The Newsroom 2x01

The Newsroom 2x01

Politik, persönliche Dramen, Popkultur: Meisterhaft kehrt das HBO-Politdrama The Newsroom auf die Bildschirme zurück. Wie es Serienschöpfer Aaron Sorkin und seinem Autorenteam gelingt, alte Nachrichten spannend aufzubereiten, ist absolut sehenswert.

Schon in der Auftaktepisode geht es heiß her: John Gallagher, Jr. und Emily Mortimer in „The Newsroom“ / Foto (c) HBO
Schon in der Auftaktepisode geht es heiß her: John Gallagher, Jr. und Emily Mortimer in „The Newsroom“ / Foto (c) HBO

Die zweite Staffel der vieldiskutierten Dramaserie The Newsroom beginnt mit einem Zeitsprung. In der Gegenwart wird Nachrichtensprecher Will McAvoy (Jeff Daniels) von der Rechtsanwältin Rebecca Halliday (Marcia Gay Harden) zu einem Nachrichtenbeitrag befragt, der mutmaßlich als übergreifender Erzählbogen für die gesamte Staffel dienen wird. Darin hat die Redaktion von News Night eine fiktive Geheimoperation des US-Militärs namens „Genoa“ aufgedeckt.

Chips are falling

In Rückblenden zum August 2011 wird dann aufbereitet, wie es zur Veröffentlichung dieser Meldung gekommen ist. Eine recht normale und gar nicht mal so weit hergeholte Verkettung von Ereignissen führte dazu, dass der „Genoa“-Informant als Gast in einer Livedebatte auftauchte. Um seinen misslungenen Auftritt wiedergutzumachen und auch zukünftig wieder zu Expertenrunden eingeladen zu werden, steckt er dem neuen Produzenten Jerry Dantana (Hamish Linklater) ebendiese Information.

Man at work: Nachrichtensprecher Will McAvoy (Jeff Daniels) legt sich mit der amerikanischen Rechten an. Foto © HBO
Man at work: Nachrichtensprecher Will McAvoy (Jeff Daniels) legt sich mit der amerikanischen Rechten an. Foto © HBO

Die Rechtsanwältin Halliday wurde also beauftragt, das Team von News Night in einem Prozess zu verteidigen, der die Veröffentlichung geheimer, potenziell staatsgefährdender Informationen verhandelt. In besagter Debattenrunde sitzt die Wirtschaftsredakteurin Sloan Sabbith (Olivia Munn), eine entschiedene Gegnerin des Drohneneinsatzes neben dem Informanten Cyrus West (Ben Koldyke), einem Politikprofessor und vehementen Verfechter der unbemannten Luftangriffe. Will McAvoy geriert sich ebenfalls als moderater Sympathisant solcher Angriffe und ignoriert eine große Chance, die Argumente des angriffslustigen und polternden West mit dem Hinweis auf die Gesetzesresolution AUMF (Auhtorization for Use of Military Force Against Terrorists) zu entkräften.

Dabei handelt er sich mächtigen Ärger mit Mackenzie McHale (Emily Mortimer) ein, da sie ihn mehrmals über seinen Kopfhörer klar vernehmbar zur Erwähnung von AUMF aufforderte. Dies ist jedoch lange nicht sein einziges Problem, denn sein aggressives Auftreten gegen die amerikanische Tea Party, einer rechtsliberalen Abspaltung der Republikanischen Partei, führt dazu, dass er und seine Vorgesetzten und Untergebenen um ihre Arbeitsstellen bangen müssen. Zuvor hatte McAvoy die Mitglieder der politischen Organisation als die „amerikanische Taliban“ bezeichnet.

Daraufhin nutzt die Tea Party ihren steigenden Einfluss dazu, Mitglieder des News Night- und ACN- (American Cable Network) Mutterunternehmens AWM (Atlantis World Media) bei jeder sich bietenden Möglichkeit zu schikanieren. So steht AWM-Vizepräsident Reese Lansing (Chris Messina) plötzlich nicht mehr auf der Akkreditierungsliste für eine Kommissionssitzung des Repräsentantenhauses zu SOPA (Stop Online Piracy Act), dem Anti-Pirateriegesetz, an dessen Verabschiedung der Medienkonzern größtes Interesse hat.

Do you want to lead or do you want to follow?

