The Last Ship 5x05
Hin und her
Zunächst einmal ist es sehr erfreulich, dass die Macher zumindest den Versuch unternehmen, einige unserer Helden außerhalb des Schlachtfeldes zu zeigen. Familienprobleme, eine Spendenaktion und zwischenmenschliche Beziehungen stehen in den meist ruhigen Szenen im Vordergrund, womit Warriors sich tatsächlich einmal die Zeit nimmt, etwas tiefer auf die Figuren einzugehen.
Natürlich ist dabei wieder jede Menge Patriotismus im Spiel und die meisten Gespräche drehen sich um den Krieg. Das ist auch vollkommen okay, schließlich belasten Kampfeinsätze jeden Soldaten, ganz egal, was da im Einzelfall erlebt wurde. Aber wie jemand auf der Spendengala richtig wiedergibt, lassen sich derartige Erfahrungen nur nachvollziehen, wenn man tatsächlich dabei gewesen ist - was eben nicht für die Familienmitglieder oder Freunde gilt, die nicht an der Front waren. Insofern treffen zwei Welten aufeinander und machen die Lösungsfindung äußerst schwierig.
Wie gesagt, das ist ein interessanter und sehr ungewohnter Ansatz, der selbstredend zu dramatischen Szenen einlädt. Bauchschmerzen habe ich allerdings damit, wie das Ganze inszeniert wird. Zunächst einmal haben mich diverse Sprünge (daher die Überschrift „Hin und her") doch arg gestört. Es ist zwar vollkommen legitim, zwischen verschiedenen (zeitlich getrennten) Handlungen hin- und herzuspringen, aber zumindest mir fiel es in dieser Episode schwer, den Überblick zu behalten. Die Krönung waren die ständigen Schnitte zwischen Tom (Eric Dane) im Einsatz und den Ereignissen vorher mit seiner Tochter Ashley (Grace Kaufman). Schon allein die Tatsache, dass wir vom streitgetränkten Dialog nichts hören (fehlten den Autoren da die Ideen?), ist blöd. Und als dann endlich ein Satz von Ashley kommt, der Tom stark trifft, wirkt das wie Schnee von gestern, der nebenbei bemerkt eher Ashley in einem schlechten Licht dastehen lässt. Und wie kommt es jetzt zur Umarmung der beiden gegen Ende? Tja, ebenfalls der Fantasie des Zuschauers überlassen.
Also, wenn schon Sprünge einbauen und auch mitten im Kampfgeschehen nutzen, dann bitte doch sinnvoller und der Dramakomponente die nötigen Worte mitgeben. Ich kann mir zwar meinen Teil denken, aber dennoch wirken diverse Szenen eher künstlich implementiert statt natürlich. Und dann kann man es auch gleich lassen, sich überhaupt tiefer damit zu beschäftigen.
Beziehungen
Tom hatte ich bereits angesprochen. Der Held, dessen Kinder sogar den Nachnamen falsch angeben, damit sie nicht mit ihm in Verbindung gebracht werden. Von Sasha (Bridget Regan) hätte man an dieser Stelle auch etwas mehr Intervention erwartet, zumal sie durch ihre eigenen Einsätze mehr an den Tisch bringen könnte, als sie letztendlich zustande bringt. Aber da kommt irgendwie nichts, obwohl sie recht gut als Bindeglied hätte funktionieren können. Und war Toms Verhältnis zu seinen Kindern in Staffel vier nicht weit besser? Woher kommt der Bruch jetzt? Das wirkt alles stark aufgesetzt, um des (Familien-)Dramas Willen.
Zweiter Charakter in dieser Partie ist Danny (Travis Van Winkle), dessen Verhältnis zu Kara (Marissa Neitling) offensichtlich einige Rückschritte vollzogen hat. Leben die beiden jetzt in Trennung? Dieser Eindruck macht sich jedenfalls breit. Hier fehlt offensichtlich etwas, denn anders lässt sich das angespannte Verhältnis kaum erklären. Warum sollte Danny beispielsweise seinen Sohn nicht sehen wollen oder sich vor der gemeinsamen Familienzeit drücken? Ergibt null Sinn. Aber gut, hier wird gegen Ende wenigstens deutlich, dass er seiner Vaterrolle doch nachkommt (wohlgemerkt mit erklärenden Szenen - also anders als bei Tom).
Was Miller (Kevin Michael Martin) angeht: der weiß tatsächlich am meisten zu überzeugen und erhält diese Woche „seine" Episode. Nicht nur, dass seine Chancen bei Courtney (Bailey Noble) sehr gut ausschauen, nein, er darf auch während der Jamaica-Mission durch amüsante Szenen auftrumpfen, die zudem am Ende noch für ein paar Lacher sorgen. Ich sage nur „Rhubarb".
