The L Word - Generation Q: Let's Do It Again - Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus der Folge Let's Do It Again der Serie The L Word: Generation Q (c) Showtime
Zusammen mit „Queer as Folk“ war The L Word von 2004 bis 2009 eine der ersten großen Dramaserien mit einer großen Zahl von LBGTQ-Figuren im Mittelpunkt. Weil Revivals und Fortsetzungen aktuell ein großes Thema sind, lag es es eigentlich auf der Hand, diese Serie wiederzubeleben und zu schauen, wo die beliebten Figuren wie Bette (Jennifer Beals), Alice (Leisha Hailey) und Shane (Katherine Moennig) rund zehn Jahre nach dem Serienende stehen. Außerdem kann man sich so in The L Word: Generation Q auch einer neuen Generation von frischen queeren Figuren widmen und so eine Marktlücke schließen, die in letzter Zeit zwar immer wieder vereinzelt bedient wurde, aber dies selten so fokussiert, wie es The L Word vermochte.
Worum geht es im Auftakt?
Bette bewirbt sich in der Auftaktfolge Let's Do it Again um das Amt der Bürgermeisterin von Los Angeles und wird dabei durch einen persönlichen Grund motiviert, den die Auftaktfolge noch nicht nennt. Immer wieder wird jedoch deutlich, dass sie einen Feldzug gegen Drogen beziehungsweise abhängigmachende Medikamente führt. Da spielt auch die neue Figur Dani Nunez (Arienne Mandi) hinein, die Teil des Familienunternehmens Nunez Incorporated ist und im Auftrag ihres Vaters Bette auf ihre Seite ziehen soll, was jedoch nicht gelingt. Kurze Zeit später ist das Unternehmen in den Medien, weil der Sohn eines Mitarbeiters an einer Überdosis Heroin stirbt und Dani schult den Mitarbeiter entsprechend für seinen Auftritt vor den Kameras, um die eigene Firma nicht in einem schlechten Licht darzustellen...
Bette lebt mit Tochter Angie (Jordan Hull) zusammen, die die Schule schwänzt und mit einer Freundin Pot raucht. Später wird Bette selbst in einen Skandal verwickelt, als sie bei einem öffentlichen Forum von einem Mann auf ihre Affäre mit seiner Frau angesprochen wird, was fast ihre Kampagne und auch die Beziehung zur Tochter zerstört.

Shane kehrt derweil nach Los Angeles zurück und scheint vor ihrer eigenen Vergangenheit und ihrer Frau auf der Flucht zu sein. Sie mietet sich in ein großes Haus ein und bietet auch Sarah (Jacqueline Toboni), die für die Show von Alice arbeitet, ein Zimmer an, nachdem sie ihr ein geschenktes Bett zusammenbaut und von ihrer 4er-WG in Koreatown berichtet. Dort wohnt sie mit Dani, ihrer Partnerin Sophie (Rosanny Zayas) sowie Micah (Leo Sheng) zusammen. Micah interessiert sich für den kürzlich neu eingezogenen Property Manager Jose (Freddy Miyares) und fragt ihn, nachdem er versehentlich eines seiner Fenster mit seinem Sessel zerstört hat, nach einem Date, welches er auch bekommt.
Sophie arbeitet ebenfalls in der Show von Alice und zwischen ihr und Dani läuft es ziemlich gut. Dani will ihr sogar einen Antrag machen, hat ihren Vater aber noch nicht gefragt. Zwischenzeitlich wird sie zwar wegen ihrer guten Arbeit befördert, doch ihre Beziehung zu Sophie nimmt er nicht so ernst, wie sie es offenbar gerne hätte. Trotz allem entschließt sie sich dazu, den Antrag durchzuziehen und, obwohl es kurz so aussieht, als könnte Sophie Nein sagen, nimmt sie ihn an.
Bette will derweil einer Einladung von ihrer langjährigen besten Freundin Alice in ihre Sendung folgen, um deutlich zu machen, dass die Affärenvorwürfe sie nicht dazu bringen werden, die politische Kampagne auf Eis zu legen, denn das ist etwas, was Frauen in ihrer Position viel zu oft geschieht. Vielmehr möchte sie sich für die Interessen aller Frauen, die wie sie sind, einsetzen und bleibt daher weiter im Rennen.
Der Auftritt motiviert wiederum Dani dazu, erneut bei Bette vorstellig zu werden und sie nach einem Job zu fragen, denn sie ist der Überzeugung, dass sie ihr zum Sieg verhelfen kann. Bette ist zwar von ihrer beruflichen Vergangenheit wenig begeistert, hat aber gesehen, wie gut sie beim Lösen von PR-Problemen sein kann.
I am part of you
The L Word: Generation Q erhöht schon allein im Auftakt die Repräsentation von LGBQT-Figuren im US-Fernsehen enorm und präsentiert eine Reihe von alten und neuen Figuren mit spannenden Lebenskonzepten und Alltagsproblemen. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich das Original leider nur teilweise und eben nicht komplett gesehen habe. Aufgrund damaliger Sendeplatz- und Senderwechsel in Deutschland hatte ich das Format irgendwann aus den Augen verloren. Dennoch finde ich es schön, die Figuren wieder zu sehen, die inzwischen teilweise Familien und Kinder haben, aber gleichzeitig auch eine ganze Reihe von neuen Gesichtern präsentiert zu bekommen, die jung genug sind, um frische und moderne Geschichten rund um ihr Berufs- und Privatleben zu spinnen.