Will McAvoy bekommt von seinem Freund und Vorgesetzten Charlie Skinner (Sam Waterston) die Moderation zum zehnjährigen Jahrestag der Angriffe auf das World Trade Center am 9. September 2001 entzogen. Gegenüber Charlie spielt er den Coolen, Unschockierten. Gegenüber MacKenzie in privater Atmosphäre lässt er seiner Frustration jedoch freien Lauf. Außerdem wird Jim Harper (John Gallagher, Jr.) nicht in einen Pressebus zum Auftakt der Wahlkampagne von Präsidentschaftskandidat Mitt Romney in New Hampshire gelassen. Er hatte die Flucht aus der Redaktion gesucht, nachdem Maggie (Alison Pill) ihm die uralte Frage, die kein Mensch jemals hören will, gestellt hatte: „Wollen wir nicht Freunde bleiben?“

Charlie Skinner (Sam Waterston) hat mit seinen Führungskräften; allen voran Mackenzie McHale (Emily Mortimer); alle Hände voll zu tun. Foto © HBO
Charlie Skinner (Sam Waterston) hat mit seinen Führungskräften; allen voran Mackenzie McHale (Emily Mortimer); alle Hände voll zu tun. Foto © HBO

Die Serie kehrt also zu ihrem erfolgreichen Prinzip zurück, private Dramen mit politisch brisanten Themen zu verknüpfen. Wie es den Autoren gelingt, im Internetzeitalter als „uralt“ einzustufende Nachrichten so aufzubereiten, dass sie Spannung erzeugen, ist bemerkenswert. Hier trifft die recht abgegriffene Formel zu, wonach das Leben immer noch die besten Geschichten schreibt. Ignoriert man einmal die Kritik an der leicht sexistischen Schlagseite der ersten Staffel, so stößt man auf genuin interessante Geschichten und Figurenkonstellationen.

Dies trifft auch auf den Handlungsbogen von Neal Sampat (Dev Patel) zu, der eigentlich für die Administration des Internetauftritts von News Night verantwortlich ist. Seine journalistische Neugier und sein Rechercheeifer trieben ihn jedoch schon in der erste Staffel dazu, sich für bestimmte Geschichten zu engagieren. Dieses Mal begleitet er den Beginn der Occupy Wall Street-Bewegung, vom ersten Internetaufruf bis zum ersten Zusammentreffen im Zucotti-Park in Manhattan. Er trifft dort auf die Anthropologie-Doktorandin Shelley Wexler (Aya Cash), die ihm die Feinheiten der Occupy-Ideologie erklärt und ihn sogleich in eine Diskussion über die mangelhafte Berichterstattung der Mainstream-Medien verwickelt.

Die neu eingeführten Charaktere fügen sich lautlos in das Sorkin-Universum ein. Selbst wenn man nicht wüsste, wer der kreative Kopf hinter The Newsroom ist, könnte man innerhalb von drei Minuten die Handschrift des Autors erkennen. Sein berühmter spitfire dialogue (rasend schnelle Dialoge) quillt der Auftaktepisode First Thing We Do, Let's Kill All the Lawyers aus jeder Pore. Dabei handelt es sich nicht um belangloses Geschwätz, sondern um faktisch fundiertes Politik-, Wirtschafts- und Gesellschaftswissen, das einer überaus fähigen Rechercheabteilung bedarf.

Fazit

Diejenigen Zuschauer, die sich für amerikanische Innen- und Außenpolitik interessieren, werden weiterhin ihre wahre Freude an The Newsroom haben. Mit leichtem linkspolitischen Einschlag werden politische Themen hier mit wahrer Inbrunst und - was noch viel wichtiger ist - Faktenwissen diskutiert.

Alle anderen werden ihre Mühe haben, den vielen Fachbegriffen und politischen Entwicklungen zu folgen, die zwar schon längst vergangen sind, in den Medien aber nicht alle hinreichend porträtiert wurden. Denjenigen bietet das Drehbuch jedoch einige andere Erzählbögen, wofür man „Newsroom“ aber nicht wirklich schauen sollte. Die Büro-Liebesgeschichten und -Ränkespiele sind nett anzusehen, aber nicht die Stärken der Serie.

Diese liegt in der popkulturell angehauchten Aufbereitung der Politikthemen. Sorkins Drehbuch schießt manchmal über das Ziel hinaus, das Dialogstakkato kann durchaus auch mühsam sein. Dennoch: die Verquickung von Politik und Pathos, von Privatem und Popkultur, von Pluralismus und Pressefreiheit gelingt weithin überzeugend.

Ein letztes Wort darf noch zu den großartigen Schauspielleistungen verloren werden. Es dürfte schon schwierig genug sein, ein Sorkin-Drehbuch in lebendige Sprache umzusetzen. Die Rolle so überzeugend zu spielen und dabei hin und wieder für einen comic relief zu sorgen, ist großes Kino. Wir Zuschauer dürfen gespannt auf die nächsten Entwicklungen sein.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 22. Juli 2013

The Newsroom 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(The Newsroom 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Als Erstes lasst uns alle Anwälte töten
Titel der Episode im Original
First Thing We Do, Let's Kill All the Lawyers
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 14. Juli 2013 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 15. September 2013
Regisseur
Alan Poul

Schauspieler in der Episode The Newsroom 2x01

Darsteller
Rolle
Emily Mortimer
John Gallagher, Jr.
Thomas Sadoski
Dev Patel
Sam Waterston
Chris Chalk

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