The Walking Dead 10x10

© zenenfoto aus der The-Walking-Dead-Folge Stalker (c) AMC
The Walking Dead lĂ€sst die Zuschauer in der Episode Stalker in mehrerer Hinsicht hĂ€ngen. So erfahren wir etwa nicht direkt, wie es mit der Rettung von Magna (Nadia Hilker) und Connie (Lauren Ridloff) weitergeht und wir erleben auch nicht „den Morgen danach“ zwischen Alpha (Samantha Morton) und Negan (Jeffrey Dean Morgan). Zumindest letzteres scheint verschenktes Gag-Potential zu sein. Ersteres war strukturell hingegen eigentlich zu erwarten. Stattdessen sehen wir, wie Beta (Ryan Hurst) den Auftrag seiner Alpha ausfĂŒhrt und sich geschickt in Feindesgebiet wagt, und auch Gamma (Thora Birch), die versucht, die Gruppe aus Alexandria zu warnen, dabei aber auf Skepsis stöĂt, weil andere Whisperers vor ihr das Vertrauen mit FĂŒĂen getreten hatten.
Nightmares in Alexandria

Rosita (Christian Serratos) hat seit dem Tod von Siddiq (Avi Nash) AlbtrĂ€ume, dass sich die Whisperers in Alexandria einschleichen und das Leben von Baby Coco bedrohen könnten. Wie sich herausstellt, sind es prophetische TrĂ€ume, denn genau das passiert in Form von Beta. Doch zunĂ€chst wird Gamma vorstellig, die tatsĂ€chlich gute Absichten hat und den Rat der Stadt warnen möchte. DarĂŒber, dass die Kameraden in der Horden-Höhle gefangen sind. Weil sich ihre Informationen jedoch stĂ€ndig Ă€ndern, ist Gabriel (Seth Gilliam) ĂŒberaus skeptisch, was aber auch damit zu tun hat, das andere Whisperers vor ihr geschult darin waren, LĂŒgen zu verbreiten und relativ gute Schauspieler waren, wenn sie in der Zelle landeten. Gamma versucht, an ihre Menschlichkeit zu appellieren und gibt zu Protokoll, dass sie die Tante des Kindes ist, das in Hilltop zurĂŒckgelassen wurde und sie ihren Neffen wirklich gerne sehen möchte. Anfangs behĂ€lt sie die Information, dass sie die eigene Schwester umgebracht hat, noch fĂŒr sich, denn Alphas Indoktrinierung ist schwer zu ĂŒberwinden, wenn man mal im System ist. Gamma ist bereit, die Höhle auf einer Landkarte zu zeigen, aber Rosita ist skeptisch, schlĂ€gt sie k. o. und so landet sie in der Zelle.
Man kann verstehen, dass die Lage angespannt ist, denn Cocos Vater Siddiq ist in der Handlungszeit gerade einmal vor zwei Tagen gestorben. Wovon Gamma aber offenbar nichts wusste... Gabriel und Rosita spielen böser Priester und stinksaure Mutti. Und es wirkt ein wenig so, als könne man einen Durchbruch erzielen, als Gabriel darĂŒber spricht, wie viele Beichten er schon abgenommen habe. Denn dann öffnet sich Gamma und spricht darĂŒber, dass sie im blinden Gehorsam fĂŒr Alpha die eigene Schwester getötet hatte. Kurz darauf darf sie auch gegenĂŒber dem Rat aus Alexandria so ziemlich alle aktuellen Informationen vortragen und es sollen zwei Truppen damit beauftragt werden, den Ort zu schĂŒtzen, wobei der genaue Plan mehrfach umgeworfen wird. Das liegt daran, weil Rosita zwar nach auĂen hin selbstbewusst auftritt, aber doch Angst um sich und ihre Tochter hat. AuĂerdem erscheint ihr Gabriel in seinem Ansatz etwas zu aggressiv, weil er etwaige Gefangene hart rannehmen möchte und davon spricht, ZĂ€hne zu ziehen und GliedmaĂen zu brechen, um sie zum Reden zu bringen. Trotzdem ĂŒbernimmt Gabriel das Kommando eines Teams, das auĂerhalb der Stadtmauern auf einen Angriff reagieren will, wĂ€hrend Laura (Lindsley Register) und Rosita Funkkontakt halten und die Ortschaft verteidigen.
Es ist in meinen Augen sowieso immer etwas merkwĂŒrdig, dass die Kinder der Protagonisten - ob frĂŒher Judith oder jetzt Coco - so oft von ihren kampfesbereiten Eltern allein gelassen werden, aber das werden sich die Autoren wohl nie abgewöhnen. Rosita meint immerhin zu merken, dass Coco ihren Vater bereits vermisst. Also ĂŒbernimmt Gabriel diesmal die Drecksarbeit.
