The Spoils of Babylon 1x01

Wer kennt sie nicht - auch wenn nicht selbst gesehen - jedoch aber vom Hörensagen: Diese epochalen, höchst dramatischen TV-Mini-Serien von vor über 30 Jahren. Die Aufgesetztheit dieser schwerfälligen Formate einer anderen TV-Ära suchten ihresgleichen, schmalzige Dialoge und absurde Liebesgeschichten waren exemplarisch für diese Art von Serien. Heutzutage mag einem vielleicht die britische Erfolgsserie Downton Abbey in den Sinn kommen, denkt man über bedeutungsschwere Historien-Dramen der aktuellen TV-Generation nach - auch wenn sich die ITV-Serie wohl weit mehr dezenter gestaltet, als es ihre Vorgänger im Geiste aus den 70er und 80er Jahren waren.
The Spoils of Babylon ist genau so eine TV-Serie, wie es einst diese berüchtigten TV-Mini-Serien und Epochendramen aus längst vergangenen Tagen waren. Jedoch mit einem großen Unterschied: „The Spoils of Babylon“ persifliert und parodiert diese Formate bis ins kleinste Detail, seien es die überbordenden Handlungsbögen, überdramatischen Wendungen oder die epischen Dialoge unter den einzelnen Figuren. Die neue Comedy des US-Networks IFC und der Produktionsfirma Funny Or Die trifft dabei voll ins Schwarze, auch wenn „The Spoils of Babylon“ sicherlich noch ein paar Folgen braucht, um wirklich vollends überzeugen zu können.
Nothing less than a masterpiece
Zu Beginn der Pilotfolge sehen wir einen abgehalfterten, sichtlich angetrunkenen Mann in einem Restaurant sitzen. Der aufmerksame Zuschauer muss schon sehr genau hinsehen, um den bekannten Schauspieler und Comedian Will Ferrell in dieser Gestalt zu erkennen, die auf den Namen Eric Jonrosh hört. Jonrosh ist „Author, Producer, Actor, Writer, Director, Raconteur, Bon Vivant, Legend, Fabulis“ der Mini-Serie, welche er uns gleich vorstellen wird. Er hatte dieses Projekt schon in den 70er Jahren vorangetrieben, könnte es jedoch nie zu einem Ende bringen - bis jetzt. Nun präsentiert er uns mit voller Stolz die finale Serienadaption seines Bestsellers The Spoils of Babylon.
Allein Will Ferrells kleiner Auftritt zu Beginn des ersten Kapitels von The Spoils of Babylon (Titel: The Foundling) deutet an, in welche Richtung die Comedy gehen wird. Ferrell macht dabei insbesondere seinen Fans großen Spaß, die ersten Gags sitzen, auch wenn sie hier und da sicherlich ausbaufähig sind.
Beim Intro zur eigentlich Serie kann sich der Rezensent dann nur schwer das Lachen verkneifen. Diverse Hinweise fliegen durchs Bild, ob „Filmed in Breath-Take-O-Scope 93mm“ oder „In Super Doctored Clydrophonic Sound“, an Absurdität ist dies schwer zu überbieten. Ein ersten Blick auf das Szenenbild ruft dann Erinnerung an die australische Agenten-Parodie Danger 5 hervor. Kurz denkt man noch an den Einsatz der Tilt-shift-Technik, bei der das Ergebnis der Kameraufnahme wie ein Spielzeugmodell aussieht. Jedoch handelt es sich bei der Aufnahme tatsächlich um eine Spielzeugkulisse, Spielzeugautos, welche auf kleinen Schienen fortbewegt werden, inbegriffen. Sämtliche Außenaufnahmen von Gebäuden oder auch Autofahrten werden von nun an in dieser Weise dargestellt, was „The Spoils of Babylon“ einen charmanten Trash-Faktor verleiht.
The Spoils of Babylon
In einer kryptischen Szene, in der wir erste Blicke auf Darsteller wie Tobey Maguire („Spider-Man“), Kristen Wiig (Arrested Development) oder Haley Joel Osment („The Sixth Sense“) erhaschen können, flieht ein angeschossener Tobey Maguire in seiner Rolle als Devon Morehouse von diesem Ort, um im Firmensitz seiner Familie die Geschichte dieser für uns bis ins kleinste Detail darzulegen. Seine offensichtlich tödliche Verletzung ist dabei erst einmal nur Nebensache. Die Vorstellung der einzelnen Charakteren zu den Klängen einer schwülstigen Titelmelodie ist ein weiteres Highlight dieser Episode. Neben den bereits erwähnten Maguire, Wiig (deren grandioser Schauspielername hier Lauoreighiya Samcake ist, Ex-Frau von Will Ferrells Autor Eric Jonrosh) und Osment, haben auch bekannte Darsteller wie Tim Robbins („The Shawshank Redemption“), Val Kilmer (Entourage), Jessica Alba (Dark Angel) oder Michael Sheen (Masters of Sex) einige Rollen in The Spoils of Babylon inne. Deren Schauspieler- beziehungsweise Rollennamen zaubern dem Zuschauer dabei ein verschmitztes Lächeln auf die Lippen.
