The Newsroom 3x06

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Nach nur 25 Episoden in drei Staffeln hat sich die HBO-Serie The Newsroom am Sonntag aus dem Fernsehen verabschiedet. Darf man seinen Worten Glauben schenken, war es die letzte Serie von Creator Aaron Sorkin. Ob sie es nun war, die ihn zu diesem Schritt veranlasst hat, wissen wir nicht. Auch können wir nur über die Gründe spekulieren, warum „Newsroom“ in der ersten Staffel auf zehn, in der zweiten nur noch auf neun, und in der dritten gar nur auf sechs Episoden kam. Sicher ist indes eines: Die Serie polarisierte ihr Publikum wie kaum eine andere in den letzten Jahren.
Something worthy of a Great Nation
Gleich zu ihrem Start vor zwei Jahren teilten sich die Lager auf. Man gehörte fortan entweder zu Sorkins Verehrern oder zu seinen Kritikern. Zwischen ihnen verlief ein tiefer Graben. Wie man an meiner Review der Episode Oh Shenandoah (3x05) unschwer erkennen kann, zähle ich mich zu Sorkins Kritikern. Hier will ich nun noch einmal über die Gründe räsonieren, was mir an seiner ganz speziellen Art missfällt, will aber auch darlegen, was er besonders gut (vielleicht besser als alle anderen) kann und warum ich mir die Serie drei Staffeln lang angesehen habe.
Weil viele andere (vor allem amerikanische) TV-Kritiker in diesen Tagen über Sorkin, das Ende von The Newsroom und seiner Fernsehkarriere schreiben, will ich hier mit Alan Sepinwall einen von ihnen zu Wort kommen lassen, den ich für einen der besten seiner Zunft halte. Er fasst im folgenden Absatz eloquent zusammen, welche Probleme auch ich mit dieser Serie hatte: „Er“ (Sorkin) „scheut davor zurück, interne Konflikte unter seinen Charakteren entstehen zu lassen, weshalb er sich Strohmänner als Bösewichte ausdenken muss, um für Ärger zu sorgen. Er kann seine politischen Ansichten so plump und taktlos hinausposaunen, dass selbst die, die ihm zustimmen, zusammenzucken. Es ist beinahe schon skurril, wie viel Angst er vor dem Internet hat, und allem, was es repräsentiert. Außerdem ist es wirklich entsetzlich, wie er von und über Frauen schreibt - mit Ausnahme weniger Rollen, in denen die Schauspielerinnen (vor allem Allison Janney als C.J. Cregg) so gut waren, dass sie das herablassende Material, das er ihnen gegeben hatte, auf ein neues Level hoben.“
Und weiter, bezogen auf die vorletzte Episode von The Newsroom: „Der letztgenannte Makel trat in 'The Newsroom' besonders eklatant und ausdauernd hervor, und kulminierte im schrecklichen Handlungsbogen, in dem der Produzent Don Keefer in bevormundender Art und Weise ein Vergewaltigungsopfer über die Ethik, einen Mann der Vergewaltigung zu bezichtigen, aufklärte.“
Sepinwall bringt aber ebenso eloquent auf den Punkt, was Sorkin besonders gut kann: „Wenn es darum geht, Dialoge zu schreiben, gibt es in der Geschichte des Mediums nur wenige Dramatiker, die sich auf seinem Niveau bewegen (Milch, Kelley und Sorkins Idol Paddy Chayefsky). Außerdem weiß man nie, wann der Schlechte Sorkin vom Guten Sorkin abgelöst wird - was im kurzen, schwierigen Verlauf von 'The Newsroom' manchmal geschah (vor allem, wenn Jane Fonda dabei war) - und ich will die Chance nicht verpassen, dabei zu sein.“
You were a great big man
Nun aber genug der fremden Worte. Aaron Sorkin sah seine Serien - vor allem The West Wing und The Newsroom - nicht nur als Unterhaltungsvehikel, sondern verarbeitete darin immer auch seine Sicht der Dinge, sein Idealbild von politischer Aktion und medialer Reaktion. Diese Vorstellungen formulierte er selten subtil, sondern mit erhobenem Zeigefinger und in manchmal didaktischer Art. Die Welt sollte laut Sorkin so sein, wie er sich das vorstellte, und seine Charaktere waren meist die noblen Helden, die den Kampf für das Schöne, Gute und Edle - stellvertretend für Sorkin - ausfochten.