Mary aus Kalifornien
Judith (Cailey Fleming) zeigt derweil schon wieder groĂes Interesse an einer gefangenen Person: Sie spricht durchs Fenster mit Gamma und entlockt ihr dabei nicht nur ihren echten Namen sowie die ihrer Eltern und ihren alten Wohnort, sondern sie entdeckt auch, dass Gamma sich offenbar an viele andere Details aus dem frĂŒheren Leben kaum noch erinnern kann, was durchaus traurig ist. Die kleine Grimes-Dame erkennt darĂŒber hinaus ebenso, dass eine Begegnung mit Michonne (Danai Gurira) oder Rick (Andrewa Lincoln) das Leben von Mary in eine ganz andere Richtung hĂ€tte lenken können, wĂ€hrend Alpha sie zu einem traurigen Schattendasein gedrĂŒckt hat. Rosita bekommt das GesprĂ€ch zufĂ€llig mit und sieht so, dass Gamma respektive Mary wohl anders als die anderen Whisperers tatsĂ€chlich den Wunsch nach NormalitĂ€t zu haben scheint.
Invasion of the Rando Slasher

Am Anfang der Folge haben wir gesehen, dass die Whisperers Mittel und Geheimwege haben, mit denen sie es bisher wohl geschafft haben, sich unter die Ăberlebenden zu schleichen. Einer davon ist ein Wohnwagen irgendwo, der einen Weg nach Alexandria ermöglicht. Wie ein Romeo-Zombie - nette Bildhommage - taucht Beta dann also in der Heimat von Rosita, Michonne und Co auf. Und wie Michael Myers in den „Halloween“-Filme stalkt der gewaltige HĂŒne dann einige Randos, die nichts von der Invasion des tödlichen Slashers ahnen. Immerhin tun sie uns als Zuschauer nur bedingt leid, weil einer von ihnen wohl zu den Angreifern Lydias (Cassady McClincy) gehörte. Die Taktik ist durchaus geschickt, denn Beta macht seine Opfer bald zu Zombiekomplizen, mit denen er die Bewohner ablenkt und dann zu Gamma in die Zelle marschieren kann. Es ist natĂŒrlich etwas bequem von den Drehbuchautoren, dass er direkt weiĂ, wo sich die Zelle befindet, aber darĂŒber blickt man wohl am besten weg. Der trojanische Slasher ist jedenfalls ein kluger Schachzug und man hat direkt Angst um alle Beteiligen.
Allerdings scheint Beta einen Ehrencodex zu haben, der den Schaden in Alexandria begrenzt. Er ist vordergrĂŒndig fĂŒr Gamma da und obwohl einige Unbeteiligte zu Tode kommen, hĂ€tte der body count auch viel höher sein können.
Als Gamma in der Zelle besucht wird, weiĂ sie also, wie Beta tickt und das hĂ€lt ihn zumindest so lange hin, bis Laura ihr eine Fluchtmöglichkeit ermöglicht, sich aber im Kampf selbst opfert (RIP Laura). Judith lĂ€sst sie dann bei sich und RJ herein, was natĂŒrlich auch sehr riskant ist. Hier wird dann der Slasher-Exkurs, der vorher noch von einem wuchtigen Score untermalt wurde, zu einem Suspense-Schleicher. GlĂŒcklicherweise hat Judith nĂ€mlich ihre Waffe und erwischt den Riesen auch recht treffsicher. Doch sie hat wohl zu wenig von Horrorfilmen gelernt (woher auch?). Statt sicherzugehen, dass der Angreifer auch wirklich tot ist und einen double tap zu machen, ist die oberste PrioritĂ€t die Flucht, bei der Gamma wieder erwischt wird. Beta trĂ€gt nĂ€mlich eine kugelsichere Weste, was auch erklĂ€rt, warum er im Kampf gegen Daryl (Norman Reedus) so viel einstecken konnte. Rosita mischt sich derweil in die Rettung von Gamma ein, muss aber ein paar Schnittwunden einstecken und die Situation wird dadurch aufgelöst, dass Gamma sich selbst ein Messer an den Hals hĂ€lt und bereit dazu ist, mit ihm zu gehen. Als jedoch Gabriel und Co zurĂŒckkehren, lĂ€uft Beta fĂŒr seine VerhĂ€ltnisse blitzschnell weg und lĂ€sst es so aussehen, als sei das Chaos auf Gamma zurĂŒckzufĂŒhren, wobei Rosita, Judith und Co etwas anderes bezeugen können. Dennoch gibt es einige ungewisse Sekunden, ob Gabriel und seine Truppe ihr das abnehmen, als sie sie mit geladenen Waffen konfrontieren.
ZurĂŒck in Alexandria spricht Aaron (Ross Marquand) darĂŒber, dass es nicht alle aus der Horden-Höhle geschafft haben, wĂ€hrend Rosita sowie die Kinder und Jugendlichen, darunter auch Mary/Gamma, einen Ausflug nach Hilltop machen, wo es nicht nur einen Arzt gibt, sondern auch angeblich mehr Sicherheit. Coco soll aber beim Stiefvater Gabriel bleiben. Abwarten, wie sicher es dort wirklich ist, denn bekanntlich gab es dort auch einige Sabotagen...