What does it mean? War. W-O-R-E.
In The Spoils of Babylon wird uns von Maguires Devon fortan die Geschichte der Familie Morehouse erzählt, an deren Spitze der verarmte Patriarch Jonas Morehouse (Tim Robbins) steht. Dieser hatte sich einst als Unternehmer in der Öl-Industrie versucht, jedoch ohne großen Erfolg. In einer völlig sinnfreien Szene liest er dann gemeinsam mit seiner Tochter Cynthia den jungen Devon auf und adoptiert diesen umgehend. Nach einem Zeitsprung, einem fatalen und viel zu langen Kuss zwischen den Stiefgeschwistern Cynthia und Devon und einer Portion Eichhörnchen-Eintopf sehen wir dann den erwachsenen Devon Morehouse mit Vorschlaghammer und Philosophie-Lehrbuch bewaffnet.
Jedoch scheint die Situation für die Familie prekär. Glücklicherweise wendet sich das Blatt, als Jonas' Bohrungen nach Öl doch noch von Erfolg geprägt sind und er in kürzester Zeit zu einem der größten Ölmagnaten der USA aufsteigt. Damit wäre das Grundgerüst der Familie Morhouse und der Serie „The Spoils of Babylon“ etabliert. Was nun in bester Manier und mit Blick auf TV-Mini-Serien aus den 70er und 80er Jahren folgt, ist die tragische Geschichte der Familie Morehouse, voller Verrat, verbotener Liebe und dramatischen Wendungen.
Was den Serienschöpfern Matt Piedmont (Saturday Night Live), welcher hier auch als Regisseur fungiert, und Andrew Steele (The Jon Stewart Show) in The Spoils of Babylon zweifellos gelungen ist, ist das epische Ausmaß, welches so charakteristisch für Mini-Serien dieses Schlags ist. Die Dialoge sind unglaublich bedeutungsschwanger und werden voller Inbrunst vorgetragen. Maguire, als auch Wiig in ihre Rolle als Südstaaten-Schönheit beziehungsweise -Dummchen oder Robbins in der Rolle des mahnenden Patriarchen wissen hier zu gefallen.
Insbesondere am Ende der Pilotepisode, als nach dem Angriff auf Pearl Harbor durch die japanischen Streitkräfte auch für die USA der Zweite Weltkrieg endgültig ausbricht, werden noch einmal ordentlich die Lachmuskeln bedient. Natürlich muss sich Maguires Devon unverzüglich für den Krieg einschreiben, die verbotene Liaison zwischen ihm und Cynthia wird auf die lange Bank geschoben, doch würde es nicht überraschen, wenn in der nächsten Folge ein klassisch klischeehafter Briefwechsel zwischen den beiden entstehen oder eine dramatische Erzählung von Devons Kriegserlebnissen erfolgen würde. Eben genau so, wie wir es von einem gefühlvollen TV-Drama aus den 70er Jahren erwarten würden.
Fazit
Die Macher von The Spoils of Babylon zeigen in der Pilotepisode, dass sie wissen, wie sie die bekannten Dramen aus früheren Tagen richtig auseinanderzunehmen haben, um letztendlich mit ihrer Comedy eine treffende Persiflage und Parodie dieser Stoffe zu präsentieren. „The Spoils of Babylon“ deutet dabei Potential für ein paar Folgen sehr guter Unterhaltung an, was unter anderem auch an dem starken Cast liegt, von denen ein jeder seinen Spaß an diesem Projekt zu haben scheint.
Zwar ist die Pilotepisode beziehungsweise Chapter One: The Foundling von The Spoils of Babylon nicht in jeder Hinsicht großartig, an ein paar Ecken muss definitv noch gefeilt werden, doch ist die Zurückhaltung bezüglich offensichtlicher Witze auch ein Stück weit sympathisch und weckt das Interesse, sich auch die weiteren fünf Episoden der sechsteiligen Staffel anzuschauen. Gerade die Staffel als Gesamtes könnte sich als ein äußerst kurzweiliger Zeitvertreib darstellen.
Die Serie The Spoils of Babylon ist natürlich als Miniserie angelegt, die aus insgesamt sechs Episoden mit einer Laufzeit von je um 20 Minuten besteht.
Verfasser: Felix Böhme am Sonntag, 12. Januar 2014(The Spoils of Babylon 1x01)
Schauspieler in der Episode The Spoils of Babylon 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?