The Walking Dead 10x06

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Langsam müssen die The Walking Dead-Autoren wieder aufpassen, nicht zu sehr in Filler-Regionen und auf die Soapschiene abzugleiten. Die Folge Bonds läuft mehrfach Gefahr, genau das zu tun und ist in meinen Augen nicht unbedingt die kurzweiligste Episode der Staffel.
Carol (Melissa McBride) bleibt weiterhin rebellisch und will die Gefahr durch die Whisperers aktiv bekämpfen. Diese Tendenz des Beschützens hatte sie ja schon fast immer. Einige Zuschauer sind sicherlich auf Carols Seite - wie auch der Rezensent -, denn sich einfach nur dem Schicksal ergeben und Alpha (Samantha Morton) gewähren zu lassen, kann nicht das Ziel der Überlebenden sein. Doch der Gruppenzwang lähmt so manchen, beispielsweise Michonne (Danai Gurira) oder den Rat in Alexandria. Carol und Daryl (Norman Reedus) haben da womöglich eine kleine Sonderstellung - und auch schon ohnehin genug verloren.
Unter einem Vorwand - nämlich der Suche nach Negan (Jeffrey Dean Morgan) - zieht es Carol nach draußen, doch Kumpel Daryl merkt schnell, dass sie etwas anderes vorhat. Sie will ins Whisperers-Gebiet und dabei Alphas Horde finden sowie zerstören, denn das würde viel Druck nehmen und man könnte einen Angriffsplan schmieden.
So richtig offen ist Carol aber nicht zu Daryl, denn sie scheint immer wieder etwas zu verstecken. Er vermutet zum Beispiel, dass sie Alpha erneut allein mit einer Pistole attackieren will, was sie aber verneint. Später durchsucht er gar ihre Tasche, als sie sich kurz erleichtert. Gewisse Spannungen sind zwischen den beiden Freunden also da, die in der Folge auch Zeit mit Dosenwerfen verbringen. Dabei kommt Carol auch auf das Thema Connie (Lauren Ridloff) zu sprechen, die für Daryl zwar ein wichtiger Mensch ist, aber wohl nicht auf einer romantischen Ebene. So bleibt er wohl weiterhin eine eher asexuelle Figur, was in heutigen Serien schon eine Seltenheit ist, wenngleich die Autoren natürlich gerne mit dieser Freundschaft und auch der zu Carol spielen - ohne die platonische Ebene zu verlassen. Oder arbeitet man nach so vielen Jahren doch auf eine Romanze zwischen Daryl und Carol hin?
Die beiden werden in dieser zehnten Staffel derweil gerne mal ein wenig wie „Bonnie & Clyde“ dargestellt, die gesetzlos ihr eigenes Ding durchziehen und erst an die Konsequenzen denken, wenn sie wirklich wichtig werden. Sie entdecken nämlich eine kleine Herde von Untoten, unter denen auch Whisperers stecken. Obwohl der Plan also dumm und töricht ist, wagt man eine genauere Untersuchung. Während Daryl in Gefahr gerät und sich mit dem alten Einschleimtrick tarnen kann, nutzt Carol ihre Chance und nimmt einen Whisperer als Geisel, um so eventuell an Informationen zu kommen. Ob das gelingt, muss sich natürlich erst noch zeigen. Genau das könnte allerdings auch für Alpha der nächste Regelverstoß sein, der zu Konsequenzen führen könnte. Sie selbst ist jedoch vorerst durch einen unerwarteten Besucher beschäftigt.
Die Seuche geht um...
Nach langer Zeit kämpfen die Überlebenden mal wieder mit einer kleinen Krankheitswelle, die um sich greift und für eine Magen-Darm-Grippe gehalten wird. Angefangen hatte sie mit Rosita (Christian Serratos), doch immer mehr Menschen in Alexandria scheinen davon lahmgelegt zu werden. Dante (Juan Javier Cardenas) spielt die Dringlichkeit gegenüber Chefarzt Siddiq (Avi Nash) herunter. Spätestens, als Rosita völlig schlapp zu Hause aufgefunden wird und er mit eigenen Augen sieht, was los ist, handelt Siddiq und versucht, die Lage in den Griff zu kriegen. Wegen seiner PTSD-Schübe ist das alles gar nicht so einfach und er motzt Dante deswegen auch lautstark an, der allerdings sein Bestes versucht, um die Ausmaße einzudämmen. Außer: Das alles ist eine weitere gesteuerte Aktion der Whisperers und Dante ein Schläferagent. Es kann natürlich auch einfach auf die sabotierte Wasserversorgung zurückgehen. Vielleicht sollte Aaron (Ross Marquand) mal etwas sagen...
