The Vampire Diaries 6x22

The Vampire Diaries 6x22

Das große Staffelfinale I'm Thinking of You All the While bringt den Wahnsinn und die Emotionalität, mit der die Serienautoren schon länger liebäugeln, endlich auf den Punkt. Die Tränen fließen in Strömen, auch wenn man ziemlich kitschfest sein muss.

Elena (Nina Dobev) in der Serie „The Vampire Diaries“ / (c) The CW
Elena (Nina Dobev) in der Serie „The Vampire Diaries“ / (c) The CW
© (c) The CW

Die Szene zwischen Alaric und Kai ist eine der stärksten Szenen der Episode I'm Thinking of You All the While, auch wenn mit den zahlreichen Abschieden natürlich harte Konkurrenz dazu kommt. Doch diese Szene fasst den ganzen Wahnsinn zusammen, der diese Staffel begleitet hat. Dass das gut gelingt, ist auch den beiden Darstellern zu verdanken. Kai (Chris Wood) ist ein Gegner, der keine besondere Agenda neben reinem Sadismus hat. Er hat keine Schwachstellen, denn er kämpft wie ein Kamikaze. Auf der einen Seite ist er unglaublich durchstrukturiert, plant seine mörderischen Aktionen mit furchtbarem Sinn fürs Detail. Doch dann wird er von einem Werwolf gebissen, ausgerechnet von Tyler (Michael Trevino), ein lächerlicher Fall für einen doch so mächtigen Gegner. Selbst in dieser Situation lässt Kai nicht von seinem Sarkasmus ab. Eines hat er mit Elena (Nina Dobrev) gemeinsam: Beide wissen die Komik ihrer Dramen zu schätzen und verlieren nicht den Humor.

Abschiedstränen

Kai als Gegner hat Zeit seines Mystic-Falls-Lebens zwischen relativer Harmlosigkeit und absoluter Macht geschwankt. In der Episode „I'm Thinking of You All the While“ verteilt er seinen Wahnsinn flächendeckend über die Kleinstadt, in der ja alle seine Gegner versammelt sind - seine Familie, der Gemini-Coven und die Clique um seine ehemaligen Zellengenossen Bonnie und Damon.

Das führt im Staffelfinale zu dramatischen Szenen, wie die, in der Alaric (Matthew Davis) seine tote Frau im Hochzeitskleid ins Auto packt und sich mit einem schiefen Grinsen die Waffe an die Schläfe setzt. Dieser Wahnsinn gibt ein gutes Gegenprogramm für die Struktur der Geschichte ab. Denn der Rest dieses Abschieds ist so durchgeplant, dass die Emotionen ein bisschen dahinter verschwinden. Alles, was um Elena und auch Tyler passiert, geht schon fast übertrieben passend auf.

Zum Beispiel die Entscheidung, wer jeweils überlebt. Liv (Penelope Mitchell) rettet Tylers Leben, indem sie sich selbst opfert. Sie bringt ihn dazu, ihr das anzutun, was sie einst einem Unbeteiligten angetan hat. Sie opfert sich für ihre Liebe. Elena sagt, dass sie sich für diejenige opfert, die ihr Leben lang Opfer für andere gebracht hat. Das ist zwar das Richtige, aber der Wirbel darum auch ein bisschen seltsam. Elena gibt ihr Leben nicht auf, sie bekommt es nach Bonnies Tod zurück und ein Großteil ihres Freundeskreises ist ohnehin unsterblich.

Dass Damon (Ian Somerhalder) Bonnie (Kat Graham) für 60 Jahre nicht tötet, konnte man sich denken, auch wenn es trotzdem eine schöne Badass-Szene ist, als er Kai den Kopf abschlägt und Bonnie heldenhaft fortträgt.

Elena und ihre Freunde bekommen eine Gelegenheit, die man in der Regel nur selten bekommt. Sie können sich voneinander verabschieden in vollem Bewusstsein, was ansteht. Zu wissen, dass Elena das Vorgehen genau richtig findet, nimmt viel von dem Abschiedsschmerz weg. Und natürlich auch die Tatsache, dass zumindest ein Teil der Clique Elena wiedersehen wird.

Immerhin gibt die Taktik mit den Visionen uns und Elena die Gelegenheit, alle wichtigen Plätze noch einmal aufzusuchen.

Auch noch da

Tylers Abschied fühlt sich nicht so an, als wenn es etwas Besonderes wäre. Er hat sich schon öfter verabschiedet, manchmal ist er auch ohne Benachrichtigung einfach einige Episoden nicht aufgetaucht. Sein Vorhaben, aus Mystic Falls fortzugehen, lässt natürlich die Tür für gelegentliche Gastauftritte offen und das tut der Figur vermutlich sogar besser als das Versauern in der Belanglosigkeit vor Ort.

