The Stand: Review der Pilotepisode

The Stand: Review der Pilotepisode

Ausgerechnet in einem Seuchenjahr wie 2020 bringt uns CBS All Access eine Neuauflage von Stephen Kings postapokalyptischem Drama The Stand. Kann das funktionieren? Und: Welchen Eindruck hinterlässt die Auftaktepisode?

Szenenfoto aus der US-Serie The Stand (c) CBS All Access
Szenenfoto aus der US-Serie The Stand (c) CBS All Access
© zenenfoto aus der US-Serie The Stand (c) CBS All Access

Es ist entweder genau der richtige oder absolut der falsche Zeitpunkt, um eine Miniserie herauszubringen, in der eine Seuche 99 Prozent der Menschheit dahingerafft hat. Dies geschieht bereits in der Pilotepisode The End, dem Start einer neuen Adaption von Stephen Kings postapokalyptischem Thriller The Stand. Mit einer ordentlichen Produktion, einem angemessenen Budget und einem prominent besetzten Ensemblecast stehen die Voraussetzungen schon einmal nicht schlecht, doch kann die Umsetzung auch überzeugen?

Worum geht es im Auftakt von The Stand?

Die erste Episode stellt uns drei Überlebende der Kerngruppe vor, um die sich die Serie drehen wird, und erzählt den Beginn der tödlichen Pandemie aus deren Perspektive. Da wäre zunächst einmal der Teenager Harold Lauder (Owen Teague), ein Eigenbrötler mit soziopathischen Tendenzen, dessen Familie von der Krankheit aufgelöst wird. Diese Umstände geben ihm jedoch die Gelegenheit, seiner Obsession in Bezug auf seine frühere Babysitterin Frannie (Odessa Young) nachzugehen, die ebenfalls ihre Familie beerdigen musste. Sie beschließt zwar, nach all dem Leiden ihr Leben zu beenden, wird jedoch von Harold während ihres Suizidversuchs gerettet. Die beiden fassen anschließend den gemeinsamen Entschluss, einen zentralen Anlaufpunkt der Seuchenschutzbehörde CDC aufzusuchen und dort mit weiteren immunen Überlebenden ihr Glück zu versuchen.

Der andere Blickwinkel, der uns präsentiert wird, ist der von Ex-Soldat Stu Redman (James Marsden), der nach einem frühen Kontakt mit einem infizierten Soldaten in einem Militärkomplex in Quarantäne gesteckt wird. Ein zuständiger Arzt berichtet ihm nach einigen Tagen, dass alle, die mit dem Soldaten in Kontakt gekommen sind, innerhalb kürzester Zeit verstorben sind und dass er der Einzige sei, der keine Symptome zeigt. Dementsprechend wollen ihn die dortigen Ärzte untersuchen und in einem verzweifelten und gehetzten Versuch seine Immunität replizieren. Doch so weit kommt es nicht, wie ihm der General (J. K. Simmons) der Anlage, in die er verlegt wurde, gestehen muss, denn auch dieser Stützpunkt wurde zu schnell und zu hart von der Krankheit getroffen. Stu wird von seinem Gegenüber darüber aufgeklärt, wie akut die Lage sich entwickelt hat, bevor er ihn in die Freiheit entlässt und sich selbst richtet.

Ein Zeitsprung von einigen Monaten zeigt uns unsere drei Charaktere im CDC-Camp, in welchem sie bemüht sind, Aufbauarbeit zu leisten und sich an die Situation als kleiner Kern der überlebenden Menschheit anzupassen. Harold ist allerdings im Stillen außer sich, weil er es nicht geschafft hat, Frannies Herz zu erobern. Stattdessen ist sie nun schwanger und an der Seite von Stu. Während es in Harold brodelt, bekommen unsere Protagonisten im Schlaf immer wieder Besuch von zwei mysteriösen Figuren, gespielt Whoopi Goldberg und Alexander Skarsgard, deren Herkunft und Motive zu diesem Zeitpunkt noch unklar bleiben, auch wenn auf der Hand liegt, dass diese noch eine wichtige Rolle im weiteren Verlauf spielen werden.

Es zeugt schon von gewagtem Kalkül, derzeit eine Serie mit einer Thematik und dem Ausgansszenario von The Stand herauszubringen. In jedem Fall weckt sie mehr die Assoziationen eines realistischen Worst-Case-Szenarios, als dass sie als fiktionaler Eskapismus rüberkommt. Zumindest sorgen die Szenen der Pilotepisode im Kontext der aktuellen Lage für deutlich mehr Unbehagen, als sie es sonst tun würden.

Doch werfen wir zunächst einmal einen Blick auf die technische Seite, denn man merkt der relativ hohen Produktionsqualität an, dass durchaus etwas investiert wurde, zumal allein der Ensemblecast einiges an Budget geschluckt haben dürfte. So sehen wir Schauspieler wie J. K. Simmons oder bald auch Heather Graham in Gastrollen, während die Hauptfiguren mit James Marsden, Whoopi Goldberg, Alexander Skarsgard, Amber Heard und Katherine McNamara ebenfalls mit bekannten Gesichtern besetzt sind. In der ersten Episode sticht noch keiner von ihnen besonders heraus, auch wenn Alexander Skarsgard in seinen sehr kurzen Momenten bereits eine gewisse Präsenz mitbringt, die nochmals erklärt, warum er momentan ein beliebter Go-to-Bösewicht in Hollywood ist.

Davon abgesehen ist der Einstand noch nicht wirklich bemüht, den Zuschauer zu emotionalisieren, denn die Verluste innerhalb der Familien unserer Protagonisten werden nur kurz angerissen und eher nüchtern präsentiert, als ob die Macher in dieser Zeitebene nicht lange verweilen möchten. Ausgerechnet J. K. Simmons konnte als Figur, die gleich wieder ausscheidet, da am ehesten Empathie erwecken.

Was zumindest bisher fehlt, ist ein besonderes Alleinstellungsmerkmal, denn der gesamte Aufbau der Episode erweckt den Eindruck, als ob er auch aus einem Spin-off von The Walking Dead stammen könnte. Diese Wirkung wird von der Campstruktur und der Aufteilung der Figuren dann nur noch verstärkt. Speziell aus der Sicht von Zuschauern, die nicht mit der Materie von Stephen King vertraut sind, bietet dieser Start zumindest noch keinen besonderen Anreiz unbedingt weiterzuschauen, denn die Ambitionen und die Komplexität des Buchs, lassen sich so bestenfalls erahnen. Ob die Serie Mehrwert für Kenner des Stoffs bietet, wird sich noch zeigen. King hat zumindest versprochen, ein neues, erweitertes Ende zu bieten.

Fazit

The Stand sieht mit seiner hochwertigen Produktion nicht übel aus und hat einen Cast, der ganz sicher in der Lage ist, eine ansprechende Darbietung abzuliefern. Doch der Start scheint ein wenig davon zu leben, dass Leser des Quellmaterials bereits wissen, worauf sie sich noch freuen können, denn für alle anderen dominiert hier der Eindruck, eine weitere Postapokalypse in einem davon bereits aufgefüllten beziehungsweise gesättigten Markt zu bekommen. Insgesamt siedelt sich der Einstand im Mittelfeld an, denn er macht weder etwas furchtbar schlecht, noch hinterlässt er einen besonders bleibenden Eindruck.

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Hier abschließend noch der Trailer zur aktuellen Season der US-Serie „The Stand“:

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