The Handmaid's Tale 2x10

© une (Elisabeth Moss, M.) vermeldet Braxton-Hicks-Kontraktionen. (c) Hulu
Das faschistische Trump-Regime lässt seine Schergen an seinen Grenzen derzeit Kinder gewaltsam von ihren Eltern trennen. Das ist reiner Horror. Das ist unmenschliche Folter. Das sind Methoden, wie sie nur in den größten Unrechtsstaaten wie zur Zeit des Nazi-Regimes praktiziert wurden - und in Gilead, der fiktionalen Horrorwelt von The Handmaid's Tale. Weil die darin porträtierten Schauergeschichten momentan auch in Echtzeit passieren, sind solche Episoden wie The Last Ceremony noch schwieriger auszuhalten als sowieso schon.
Wo ist die Grenze?
Kann man sich von so etwas noch unterhalten lassen? Sind solche Episoden gerade jetzt besonders wichtig, weil sie uns noch sensibler machen für die schrecklichen Geschehnisse in unserer Welt? Oder hätte angesichts aktueller Ereignisse auf die Ausstrahlung der Episode verzichtet werden sollen, um auf die realen Opfer Rücksicht zu nehmen? Ich kann das nicht abschließend beantworten, aber es hat seit längerer Zeit bereits den Anschein, als wäre Fernsehen einfach nicht mehr wichtig genug, um darüber öffentliche Debatten zu führen. Mein Twitter-Feed stimmt dem zu.
Wo einstmals TV- und Filmkritiker leidenschaftlich für ihre Deutung eines Werks kämpften, sind nun alle vereint gegen die bösen Umtriebe des wahnsinnigen Autokraten. Auf Twitter ist - zurecht - fast nur noch davon zu lesen, wo welcher Protest geplant ist. Mitten hinein platzt dann eine Episode wie diese, die seit Monaten fertiggestellt ist, es aber trotzdem schafft, so aktuell zu sein wie keine andere. In ihr reihen Drehbuchautorin Yahlin Chang und Regisseur Jeremy Podeswa einen Magenschlag an den nächsten. Der Serie gelingt ein wahres Kunststück - sie wird um einige weitere Grade düsterer.
Um auf die völlige moralische Verkommenheit von Gilead aufmerksam zu machen, ist es stets ein probates Mittel, den Horrorakt der Fortpflanzung zu illustrieren. Zu Beginn muss Emily (Alexis Bledel) dieses unmenschliche Manöver über sich ergehen lassen, wobei sie wenigstens die kleine Genugtuung erfährt, dass ihr Vergewaltiger danach einen Herzinfarkt erleidet und leblos zusammenklappt. Ihr gibt das die seltene Gelegenheit, sein Geschlechtsteil mit ihrem Fuß zu malträtieren. Außer einem kleinen Hauch von Lebenswillen hat Emily verständlicherweise sämtliche Zurückhaltung verloren.
Ähnlich geht es auch June (Elisabeth Moss), die am Ende der letzten Episode beschlossen hatte, darum zu kämpfen, ihren Nachwuchs bei sich zu behalten. Sie bekommt verfrüht die Wehen, was zu einem voreilig eingeläuteten Geburtsritual führt. Auch dieser Vorgang ist von furchteinflößendem Wahnsinn. Während June im Waterford'schen Ehebett von Aunt Lydia (Ann Dowd) und einer kleinen Handmaid-Armee auf die Geburt vorbereitet wird, kümmern sich die Wives im Stockwerk darunter in gleicher Weise um Serena (Yvonne Strahovski).
Leere Gesten
Man kann dabei nur zuschauen und ungläubig mit dem Kopf schütteln. Als Lydia den Fehlalarm vermeldet, fühlt sich Serena allerdings erneut düpiert, wenngleich das eine ziemlich irrationale Reaktion ist. Junes maximal süffisantes Verhalten trägt jedoch dazu bei. Also fordert Serena von Lydia, die Wehen chemikalisch einzuleiten, wovon die dringlichst abrät. Die Reaktion darauf lässt nicht lange auf sich warten und ist in ihrer Brutalität einmal mehr atemberaubend. Waterford (Joseph Fiennes) und Serena vergewaltigen June, um das Baby „auf natürliche Weise“ zum Rauskommen zu bewegen.
Wer geglaubt hat, hiermit sei das Maximum an Grausamkeit erreicht, der hat sich schwer geirrt. June hat zuvor den Commander darum gebeten, als Nächstes in den Bezirk ihrer Tochter Hannah (Jordana Blake) verlegt zu werden. Er beantwortet das nicht nur mit der Vergewaltigung, sondern auch mit einem Besuch für June bei Hannah. Ab hier beginnt die Episode, unerträglich zu werden. Zunächst scheint Hannah nicht zu erkennen, wer da vor ihr steht. Sie hat ein bisschen Angst vor dieser Frau, die sie mit so viel Zuneigung und Körperlichkeit überschüttet. Aber dann nennt sie ihre Mutter doch „Mama“ und wird traurig, als sie deren großen Schmerz spürt.
Es ist ein Episodenfinale, das in gleich mehreren Szenen so berührt und aufwühlt wie bislang keines in knapp zwei Staffeln von The Handmaid's Tale. Moss liefert hier abermals eine überragende schauspielerische Leistung ab. Wenngleich es ihr vermutlich nie zugestoßen ist, gelingt es ihr, den Schmerz einer Mutter bei der gewaltsamen Trennung von ihrem Kind glaubhaft darzustellen. Man muss sich dabei gar nicht mehr aktiv vorstellen, dass genau das tagtäglich an der amerikanischen Grenze wirklich passiert - es fällt einem sofort ein. So etwas Unmenschliches und Barbarisches sprengt nahezu die Vorstellungskraft, und geschieht doch. Es ist zum Verzweifeln.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 21. Juni 2018The Handmaid's Tale 2x10 Trailer
(The Handmaid's Tale 2x10)
Schauspieler in der Episode The Handmaid's Tale 2x10
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