Das kam bei vielen gut an, weil sie sich wünschten, dass es im echten Leben solche Politiker wie Josiah Bartlet oder Nachrichtenmoderatoren wie Will McAvoy gäbe. Bei anderen kam genau dieses Heldenbild eben nicht gut an, weil sie es als anmaßend, überheblich und realitätsfremd empfanden. Idealisten und Realisten standen sich gegenüber - das wurde nie so deutlich wie während des kurzen Lebens von The Newsroom.
Vielleicht war es einfach keine gute Idee, die Serie bei einem Pay-TV-Sender wie HBO laufen zu lassen. Was sollte der Garant für schmutzige, dreckige, komplizierte und neuartig erzählte Serien auch mit jemandem anfangen, der ein konservatives Idealbild vom Fernsehen pflegte? Sorkin konnte nun ordinäre und vulgäre Beschimpfungen nutzen, fühlte sich aber sichtlich unwohl damit. Ich habe jedenfalls selten TV-Charaktere gesehen, zu denen es so wenig passt, dass sie Vulgaritäten in ihren Sprachgebrauch einbauen. Dies ist nun in keinem Fall abwertend gemeint, aber Sorkin ist ein Vertreter der alten Fernsehschule, seine letzte Serie wäre wohl besser bei NBC oder CBS aufgehoben gewesen.
Den Titel des Serienfinales, What Kind of Day Has It Been?, nutzte Sorkin bereits bei all seinen anderen TV-Formaten („West Wing“, Sports Night und Studio 60 on the Sunset Strip) als Titel der jeweils ersten Staffelfinals. Strukturell war diese letzte Episode so aufgebaut, dass sich Rückblenden mit Szenen von Charlies (Sam Waterston) Beerdigung abwechselten. Da die persönlichen Geschichten seiner Figuren bereits zuvor größtenteils abgeschlossen waren, nutzt Sorkin die freigewordene Zeit, um ihre Vorgeschichten zu erhellen.
An hour of news that's a genuine public service
So finden wir heraus, dass Sloan (Olivia Munn) nicht etwa aus dem Nichts für Don (Thomas Sadoski) schwärmte, sondern bereits nach dem ersten Kennenlernen ein bisschen in ihn verliebt war. Außerdem erfahren wir, wie Charlie Mac (Emily Mortimer) dazu überreden konnte, für ihn (und ihren Exfreund Will) zu arbeiten - nämlich, indem er ihre Begeisterung für die Herstellung und Verbreitung „echter“ Nachrichten wieder weckte. Überdies wollte Jenna (Riley Voelkel), das Mädchen aus der allerersten Szene der Serie, darin von McAvoy lediglich einen Grund dafür hören, warum sie optimistisch in die Zukunft blicken solle.
Sorkin wendet sich gar (wenn auch halbherzig) den Vorwürfen zu, er könne keine starken weiblichen Charaktere schreiben, indem er dem neuen Besitzer von ACN, Lucas Pruit (B.J. Novak), einen Skandal um Stripperinnen andichtet, und Mac eine hauchdünn feministische Dialogzeile in den Mund legt: „Like it's every little girl's dream to make a man better at his job.“ „Als wäre es der Traum eines jeden Mädchens, einem Mann dabei zu helfen, in seinem Job voranzukommen.“
Es gibt einige ergreifende und lustige Momente im Serienfinale (Don und Charlies Witwe Nancy (Joanna Gleeson), Maggie (Alison Pill) und Jim (John Gallagher, Jr.) beziehungsweise Sloan) und eine lange Musikszene, bei der ich vor Fremdscham beinahe im Boden versunken wäre. Neal Sampat (Dev Patel) darf in die Geschichte, nicht aber auf Charlies Beerdigung (warum?) zurückkehren, um ein letztes Mal Sorkins Ansichten zum Internet zu verbreiten. Zum Schluss gibt es ein Happy End: Mac ist schwanger und wird befördert, Jim und Maggie sind glücklich vereint und lieben sich, Sloan und Don sowieso, Charlie ist tot, hinterlässt aber ein gewaltiges idealistisches Erbe, und Lucas Pruit wurde gezähmt. Die gelungene, weil ruhige Abschlussmontage zeigt, dass der „Newsroom“ nun endlich das tun kann, was er immer tun wollte: Ohne Quotendruck von den wahrlich wichtigen Nachrichten der Welt berichten.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 17. Dezember 2014The Newsroom 3x06 Trailer
(The Newsroom 3x06)
Schauspieler in der Episode The Newsroom 3x06
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