ähnlichen Anfall wie Dr. Sanjay erleidet, geht es wie in den guten alten Zeiten zum Vorsprechen beim Vorgesetzten Walter Skinner (Mitch Pileggi), der sich nach wie vor verdächtig antagonistisch gegenüber seinen Agents verhält - als wäre es gerade mal die zweite Staffel - und den Fall für beendet erklärt. Das Verteidigungsministerium hat nämlich die Akten für sich beansprucht. Die böse Regierung wieder... (Randnotiz: Muss nun in jeder Episode Edward Snowden erwähnt werden, um aktuell und relevant zu wirken?)

Dr. Evil und die Superbabys

Der Vorgesetzte des Opfers, der sich exzentrischerweise „The Founder“ nennt, ist ein gewisser Dr. Augustus Goldman (herrlich schurkisch: Doug Savant), an den man nur schwer herankommt. Über Schwester Mary (gespielt von der großartigen Christine Willes, die Fans der alten Folgen vielleicht noch als Agent Kosseff kennen), wird schließlich der Kontakt hergestellt. Im Krankenhaus lernen die Agenten auch die besorgte Agnes kennen, die sich wegen Problemen mit ihrem ungeborenen Kind in Behandlung befindet, den Machenschaften des Arztes jedoch nicht ganz über den Weg traut. Schauspielerin Kacey Rohl, die wie Gillian Anderson ebenfalls einen wichtigen Part in der NBC-Serie Hannibal innehatte, übernahm diese ebenfalls eher kurzlebige Rolle.

Dr. Goldman gibt gleich bei der ersten Begegnung eindeutige Schurkenschwingungen als verrückter Wissenschaftler ab und bald wird vermutet, dass die Mutationen der Kinder etwas mit der Alien-DNS zu tun hat, die mit den vom Syndikat angestrebten Alien-Mensch-Hybriden von damals und den Entführungsopfern in Verbindung steht. Dies veranlasst Mulder und Scully, an ihren gemeinsamen Sohn William zu denken, der heute 15 Jahre alt sein müsste.

Das wundersam empfangene Kind, welches Scully nach der Diagnose, keine Kinder bekommen zu können, ausgetragen hatte, verfügte ebenfalls über außerirdische Gene, übermenschliche Kräfte, sollte als Space-Jesus eine Schlüsselrolle spielen und musste deshalb zu seiner Sicherheit zur Adoption abgegeben werden. Sowohl Mulder als auch Scully erträumen sich Flashbacks zu nie erlebten Kindheitstagen ihres Sohnes, die gleichermaßen schmalzig und dick aufgetragen und herzzerreißend sind. Besonders Mulders ausgedachte Erinnerung, in welcher er mit seinem Sohn „2001: A Space Odyssey“ schaut und danach eine Rakete steigen lässt, verursacht einen unheimlichen Fall von Kloß im Hals.

Scully (Gillian Anderson) stellt den übermenschlichen Übeltäter (Jonathan Whitesell). © FOX
Scully (Gillian Anderson) stellt den übermenschlichen Übeltäter (Jonathan Whitesell). © FOX

Über Mrs. Goldman (Rebecca Wisocky), die mittlerweile in der Psychiatrie betreut wird, wird schließlich klar, dass auch an ihr und ihren Kindern herumexperimentiert wurde. Töchterlein Molly überlebte unmöglicherweise einen Poolunfall und der ungeborene Sohn Kyle kam nach einem Autounfall davon, nachdem die Mutter ihn sich instinktiv (in der zweiten „gorigen“ Szene der Episode) aus dem Leib geschnitten hatte. Der Junge wird als Hausmeister des Instituts, an dem Dr. Sanjay arbeitete, identifiziert und bei seiner Ziehmutter ausfindig gemacht.

Er sucht nach seiner Schwester und ist nicht in der Lage, seine Kräfte zu kontrollieren, was zum Tod des Wissenschaftlers führte, der ihm behilflich sein wollte. Seine Suche gipfelt endlich in einem absolut fantastischen Actionshowdown, in welchem der Junge trotz der Bemühungen von Mad-Scientist-Daddy auf seine Schwester trifft. Hier werden nicht nur die FBI-Agenten ordentlich per Telekinese durch die Gegend geschleudert, sondern Dr. Goldman erhält auf grausame Art und Weise die Rechnung. Die Geschwister verschwinden danach in klassischer X-Monster-Manier spurlos, doch Mulder und Scully bleibt immerhin die wertvolle Blutprobe des Jungen.

Fazit

Founder's Mutation besitzt in bester The X-Files-Tradition B-Movie-Elemente und strotzt nur so vor Genrereferenzen. Neben den im Hintergrund laufenden Filmen „2001“ und „Planet of the Apes“ fühlte ich mich in der blutigen Intro- und Showdownszene vor allem an Cronenbergs „Scanners“ erinnert (auch wenn doch kein Kopf explodiert ist). Darüber hinaus ließ mich die Story der mutierten Telekinesekinder, die schließlich im Krankenhaus außer Rand und Band geraten, vermuten, dass einige der Episodenverantwortlichen wohl auch „Akira“ gesehen haben. Alles in allem keine schlechte Gesellschaft, in der sich die Folge befindet, auch wenn die deformierten Kinder für viele sicher an den Rand des guten Geschmacks gehen.

Es hätte der Episode allerdings eindeutig besser getan, wäre sie zu 100 Prozent eine „Monster of the Week“-Episode geblieben. Die vielen Anspielungen auf die Alienverschwörung sowie die schwammigen und noch unklaren Verbindungen zum Syndikat und William verwässern die Geschichte, die gut und gerne für sich hätte stehen können, ein wenig. Ich würde allerdings lügen, wenn ich schreiben würde, dass mir die eingebildete Szene zwischen Mulder und seinem Sohn nicht nahegegangen ist.

Verfasser: Mario Giglio am Dienstag, 26. Januar 2016

The X-Files 10x02 Trailer

Episode
Staffel 10, Episode 2
(The X-Files 10x02)
Deutscher Titel der Episode
Gründer-Mutation
Titel der Episode im Original
Founder's Mutation
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 25. Januar 2016 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. Februar 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 11. Februar 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 10. Februar 2016
Autor
James Wong
Regisseur
James Wong

Schauspieler in der Episode The X-Files 10x02

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?