The Walking Dead 10x11

© zenenfoto aus der The-Walking-Dead-Folge Morning Star (c) AMC
In der Folge Morning Star der US-Serie The Walking Dead kommt es zur bisher größten Auseinandersetzung zwischen den Überlebenden und den Whisperers und ihrer Horde. Dabei stimmen sich beide Seiten völlig unterschiedlich auf die kommende Schlacht ein. Alpha (Samantha Morton) und Negan (Jeffrey Dean Morgan) nehmen einen nächsten Schritt in ihrer Beziehung und peitschen sich aus (ja, ganz recht). Negan sehen wir dann außerdem zum ersten Mal mit einer Zombiemaske und der Rest der Whisperers stimmt das eigene „We are the End of the World“-Mantra wie einen gruseligen Kanon an.
Like a satellite...
Eugene (Josh McDermitt) verbringt in Hilltop einige Zeit am Funkgerät und spricht mit Stephanie - beispielsweise darüber, wie viele Himmelskörper man zählen konnte. Als das Gespräch auch Satelliten umfasst, bemerkt Eugene, dass man sich geografisch näher ist, als er bisher dachte. Er plaudert heraus, dass er sich in Virginia befindet und er sie sehr gerne - zu ihren Bedingungen - sehen würde. Sie möchte sich zunächst die Erlaubnis ihrer Gruppe einholen, während Eugene bitte noch etwas die Füße stillhalten soll.
Währenddessen kommen in Hilltop auch die Besucher aus Alexandria an, darunter Rosita (Christian Serratos) und einige Kinder sowie Gamma/Mary (Thora Birch). Alden (Callan McAuliffe) und Earl (John Finn) können Mary nicht zuordnen, haben aber schon ihren Verdacht, dass es sich um einen ungebetenen Gast handeln könnte. Aaron (Ross Marquand) klärt darüber auf, dass sie die Tante vom Findelkind Adam ist, um das sich Earl inzwischen nach dem Verlust seiner Frau Tammy Rose (Brett Butler) kümmert. Alden hatte derweil bekanntlich Enid (Katelyn Nacon) durch die Whisperers verloren, weswegen beide Herren ein wenig allergisch auf die Anwesenheit von Gamma und ihren Wunsch, den Neffen zu sehen, reagieren.
Königliches Wiedersehen
Carol (Melissa McBride) hat sich nach dem Vorfall in der Horden-Höhle zu einem alten Versteck von Daryl (Norman Reedus) zurückgezogen, in dem sie Besuch von Ezekiel (Khary Payton) erhält. Er macht sich Sorgen um sie und bietet ihr an, dass sie mit ihm nach Hilltop zurückkehrt oder sie sich alternativ gemeinsam von Moskitos zerstechen lassen. Ezekiel schafft es, sie zu überzeugen und später sieht sie seinen Krebstumor am Hals und die beiden Expartner schlafen miteinander. Ezekiel spricht an, dass Carol sich verändert und ihren Humor eingebüßt habe, was daran liegt, dass Alpha ihr ihren Ziehsohn Henry entrissen hat. Gleichzeitig wundert sich Ezekiel, ob ihr Liebescomeback auch stattgefunden hätte, wenn nicht eine etwaige Entscheidungsschlacht mit den Whisperers anstehen würde.
Lydia (Cassady McClincy), die mit Daryl zurückkehrt, warnt nämlich vor dem anstehenden Angriff der Horde. In Hilltop werden die Optionen besprochen. Kampf, Flucht oder Verzögerung? Hier gibt es mehrere unterschiedliche Meinungen. Kelly (Angel Theory) und ihre Gruppe sorgen sich etwa um ihre verschütteten Freunde, Earl möchte lieber kämpfen und untergehen, als sich noch einmal mühevoll einen solchen Ort aufbauen zu müssen. Andere glauben, dass man auch woanders neu anfangen könnte. Daryl schlägt vor, zunächst die Kinder fortzubringen, nämlich nach Oceanside. Auf dem Weg dorthin müssen sie aber durch eine charakteristische Straßensperre feststellen, dass Negan nun ein Teil der Whisperers ist und davon ausgehen, dass alle Wege dicht sind.
