The Handmaid's Tale 2x09

© enigstens über Tageslicht kann sich June (Elisabeth Moss) freuen. (c) Hulu
Bisher hat sich die Hulu-Dramaserie The Handmaid's Tale kaum der Frage gewidmet, wie sich die internationalen Beziehungen seit der Errichtung Gileads verändert haben. Die von Dorothy Fortenberry geschriebene und Jeremy Podeswa inszenierte Episode Smart Power will das nun berichtigen, kann dabei aber leider nicht voll reüssieren. Statt offene Fragen zu beantworten, wirft die diplomatische Reise von Commander Waterford (Joseph Fiennes) und seiner Ehefrau Serena (Yvonne Strahovski) nach Kanada nur neue auf.
Vaterlandsverrat und Kokosnüsse
Eine der davon drängendsten: Wie groß ist Gilead überhaupt? Als Serena das unverhohlene Fluchtangebot eines Diplomaten bekommt, um ihre Geschichte der Weltöffentlichkeit preiszugeben, erfahren wir, dass sich Amerika in mehrere Republiken beziehungsweise Staaten aufgeteilt hat. Das wiederum führt zur Frage, wie groß die militärische Macht Gileads überhaupt sein kann. Selbst, wenn die dortige Führung einen Großteil ihrer Ressourcen in den Ausbau des Militärs steckt, dürften andere Mächte über ein dickeres Arsenal verfügen. Und falls dem so ist: Hätte die Weltgemeinschaft dann nicht längst einschreiten müssen?
Hätte es nicht zumindest Sanktionen gegen Gilead geben müssen, die es dem Regime versagen, seine militärische Macht weiter auszubauen? Weil eine Serie wie diese keine Ressourcen hat, um solch weitreichende Fragen dramaturgisch zu beantworten, sie lieber eine intime Geschichte um wenige Figuren erzählt, hat sie es bislang tunlichst vermieden, solche Fragen überhaupt aufzuwerfen. Nun gibt sie Zuschauern und Kritikern mit dieser Episode aber eine Steilvorlage - und das Bild, das sich daraus ergibt, ist nicht besonders schmeichelhaft für die Serienmacher. Vielleicht war dieses Problem, besonders bei längerer Laufzeit, generell unumgänglich.
Es ist wahrlich eine Zumutung für all die in Kanada lebenden Geflüchteten wie Luke (O-T Fagbenle) und Moira (Samira Wiley), einen Staatsterroristen wie Waterford dort begrüßt zu sehen. Sie haben mit ihren Vorwürfen gegen ihn - Kidnapping, Vergewaltigung - völlig Recht. Und das weiß die kanadische Regierung auch. Trotzdem versammelt sich vor dem Hotel, in dem die Waterfords untergebracht sind, nur ein trauriges Häuflein Demonstranten. Dies wiederum ist abermals dem geringen Budget der Serie geschuldet. In Wahrheit würden die Straßen in einem freiheitsliebenden Land wie Kanada vor Demonstranten überlaufen.

Ähnliche Glaubwürdigkeitsprobleme treten in den beiden in Kanada spielenden Nebenhandlungsbögen auf. Serena bekommt ein sehr moralisches Angebot und wird von all ihren Begleiterinnen und Bekanntschaften - völlig zu Recht - mit maximaler Herablassung behandelt. Der ziemlich witzige Höhepunkt ist ihr Tagesplan, der ihr in Bildern ausgehändigt wird, weil man offensichtlich glaubt, die Gilead'schen Frauen hätten das Lesen verlernt. Das ist ziemlich albern - oder einfach nur fies. Jedenfalls ist es mir nicht schwergefallen, absolut null Mitleid für Serena zu empfinden, wenngleich Strahovski diese Szenen wunderbar spielt.
Das Unmögliche wollen
Der in seiner Zwangsehe mit Eden (Sydney Sweeney) wahnsinnig unglückliche Nick (Max Minghella) - bei dem es mir ebenfalls schwerfällt, Mitleid zu empfinden -, sucht derweil Luke auf, um ihm mitzuteilen, dass es seiner Ehefrau June (Elisabeth Moss) den Umständen entsprechend gutgehe, sie aber schwanger sei. Außerdem überreicht er ihm das Briefebündel der Jezebels, die Luke klugerweise sofort ins Internet hochlädt. Das wiederum führt zum Abbruch der Verhandlungen mit Gilead, weil die kanadische Führung etwas tut, von dem sich alle Regierungen weltweit eine Scheibe abschneiden könnten: Sie glaubt den Frauen.
Hier geht einmal mehr alles ganz schnell, in typischer Manier der zweiten „Handmaid's“-Staffel. Allerdings werden auch hier wieder viele Fragen aufgeworfen: Warum setzt Luke nicht alles daran, eine Kommunikationsmöglichkeit zu June aufzubauen? Nick wäre offensichtlich dazu bereit, sonst hätte er Luke ja nicht aufgesucht. Hat Nick gar keinen Zugang zu einem Telefon oder einem Handy? Daraus hätte man sicherlich einen spannenden Handlungsbogen machen können. Stattdessen reisen die Waterfords ohne Ergebnis nach Hause, begleitet abermals von einer sehr überschaubaren Demonstration. Moira freut sich dann darüber, dass das Gilead'sche Flugzeug endlich den kanadischen Luftraum verlassen hat. Toll.
Der zufriedenstellendste Erzählstrang dieser Episode ereignet sich in Gilead. Dort erfährt June zu Beginn der Episode von Serena, dass sie sofort nach der Geburt ihres Kindes das Haus verlassen soll. Dies will sie nicht wahrhaben, weshalb sie damit beginnt, ungewöhnliche Allianzen zu schmieden. Mit Rita (Amanda Brugel) läuft ja bereits ein stiller Pakt, überraschender ist da schon ihr Versuch, in gleicher Weise an Lydia (Ann Dowd) heranzutreten - und das sogar mit Erfolg. Sie ringt ihr zumindest das Versprechen ab, dem Baby niemals etwas Böses zustoßen zu lassen. Das sind jedoch ziemlich luftige Worte, besonders hinsichtlich der Tatsache, dass das Baby den Waterfords die meiste Zeit schutzlos ausgeliefert sein wird.
Ob es jemals so weit kommt, darf angezweifelt werden. Am Ende hat June ihren Kampfgeist wiedergefunden, nachdem sie von Nick erfahren hat, dass Moira die Flucht nach Kanada gelungen ist. Für den Fortlauf der Serie kann das nur Gutes bedeuten.
Trailer zu Episode 2x10, ,The Last Ceremony':
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 14. Juni 2018The Handmaid's Tale 2x09 Trailer
(The Handmaid's Tale 2x09)
Schauspieler in der Episode The Handmaid's Tale 2x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?