The Vampire Diaries 6x15

The Vampire Diaries 6x15

The Vampire Diaries hält sich an den Kreislauf des Lebens und lässt etwas Neues beginnen als Reaktion auf einen Abschied. Mit der Episode Let Her Go bricht eine neue Liebeszeitrechnung in Mystic Falls an und so gut wie alles könnte wahnsinnig spannend werden.

Ein schwerer Abschied: Caroline (Candice Accola) in der Serie „The Vampire Diaries“ / (c) The CW
Ein schwerer Abschied: Caroline (Candice Accola) in der Serie „The Vampire Diaries“ / (c) The CW

Ein Abschied in Mystic Falls währte lange Zeit höchstens so weit man werfen konnte. Fast jede wichtige Figur kehrte auf die eine oder andere Weise wieder zurück, für eine Stippvisite oder dauerhaft. Doch Sheriff Forbes' Tod ist anders. Er ist zu realistisch aufgeladen, um mit einem Zauberspruch aus dem Weg geräumt zu werden. Die Beerdigungsszene gehört zu den traurigsten Momenten in sechs Staffeln The Vampire Diaries. Das Beste an der Episode Let Her Go ist, dass sie neben aller Melancholie wahnsinnig spannende Neuigkeiten mit uns teilt.

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Der Tod der eigenen Eltern ist ein einschneidendes Erlebnis und Caroline (Candice Accola) muss mit dieser Sache in einem verhältnismäßig jungen Alter umgehen, auch wenn man die Jahre berechnet, die sie ja nun bereits nicht mehr altert. Liz selbst sagt ihrer kleinen Tochter in dem Rückblick, mit dem die Episode Let Her Go beginnt, dass Caroline erwachsen sein wird, wenn ihre Mutter eines Tages stirbt. Im Prinzip ist sie das nun auch, aber noch nicht besonders lange. Sie ist im Collegealter, einer Zeit, in der Kinder, wenn alles gut läuft, sich daran gewöhnen, eigenständige Schritte in der Welt zu machen, aber die Eltern immer noch als tragfähiges Sicherheitsnetz zu schätzen wissen.

Ein großes Thema der Episode ist die Frage, ein wie guter Charakter Damon (Ian Somerhalder) denn nun ist. Er selbst bezeichnet sich als jemand, der auf einer Beerdigung nicht aufstehen sollte, um sich vor aller Augen als netter Typ zu produzieren. Dieser Minderwertigkeitskomplex hat schon einmal dazu geführt, dass er einfach hinschmeißt. Bei der Beerdigung seiner Mutter verschwindet er einfach, anstatt, wie abgesprochen, die Trauerrede zu halten. Damit enttäuscht er in erster Linie seinen kleinen Bruder Stefan (Paul Wesley).

Es ist wieder einmal Elena (Nina Dobrev), die ihn daran erinnert, was wichtig ist. In manchen Situationen sind Minderwertigkeitskomplexe und Unsicherheit gleichzusetzen mit Egoismus, zumindest wenn man ihnen nachgibt. Eine Trauerrede ist nicht einfach, niemand hat Lust dazu, doch manchmal muss man die Zähne zusammenbeißen und es einfach tun. Man muss für die anderen stark sein, für diejenigen, die noch stärker betroffen sind. In diesem Fall ist das Caroline, mit der Damon nicht das herzlichste Verhältnis hat. Die beiden sind sich meistens nicht einig, haben aber mit Elena und Liz starke Gemeinsamkeiten.

Die kurze, aber herzliche Rede von Damon wird dieser Situation völlig gerecht. Er sagt, was eine Tochter hören muss, was ja auch wahr ist. Er schwafelt nicht herum, er fasst sich kurz. Das schenkt seiner Rede eine Ehrlichkeit, die zu ihm passt und uns zeigt, dass er im Grunde doch einer der Guten ist. Zumindest mittlerweile, er hat sich zu einem der Guten entwickelt. Es hat lange gedauert und in einer einzigen Lebenszeit hätte er das niemals geschafft, das Vampirsein hat ihm erst die Möglichkeit eröffnet, sich in seinem eigenen Tempo zu entwickeln.