Bend the knee
Apropos Negan: Sein Ratschlag für Alpha geht auf alte Weisheiten zurück. Er schlägt nämlich vor, dass man von der Zerstörung ablassen und lieber einen Anschluss von Hilltop und Alexandria an die Whisperers probieren sollte. Sie sollen sich ergeben und auf die Knie fallen. Ich lese Negans Verhalten so, dass er immer noch eine Rolle spielt und Alpha täuscht, da ihm Menschen wie Judith (Cailey Fleming) oder Lydia einfach zu sehr ans Herz gewachsen sind, als dass er sie ins Verderben schicken würde. Alpha hört sich die Idee immerhin an, aber die Umsetzung ist so eine Sache für sich.
Wer wird Eugenes Herzblatt?

Zwischenzeitlich hat Eugene das Funkgerät verlassen und Rosita bemerkt, dass er mit jemandem in Kontakt steht. Unüberlegt versucht sie, mit Stephanie zu sprechen, verschreckt sie dabei aber immer und erntet dafür auch Eugenes Wut. Sie bemerkt, dass die Person am anderen Ende Eugene wichtig zu sein scheint. Als Eugene später eine Falle für die Schlacht fertigstellt, probiert sie, ihm zu helfen und gibt ihm Flirtunterricht. Sie bietet sogar an, dass er sie küssen darf, was dann aber nicht zustande kommt, weil Eugene sich zum einen nicht traut und zum anderen wohl inzwischen eher Stephanie im Kopf hat statt den Langzeitschwarm und BFF. Immerhin gibt es für ihre Ratschläge einen Kuss auf die Wange. Allerdings muss ich sagen, dass ich schon lange keinen Moment in der Serie mehr gesehen habe, der so cringy war wie der Fastkuss. Da tut einem Eugene regelrecht leid. Durch das Ganze Hin und Her rund um das Poly-Haus mit Gabriel und Baby Coco möchte ich aber inzwischen auch gar nicht, dass Eugene etwas mit Rosita anfängt und die Autoren wohl auch nicht, weswegen sie Stephanie recht eindeutig positionieren.
Eugene muss jedenfalls ihr gegenüber Schadensbegrenzung betreiben. Kurz vor dem Beginn der großen Schlacht schickt er seine Version von „When the Wild Wind Blows“ von Iron Maiden über den Äther, während wir eine Montage sehen, wie sich andere Figuren auf die Schlacht vorbereiten, was durchaus nett anzusehen ist. Wenn man auch Stranger Things verfolgt, dann erinnert der Gesang ein klein wenig an einen Schlüsselmoment aus der dritten Staffel und irgendwann setzt Stephanie tatsächlich in den Gesang mit ein. Darüber hinaus nimmt sie die Entschuldigung an und bietet ein Treffen in einer Woche in Charleston, West Virginia an. Eugene hat also ein Date, sofern er die Schlacht übersteht...
Let's get ready to rumble!

Weil man also weder nach Oceanside kommt noch zeitnah Verstärkung aus Alexandria organisieren kann, machen sich die Menschen aus Alexandria bereit zum Gefecht. Dabei bekommt beispielsweise Lydia von Ezekiel die Rüstung von Henry (Matt Lintz), während Judith versucht, Michonne (Danai Gurira) zu kontaktieren. Lydia und Carol sprechen sich außerdem aus und Carol hört, dass Lydia sie nicht hasst, da sie nun mal auch ihren Sohn durch Alpha verloren hat und demnach ihre Rachegedanken nachvollziehen kann. Carol bleibt davon überzeugt, dass sie sie aus dem Verkehr ziehen muss.
Daryl führt derweil ein respektvolles Gespräch mit Ezekiel, bei dem man ausmacht, dass einer von beiden sich im Ernstfall um das Wohl der Kinder kümmert und Daryl alles würdigt, was Ezekiel für die Gruppe getan und geopfert hat, auch wenn es manchmal Spannungen gegeben haben könnte. Judith bietet mehrfach an zu helfen. Als Glücksbringer überreicht sie Daryl seine Flügelweste, die sie etwas verschönert hat und spricht über ihre Ängste rund um RJ (Antony Azor), Carol, Michonne und Daryl. Daryl sagt ihr, dass sie nicht zögern solle, wenn Ezekiel nach ihr sieht, statt ihn und sich in Sicherheit zu bringen. Kurz vor der Schlacht reflektieren dann auch noch einmal Carol und Daryl an Bildern und Gräbern der gefallenen Kameraden und der immer noch verletzte Darly meint, dass er Carol nie hassen würde.