Alpha vs. Daryl

Nach dem Höhlenvorfall sucht Daryl nach einem alternativen Zugang zu dieser und beobachtet einige Whisperers dabei, wie sie die Untoten aus der Höhle fĂŒhren. Bald gesellt sich Alpha zu ihnen dazu und Daryl wagt tatsĂ€chlich den Angriff, von dem er Carol (Melissa McBride) vorher immer abgeraten hatte. Er kann Alpha erwischen, bĂŒĂt aber selbst etwas von seiner Sehkraft ein. Mit einem Ast schafft er es, Alpha zu durchbohren und sie stark bluten zu lassen, kassiert aber von ihr sein eigenes Messer ins Bein und ist daher ebenfalls schwer verletzt. Die beiden schleppen sich zu einer verlassenen Tankstelle und die darauffolgende Szene erinnert an ein Videospiel im Deckungsshooter-Stil. Daryl versucht, sich mit einem Brecheisen auszurĂŒsten, wĂ€hrend Alpha mit ihrer Waffe einige BeiĂer in Daryls Richtung lockt und selbst, bis auf eine kurze Beschnupperung unbehelligt bleibt. Mit MĂŒhe, Not, Brecheisen und Feuerlöscher sowie dem Messer, das bis eben noch in seinem eigenen Bein steckte, kann sich Daryl behaupten. Beide haben sehr viel Blut verloren, scheinen die Verletzungen aber dennoch zu verkraften. FĂŒr mich ist das einer der Aspekte, bei denen ich The Walking Dead nie so richtig ernst nehmen konnte, denn auch zum Ausstieg von Rick Grimes war die Figur so sehr in Mitleidenschaft gezogen worden, dass ein Ăberleben - besonders unter diesen hygienischen UmstĂ€nden und in dieser Welt - nahezu unmöglich erscheint.
Einbildung oder RealitÀt?
TatsĂ€chlich hatte ich bei Alphas AusfĂŒhrungen kurz den Gedanken, ob man sie durch den plötzlichen Tod nach dieser Konfrontation sterben lĂ€sst. Sie bedankt sich bei Daryl dafĂŒr, dass er sie stark gemacht hat und plötzlich sehen wir Lydia und können uns zunĂ€chst nicht sicher sein, ob das ein Fiebertraum oder eine Nahtoderfahrung von Alpha ist, die gegenĂŒber Daryl berichtet, Lichter zu sehen.
Als Daryl Lydias Namen in den Mund nimmt, weckt das jedoch offenbar ihren Kampfgeist und wir sehen eine emotionale Lydia, die mit ihrer Mutter spricht, sie in dem Moment aber nicht erlöst, wie es etwa Carl getan hatte, sondern sie sich selbst ĂŒberlĂ€sst. Alpha singt den Lydia-Song, verliert das Bewusstsein und Lydia meint, dass sie sich keine perfekten Wesen gewĂŒnscht hat, sondern einfach nur Menschen, mit StĂ€rken und SchwĂ€chen. Statt jedoch bei der Erzeugerin zu bleiben, kĂŒmmert sich Lydia, die also tatsĂ€chlich in der NĂ€he war, um Daryl und macht sich nebenbei Gedanken, auf wessen Seite sie stehen solle. Offenbar hat sie sich gegen die Whisperers entschieden. Alpha macht sich derweil mit dem Whisperers-Mantra fĂŒr die nĂ€chste Konfrontation bereit und glaubt, jetzt noch stĂ€rker zu sein. Ich wĂŒnsche mir eigentlich, dass man die Verletzungen der Beteiligten nicht wieder einfach unter den Teppich kehrt...
Fazit
Die The Walking Dead-Folge Stalker ist zwar in ihrer Gesamtheit nicht ganz rund, hat aber doch vereinzelte Strecken und Momente, die mir sehr gut gefallen haben. Dazu zĂ€hlt das meiste, was sich um Beta als Slasher im Schatten in Alexandria abspielt, aber auch das Schauspiel von Gamma und die Szenen rund um Alpha und Lydia. Der Grad der Verletzungen, den die Figuren ĂŒberstehen, ist derweil wieder jenseits von Gut und Böse und da reicht mit Sicherheit nicht eine gute MĂŒtze Schlaf, um sich von solch immensen Blutverlusten zu erholen. Da sollte man die Zuschauer einfach etwas ernster nehmen.
Hier abschlieĂend noch der Trailer zur nĂ€chsten „The Walking Dead“-Episode, Morning Star (10x11):
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 2. MĂ€rz 2020The Walking Dead 10x10 Trailer
(The Walking Dead 10x10)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 10x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?