The Handmaid's Tale 2x08

© lisabeth Moss (l.) und Madeline Brewer in „The Handmaid's Tale“ (c) Hulu
Wie so oft in The Handmaid's Tale, sind selbst die kleinsten Errungenschaften unserer Protagonistinnen nur von kurzer Dauer. Dementsprechend konditioniert, müssten wir als Zuschauer also sofort misstrauisch werden, wenn eine Episode mit dem legendären Chill-Klassiker „Easy“ von The Commodores eröffnet wird. Trotzdem habe ich am Anfang von Women's Work den zarten Hoffnungsschimmer verspürt, zwischen June (Elisabeth Moss) und Serena (Yvonne Strahovski) könnte eine Art weibliches Bündnis entstehen. Weit gefehlt.
Eine von ihnen
In einem schönen Meta-Kommentar fasst June per Voice-over ihre und Serenas missliche Lage zusammen: „Men are afraid that women laugh at them. Women are afraid that men kill them.“ Das Zitat stammt von Romanautorin Margaret Atwood höchstpersönlich und schildert das radikale Machtgefälle zwischen Männern und Frauen, das in Gilead zum Handlungsprinzip erhoben wurde. Diese Episode illustriert das in Bezug auf die Tätigkeit, die neben anderen von höchstem feministischem Interesse ist: das Arbeiten. Wenn Männer Frauen unterdrücken wollen, verbieten sie ihnen anspruchsvolle Tätigkeiten.
Serena und June finden diesbezüglich ein Schlupfloch während der wochenlangen Abwesenheit von Commander Waterford (Joseph Fiennes). Ihre Freude darüber können sie kaum zurückhalten, was sich in einer beinahe freundschaftlichen Beziehung niederschlägt und mich zur - rückblickend wahnwitzigen - Annahme verleitet hat, uns könnte eine weniger düstere Episode als üblich bevorstehen. Aber natürlich darf es in Gilead nicht sein, dass sich Frauen mittels guter Arbeit profilieren - das würde ja die theokratisch errichtete männliche Vorherrschaft in Zweifel ziehen.
Ganz aufgeben und die vergangenen Wochen als nichtig betrachten will Serena allerdings nicht. In ihr ist offensichtlich ein Kampfgeist erwacht, den man zuvor nicht erkennen konnte. Vor einigen Episoden echauffierte ich mich noch darüber, wie unausstehlich Serena sei. Während es anderen Serien schwerfällt, solche Figuren aus der Monsterecke zu holen, gelingt es hier sogar ein bisschen. Zwar habe ich längst nicht vergessen, dass Serena maßgeblich an der Errichtung dieses Terrorregimes beteiligt war, aber ganz unrettbar ist ihr Charakter meiner Meinung nach noch nicht.

Am Ende der Episode ist jedoch - wie soll es anders sein? - beinahe alles so, wie es schon immer war: furchtbar schlimm. Den Weg dorthin konstruieren die Drehbuchautoren Nina Fiore und John Herrera geschickt entlang zwei narrativer, miteinander verwobener Pfade. Der bisher unerwähnte stellt die zu Beginn der Episode noch ziemlich fröhliche, gar zu Späßen („May the force be with you“) aufgelegte Janine (Madeline Brewer) in den Mittelpunkt, die dank der von Serena eingeweihten June erfährt, dass ihre Tochter Charlotte offenbar unheilbar erkrankt ist.
Göttlicher Affront
Sie erbittet ihre Freundin daraufhin flehentlich darum, ihr Kind noch einmal sehen zu dürfen. Das Ersuchen via Serena ist erfolgreich, aber das reicht der Wife noch nicht. Zum ersten Mal bittet sie June um einen Rat, da sie erwägt, eine Kinderärztin kurzzeitig aus ihrem Dienst als Martha zu lösen, damit die sich um die junge Patientin kümmern kann. Von Waterford kommt diesbezüglich nur die lapidare Ablehung, dass man damit gegen den Willen Gottes verstoße. Aber Serena lässt sich davon nicht abhalten. Kurzerhand fälscht sie die nötigen Papiere und ermöglicht der Ärztin eine kurzfristige Rückkehr in ihren eigentlichen Beruf.
Die Strafe dafür lässt nicht lange auf sich warten. Als Waterford erfährt, dass er hintergangen wurde, erniedrigt er seine eigene Ehefrau, indem er sie vor deren Mitverschwörerin June wie ein Schulkind im 19. Jahrhundert bestraft - mit Gürtelschlägen auf den Hintern. Seine Aktion zeitigt den gewünschten Effekt, weil sich Serena hier als zu schwach erweist, um die richtigen Lehren aus der Bestrafung zu ziehen. Statt sich weiter mit June zu solidarisieren, lehnt sie deren emotionale Hilfe ab, obwohl dies genau das ist, was sie zu diesem Zeitpunkt am dringendsten benötigt. Es tut beinahe körperlich weh, dabei zuzusehen. Gespielt ist die Szene grandios.
Sie wäre ein passender Abschluss für eine weitere niederschmetterende Episode aus der daran reichen zweiten Staffel von The Handmaid's Tale gewesen. Stattdessen bekommen wir eine halbwegs versöhnliche Szene, die illustriert, wie stark die Bindungskraft zwischen Mutter und Tochter ist. Obwohl die gegen alle Widerstände konsultierte Ärztin kein Heilmittel weiß, geht es Charlotte nach einer Nacht in den Armen ihrer Mutter wieder blendend. Die singt ihr morgens, völlig versunken im wiedergefundenen Babyglück, das Lied „I Only Want to Be With You“ von Dusty Springfield vor. Lange wird Janine dieses Glück wohl leider nicht beschieden sein.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 7. Juni 2018The Handmaid's Tale 2x08 Trailer
(The Handmaid's Tale 2x08)
Schauspieler in der Episode The Handmaid's Tale 2x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?