The Handmaid's Tale 2x07

© mily (Alexis Bledel, l.) und June (Elisabeth Moss) treffen sich wieder. (c) Hulu
Zur Hälfte der ersten Staffel von The Handmaid's Tale präsentieren uns Drehbuchautorin Lynn Renee Maxcy und Regisseurin Kari Skogland mit After eine Episode, die eine Richtungsänderung bedeuten könnte. In ihr geschehen einige Dinge, die aus dieser so tiefschwarzen Serie eine dunkelgraue machen könnten. Sicher ist das natürlich nicht. Sämtliche Errungenschaften, die sich June (Elisabeth Moss) und Konsorten erkämpfen, stehen auf tönernen Füßen. Sie müssen dauernd verteidigt werden.
Zarter Hoffnungsschimmer
Die Episode beginnt mit einem der schönsten Bilder der gesamten Serie. Die Handmaids haben für die 31 ihrer Genossinnen, die beim Anschlag aus der letzten Episode starben, die Tracht gewechselt und begehen deren Trauerfeier. Fast ganz in Schwarz gehüllt, versammeln sie sich auf Geheiß von Aunt Lydia (Ann Dowd) auf dem Friedhof, wo die Särge der Verstorbenen kreisförmig aufgestellt sind. Diese Zeremonie ist schlussendlich jedoch so hohl wie Lydias kaum zu ertragende Heuchelei: Statt ihrer echten Namen werden nur ihre neuen genannt, die sie als Besitz ihrer Commander ausweisen.
Junes Besitzer Fred Waterford (Joseph Fiennes) hat schwerverletzt überlebt, weshalb er nicht den Platz des ermordeten Gilead-Führers einnehmen kann. Also springt der durchtriebene Commander Cushing (Greg Bryk) ein, der sich sogleich daran macht, Terror über Gilead niederregnen zu lassen. Zum Beispiel werden sämtliche Commander, Marthas und sonstige Hausangestellte von Verdächtigen auf der Stelle und ohne Gerichtsverhandlung exekutiert. Auch June gerät in Cushings Fadenkreuz, da er die - tatsächlich erfundene - Geschichte von ihrer Entführung nicht glaubt.
Sie könnte somit die ihr verhassten Waterford und Serena (Yvonne Strahovski) an ihn ausliefern, aber das würde auch sie das Leben kosten. Außerdem hat sie sich dort - den Umständen entsprechend - ein relativ angenehmes Umfeld geschaffen. Viel zielführender ist es also, Cushing selbst aus dem Weg zu räumen. Das gelingt, indem sie Serena davor warnt, was er sie hat wissen lassen. Serena lässt sich daraufhin nicht lange bitten und instruiert Nick (Max Minghella), den Widersacher ihres Ehemanns anzuschwärzen. Das gelingt für meinen Geschmack zu einfach.

Welche Beweise sind es denn bitte, die Nick gegen Cushing vorgebracht hat? Dies könnte in der nächsten Episode aufgeklärt werden, sollte dem allerdings nicht so sein, hätte es sich das Autorenteam hier ein bisschen zu leicht gemacht. Mit ähnlicher Laissez-faire-Attitüde erklärt es die Rückkehr von Emily (Alexis Bledel) und Janine (Madeline Brewer) aus der Kolonie: Weil es nach dem Anschlag zu wenige Handmaids gebe, hätten sie eine weitere Chance bekommen. Aha. Das mit dem Arbeiten bis zum elenden Strahlungstod gilt wohl nicht für alle.
Beliebige Regeln
Es ist die unelegante Lösung für ein vertracktes Problem: Wie sonst hätte man Emily aus der Kolonie holen sollen? Dort werden Frauen zum Sterben hingeschickt, also wäre nur die Flucht geblieben. Das wäre wohl spannender gewesen, aber nach erfolgreicher Flucht auch ganz schnell langweilig - siehe Moira (Samira Wiley) und Luke (O-T Fagbenle). Deren Geschichte hatte in dieser Staffel bislang noch gar keine Würze, und auch die Rückblende in dieser Episode liefert nicht den dringend benötigten Adrenalinkick. Sie gibt uns weitere Informationen zur Vorgeschichte, wirft aber auch einige logische Fragen auf.
Wieso haben wir noch nicht mehr von Moiras Ärztefreundin Odette gesehen, wenn sie einen so wichtigen Teil in deren Leben gespielt hat? Seit wann machen Gynäkologinnen Schwangerschaftstraining? Ist man als Leihmutter dabei, wenn das Kind übergeben wird? All diese Fragen erhärten den Eindruck, dass sich im Writers' Room Panik breitgemacht hat angesichts der Ereignislosigkeit in dem in Kanada spielenden Handlungsbogen. Also hat man dort schnell eine Vorgeschichte konstruiert, die irgendwie zum aktuellen Geschehen in Gilead passt.
Große Emotionen hat das bei mir nicht geweckt, im Gegensatz zu den beiden Schlussszenen. In der ersten nimmt sich June zu Herzen, sich ihren Handmaid-Kolleginnen fortan mit ihrem echten Namen vorzustellen, weil sie nicht wusste, wie die Attentäterin Ofglen wirklich hieß. Ihre Leidensgenossinnen finden daran sofort Gefallen, was eine wachsende Verschwesterung zumindest andeuten könnte. Außerdem wird June von Serena gebeten, ihre Fähigkeiten als Redakteurin einzusetzen, was einer ziemlich substantiellen Verschwörung gleichkommt, da Frauen in Gilead bekanntlich nicht lesen und schreiben dürfen.
Noch sollten wir aber nicht in Jubelstürme ausbrechen. Männer haben schon immer einen Weg gefunden, mit doppelter Härte zurückzuschlagen.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 31. Mai 2018The Handmaid's Tale 2x07 Trailer
(The Handmaid's Tale 2x07)
Schauspieler in der Episode The Handmaid's Tale 2x07
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