Den Autoren gelingt in dieser Episode etwas, was schon länger nicht mehr geklappt hat. Wenn es wirklich ernst wird und die Figuren in sich gehen und ihre Menschlichkeit zeigen dürfen, dann gefällt mir das mehr als episodenlanges Gemetzel. Das Zwischenmenschliche passt diesmal einfach wunderbar.
The horde ist coming!
Kelly, Luke (Dan Fogler) und Yumiko (Eleanor Matsuura) kümmern sich um einige Zombiefallen und versöhnen sich ebenfalls, weil man die Rettung von Connie (Lauren Ridloff) und Magna (Nadia Hilker) aufgrund der anstehenden Bedrohung aufschieben musste und weil Yumiko sich auch - in eigenen Worten - wie ein Arschloch benommen habe. Magna und sie hatten sich bekanntlich bei ihren bisher letzten Momenten gestritten. Doch „Assholes get shit done“ und nun muss erst einmal die Horde besiegt werden, ehe man sich dem erneuten Rettungsversuch widmen kann. Eine große Menge von Ratten kündigt nämlich die Ankunft der Horde an. Trotz seiner Wunden und Humpelei schnappt sich Daryl einen Morgenstern, stellt sich an die Front und alle etwa 60 Leute warten gespannt, was da auf sie zukommt.
Die anschließende Kampfszene kann sich durchaus sehen lassen. Die Kämpfer stehen in der geübten Formationen mit Schilden und Waffen. In der hinteren Reihe haben sich die Schützen positioniert, es wurden Fallen aufgestellt, etwa ein heißer Draht, den Eugene gebaut hat, um zumindest die schnellsten Beißer zu verlangsamen und dann sehen wir eine durchdachte Taktik. Die Schildkrieger spalten sich in zwei Gruppen. Die Hürden erlauben es, mit Lanzen, Schwertern oder anderen schweren Waffen, die Untoten aus dem Verkehr zu ziehen, zumindest so lange wie Zäune und Co halten.
Doch leider verstehen auch die Whisperers etwas von Kriegsführung und so haben sie die Horde zwar vorgeschickt, sich aber auf der anderen Flanke positioniert. Dort attackieren sie dann mit Geschossen, die nach wiederverwerteten Organen aussehen und die offenbar mit brennbarem Material gefüllt sind. So lassen sich die Gegner später leichter entflammen.
So setzt Alpha auch Negans Vorschlag mit einem eigenen, verqueren Twist um, denn die Kämpfer aus Alexandria und Hilltop können sich ja dann der Horde anschließen und wären so auch Teil der Whisperers... Die Kaltblütigkeit beeindruckt selbst Negan. Der Rückzug gestaltet sich für Daryl und Co ebenfalls schwer, denn durch die Whisperers-Taktik brennt die Stadtmauer von Hilltop lichterloh. Eigentlich ist es erstaunlich, mit welchen rudimentären Mitteln Alpha sich hier einen Vorteil erarbeitet.
Fazit

Morning Star ist eine der besten The Walking Dead-Folgen der jüngeren Vergangenheit. In meinen Augen stimmt hier die Mischung aus persönlichen menschlichen Momenten und Interaktionen, die den Großteil der Episode einnehmen und obendrein erhalten wir auch noch eine gute Schlachtszene mit größtenteils logischen Elementen und Höhen und Tiefen. Einzig die Eugene-Szenen passen nicht ganz sauber zur allgemeinen Stimmung, aber auch diese kann ich diesmal gut verschmerzen und mit ihnen baut man ja auch bereits eine zukünftige Handlung auf. Schöne Momente zwischen Daryl und Ezekiel, Daryl und Judith, Carol und Ezekiel oder Carol und Lydia machen dieses Kapitel der Zombie-Saga durchaus sehenswert.
Der Trailer zur Episode Walk with Us der US-Serie The Walking Dead (10x12):
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 9. März 2020The Walking Dead 10x11 Trailer
(The Walking Dead 10x11)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 10x11
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