The Last Ship 2x09

Die größte Überraschung der Episode Uneasy Lies the Head ist nicht das Auftauchen einer Kindermiliz, deren Mitglieder den Ausbruch des Virus im Sommercamp erlebt haben, was mich sofort an ein mögliches Crossover von The Last Ship und Wet Hot American Summer denken ließ. Die größte Überraschung ist das Ende, wo wir dabei zusehen können, wie sich Dr. Rachel Scott (Rhona Mitra) in eine eiskalte Manipulateurin verwandelt.
Be his guide, his teacher, his father, his friend
Sie setzt in dieser Episode alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel ein, um die nächste Stufe ihrer Forschungsarbeiten zu erklimmen. Dabei weigert sie sich vorerst, mit dem festgenommenen Niels (Ebon Moss-Bachrach) überhaupt zu sprechen, weil sie ihn für den Tod ihres Mentors verantwortlich macht. Auf Geheiß von Kapitän Tom Chandler (Eric Dane) nimmt sie die Verhandlungen doch auf - und wandelt sich alsbald zur begabten Verhandlungsführerin. Besonders spannend ist dabei, dass wir Zuschauer stets im Unklaren gelassen werden, ob Niels die Wahrheit sagt.
Den dabei diskutierten Wissenschafts-Mumbo-Jumbo könnte ich auch dann nicht wiedergeben, wenn ich es wollte - ganz abgesehen von einer Einschätzung der Richtigkeit der getroffenen Aussagen. Rachel sieht vor, ihr Heilmittel über die Luft zu verteilen. Schon vor der Ankunft von Niels auf der USS Nathan James war dabei ihr größtes Problem, wie sie die Medizin vom flüssigen in den gasförmigen Zustand überführen könnte. Sie weiß, dass er dafür eine Lösung entwickelt hat. Er behauptet nun aber, dass er sich nicht mehr an sie erinnert.
Stone-cold Dr. Scott durchschaut dieses - nur allzu verständliche - Täuschungsmanöver sofort und überlegt sich einen Alternativplan, um Niels zum Zwitschern zu bringen. Ob wir dem Autorenteam nun abnehmen, dass Niels sofort auf ihren Annäherungsversuch hereinfällt, oder nicht, hängt eigentlich nur mit der Geschwindigkeit zusammen, in der er sich foppen lässt. Der Bearbeitungsprozess hätte gerne etwas ausgedehnter porträtiert werden können. So aber bekommt Rachel sofort die Information, die sie braucht.
Ihr Wissensdurst ist somit vorerst gestillt - ihre Rachegelüste aber noch lange nicht. Glücklicherweise hat sie kurz zuvor herausgefunden, wie das Sprühmittel am besten zu verteilen wäre - indem es nämlich ansteckend gemacht werden würde. Weil Niels die eigene Ansteckung so weitergetragen hat, eignet er sich bestens als Untersuchungsobjekt. Sie erzählt ihm das, verschweigt ihm aber bis zum Ende der Ausführungen, dass er längst Teil des Experiments ist, das zu seinem sicheren Tod führen wird. Dieser tritt wenige Sekunden später tatsächlich ein - und Rachel schaut ihrer Nemesis mit unverrückter Miene beim Sterben zu.
We're bringing a navy ship to a gunfight
Während sich Rachel also zur Killerin im Namen der Wissenschaft entwickelt, treffen Tom Chandler und Konsorten an Land auf eine kleine Kinderarmee. Dieser Handlungsbogen und der über den nervösen US-Präsidenten Michener (Mark Moses) lesen sich bisweilen wie ein Fachseminar für frischgebackene Führungskräfte. Hier stößt das Drehbuch einmal mehr an seine Grenzen, was aber durch die folgenden Actionszenen wettgemacht wird.
Chandler setzt sich mit dem Anführer der jugendlichen Kämpfer, Ray (Adam Irigoyen), auseinander, während sich Jeter (Charles Parnell) um Micheners Selbstbewusstsein kümmert. Ganz der jugendliche Luftikus, begeht Ray beim Fallenaufstellen für die Miliz der selbsternannten Auserwählten einen folgenschweren Fehler, der ein Feuergefecht und den Tod seines Freundes Cody (Dmitri Schuyler-Linch) nach sich zieht. Auf schlimmstmögliche Weise lernt er eine Kernregel aus dem Handbuch des guten Anführers: „It's about weathering the storm and carrying on.“
Der Ratgeber in dieser Situation ist natürlich unser good old American hero Tom Chandler. Wie es indes mit dieser neuen Gruppe weitergehen wird, bleibt unklar. Dramaturgisches Potential hätte ihre dauerhafte Aufnahme in die Geschichte allemal. Ravit (Inbar Lavi) ist indes die Einzige, die die Entscheidung Chandlers, die Jugendlichen als Lockvögel zu nutzen, anzweifelt. Am Ende erfahren wir, warum das so ist. Gegenüber ihrem Bewunderer Burk (Jocko Sims) öffnet sie sich zum ersten Mal ein bisschen. Demnach hat sie vor Ausbruch der Epidemie in Palästina gedient und dabei furchtbare Dinge gesehen. Mit dem Aufkommen des Virus habe sie darauf gehofft, dass sich die Menschheit in nie gesehener Einigkeit der neuen Bedrohung entgegenstellt.
Wie auch wir wissen, ist das nicht eingetreten: „Nothing's changed. It's all the same.“ Die gute Ravit hat wohl noch nie eine Episode von The Walking Dead gesehen.
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 10. August 2015The Last Ship 2x09 Trailer
(The Last Ship 2x09)
Schauspieler in der Episode The Last Ship 2x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?