An Selbstbewusstsein mangelt es Dante jedenfalls nicht und Grenzen überschreitet er auch gerne. Man muss wohl abwarten, ob hier noch ein Twist eingebaut wird. Vielleicht wird so aber auch der Cast einfach noch einmal ausgedünnt, einen signifikanten Tod hatten wir auch schon länger nicht mehr. Vielleicht ist aber auch einfach Siddiq die tickende Zeitbombe und Coco und die Kranken sind die Leidtragenden...
Tater Bug

Eugene (Josh McDermitt) kann in Hilltop auch dank der Satellitenteile und der Hilfe von Jerrys Frau Nabila (Nadine Marissa) die Sendeleistung des Funkgeräts ordentlich ausbauen, bleibt jedoch der einzige dort, der daran wirklich Interesse zeigt. Ein Anruf von Rosita sendet derweil schon wieder widersprüchliche Signale in seine Richtung. Erst kürzlich gab es die sehr direkte Abfuhr und nun unterlegen die Macher das Gespräch wieder mit gefühlsduseliger Musik? Dieser Soapfaktor der Storyline geht mir einfach auf die Nerven. Weil sich ihr Gesundheitszustand verbessert, kann sie dann später auch nicht wie versprochen erneut durchfunken.
Das gibt Eugene die Chance, die Frequenz zu wechseln und zu schauen, wie weit die Verbesserung sendet. Nach einigen Versuchen antwortet tatsächlich eine Frauenstimme, was Eugene überglücklich macht. Nicht nur, weil es Hoffnung macht für weitere Überlebende und Gemeinschaften da draußen, sondern auch, weil sich die Funkpartnerin als überaus sympathisch erweist. So entwickelt sich das Gespräch zu einer Mischung von Vertrauensbeweis, Informationsaustausch ohne Risiko, aber auch als Flirterei. Denn da, wo die Stimme ursprünglich herkommt - Strasburg, Pennsylvania - war Eugene vor der Zombieplage tatsächlich auch gerne unterwegs, weil er ein Zugfan ist und die örtliche Eisdiele sehr zu schätzen wusste. Verständlicherweise möchte sie im ersten Gespräch nämlich keine konkreten Informationen zu ihrer Gruppenstärke oder der Lage der Gemeinde verraten, weil man nie wissen kann, ob die Intentionen des Gegenüber aufrichtig, eigennützig oder schlimmstenfalls tödlich sind.
Man einigt sich darauf, dass man in Kontakt bleiben will, aber unter der Bedingung, dass die Kommunikation zwischen den beiden und niemand anderem sonst passiert. Eugene geht sogar einen Schritt weiter und nennt seinen Namen und ist kurzzeitig sogar bereit, mehr über seine Gemeinschaft zu verraten, doch dazu kommt es - bis auf den Namen - noch nicht. Comicleser ahnen aber sicherlich schon, wo die Stimme am anderen Ende der Leitung herkommt. Offenbar ist es nicht unbedingt der gleiche Ort, an dem Maggie sich befindet. Gänzlich auszuschließen ist es jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch noch nicht.
Beta with benefits?

Negan ist bei die den Whisperers angekommen, genauer gesagt einer Untergruppe von Beta (Ryan Hurst) und tut das, was man von ihm erwartet: Labern, labern und noch mehr labern. Das ist durchaus witzig, weil es eben so ein starker Kontrast zur zurückhaltenden Kommunikation der Flüsterer ist. Warum bringt ihn Beta also nicht an Ort und Stelle um? Weil er acht Jahre von ihren Feinden eingesperrt wurde und bereit ist, jedes Geheimnis auszuplaudern, das er kennt. Das ist ein gutes Argument und so wird die Augenbinde zum Knebel und nun obliegt es Alpha, zu entscheiden.
Betas Meinung zu Negan ist klar: Ihm kann und sollte nicht getraut werden. Doch Alpha will ihn testen. Alpha kokettiert weiterhin mit ihrer Macht und provoziert Beta, sie doch herauszufordern, wenn er stets anderer Meinung ist als sie - stattdessen wählt er jedoch den Kniefall, was auch Negan nicht entgeht. Betas Treue gegenüber Alpha ist wohl bedingungslos.
Dennoch: Wieder einmal scheint er der schlauere oder zumindest vorsichtigere zu sein, denn Negan - das sollte man auf Anhieb erkennen - ist ein Pulverfass, das jederzeit hochgehen könnte. Also soll sich Negan beweisen und muss anpacken: beim Jagen, beim Häuten und beim Kochen. Die Negan-Storyline ist für mich hierbei die unterhaltsamste dieser Folge, die mich auch mehrfach zum Schmunzeln gebracht hat, beispielsweise wegen der Musikauswahl bei der Trainingsmontage und dem Wettstreit zwischen Negan und Beta, wer der bessere Kerl ist.
Auch Negan sticht in Richtung Beta und weiß genau, wo er hierbei ansetzen muss. Er unterstellt beiden eine Beziehung, wobei wir eigentlich immer noch nicht wissen, wie es die Whisperers eigentlich mit Sex halten. Zwischen Alpha und Beta wurde zwar immer etwas angedeutet, aber nie explizit gezeigt. Man könnte meinen, dass Alpha sich wohl frei bedienen dürfte, wenn ihr danach wäre. Den Kniefall spricht Negan natürlich auch an und den Fakt, dass ihm das aus seinem früheren Leben sehr vertraut ist. Doch trotzdem ordnet er sich fürs Erste unter und befolgt die meisten Befehle, bis auf den, dass er die Klappe halten soll...
Als ihm allerdings das Essen verwehrt wird, bäumt er sich kurz auf, nur um dann doch einzuknicken, als Beta ihn zu Boden wirft. So kann man natürlich auch an Informationen kommen. Beta platzt bald der Geduldsfaden und er will, dass die Horde ihm die Last namens Negan abnimmt. Denn sein Messer bricht schon nach dem ersten Untoten ab, was zum Running Gag zu werden scheint. Beta glaubt, ihn so loszuwerden. Aber Negan ist manchmal wie eine Kakerlake und überlebt doch mehr, als man denkt...
Das sichert ihm zumindest die Aufmerksamkeit von Alpha, vor der er dann auch kniet und bereit ist, nach ihrer Pfeife zu tanzen. Zumindest vorerst. Wie lange der ultimative Opportunist mitspielt, muss sich natürlich zeigen. Die Wahrscheinlichkeit eines Betrugs dürfte sehr hoch sein. Ein schönes Schlussbild ist es dennoch.
In meinen Augen ist der frühere Negan nämlich nur eine Maske und der wahre Negan blitzt in der Interaktion mit Menschen wie Judith (Cailey Fleming), Lydia (Cassady McClincy) oder der Mutter-Sohn-Kombo aus der letzten Folge durch. Da ist Negan wie Carol und bemüht sich um unkonventionelle Lösungen, die niemand auf dem Schirm hat.
Fazit
Bonds ist sicherlich nicht die beste The Walking Dead-Folge. Stellenweise empfand ich sie doch als ziemlich langweilig und austauschbar. Ich mag Carol und Daryl, aber die Hordenszene war etwas zu dunkel und die kleinen Intrigen von Carol können anstrengend werden, auch wenn sie am Ende meist Recht behält. Das Liebesdrama rund um Rosita und ihre Crew war leider noch nie sonderlich spannend. Die Seuche ist ebenso wieder zu sehr mit willkürlichen Figuren verknüpft, womit für den Zuschauer zu wenig auf dem Spiel steht. Dafür hatte der Funkkontakt von Eugene durchaus seine Momente und dürfte langfristig noch wichtiger werden.
Die Negan-Storyline ist trotzdem mein einziger richtiger Lichtblick, wobei das alles wieder so dermaßen überzogen war, dass man die Whisperers und ihre Regeln einfach nicht ganz ernst nehmen kann. Immerhin sieht man einige weitere Facetten des Whisperers-Alltags auf spaßige Art und Weise. Es werden zwar kleine Teilerfolge erzielt, die den zentralen Konflikt voranbringen, dennoch wird man dieses Filler-Gefühl diesmal nur schwer los. In meinen Augen darum wahrscheinlich die bisher schwächste Folge der Staffel.
Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie The Walking Dead, Open Your Eyes (10x07):
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 11. November 2019The Walking Dead 10x06 Trailer
(The Walking Dead 10x06)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 10x06
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