Mit Blick auf die Spendenaktion und das Wiedersehen mit Cameron Burk (LaMonica Garret) möchte ich nur kurz anmerken, dass die Worte von Reiss (Steven Culp) scheinbar durch das gesamte Land gehen. Amerika muss tatsächlich vereint wie nie zuvor beziehungsweise während des Zweiten Weltkriegs sein, wenn man drei afroamerikanische Navy-Offiziere auf eine südtexanische Plantage einlädt, um sie mit Spendenschecks zu überschütten. Hier will auch niemand eine Mauer zu Mexiko bauen, befindet sich die Verteidigungslinie doch mitten im mexikanischen Land. Ich komme jedenfalls nicht drumherum, diese kleine Serienentwicklung als äußerst positiv wahrzunehmen.
Zuletzt seien an dieser Stelle noch die Szenen von Wolf (Bren Foster) und Azima (Jodie Turner-Smith) erwähnt, die keine wirklich große Rolle spielen. Dass die beiden ein Paar sind, war uns sicher schon vorher klar. Von daher gibt es hier kurz eine Bestätigung, welche gerne entgegengenommen wird.
Jamaica

Hätte es nicht die ständigen Zeitsprünge gegeben, dann hätte uns diese Handlung sicher mehr Spaß gemacht. Dennoch war das Geschehen nicht ohne, hat ein gutes Ziel und war doch relativ spannend zu betrachten. Tatsächlich konnte man sich um Burk (Jocko Sims) sorgen, der beim Feuergefecht getroffen wird, aber doch recht glimpflich davonkommt.
Dr. Montano (Geoffrey Rivas) ist da schon ein anderes Thema, denn er ist keineswegs der Bösewicht, als welcher er uns anfangs präsentiert wurde. Eher gegenteilig, entpuppt er sich als jemand, der nicht (mehr) Tavos (Maurice Compte) Ruf folgen will und ist damit eine Figur, die sich bereitwillig als nützlich erweist. Gut, dass er bereits vorher die Bekanntschaft von Tom gemacht hat, hätte man sich schenken können. Aber Montano bringt uns und unsere Helden ein gutes Stück voran und seine Gespräche mit Tom sind schon gut ausgearbeitet - da gibt es meinerseits keine Kritik.
Spannend war natürlich das Feuergefecht, aus dem unsere Helden glücklicherweise mit Plan C herauskommen, wenn auch unterbrochen von Toms Rückblicken. Aber am Ende zählen halt die neuen Informationen, welche Cuba in den Mittelpunkt der Verteidigungsstrategie rücken. Wir können jedenfalls gespannt auf die Cuba-Mission warten, die mehr oder weniger kriegsentscheidend sein wird.
Virus
An dieser Front gibt es nicht viel Neues. Swain (Troy Doherty) ist nach wie vor bemüht, der Ursache auf den Grund zu gehen und Alishas (Christina Elmore) Ableben hat sich bestätigt, während Kelsi (Caitlin Gerard) weiterhin auf der Flucht ist. Vermutlich wird sie im Laufe der Staffel noch aufgefunden, um einer Strafe zugeführt zu werden. Aber vorerst bleibt sie ein Randthema.
Swain erhält währenddessen ein nötiges Lob von Tom, bleibt aber ansonsten eher unscheinbar. Kunststück, schließlich kommen die Fortschritte dieser Woche von Montano, der den nächsten Schritt unserer Helden vorgibt.
Fazit

Naja, mich hat die Episode nicht so wirklich überzeugt. Das war eher holprig. Unüblich für The Last Ship versucht man sich hier in dramaturgischen Ereignissen außerhalb des Kriegsgeschehens, die größtenteils leider nicht überzeugen können. Die USS Nathan James im Trockendock ist trotz der Gespräche ihrer Offiziere und Mannschaft nicht gerade berauschend, auch wenn sie sicher bald wieder in See stechen wird. Die Bemühungen, hier mehr auf der dramatischen Schiene abliefern zu wollen, nehme ich zwar wohlwollend zur Kenntnis. Aber sie versagen größtenteils, was sehr schade ist. Von mir gibt es diese Woche 2,5 von 5 Sternen.
Trailer zur Episode Air Drop der Serie The Last Ship (5x06):
Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 9. Oktober 2018The Last Ship 5x05 Trailer
(The Last Ship 5x05)
Schauspieler in der Episode The Last Ship 5x05
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