Auch seine Reaktion auf Bonnies Rückkehr am Ende erinnert uns daran, welch große Schritte er in den letzten Jahren gemacht hat. Aus einer eher stillen Feindschaft hat er eine enge Freundschaft gemacht. Er hat gelernt, auf andere einzugehen.

Maybe all love is not the true love in the messed-up way we have experienced

Es hätte alles so schön werden können. Stefan erkennt, was viele wohl schon lange wussten: Er liebt Caroline, auf eine andere Weise als einst Elena und Katherine. Die Liebe zwischen den Doppelgängern war im Nachhinein eine sehr jugendliche. Sie haben sich gesehen und waren vom Donner gerührt. Es ging um vieles, aber nicht um einen Alltag auf Dauer. Es waren typische Beziehungen, die hell und heiß brennen, in denen die Gefühle schnell hochkochen. Doch ob diese Bindungen einen Alltag meistern können, ist oft fraglich.

Was, wenn kein gemeinsames Drama mehr die Liebenden vereint, wenn die kleinen Probleme Einzug halten, in denen es auch um andere geht und nicht nur um die beiden? Stefan und Caroline haben über die Staffeln hinweg eine Freundschaft aufgebaut, die auf mehr gründet als spontaner Anziehungskraft. Sie haben sich gegenseitig beigestanden, aber auch die Probleme ihrer Freunde gemeistert. Sie waren dabei nicht immer einer Meinung, aber sie haben sich immer respektiert.

Es ist das, was Stefan für Damon kurz zusammenfasst. Diese Art von Gefühlen ist ihm fremd. Er ist Elena und Katherine gewöhnt. Doch es hatte auch Gründe, warum es mit den beiden nicht funktioniert hat. Er ist daran gewachsen und seine Gefühle für Caroline sind reifer.

Schön ist es, dass ausgerechnet Damon ihm an zwei Stellen in der Episode Let Her Go die richtigen Tipps gibt. Tragisch ist, dass er es auch ist, der die Möglichkeit für Caroline und seinen Bruder verbaut. Nicht absichtlich. Er versucht, zu helfen und Caroline zu sagen, wann der richtige Schmerz einsetzt. Nämlich dann, wenn es still wird.

Caroline zieht daraus die Lehre, dass es nur schlimmer wird und fasst den Plan, ihre Gefühle abzustellen. Wie alles, was Caroline macht, geht sie äußerst kontrolliert an dieses Vorhaben heran, anders als Elena einst im Angesicht von Jeremys Tod.

Sie steht die Beerdigung durch und verlegt die Stille ein paar Tage vor, indem sie sich ihren Freunden entzieht. Sie lässt sich von niemandem aufhalten und nimmt sogar die Gelegenheit wahr, Elena mal ein paar Wahrheiten ins Gesicht zu sagen.

Das Timing, mit dem Caroline ihre Gefühle abstellt und Stefan seine Gefühle erkennt, rückt die Episode einmal mehr in Soapnähe. Er findet ein leeres Haus vor und erkennt, dass er seine Chance wohl verpasst hat. Doch, wie wir wissen, ist das letzte Wort in einer The Vampire Diaries-Liebesgeschichte erst gesprochen, wenn uns eine glaubhafte Nachfolgebeziehung präsentiert wird.

Diese Unterbrechung gibt den beiden die Gelegenheit, auch ihr Zusammenkommen unter andere Vorzeichen zu stellen als das Grab von Carolines Mutter.

No pity proposal

Die Storyline um Jo (Jodi Lyn O'Keefe) und Kai (Chris Wood) bleibt auch dieses Mal die uninteressanteste. Kai ist zwischenzeitlich ein würdiger Gegner, amüsant, unberechenbar und dabei immer ein bisschen ambivalent. Doch, nachdem er nun die große Macht hat, scheint sich niemand mehr für ihn zu interessieren und er selbst zieht sich auch eher zurück. Immerhin wird das nun damit erklärt, dass er durch die Vereinigung krank geworden ist.

