The Last Ship 5x06

© zenenfoto aus der „The Last Ship“-Folge „Air Drop“ (c) TNT
Good vs. Evil
Der größte Pluspunkt gegenüber der Vorwoche ist bereits dadurch gegeben, dass man sich in der The Last Ship-Folge Air Drop nicht mehr an überschwänglichen, ernst gemeinten und zwischenmenschlichen Dramaszenen probiert, denn diese werden auf ein Minimum zurückgeschraubt. Dafür geht es nun in die entgegengesetzte Richtung mit all den Offensichtlichkeiten, die jedwede Form von Spannung zunichtemachen.
Beispiel: Tom (Eric Dane) ist zwar nicht unverwundbar, aber so gut wie unsterblich. Nie kommt dem Zuschauer der Gedanke, er würde diese Episode nicht überleben. Die Hälfte des Einsatzteams, welches zur Abwechslung auch aus Marines besteht, geht beim Treffer drauf, den das Flugzeug abbekommt, aber Chandler überlebt nicht nur, sondern schafft es natürlich, rechtzeitig von Bord zu springen. Verletzung? Kein Problem, die Wunde kauterisieren wir schnell mit einem heißen Stein. Anschließend schlagen wir uns allein zu den Rebellen durch, vergessen unsere Verletzung wieder und hauen rechtzeitig das eigentliche Bodenteam noch aus der misslichen Lage heraus. Ernsthaft, Tom Chandler wird als unaufhaltsame Ein-Mann-Armee inszeniert, von der sich selbst ein John Rambo noch eine Scheibe abschneiden könnte. Und diese Geräusche, die er wieder hört und Hinweise auf PTSD oder sonst was geben könnten? Nun, es wäre geradezu lachhaft, sollten die ihn irgendwann daran hindern, seine Mission zu erfüllen. Jedwede menschlichen Schwächen, die man ihm letzte Woche daheim mit der Familie vielleicht noch hätte andichten können, sind wie weggewischt.
Ähnlich offensichtlich sieht die Geschichte des Gustavo Barros (Maurice Compte) aus. Jede Chance, diese Figur in ein weniger bösartiges Licht zu rücken, wird mit dieser Folge zu den Akten gelegt. Tavo ist ein Wahnsinniger, der schlicht aufgehalten werden muss. Zu Beginn der Staffel hätte er noch als halbwegs charismatisch bezeichnet werden können, aber damit ist nun endgültig Schluss. Mit Blick auf Tom und Tavo sind gut und böse nach dieser Woche jedenfalls eindeutig definiert.
Und was machen wir als Zuschauer jetzt? Uns damit abfinden, dass The Last Ship in Sachen Charakterzeichnung bestenfalls mal ins Mittelfeld gelangt und jegliche Drama-Ansprüche mit dieser Folge fallenlässt. Es bleibt, wie es ist und im Grunde genommen schon immer war. Eine Unterhaltungsreihe ohne figurentechnisch großen Tiefgang. Wobei sich darin durchaus ein Pluspunkt finden lässt, schließlich fällt das Versteckspiel hinter dramaturgischen Mehrdeutigkeiten jetzt komplett weg.
Gran Colombia
Bereits zu Beginn der Folge wird uns veranschaulicht, wie der Hase bei Tavo läuft. Ist man einmal unangenehm aufgefallen, gibt es keine Diskussion, keine Möglichkeit, sich zu rechtfertigen. Wer sich kritisch gegenüber Tavo äußert, bekommt eine Kugel in den Kopf - ganz egal, ob Mann, Frau oder Kind, wobei vermutlich ein Familienmitglied ausreicht, damit jeder eine Kugel erhält. Besonders widerlich: Tavos Sohn Simon (Anthony Gonzales) muss sich ebenfalls die Exekutionen anschauen.
Ganz kurz dürfen wir hoffen, dass Martinez (Rigo Sanchez) noch eine Kehrtwende bei Tavo initiieren kann. Schließlich konnte Hector bereits zuvor seinen Bruder zum Umdenken bewegen. Aber mit dem Ende dürfte klar sein, dass vielmehr Hector sich dem „großen Anführer" fügt und lieber gegen die eigenen Instinkte handelt als selbst eine Kugel im Kopf zu riskieren.
Als kleiner Hoffnungsschimmer bleibt da nur, dass Martinez sich trotzdem noch gegen Tavo richten könnte. Vielleicht in ähnlicher Form, wie Montano (Geoffrey Rivas) es vermochte. Dabei fällt mir gerade auf, dass man mit Martinez eigentlich genau den Gegenspieler hätte haben können, der sich leicht als ein ebenbürtiger Gegner von Tom hätte erweisen können. Denn Hector liegt viel an seinem Land und er würde nicht so grausam wie Tavo handeln. Im Grunde genommen hat er die richtigen, mitunter ironischerweise sehr amerikanischen Ideen, hält nichts von niederen Methoden und sollte entsprechend an der Spitze stehen. Schade, dass der Weg hier anders gewählt wurde.
Kommandozentrale
Die anfängliche Besprechung in Gegenwart von Präsident Reiss (Steven Culp) ist irgendwie süß. Diese Woche darf Anita DuFine (April Parker-Jones) Toms Vorhaben als äußerst kritisch betrachten und selbst Meylan (Emerson Brooks) schätzt die Chancen, dass die kubanischen Rebellen nicht auch auf unsere Helden schießen werden, als nicht gerade höchstwahrscheinlich ein. Reiss genehmigt die Mission trotzdem, obwohl sich eine größere Diskussion angeboten hätte. Offensichtlich hat der Präsident bereits Toms Status als Superhelden anerkannt, womit die Episode schon zu Beginn keine Zweifel an Chandler aufkommen lässt.
Wenig später steht Swain (Troy Doherty) im Rampenlicht, als es darum geht, den Einsatz der Nathan James (jepp, unser Schiff ist wieder fit) und des Flugzeugs vor den Augen der Kubaner zu verschleiern. Mit Tavos Zerstörer hat offensichtlich niemand gerechnet, auch wenn ich mich gerade frage, weshalb das Schiff immun gegen Swains Sabotage ist, die schließlich ganz allgemein die Radarsysteme stören sollte. Aber wie dem auch sei, dank des Zerstörers droht die Mission zu scheitern und Swain erhält nach dieser Erkenntnis ein Schulterklopfen von Slattery (Adam Baldwin), weil ihn somit keine Schuld am Versagen der Tarnung trifft. Unsere Jungs machen eben keine Fehler.
Kuba
Ach, was hätte man hier herausholen können. Der Schuss aus dem Nichts war ja nicht schlecht, aber von Spannung ist anschließend weit und breit nichts zu spüren. Zwar wird uns ein ganzer Haufen neuer Figuren mit den Marines um die Ohren gehauen, aber die fühlen sich wie Redshirts an. Schon bezeichnend, dass unsere bekannten Gesichter allesamt problemlos an den Zielkoordinaten ankommen. Halt, nein, ich habe Sashas (Bridget Regan) Verletzung vergessen. Das sah wirklich übel aus.
Scherz beiseite, aber so richtig mitfiebern lässt sich da nicht. Im Gegenteil, als es hätte spannend werden sollen, versuchen sich die Macher lieber in Sachen Humor. Betrunkene kubanische Soldaten, die nur knapp unsere Truppe bemerken und anschließend über den Haufen geschossen werden - einer sogar mit heruntergelassenen Hosen. Klar, die Zielsicherheit unserer Helden steht nach wie vor außer Frage, aber das hätte man auch anders lösen können und vor allem, ohne sich über die Kubaner derart lustig zu machen.
Und selbst als die Aufmerksamkeit geweckt ist und der Hinterhof zur Falle werden könnte, will die Angelegenheit nicht spannend werden. Hätte Tom, der kurioserweise genug Zeit hatte, Verstärkung mitzubringen, nicht eingegriffen, dann hätte die Helikopter-Crew sicher für Rettung gesorgt - wobei ich es nett fand, die Damen wiederzusehen.
Was ich hingegen gelungen finde, ist das Wiedersehen mit Fuentes (Manuel Uriza). Den hatte ich schon nicht mehr auf dem Schirm, aber der kann tatsächlich gut punkten. Zwar bleibt uns die genaue Geschichte noch vorenthalten, aber wir können uns auch denken, wie die Sache damals abgelaufen ist. Insofern gibt es tatsächlich doch noch eine Figur, die zumindest ein bisschen vielschichtiger ist, als eingangs angenommen.
The Last Ship
Die USS Nathan James ist wieder im Einsatz. Und jetzt hat Kara (Marissa Neitling) tatsächlich das Kommando und könnte sich beweisen. Könnte. Aber der angekündigte Kampf gegen den Zerstörer bleibt vorerst aus. Vielleicht nur eine Vertagung auf nächste Woche, aber ich hätte gerne mal gesehen, wie sich die Besatzung ohne Slattery und Chandler auf der Brücke schlägt.
Des Weiteren bin ich gespannt (okay, da muss also doch etwas Spannung vorhanden sein), was es mit dem Verschwinden des feindlichen Schiffs auf sich hat. Schließlich ist die James mittlerweile wieder technisch besser bestückt als zuvor, auch wenn auf Satellitenunterstützung zwangsweise verzichtet werden muss. Hat Tavos Schiff eine neuartige Tarnvorrichtung oder ist der Cybervirus doch noch irgendwie aktiv? Mal schauen.
Ach ja
Jetzt hätte ich beinahe Kelsi (Caitlin Gerard) vergessen. Die Suche nach ihr hat weiterhin eine hohe Priorität und sie erhält diese Woche doch eine erhöhte Aufmerksamkeit. Dass sie gegen Ende kontaktiert wird, lässt außerdem darauf schließen, dass ihre Nützlichkeit für den Feind noch gegeben ist. Wie die allerdings aussehen soll, nachdem sie bereits aufgeflogen ist? Keine Ahnung. Vielleicht musste es auch bloß einen Anhaltspunkt für ihren Aufenthaltsort geben.
Jedenfalls sind mir ihre Szenen relativ egal gewesen. Ähnlich egal, wie ihr ihre Familie zu sein scheint. Von Dankbarkeit für den Unterschlupf bei Elli (Sprague Grayden), die sich obendrein noch um ihre Tochter Zoey (Sage Tousey) kümmert, fehlt jede Spur. Erneut wird kein Hehl daraus gemacht, dass jemand (Kelsi) zu den Bösen gehört. Die klare Linie wird somit selbst hier mehr als deutlich gemacht.
Fazit
Ähnlich „gut" wie letzte Woche, wenn auch grundlegend anders. Mögliche Mäntel an Dramatik werden abgelegt, was leider auch auf Kosten der Spannung geht. Überhaupt scheint Air Drop bloß darauf ausgelegt zu sein, uns ein paar handlungstechnische Fortschritte und somit einen leichten Aufbau für die nächsten Episoden zu präsentieren. Einerseits ist das befreiend, andererseits aber wiederum enttäuschend. Von mir gibt es abermals 2,5 von 5 Sternen.
Trailer zur Episode Somos la Sangre der Serie The Last Ship (5x07):
Verfasser: Christian Schäfer am Mittwoch, 17. Oktober 2018The Last Ship 5x06 Trailer
(The Last Ship 5x06)
Schauspieler in der Episode The Last Ship 5x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?