The Handmaid's Tale 2x11

© une (Elisabeth Moss) greift in „The Handmaid's Tale“ zur Waffe. (c) Hulu
Außer im Voice-over und den Rückblenden spricht Elisabeth Moss als June in der The Handmaid's Tale-Episode Holly kein Wort. Dass dabei trotzdem eine solch packende Fernsehstunde herauskommt, ist alleine der schauspielerischen Brillanz der Hauptdarstellerin zu verdanken. Wenige ihrer Kolleginnen dürften mit einer solch monumentalen Aufgabe besser zurechtkommen. Das gleiche Urteil gilt für Regie, Drehbuch und musikalische Untermalung: Hier sind wahre Könner am Werk. So macht die Serie trotz ihres tiefschwarzen Sujets unheimlich viel Spaß.
Genial
Regisseurin Daina Reed und die Drehbuchautoren Bruce Miller und Kira Snyder entwickeln die Episode als Kammerspiel, das teilweise in Junes Kopf stattfindet. Dort schwirren viele verschiedene Gedanken durcheinander, die sich vornehmlich um die Frage drehen, was sie aus ihrer misslichen - oder doch irgendwie glücklichen? - Situation machen soll. Einerseits könnte sie ja froh darüber sein, nun eine weitere Fluchtmöglichkeit erhalten zu haben. Andererseits sind die Fluchtmittel arg begrenzt. Deswegen ringt June auch ständig mit sich selbst: Soll sie nun abhauen oder doch lieber Hilfe organisieren?
Das wird am besten deutlich durch das ständige Ein- und wieder Aussteigen ins potentielle Fluchtauto. Erst will June so schnell wie möglich das Weite suchen, aber dann fällt ihr ein, dass sie ja noch Proviant für die bevorstehende Reise packen könnte. Wo diese Reise genau hingehen soll, erfahren wir nicht. Die Menge ihrer eingepackten Sachen suggeriert zumindest, dass sie sich nicht sofort wieder in die Hände der Waterfords begeben möchte. Darüber bekommen wir kurze Zeit später denn auch Klarheit, als ein aufgeregter Fred (Joseph Fiennes) und eine noch aufgebrachtere Serena (Yvonne Strahovski) nach ihr suchen.
Zwischen dem Paar entspinnt sich ein handfester Streit, bei dem vor allem Serena auf den Tisch legt, was ihr schon lange auf der Seele brennt. Sie hat für Fred alles aufgegeben, weil sie nur einen großen Wunsch hegte: ein Kind zu bekommen. Nun, da ihr dieser Wunsch endgültig verwehrt zu werden scheint, hält sie es nicht mehr für nötig, ihre Fassade aufrechtzuhalten. Auch diese beiden Darsteller liefern in dieser Szene hervorragende Leistungen ab. Gleichzeitig sieht June aus sicherer Distanz die Gelegenheit, ihre Peiniger umzubringen, zögert dann aber zu lange, um Tschechows Gewehr auch abzufeuern.
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Der Waterford'sche Auftritt ist nur ein kurzes Gastspiel der großen Elisabeth-Moss-Show. Über den Verlauf der Episode könnte glatt ein wenig in Vergessenheit geraten, dass June schwanger ist, wären da nicht die Rückblenden in glücklichere Zeiten mit Moira (Samira Wiley) und Luke (O-T Fagbenle) sowie nicht ganz so glückliche Zeiten mit ihrer Mutter Holly (Cherry Jones). Die hätte June beinahe abermals sitzen lassen, und das am wichtigsten Tag ihres Lebens. Weil sie es aber schließlich doch zur Geburt ihres Enkelkindes geschafft hat, wird sie nun damit belohnt, dass ihre zweite Enkeltochter nach ihr benannt wird.
Die doppelte Holly
Es ist ein naheliegender, aber trotzdem kluger dramaturgischer Schachzug, die Geburt Hollys mit den Erinnerungen an die Geburt Hannahs zu verweben. So können die brutalen Unterschiede noch deutlicher herausgearbeitet werden. Als hätte June nicht schon genug Probleme, platzt mitten in dieser Tour de Force auch noch ihre Fruchtblase. In diesem Moment habe ich sogar geglaubt, einen Hauch von überwältigender Verzweiflung in ihrem Gesicht gesehen zu haben. Wird sie sich nun dem Wolf ausliefern, der sie aus einem Sicherheitsabstand grimmig beobachtet? Natürlich nicht, dann wäre ja die Serie vorbei...
Es ist alleine dem Moss'schen Schauspielgenie zu verdanken, dass man es ihrer Figur trotzdem abkauft, in dieser Situation an den allerletzten Ausweg zu denken, wenn auch nur kurz. Am Ende beschließt sie, doch Hilfe zu holen (das Tschechow'sche Gewehr kommt zum Einsatz), was ich nicht ganz verstanden habe. Das Baby bekommt sie nämlich alleine, könnte sie sich nicht also erst mal von den im Haus befindlichen Vorräten ernähren und später einen weiteren Versuch machen, das Garagentor zu öffnen? So allerdings wird der kurze Moment des Geburtsglücks sofort wieder eingetrübt, als nämlich ebenjene Hilfe ankommt, was für June natürlich nichts Gutes bedeutet...
Die dazugehörige Szene inszeniert Reed schlichtweg genial. Sie zeigt uns nur das vom Feuer erleuchtete Zimmer, in dem June mit Holly auf dem Boden liegt, und das dann von Scheinwerfern weiter erhellt wird. Türen gehen auf und schlagen wieder zu, dann setzt Reed den Schnitt zum Abspann. Darin singen Bruce Springsteen und sein Publikum den Song „Everybody's Got a Hungry Heart“, den June zuvor noch im amerikanischen Radio gehört hatte - ein kleiner Luxus, der ihr in Gilead längst nicht mehr vergönnt ist. Ähnliches kann man auch über The Handmaid's Tale sagen: eine Dramaserie von der allerfeinsten Sorte, die im Fernsehen derzeit ihresgleichen sucht.
Trailer zu Episode 2x12 der US-Serie „The Handmaid's Tale“, „Postpartum“:
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Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 28. Juni 2018(The Handmaid's Tale 2x11)
Schauspieler in der Episode The Handmaid's Tale 2x11
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