The Third Day: Review der Pilotepisode

© atherine Waterston und Jude Law in The Third Day (c) HBO/Sky
Ein Großstadtmensch verirrt sich auf dem Land und wird von einer für ihn sonderbaren Dorfgemeinde willkommen geheißen. Dieses nicht ganz neue Thema wird in der Pilotepisode der mysteriösen Miniserie The Third Day mit Jude Law behandelt. Der Titel der knapp einstündigen Auftaktfolge lautet Friday - The Father, wodurch gleich klar wird, dass auch Religion eine gewisse Rolle spielen wird. Premiere hat das Ganze nun parallel bei HBO und Sky gefeiert, die schon The Young Pope gemeinsam produzierten. Es ist der Startschuss zu einem Siebenteiler, der alles andere als normal werden dürfte: Nach drei Kapiteln übernimmt nämlich Naomie Harris die zentrale Hauptrolle. Das Finale soll derweil als Theaterstück stattfinden.
Das Drehbuch stammt dabei vom Utopia-Autor Dennis Kelly. Die Regie übernahm derweil der Punchdrunk-Gründer Felix Barrett. Gemeinsam gelten die beiden auch als Serienschöpfer. Während unter anderem der Filmstar Brad Pitt als Produzent beteiligt ist. Gedreht wurde übrigens auf der realen Osea Island im englischen Essex, die der heimliche Star der Serie ist...
Worum geht's?
Der Protagonist der Geschichte - oder zumindest der ersten Hälfte der Geschichte - heißt Sam (Law). Obwohl es sich bei ihm um einen Londoner Geschäftsmann handelt, lernen wir ihn an einem für ihn recht untypischen Ort kennen: mitten im Wald. Dort führt er ein verzweifeltes Telefonat, in dem es um viel Geld und auch um illegale Handlungen geht. Als er auflegt, beginnt er plötzlich zu weinen (dazu erklingt der tolle Song „Dog Days Are Over“ von Florence + The Machine). So weit, so gut.
Doch von da an wird sein Tag nicht besser: Im Wald sieht er, wie ein kleiner Junge und eine Teenagerin zusammen mit Seilen in den Bäumen spielen. Wie aus dem Nichts erhängt sich das Mädchen - und wäre auch gestorben, wenn Sam ihr nicht zur ungewollten Hilfe geeilt wäre. Der Junge flüchtet und das Mädchen, Epona (Jessie Ross), sitzt nun in Sams Auto. Trotz seiner eigenen Existenzkrise, kann er einfach nicht anders, als sie sicher nach Hause zu bringen. Immerhin ist er selbst Vater, wie er ihr und uns während der Fahrt zur eingangs erwähnten Insel, wo sie wohnt, expositionsmäßig eröffnet.

Zu erreichen ist die Insel ohne Boot nur, wenn Ebbe herrscht. Dabei entstehen umwerfende Bilder, wie das Meer eine Straße unter der Wasseroberfläche freideckt, über die Sam nach einigen Stunden Wartezeit nun steuern kann. Dummerweise hat er noch immer keinen Empfang und kann sein eigenes Drama in London daher nicht beseitigen. Doch auch die Causa Epona lässt sich nicht so leicht abhaken. Denn fast jeder Inselbewohner löst in ihm Unbehagen aus, allen voran ihr aggressiver Vater. Nur der gottesfürchtige Mr. Martin (Paddy Considine) und dessen Gattin Mrs. Martin (Emily Watson), die ein kleines Gasthaus betreiben, versichern dem Besucher immer wieder, dass alle Menschen im Ort von Grund auf gut seien - echte Christen eben.
Als Zuschauer kriegt man trotzdem schnell „Midsommar“-Vibes und befürchtet, dass die vermeintlich freundlichen Einheimischen früher oder später rituelle Opfergaben und ähnlichen Schabernack veranstalten. Umso schlimmer, dass Sam auf der Insel übernachten muss, nachdem er das kurze Zeitfenster für die Rückkehr ans Festland dummerweise verpasst hat. Die Martins bieten ihm umgehend ihre Herberge an - auch aus Dank dafür, dass er Eponas Leben gerettet hat (dass sie sich überhaupt umbringen wollte, scheinen dabei alle gekonnt zu verdrängen). Am Abend lernt Sam dann auch die kecke Jess (Katherine Waterston) kennen, mit der er versehentlich ins selbe Hotelzimmer gebucht wurde. Nach anfänglichen Zankereien und einem noch dramatischeren Telefongespräch, das Sams Leben nun endgültig zerstört zu haben scheint, kommt es zur großen Party mit den zwei Gästen und ihren merkwürdigen Gastgebern. Die Folge endet mit einem Albtraum...
Fazit
Man kann noch nicht viel sagen über The Third Day. Was wir bisher im Pilot gesehen haben, entspricht viel Altbekanntem aus dem Horror- und Mystery-Genre. Man darf also gespannt sein, wohin sich das Ganze im Lauf der insgesamt sieben Ausgaben entwickelt (und auch, wie genau das theatralische Finale aussehen soll). Leider wirkt die Figur von Jude Law ein wenig matt und unausgereift. Man kann nur hoffen, dass Naomie Harris ab Folge vier dann etwas glanzvoller auftreten darf.
Zugunsten der Miniserie spricht dafür die Atmosphäre, die sie entfaltet. Vor allem die Insel, auf der das alles spielt, ist absolut faszinierend. Tatsächlich wurde die Osea Island auch schon früher oft als Filmkulisse verwendet. Dass ausgerechnet der Utopia-Autor Dennis Kelly das Skript geschrieben hat, stimmt optimistisch, dass bald auch die Story mit den Schauwerten mithalten kann. Andernfalls müssten sich HBO und Sky den Vorwurf gefallen lassen, die kostbare Zeit von Harris und Law zu verschwenden - und von Katherine Waterston und Emily Watson. Auch das Ensemble ist also fantastisch.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen HBO/Sky-Miniserie The Third Day: