The Last Ship 2x10

Die TNT-Actionserie The Last Ship ähnelt bisweilen dem Schiff, auf dem ihre Geschichte größtenteils stattfindet: imposant, aber manchmal zu behäbig. Das gilt auch für die Episode Friendly Fire, die lange als Kammerspiel angelegt ist, bevor es am Ende doch noch zum wortwörtlich explosiven Finale kommt. Bis dahin quält sich die Episode aber mit einem Konflikt, den es eigentlich gar nicht gebraucht hätte.
He died too quickly
Irgendwo in der Mitte der Episode gibt Rachel Scott (Rhona Mitra) gegenüber Kapitän Tom Chandler (Eric Dane) zu, Niels, den Massenmörder, aus niederen Motiven umgebracht zu haben. Kurz zuvor hat sie Besuch von einem der wenigen Verbündeten erhalten, der ihr an Bord des Schiffes noch bleibt. Auf seine ganz eigene Art versichert ihr Tex (John Pyper-Ferguson), dass sie von elementarer Wichtigkeit für die Besatzung sei: „You're ruthless, baby.“
Dabei habe ich nicht ganz verstanden, warum sie von der Crew geschnitten wird, während Miller (Kevin Michael Martin) und O'Connor (Paul James) die (falschen) Lorbeeren für den Mord an Niels einheimsen. Jedenfalls beschäftigt sich ein Großteil der Episode mit der Suche nach der Wahrheit, die von Andrea Garnett (Fay Masterson) angeführt wird, die wir Zuschauer aber leider schon lange kennen. Deshalb ist es nicht besonders spannend, dabei zuzusehen, wie Chandler und Kollegen langsam selbst dahinterkommen.
Das gilt vor allem auch deshalb, weil Rachel selbst zugibt, dass sie Niels gar nicht hätte töten müssen, um ihre Nachforschungen voranzutreiben. Es ist sogar schade um ihn, schließlich war er als Agent Provocateur ein überaus interessanter Charakter. Der Serie fällt es in den meisten Fällen nicht leicht, eine figurenbasierte Geschichte zu erzählen. Das merkt man auch an dem unbeholfenen Versuch, Rachels Motivation mit mehreren Rückblenden in ihre Kindheit aufzupäppeln. Die sind gut gemeint, fallen jedoch flach, weil sie bisher nie eingesetzt wurden - und weil The Last Ship keine Charakterstudie, sondern eine Actionserie ist.
Wenigstens am Ende kommen wir Actionfans auf unsere Kosten. Auf dem Weg nach New Orleans entdeckt das Navigationsteam eine große Flotte, die dort laut Präsident Michener (Mark Moses) als schwimmende Rettungsinsel für Überlebende geparkt wurde. Chandler schickt daraufhin eine Vorhut, die Kontakt aufnehmen und die Lage sondieren soll. Dabei ist auch Flea (Stephen Monroe Taylor), der in der letzten Episode gefangen genommen worden war und nun hilft, das verschlüsselte Kommunikationssystem von Ramseys Truppen zu decodieren.
Use that anger to change things
Bevor der Erkundungstrupp ankommt, fängt er eine Botschaft ab, die Ramseys Untergebene vor der Ankunft warnt. Schon wenige Sekunden später müssen Danny Green (Travis Van Winkle) und Konsorten tatenlos mit ansehen, wie die Flotte mit vermutlich mehreren tausend Menschen an Bord in die Luft gejagt wird. Eine riesige Explosion jagt die nächste, am Himmel ereignet sich ein spektakuläres, wenn auch furchteinflößendes Feuerballballett. Schnell ist klar, wer für den Anschlag verantwortlich ist: Sean Ramsey (Brian F. O'Byrne).
Persönlich meldet der sich aber erst, nachdem es Chandler und seinem Team gelungen ist, einem Torpedoangriff auszuweichen. Ein Geschoss findet zwar sein Ziel, kann aber keinen nennenswerten Schaden anrichten. Das sieht Ramseys Plan aber auch gar nicht vor. Als Menschenfänger interessiert ihn viel eher, wie er die Propagandaschlacht gegen Chandler um die hearts and minds des amerikanischen Volkes gewinnen kann. Einen ersten Punktsieg hat er darin schon errungen: Ein Video, das einen falschen Zusammenhang zwischen den Abwehrschüssen der USS Nathan James und den Explosionen herstellt, ist bereits im Umlauf.
Da ist es verständlich, wenn Chandler kein Interesse daran hat, sich einer ausgedehnten Diskussion über Ethik und Moral des Tötens mit Rachel Scott zu widmen. Also schickt er sie ins Exil auf dem Schiff und kündigt ihr an, sie den örtlichen Strafbehörden zu übergeben, sobald man an Land gehe. Die Tatsache, dass ihr jüngstes Experiment erfolgreich war, spielt in seiner Urteilsfindung keine Rolle. Er hat ausschließlich Interesse daran, die „richtige“ Entscheidung zu treffen. Die Episode Friendly Fire macht das unmissverständlich klar. Weil darin aber kaum neue Erkenntnisse geliefert werden, schippert sie etwas müde vor sich hin. Immerhin verspricht die veränderte Ausgangslage drei actionreiche ausstehende Episoden.
Auf der nächsten Seite findet ihr den Trailer für die kommende Episode, „Valkyrie“ (2x11), von „The Last Ship“.
Trailer zu Episode 2x11 der US-Serie „The Last Ship“, „Valkyrie“:
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 17. August 2015The Last Ship 2x10 Trailer
(The Last Ship 2x10)
Schauspieler in der Episode The Last Ship 2x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?