Dass Jo sich überhaupt auf ein Gespräch mit dem Mörder ihrer Familie einlässt, ist schon schwer nachvollziehbar. Vielleicht fühlt sich das Ganze aber auch vor allem deshalb seltsam an, weil sich niemand von der ursprünglichen Mystic-Falls-Clique dafür interessiert. Alaric (Matthew Davis) und Jo müssen die Begegnung mit dem Oberbösen alleine regeln, wie die Auseinandersetzung mit einem nervigen Nachbarn.

Die Story mit der Schwangerschaft gibt im Moment ebenfalls nicht so richtig viel her. Bekommt Mystic Falls nun eine eigene Hope, wie die The Originals-Gang in New Orleans? Oder kriegen Alaric und Jo die Kurve, um sich beizeiten zu einem Happy End abzusetzen?

Alaric ist kein Original-Vampir mehr und Jo hat in der Episode Let Her Go offenbar ihre Hexenkräfte eingebüßt. Die beiden haben quasi einen Trip durch die übernatürliche Welt gemacht und sind auf der anderen Seite als Menschen herausgekommen. Das fühlt sich doch stark nach zweiter Chance an.

Auch für Matt (Zach Roerig) und Tyler (Michael Trevino) könnte die Idee mit der Polizeiausbildung die Chance sein, die sie auf den richtigen Weg zurückbringt. Und sie ganz nebenbei in eine Position versetzt, in der sie für die Story wieder wichtig werden...

The One and Only

Es hat zwar lange gedauert und war aufwendig, doch, als Bonnie (Kat Graham) dann wirklich zurückkommt, ist es fast unauffällig. Sie steht einfach da, ist zurück. Es ist gut, dass Bonnie zurückkommt. Sie hat einen Sieg auch mehr als verdient.

Doch das Beste an ihrer Rückkehr sind die Nachrichten, die sie bringt. Mama Salvatore (Annie Wersching; Bosch, 24) steigt in die Story ein. Bisher hat die Familie der beiden Hauptfiguren sich arg im Hintergrund gehalten. Wir wissen, dass sie zu den Gründerfamilien gehört, dass sie eine Doppelgängerblutlinie sind. Verglichen mit den anderen Familien haben die einzelnen Mitglieder sich jedoch eher im Hintergrund gehalten. Selbst Damon und Stefan gehen davon aus, dass es kein Geheimnis, keine übernatürliche Auffälligkeit in der Geschichte ihrer Mutter gibt. Sie starb früh an Tuberkulose. Doch jetzt erkennen Damon und Stefan, dass das nicht wahr ist.

Ihre Mutter ist in einer Welt gefangen, die der ähnlich ist, in der Bonnie und Damon waren, nur eben nicht im Jahr 1994, sondern 1903. Wer sie eingesperrt hat und wieso, lässt sich als vielversprechende Geschichte an. Endlich wieder einmal Geheimnisse aus der näheren Umgebung, die fremd und spannend sind, aber gleichzeitig Auswirkungen im engsten Mystic-Falls-Kreis haben. Und die erste große Frage, die man sich stellen muss, ist, wie die Mutter es geschafft hat, ein Foto von Stefan zu bekommen, auf dem er wesentlich älter aussieht als die zehn Jahre, die er bei ihrem offiziellen Tod war...

Fazit

Die Episode Let Her Go bringt großes emotionales Gepäck mit. Die Beerdigung von Sheriff Forbes ist ergreifend, Stefans Erkenntnis über seine Gefühle ist wunderschön, Alaric schafft es, selbst der überflüssigen Storyline um Jo ein paar Emotionen einzuhauchen. Es ist traurig und schön, eine Episode, wie sie sein sollte, wenn man den Abschied von einer so wichtigen Figur wie Liz feiert.

Promo zur Episode „The Downward Spiral“ (6x16) der US-Serie „The Vampire Diaries“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 23. Februar 2015

The Vampire Diaries 6x15 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 15
(The Vampire Diaries 6x15)
Deutscher Titel der Episode
Lass sie gehen
Titel der Episode im Original
Let Her Go
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 19. Februar 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 4. Juli 2015
Autor
Julie Plec
Regisseur
Julie Plec

Schauspieler in der Episode The Vampire Diaries 6x15

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