Eine andere Figur wird durch Elenas Abschied angenehm aufgewertet. Sie sagt Matt (Zach Roerig), dass sie ihn als Polizist sieht und schätzt endlich Wert, dass er durch die Staffeln derselbe geblieben ist. Damit steht er im krassen Gegensatz zu der Nachricht, die Damon ins Krankenhaus bekommt und die ihn auf den neuen Stand bringt, wer jetzt wieder sein gesamtes Sein verändert hat. Ohne besonderes Erstaunen nimmt er zur Kenntnis, dass Kai jetzt Vampir und Tyler wieder Werwolf ist. Was ist das für ein Leben, in dem so etwas nebenbei mitgeteilt werden kann?

Es ist der Wahnsinn von Mystic Falls. Kais Hochzeitsangriff ist nicht das erste Massaker in dieser Welt. Doch es werden so viele Figuren geopfert, dass es sich wie eines der schlimmsten Massaker bisher anfühlt.

Die Story mit dem Gemini-Coven fühlte sich die längste Zeit in dieser Staffel an, als wenn sie an die Wand gefahren worden wäre. Kai als der schlimmste Gegner, den sie sich vorstellen können, hat bei weitem nicht so viel Gegenwehr angeregt, wie man hätte erwarten können. Irgendwie hat es innerhalb der Familie kaum jemanden mehr gestört als er Anführer war. Doch wir haben einige der Mitglieder immer wieder für kurze Besuche gesehen, zum Beispiel Kais und Jos Vater. Der Tod so vieler Figuren, die wir schon immerhin ein bisschen kannten, bringt die Emotionalität ins Drama. Gezündet hat die Geschichte um die Hexen nie, nun findet sie immerhin einen runden Abschluss. Kai, Jo (Jodi Lyn O'Keefe), Liv und ihr Vater sind tot, die ohnehin diffuse Gefahr ist gebannt und die Autoren können sich in der neuen Staffel wieder auf Mystic Falls konzentrieren. Was sie wohl auch tun werden, zumindest erweckt der kleine Ausflug in die Zukunft am Ende der Episode I'm Thinking of You All the While diesen Eindruck.

Der Herzensbrecher

Die Idee, Elena nicht sterben zu lassen, aber auf unbestimmte Zeit aus dem Verkehr zu ziehen, ist nicht schlecht. Das ganz große Drama und die Trauer bleiben aus, stattdessen bleibt die Essenz der Figur erhalten. Nun kann die Clique alles daran setzen, ihre Ruhestätte zu beschützen. Sonst wäre es ja auch langweilig in Mystic Falls.

Und immerhin lassen die The Vampire Diaries-Autoren uns mit der Hoffnung auf ein Happy End für Caroline (Candice Accola) und Stefan (Paul Wesley) in die Pause gehen. Auch die wunderbare Tanzszene hilft über den Abschiedsschmerz hinweg.

Die meisten Punkte räumt in diesem Staffelfinale dennoch Stefan ab. Sein emotionale Ansprache darüber, wieso Elena als Brücke für die Bruderliebe wichtiger ist als die Romantik, beendet wirklich ein für alle Mal jeden Verdacht, dass er nicht über seine Ex hinwegkommen könnte. Und dann legt er noch einen oben drauf, als er Caroline erklärt, dass er auf sie warten werde.

Fazit

Das Staffelfinale I'm Thinking of You All the While hat zwei wichtige Aufgaben: die Altlasten müssen emotional abgewickelt werden und die Serie muss sich nach dem Abschied von Elena neu ausrichten. Beides gelingt zwar nicht ohne Kitsch, aber mit viel Herz. Elena ist nicht so richtig weg, aber auch nicht mehr aktiv dabei. Durch die einzelnen Abschiedsgespräche bekommen alle Figuren die Gelegenheit, sich neu zu postieren und uns einen direkten Blick in ihr Innenleben zu geben. Das tut besonders Matt und Stefan gut.

Verfasser: Serienjunkies.de am Samstag, 16. Mai 2015

The Vampire Diaries 6x22 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 22
(The Vampire Diaries 6x22)
Deutscher Titel der Episode
Ich denk an dich die ganze Zeit
Titel der Episode im Original
I'm Thinking of You All the While
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 14. Mai 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 25. Juli 2015
Autoren
Julie Plec, Caroline Dries
Regisseur
Chris Grismer

Schauspieler in der Episode The Vampire Diaries 6x22

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