Im Auftakt kommt mir der Mikrokosmos der Figur aber etwas klein vor. Es scheint, dass alle einander über die eine oder andere Ecke kennen oder sich zwanghaft über den Weg laufen müssen. Vielleicht ist es für die Serienmacher aber so auch simpler, ihre Geschichte zu strukturieren.
Versucht man, sich die neue Serie ohne Vorkenntnisse anzuschauen, könnte das an der einen oder anderen Stelle etwas herausfordernd sein, weil es eben Beziehungen, Freundschaften oder Konstellationen in der Originalserie gab, die gewisse Dinge nach sich gezogen haben. Ein Beispiel ist Bettes Motivation, in die Politik zu gehen, die völlig neuen Zuschauern verborgen bleibt. Auch Shanes Vergangenheit als weiblicher Casanova wird zunächst nur angedeutet, aber ihr Ruf eilt ihr voraus. In den weiteren Episoden dürfen sich die Macher aber nicht zu sehr darauf verlassen, dass sich alle an das Original erinnern, sondern müssen mehr noch auf eigenen Beinen stehen.
Hier und da gibt es ein paar nette Meta-Gags, wie etwa Alice (oder doch „Ellen“?), die meint, dass die Pause ihrer Show sich wie ein ganzes Jahrzehnt anfühlt, was natürlich auf die echte Unterbrechung der The L Word-Handlung anspielt.
Ein weiteres erklärtes Ziel der Serienmacher rund um Showrunner Marja-Lewis Ryan ist es, die Veränderungen der Community und des Lebens in Los Angeles seit dem Serienende aufzuzeigen. Man kann gespannt sein, was da auf die Zuschauer zukommt. Das Original hatte etwa in den Augen einiger Zuschauer eine unbefriedigende Trans-Repräsentation vorzuweisen. Das hat sich, laut eines Profils der Los Angeles Times geändert. Diesmal sind von Anfang an zwei Trans-Schauspieler Teil des Casts, nämlich Brian Michael Smith, der Kampagnenmanager von Bette, sowie Micah (Leo Sheng). Außerdem arbeiten ebenso inzwischen auch einige Transmenschen hinter den Kulissen sowie im Writers' Room.
Fazit

Der erste Eindruck von The L Word: Generation Q: Es scheint mir zunächst mal etwas zahmer daherzukommen, als es noch beim Original der Fall war. Natürlich starten wir mit einer recht expliziten Sexszene, aber die Figuren wirken insgesamt reifer und erwachsener als beispielsweise eine Jenny aus dem Original. Auch das Alter der bekannten Figuren ist vielleicht nicht mehr jenes, bei welchem man regelmäßig in Nachtclubs absteigt. Und auch bei den neuen Figuren gibt es ein Paar in einer festen Beziehung sowie zwei Singles, die aber zunächst erst wenig aktiv geworden sind. Aber was nicht ist, kann ja noch werden und vielleicht wollte man in der ersten Episode noch nicht ganz in die Vollen gehen.
Erzählerisch mag ich den Ton und das Tempo der Debütfolge ganz gerne. Man nimmt sich Zeit für die Charaktere und ihre Lebenswelten, wobei, wie bereits geschrieben, die Neulinge noch etwas mehr Profil benötigen. Acht Episoden Zeit hat man dazu vorerst. Ich bin mir aber recht sicher, dass es nicht nur bei diesen acht Folgen bleiben wird. Zum einen hat der Pay-TV-Sender Showtime die Tendenz dazu, auch quotenschwächere Formate zu verlängern, wobei es hier eine etablierte Fanbase geben sollte und „The L Word“ in der TV-Landschaft immer noch eine der großen Marken ist, die man sicherlich wieder langfristig im Portfolio haben möchte.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie: